Mehr als 12 Millionen Menschen leiden in Ostafrika unter der größten Trockenheit und Hungersnot seit 60 Jahren. Der Grund für die Dürre ist La Niña. Das ist ein großräumiges klimatisches Phänomen über dem Pazifik, das in unregelmäßigen Abständen für starke Niederschlagsrückgänge auch im Osten Afrikas sorgt. Ob und in welchem Maße La Niña durch den Klimawandel gefördert wird, und ob in Zukunft eine weitere Verstärkung zu erwarten ist, ist noch nicht klar. Dennoch müssen wir insgesamt davon ausgehen, dass die klimatischen Schwankungen künftig deutlich zunehmen werden, und dass die klimatischen Parameter sich auf lange Sicht verändern werden. Das bringt dauerhaft negative Einflüsse auf die Landwirtschaft mit sich.

Klima, Unterentwicklung und Marginalisierung

Die Hungersnot, die wir derzeit beobachten, resultiert aus dem fatalen Zusammenspiel verschiedener Faktoren: Eine klimatische Extremsituation trifft in Ostafrika auf eine anfällige Landwirtschaft und auf grundsätzlich fehlende Entwicklung. Ein Großteil der vom Hunger betroffenen Menschen sind Nomaden. Sie sind darauf angewiesen, mit ihren Herden umherziehen zu können, auf der Suche nach Wasser und besseren Weiden. Doch ihre Wandermöglichkeiten werden immer mehr eingeschränkt.

Durch die jahrzehntelange Vernachlässigung der ländlichen Räume wurden die Menschen, besonders die ethnischen Minderheiten, zunehmend marginalisiert. Die landwirtschaftliche Produktivität stagniert. Bauern haben kaum Einfluss auf Entscheidungsprozesse, wenn es beispielsweise um Landnutzung und Infrastrukturmaßnahmen geht. So beeinträchtigen Pläne zum Bau eines Staudammes in Äthiopien die Lebensgrundlagen der dort ansässigen Viehhalter und Bauern. Und die Ansiedlung großflächiger, kommerzialisierter Landwirtschaft durch einheimische oder ausländische Investoren stört Wanderrouten und besetzt wertvolles Ackerland.

Bauern und Viehhalter verfügen über zahlreiche traditionelle Strategien zur Anpassung an Klimaschwankungen. Wenn aber Extremereignisse in immer kürzeren Abständen auftreten, werden ihre Fähigkeiten zur Bewältigung solcher Situationen dauerhaft überstrapaziert. Sie verlieren ihre Tiere und Ernten und somit auch ihre Lebensgrundlage. Durch Klimaveränderungen und Übernutzung werden die nutzbaren Flächen und verfügbaren Wassermengen immer kleiner, während gleichzeitig die Zahl der Menschen, die von diesen Ressourcen leben müssen, weiter wächst – Konflikte sind programmiert.

Im Grenzgebiet zwischen Äthiopien und Kenia kommt es immer häufiger zu Kämpfen zwischen verschiedenen Stämmen. Die Menschen streiten um Wasser. Der Lake Turkana, ein wichtiges Wasserreservoir der Region, verliert durch zunehmende Verdunstung immer mehr an Fläche. Zudem überschreiten äthiopische Nomaden auf der Suche nach Wasser die Grenze zu Kenia. Beides führt zu Konflikten. Durch die dauerhafte Übernutzung der Ressourcen sinkt die in semi-ariden Gebieten ohnehin niedrige Produktivität noch weiter. Gleichzeitig gibt es kaum Alternativen zur Landwirtschaft. Den meistens schlecht ausgebildeten Menschen bleibt keine Alternative, es sei denn das Auswandern in andere Regionen.

Stärkeres Engagement in ländlichen Räumen

Zwar wird die Notwendigkeit von Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel international akzeptiert. Trotzdem tun sich sowohl die Geber als auch die afrikanischen Regierungen schwer, finanzielle Mittel zur Unterstützung der ländlichen Regionen und der Landwirtschaft bereitzustellen. Allmählich setzt ein Umdenkprozess ein – so haben sich die Mitgliedsländer der Afrikanischen Union bereits 2003 verpflichtet, stärker in ihre Landwirtschaft zu investieren. Trotz dieses Bekenntnisses aber haben Ernährungssicherung und Entwicklung im ländlichen Raum häufig nur eine geringe Priorität für die Regierungen. Oftmals verlassen sie sich auf internationale Hilfe. In Teilen Kenias werden Nahrungsmittelüberschüsse produziert, die aber nicht in Regionen mit Lebensmittelknappheit transportiert werden. Daher wird die Ernährung der dortigen Bevölkerung teilweise vom Welternährungsprogramm sichergestellt.