Griechenland : Wenn die Pleite kommt

Griechenland rutscht immer tiefer in die Schuldenkrise, in Berlin diskutiert man über eine geordnete Insolvenz. Doch was passiert, wenn das Land wirklich pleitegeht?
Polizisten nehmen in Thessaloniki einen Demonstranten fest © Aris Messinis/AFP/Getty Images

Die Lage in Griechenland ist bedrohlich. Die Schuldenlast ist erdrückend, die Wirtschaft kommt nicht in Schwung. Die Maßnahmen der Regierung Papandreou , um aus der Notsituation herauszukommen, sind unzureichend – und das Volk macht seinem Unmut über die einschneidenden Sparpakete immer heftiger Luft. Die Solidarität der anderen Euro-Staaten indes wird arg strapaziert. In Deutschland wird in den Reihen der schwarz-gelben Koalition schon die Möglichkeit einer "geordneten Insolvenz" ins Gespräch gebracht . Wir betrachten die Szenarien, die eintreten könnten, sollte Griechenland trotz aller Rettungspakete den Weg aus der Schuldenkrise nicht schaffen.

Ist eine Insolvenz möglich?

Wäre Griechenland ein Unternehmen, hätte es längst den Insolvenzverwalter anrufen müssen. Eine Insolvenz liegt vor, wenn jemand nicht mehr in der Lage ist, mit Hilfe seines Einkommens seine Schulden vollständig und fristgerecht abzuzahlen. Bei Griechenland ist das im Grunde jetzt schon der Fall. Das Land hat Schulden in Höhe von 166 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Schon allein die Zinsen lasten schwer auf dem Staatshaushalt. Auf dem Kapitalmarkt leiht den Griechen schon lange niemand mehr Geld zu vernünftigen Konditionen. Wenn EU und IWF die nächste Tranche des Hilfsprogramms nicht überweisen , wäre die griechische Regierung zahlungsunfähig.

Ein Unternehmen würde in so einem Fall unter die Aufsicht eines Insolvenzverwalters gestellt. Er bestimmt darüber, wofür der Geschäftsführer noch Geld ausgeben darf, er sorgt dafür, dass die Angestellten ihren Lohn weiterhin bekommen. Vor allem aber verhandelt er mit den Gläubigern, ob sie bereit sind, auf einen Teil ihres Geldes zu verzichten, damit die Firma gerettet werden kann. Das nennt man Schuldenschnitt. Den Geldgebern bleibt meistens nichts anderes übrig als zuzustimmen, denn anderenfalls wird die Firma liquidiert, alle Wertgegenstände werden verkauft und der Erlös wird unter den Gläubigern aufgeteilt.

Für Staaten gibt es bislang kein Insolvenzrecht . Die frühere IWF-Vizechefin Anne Krueger hat das schon 2002 angeregt. Auch Ex-Bundespräsident Horst Köhler plädierte dafür, und Bundeskanzlerin Angela Merkel regte im Juli 2010 an, einen Insolvenzplan für Krisenstaaten zu schaffen. Passiert ist bislang nichts.

Was würde bei einer ungeordnete Insolvenz Griechenlands passieren?

Ginge Griechenland einfach so pleite, wäre das Chaos unermesslich. Wenn der Staat seine Angestellten, die Rentner und die Krankenhäuser weiter finanzieren will, müsste die Regierung sofort sämtliche Zahlungen an ihre Gläubiger aussetzen. Das hieße: Nicht nur die griechischen Banken, die ihrem Staat eine Menge Geld geliehen haben, kämen ins Wanken, auch andere europäische Institute würden empfindlich getroffen."Das Schlimmste an diesem Szenario ist die Unsicherheit", sagt Nicolas Heinen von Deutsche Bank Research. Die Gläubiger hätten zwar ein Anrecht auf Rückzahlung ihres Geldes, die Prozesse könnten aber Jahre dauern. Griechenland selbst wäre für viele weitere Jahre vom Kapitalmarkt abgeschnitten. Niemand würde dem Land mehr trauen. Um die laufenden Ausgaben zu decken, müsste die Regierung aber weiter Schulden machen – oder die Ausgaben noch drastischer reduzieren. Hinzu kommt: Wenn die griechischen Banken pleite gehen, verlieren die griechischen Sparer ihr ganzes Geld. Die Unternehmen kommen nicht mehr an Kredite. Die Wirtschaft bricht zusammen.

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Kommentare

85 Kommentare Seite 1 von 11 Kommentieren

unermessliches Chaos?

Im Artikel:"Ginge Griechenland einfach so pleite, wäre das Chaos unermesslich."
Nur:Meines Wissens nach existiert Argentinien immer noch und das gar nicht mal so schlecht-10 Jahre später.

Zitat:Für Argentinien endete die Krise von 1998 bis 2001 in einer ungeordneten Insolvenz. Zu Beginn belief sich das argentinische Haushaltsdefizit auf drei Prozent des BIPs - das griechische liegt bei 13,6. Argentiniens Staatsverschuldung betrug 50 Prozent des BIPs, die Griechenlands liegt derzeit bei 115 Prozent, Tendenz steigend. Argentinien hatte ein Leistungsbilanzdefizit von zwei Prozent des BIPs, das der Griechen beläuft sich inzwischen auf zehn Prozent. Wenn Argentinien insolvent war, dann ist Griechenland insolvent zum Quadrat oder hoch drei." aus einem lesenswerten Beitrag der Fin.Times
http://www.kopfsalat.wiss...

Prüfstein für die Demokratie

Die zentrale Frage ist allerdings, ob diese Krise friedlich von statten geht, oder es eine massive - auch militärische - Intervention gibt, bei der es darum geht, wirtschaftliche Interessen notfalls mit Gewalt gegen die griechische Bevölkerung durchzusetzen.

Griechenland ist jetzt der Prüfstein, wie viel Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wirklich wert sind. Und in Griechenland wird sich auch zeigen, ob man politischerseits und seitens der Finanzindustrie im Zweifel dann nicht doch lieber auf autoritär herrschende Despoten setzt

Seit wann?

Seit wann ist die EU Demokratisch?

Das ist eine Diktatur. Nicht mehr und nicht weniger.

Auch wenn die EU Diktatur keinen Kopf hat, wie Assad oder Gadhafi, aber es ist eine Diktatur.

Haben sie die etwa gewählt die in Brüssel diktieren, eh Entschuldigung ich meinte regieren natürlich.

http://wissensmanufaktur....

Lernt Leute lernt und zwar schnell.

Griechenland kann schneller Deutschland heissen als einem lieb sein kann.

Sparen heisst im falle der Schuldner, nichts mehr zu importieren. Im Umkehrschluss heisst es nichts mehr zu exportieren für Deutschland.

Haben eigentlich Politik und Wirtschaft

schon einmal darüber nachgedacht, ob man nicht in Griechenland Arbeitsplätze dadurch schaffen könnte, dass man die z.Zt. unter erbärmlichen Bedingungen in China produzierten Waren lieber dort fertigen lässt,

damit die Griechen nicht weiter dazu gezwungen werden müssen, ihr Außenhandelsdefizit mit dem Export von Weintrauben und Oliven zu bekämpfen?

Sie meinen auf alles eine Antwort zu haben

Ein unqualifizierter Arbeiter (davon gibt es hier eine ganze Menge, leider) kostet seinen Arbeitgeber (inkl. aller Sozialabgaben) etwa 750 Euro im Monat. Es geht aber auch noch drunter, sofern er in präkeren (davon gibt es ebenfalls eine Menge) Arbeitsverhältnissen beschäftigt ist. China und Deutschland dominieren den Weltmarkt aus ganz bestimmten Gründen....die anderen hecheln hinterdrein.

Preisfrage ...

Gut und schön - man _könnte_ sicherlich Infrastrukturen in Griechenland aufbauen, Arbeitskräfte anlernen / ausbilden etc. Das ist aber keine Lösung, die politischerseits verordnet werden könnte - und die Unternehmen haben, wie Ihnen ja offenkundig bekannt ist, schon längst anders entschieden. Abgesehen davon: Griechenland ist keine Alternative zu China, weil gerade dort _vor Ort_ ein gigantischer Wachstumsmarkt zu finden ist. Die Industrien dort leben, anders als von Ihnen vielleicht angenommen, beileibe nicht nur vom Export... Von möglicherweise zunächst mal über längere Zeiträume hinweg zu überwindenden Mentalitätsproblemen _sehr vieler_ potenzieller Arbeitnehmer mal ganz abgesehen. Sie können da nicht mit politischem Hau-Ruck rangehen, und deshalb ist Ihr Vorschlag nicht realistisch.

re: Ein unqualifizierter Arbeiter kostet 750 Euro im Monat...

Sie schreiben: "Ein unqualifizierter Arbeiter (davon gibt es hier eine ganze Menge, leider) kostet seinen Arbeitgeber (inkl. aller Sozialabgaben) etwa 750 Euro im Monat"

Wie kommen sie auf diese Zahl? Die unterscheidet sich nämlich erheblich von den Kosten, mit denen ich selber rechne: Unter 1200E läuft da nämlich nicht viel.
Daher vermute ich mal, dass sie lediglich die Lohnkosten in Betracht gezogen haben, ohne die Arbeitsplatzkosten zu berücksichtigen - was natürlich Unfug ist.

Darüber hinaus möchte ich darauf hinweisen, dass die Kosten in z.B. China immer noch drastisch selbst unter dem von ihnen genannten Betrages liegen.

Wieso sie also zu ihrer Schlussfolgerung gelangen, wegen der 750 Euro würden China und Deutschland den Weltmarkt dominieren, ist mir nicht ganz klar.

Der Beitrag von "Benutzerkontoauszug" ist auf jeden Fall eine bessere Antwort als ihre.

Das glaube ich nicht,

fallen doch Transport- und Logistikkosten weg, dazu müssen die Billigklamotten nicht mit Gift getränkt werden, damit sie die Seepassage überleben, ohne zu verschimmeln.

Zudem müssen weder die Bundesbürger noch die anderen europäischen Staaten Milliarden aufwenden, um weiter Rettungsschirme aufzuspannen.

Übrigens, wenn die China-Tshirts tatsächlich ein paar Cent teurer werden sollten, für ein einheitliches Europa und den Erhalt der Währungsunion sollte man die bezahlen ohne herumzujammern.

Warum wäre es nicht möglich,

dass einerseits die Rückzahlung der Staatsschuld durch die EU garantiert wird, allerdings zu nur einem minimalen Zinssatz und sehr gestreckt? Intern müsste Griechenland komplett ohne neue Kredite auskommen, eine weitere Verschuldung wäre strikt verboten, bei Androhung des Entzugs der weiteren Unterstützung.
Da die EU für eine Zeit die komplette griechische Staatsschuld übernähme, könnte auch die Drachme wieder eingeführt werden, quasi als nichtkonvertible Binnenwährung.
Für andere Südstaaten (IPIS) der EU würden nach Inkraftsetzung eines solchen Planes strikte Kapitalverkehrskontrollen einführen, um einen Abfluss von Geldern zu verhindern.
Natürlich wäre diese Lösung sehr teuer und in gewissem Sinne ein Bail-out, allerdings würden endlich die Finanzinvestoren beteiligt, ohne diese aber zu überfordern.