Euro-Zone Berlusconi ruiniert Italiens Kreditwürdigkeit

Italien begreift langsam: Nicht die Schulden sind das Problem, sondern die Regierung Berlusconi. Nun meutert sogar die Wirtschaft – und der Regierungschef kämpft.

Immer schon wollte Silvio Berlusconi als Ausnahmeerscheinung gelten, als einer, der mit den gewöhnlichen Politikern nichts zu tun hat. Womöglich gelingt ihm auch im Abgang eine Ausnahmeleistung: In die Geschichtsbücher könnte er als erster italienischer Regierungschef eingehen, der von einer Rating-Agentur zu Fall gebracht wurde.

Nur noch ein simples A statt des bisherigen A+ haben Italiens Staatsschulden verdient, meint Standard & Poor’s. Die Begründung lässt vor allem die Regierung Berlusconi schlecht aussehen. Zwar hat sie gerade erst in der vergangenen Woche ein 50-Milliarden-Sparpaket durchs Parlament gebracht. Der Herabstufung durch S & P entkam sie dadurch jedoch nicht. Italiens Schulden belaufen sich mittlerweile auf 1,9 Billionen Euro, rund 120 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Die Aussichten sind zudem miserabel: In diesem Jahr wird Italiens Wirtschaft nur noch um 0,6 Prozent wachsen, schätzen die Experten. Für 2012 gar bloß noch 0,3 Prozent. Italien stagniert. Wie es von seinen Schulden runterkommen will, ist nicht zu erkennen.

Anzeige

Vor allem nicht mit dieser Regierung. "Eine fragile Koalition" sei in Rom am Werk, schrieben die Fachleute von Standard & Poor’s der Regierung Berlusconi unlängst ins Stammbuch. Im Parlament gebe es "Spaltungen". Überhaupt gebe es wenig Hoffnung, dass die Politik "effizient auf die Herausforderungen reagieren" könne.

Die Analysten waren höflich genug, kein Wort über Berlusconis drängende Justizprobleme zu verlieren. Allein in Mailand laufen gleich fünf Verfahren, vier weitere sind bei anderen Staatsanwaltschaften anhängig. Auch schwiegen sie über das überbordende Bunga-"Privatleben" des Regierungschefs. Berlusconi hingegen reagierte wieder einmal mit einem Pawlowschen Reflex. "Die Regierung hat immer das Vertrauen im Parlament erhalten und so die Solidität der Koalition bewiesen", heißt es in einem Kommuniqué. Alles wunderbar also in Silvios Rom. Wären da bloß nicht die roten Schreiberlinge der Oppositionsgazetten: "Die Bewertungen durch S & P scheinen stärker durch Zeitungsberichte als durch die Realität der Fakten diktiert und durch politische Erwägungen fehlgeleitet."

Dumm nur für Berlusconi, dass sein penetrant zur Schau gestellter Optimismus nicht nur bei den Rating-Agenturen nicht mehr verfängt. Auch zu Hause wird es immer einsamer um ihn. Die wirtschaftlichen Eliten gehen derzeit auf einen bisher nicht gekannten, radikalen Konfrontationskurs. Das erklärte Ziel: Die Regierung muss weg.

Corrado Passera etwa ist einer, der seine Worte immer sorgfältig wägt. Schließlich steht er als Vorstandsvorsitzender dem größten italienischen Bankhaus Intesa San Paolo vor. Jetzt aber sah er sich herausgefordert, dem Zweckoptimismus Berlusconis eine Strich durch die Rechnung zu machen: "Aufgepasst: Italien steht vor dem Risiko des Default!", warnte er unlängst. Noch deutlicher wurde die Vorsitzende des Industriellenverbandes, Emma Marcegaglia. Sie ließ offen anklingen, wie sehr in ihren Augen die Misere des Landes auch mit der Misere seines völlig diskreditierten Premiers zu tun hat: "Wir haben es satt, als internationale Lachnummer durchzugehen, wir wollen nicht mehr dieses herablassende Lächeln unserer Gesprächspartner im Ausland sehen", giftete sie, "Italien hat das nicht verdient!"

"Stunden, höchstens Tage" räumte sie der Regierung noch ein, damit die sich zu ernsten Reformen aufraffe. Sonst könne es nur heißen: "Ab nach Hause!" Auch die Tageszeitung des Industriellenverbandes stellte Berlusconi die fristlose Kündigung zu: "Das erste Land nach Griechenland, das in Gefahr ist, ist Italien", heißt es in einem Artikel. "Dies geschieht wegen der Fragilität der Koalition, wegen der peinlichen Kette von Skandalen, die den Premier, seine Minister und seine Mitarbeiter direkt betreffen, wegen der Unfähigkeit, schmerzhafte Entscheidungen zu treffen, hinzu kommt ein Gesamtbild, das die staatlichen Institutionen in ihrer Würde beschädigt sieht."

Leser-Kommentare
    • fanta4
    • 21.09.2011 um 14:28 Uhr

    Geführt von Amerika. Darum geht es.

    Blöd, dass auch in diesem Artikel bereitwillig auf Ressentiments eingestiegen wird und die Hintergründe im Dunkeln belassen werden.

    Auch wenn Berlusconi eine dankbare Witzfigur ist - die Spekulanten werden solchen Journalismus dankend aufnehmen.

    http://www.cashkurs.com/Detailansicht.80.0.html?&cHash=7b0c9ad945&tx_t3blog_pi1[daxBlogList][showUid]=10276

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sehe ich auch so.
    Aber es wird gehetzt: fauler Grieche, korrupter Italiener etc.
    http://www.youtube.com/wa...
    Bei 8:16

    Scheu wie ein Reh spitzen ängstlich Meldungen aus dem Nachrichtenwald, wonach diese ominösen Rating-Agenturen auch nix anderes sind als Glieder in einem globalen System zum Betreiben höchst lukrativer Insidergeschäfte.

    Das Imperium versinkt gerade gurgelnd im Orkus. Und da wird noch schnell beschissen, dass sich die Balken biegen.

    Nun ist also "Amerika" Schuld. Als Beleg dafür wird die Aussage eines privaten Unternehmens herangezogen. Hm.

    Ganz so einfach ist es wohl nicht. Wenn es private Märkte gibt, auf welchen Anteils und Schuldscheine gehandelt werden, dann möchten die Geldgeber wohl wissen, auf was sie sich eigentlich einlassen. Wenn für Volkswirtschaften die Kosten nicht mehr durch das Abwerten der Währung reguliert werden, dann hat das natürlich auch Folgen für deren Zahlungsfähigkeit. Diese Probleme sind strukturell und ihre Entstehung lässt sich nicht mit der Frage, wer davon profitierte, beantworten. Immerhin Geld fliesst immer von der einen in die andere Tasche.

    • lagara
    • 21.09.2011 um 17:02 Uhr

    ...immer sind die Amerikaner Schuld. Glaube Sie noch daran? Die europäische Bürokraten bzw. Regierungen sind nicht in der Lage, selbst für die Verschuldungsorgie vergangenen Jahrzehnten zu haften. Schuld ist die griechische Politik, die italienische Politik, die spanische Politik... die einen Vertrag mit der deutschen und französischen Beamtenschaft unterschrieben haben. Wer braucht Feinde, wenn man die deutschen und französen als Vertragspartner hat?

    • rafax
    • 21.09.2011 um 17:08 Uhr

    Die Behauptung, die USA führen einen Krieg gegen den Euro, hat Dirk Müller auch letzten Sonttagabend bei Günther Jauch getätigt, ohne es weiter aus zuführen bzw. zu erläutern (leider). Auch Sie behaupten dies einfach und verlinken ein Video, in dem davon gar nicht gesprochen wird. Ich hätte gerne etwas mehr Substanz als Diskusionsgrundlage!

    Wenn schon "Krieg gegen den Euro", was ich nicht so sehe, dann wäre es wohl eher einer gegen Deutschland.

    Deutschland steht für mehr als ein Viertel der Wertschöpfung des Euroraums und ist fast das einzige Land im Euroraum mit einem Leistungsbilanzüberschuss. Ohne Deutschland wäre die Leistungsbilanz der Eurozone negativ.

    Diese Konkurrenz wird man nicht los, indem man die Eurozone zerstört. Deutschland könnte man nur schaden, wenn man es zwänge, sich an den Schulden der akut oder absehbar pleitegefährdeten Staaten im Euroraum zu überheben.

    Leider sind Bundesregierung und Opposition gemeinsam auf dem besten Weg in eine solche Situation. Das allerdings höchst freiwillig. Jedenfalls hätten wir als (noch) souveräner Staat derzeit noch die Freiheit, anders zu entscheiden. Aber nur so lange, wie uns die eigenen Schulden noch nicht völlig über den Kopf gewachsen sind. Denn mit jeder Milliarde zusätzlicher Schulden verringern sich zwangsläufig die Freiheitsgrade eigenen staatlichen Handelns.

    Sehe ich auch so.
    Aber es wird gehetzt: fauler Grieche, korrupter Italiener etc.
    http://www.youtube.com/wa...
    Bei 8:16

    Scheu wie ein Reh spitzen ängstlich Meldungen aus dem Nachrichtenwald, wonach diese ominösen Rating-Agenturen auch nix anderes sind als Glieder in einem globalen System zum Betreiben höchst lukrativer Insidergeschäfte.

    Das Imperium versinkt gerade gurgelnd im Orkus. Und da wird noch schnell beschissen, dass sich die Balken biegen.

    Nun ist also "Amerika" Schuld. Als Beleg dafür wird die Aussage eines privaten Unternehmens herangezogen. Hm.

    Ganz so einfach ist es wohl nicht. Wenn es private Märkte gibt, auf welchen Anteils und Schuldscheine gehandelt werden, dann möchten die Geldgeber wohl wissen, auf was sie sich eigentlich einlassen. Wenn für Volkswirtschaften die Kosten nicht mehr durch das Abwerten der Währung reguliert werden, dann hat das natürlich auch Folgen für deren Zahlungsfähigkeit. Diese Probleme sind strukturell und ihre Entstehung lässt sich nicht mit der Frage, wer davon profitierte, beantworten. Immerhin Geld fliesst immer von der einen in die andere Tasche.

    • lagara
    • 21.09.2011 um 17:02 Uhr

    ...immer sind die Amerikaner Schuld. Glaube Sie noch daran? Die europäische Bürokraten bzw. Regierungen sind nicht in der Lage, selbst für die Verschuldungsorgie vergangenen Jahrzehnten zu haften. Schuld ist die griechische Politik, die italienische Politik, die spanische Politik... die einen Vertrag mit der deutschen und französischen Beamtenschaft unterschrieben haben. Wer braucht Feinde, wenn man die deutschen und französen als Vertragspartner hat?

    • rafax
    • 21.09.2011 um 17:08 Uhr

    Die Behauptung, die USA führen einen Krieg gegen den Euro, hat Dirk Müller auch letzten Sonttagabend bei Günther Jauch getätigt, ohne es weiter aus zuführen bzw. zu erläutern (leider). Auch Sie behaupten dies einfach und verlinken ein Video, in dem davon gar nicht gesprochen wird. Ich hätte gerne etwas mehr Substanz als Diskusionsgrundlage!

    Wenn schon "Krieg gegen den Euro", was ich nicht so sehe, dann wäre es wohl eher einer gegen Deutschland.

    Deutschland steht für mehr als ein Viertel der Wertschöpfung des Euroraums und ist fast das einzige Land im Euroraum mit einem Leistungsbilanzüberschuss. Ohne Deutschland wäre die Leistungsbilanz der Eurozone negativ.

    Diese Konkurrenz wird man nicht los, indem man die Eurozone zerstört. Deutschland könnte man nur schaden, wenn man es zwänge, sich an den Schulden der akut oder absehbar pleitegefährdeten Staaten im Euroraum zu überheben.

    Leider sind Bundesregierung und Opposition gemeinsam auf dem besten Weg in eine solche Situation. Das allerdings höchst freiwillig. Jedenfalls hätten wir als (noch) souveräner Staat derzeit noch die Freiheit, anders zu entscheiden. Aber nur so lange, wie uns die eigenen Schulden noch nicht völlig über den Kopf gewachsen sind. Denn mit jeder Milliarde zusätzlicher Schulden verringern sich zwangsläufig die Freiheitsgrade eigenen staatlichen Handelns.

  1. [Achtung, Ironie!] Na da hört der Spaß aber doch auf. [Ironie Ende]
    "Dies geschieht wegen der Fragilität der Koalition, wegen der peinlichen Kette von Skandalen, die den Premier, seine Minister und seine Mitarbeiter direkt betreffen, wegen der Unfähigkeit, schmerzhafte Entscheidungen zu treffen, hinzu kommt ein Gesamtbild, das die staatlichen Institutionen in ihrer Würde beschädigt sieht."
    "Wir haben es satt, als internationale Lachnummer durchzugehen, wir wollen nicht mehr dieses herablassende Lächeln unserer Gesprächspartner im Ausland sehen", giftete sie, "Italien hat das nicht verdient!" - tja, aber erst wenn es richtig um (oder: an ihr) _Geld_ geht, werden sie wach ?

    Eine Leser-Empfehlung
    • WiKa
    • 21.09.2011 um 14:32 Uhr

    … das man Zirkusponys und Ackergäule nicht in einem Gespann laufen lassen soll. Befragen sie dazu einen alten Bauern ihres Vertrauens. Denn nichts anderes ist der Euro, es ist das gemeinsame Gespanne für ungleiche Zugkräfte und jeder Bauer weiß, dass so etwas mit einem Unglück enden muss. Übrigens: auf der Weide, freilaufend, vertragen sich alle prächtig.

    Insoweit ist es zwar einfach hier wieder mal ein Zirkuspony zu kritisieren, der Fehler liegt aber bei demjenigen der das Gespann aufgesetzt hat. Mithin führt auch diese Diskussion wieder mal meilenweit an den Ursachen vorbei und dient auch nur der Ablenkung.

    Wie das Gespann enden wird? Sie können hier bereits die neue Europa-Flagge mit Trauerflor und die Nachrede auf den Euro lesen … Link (ziemlich simple erklärt). Und die Mainstream Medien müssen sich gefallen lassen dafür kritisiert zu werden, dass auch sie stets am Thema vorbei berichten. Warum nur? Werden sie so gut für derlei Irreführungen bezahlt oder ist es tatsächlich die Unkenntnis zu der an sich recht einfachen Materie. Man kann immer nur wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

    Ich war einstmals davon ausgegangen, dass sich Europa und die Europäer über Herz und Verstand näher kommen und nicht wie jetzt verordnet über den Geldbeutel. Das ist der falsche Ansatz, denn erst wenn die ersteren beiden Punkte stimmen ist der Mensch bereit übers Geld zu reden.

  2. Es sind gar nicht die PÖHSEN Ratingagenturen, es ist nicht mal die FDP, auch nicht Frau Merkel, nicht Brüssel, nicht die Banken, die Hedgefonds, auch nicht Herr Schäuble, der die den lieben Italienern die bei den Herren Steinbrück und -meyer so beliebten Eurobonds verweigert.

    Es ist schlicht ein Volk, das Berlusconi gewählt hat, das keine besseren Politiker hat oder sie nicht haben will!

    Und alle WISSEN, dass dem italienischen Schlendrian nicht so einfach beizukommen ist.

    Übrigens sind die DEUTSCHEN Schulden auch beachtlich und WIR wählen auch lieber die Politiker, die mehr Hartz IV versprechen und gegen höhere Krankenkassenbeiträge wettern und gegen die Rente mit 76 und auch sonst gegen alles und jedes, worauf sich das Etikett der angeblich fehlenden "sozialen Gerechtigkeit" kleben lässt.

    WIR heucheln doch fast genauso rum wie die Italiener

  3. wenn man in italien jetzt erst zu der erkenntnis gelangt, dass die regierung das problem sein, so kann man ja nur noch mit dem kopf schütteln. ich kenn kein demokratisches land, wo der regierungschef in soviele strafprozess verstrickt ist (unter anderem verkehr mit einer minderjährigen) wie in italien und wo man dann aber noch versucht mit auf den fall zugeschnittenen gesetzten einfluss auf den prozesss zu nehmen, bzw den regierungschef freizubekommen.
    dass die so oft und viel zitierten märkte so einer regierung nicht mehr vertrauen ist ja wohl klar. wie soll eine regierung durch eine der größten finanzkrisen der letzten jahrzehnte kommen, wenn der regierungschef ein mischung aus clown und gealtertem möchtegern-casanova ist?

    da berlusconi aber schon so lange in italien regiert oder herrscht, scheint sich der spruch zu bestätigen "jedes land bekommt die regierung, die es verdient".

  4. Investmentstratege Russ Koesterich: Italien ist zahlungsunfähig nicht Griechenland!

    http://goo.gl/rcw9C

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...ist man da einem Übersetzungsfehler aufgesessen. Leider für Griechenland, gut für uns alle....der Analyst sagt: Italy is solvent, its not Greece. Also: Italien ist solvent, es ist nicht wie bei Griechenland. Er spricht vom Primärüberschuss den Italien noch aufweist.

    ...ist man da einem Übersetzungsfehler aufgesessen. Leider für Griechenland, gut für uns alle....der Analyst sagt: Italy is solvent, its not Greece. Also: Italien ist solvent, es ist nicht wie bei Griechenland. Er spricht vom Primärüberschuss den Italien noch aufweist.

  5. Sehe ich auch so.
    Aber es wird gehetzt: fauler Grieche, korrupter Italiener etc.
    http://www.youtube.com/wa...
    Bei 8:16

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Krieg gegen den Euro"
    • checki
    • 21.09.2011 um 15:14 Uhr

    Wenn man nicht ordentlich wirtschaften kann muß ich mir halt was anderes einfallen lassen. Aber immer nur so tun als ob, das hat keine Zukunft, das gilt auch für die anderen eu-länder.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service