Die gesetzlichen Krankenkassen haben ihre Finanzsituation in der ersten Jahreshälfte deutlich verbessert. In den ersten sechs Monaten erzielten die Kassen vor allem aufgrund deutlich gesunkener Arzneimittelausgaben einen Überschuss von insgesamt etwa 2,4 Milliarden Euro, wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte. Im ersten Halbjahr 2010 lagen die Kassen dagegen nur mit 112 Millionen Euro im Plus.

Nach einem Überschuss von rund 1,5 Milliarden Euro im ersten Quartal 2011 erzielten die gesetzlichen Kassen nach Ministeriumsangaben zwischen April und Juni nochmals ein Plus von 949 Millionen Euro. Insgesamt standen im ersten Halbjahr den Ausgaben der Kassen von 89,3 Milliarden Euro Einnahmen von 91,7 Milliarden Euro gegenüber. Bei den Einnahmen profitierten die Kassen dabei "in erheblichem Umfang" von der positiven Konjunktur, während die Ausgabenseite vor allem durch geringere Medikamentenausgaben entlastet wurde.

Nach Jahren des Ausgabenanstiegs sind die Arzneimittelausgaben laut Gesundheitsministerium in diesem Jahr erstmals gesunken. Zwischen Januar und Juni gingen die Ausgaben für Arzneimittel demnach um 6,3 Prozent zurück. Dies führt das Ministerium vor allem auf das 2010 von der Bundesregierung verabschiedete Arzneimittel-Sparpaket zurück, das unter anderem höhere Pharmarabatte vorsieht.

Geringere Ausgabenzuwächse als erwartet

Insgesamt stiegen die Leistungsausgaben der Kassen im ersten Halbjahr um 2,8 Prozent je Versichertem. Damit liegen die Ausgabenzuwächse bislang unter den Erwartungen für das Gesamtjahr 2011. Der Schätzerkreis von Kassen, Bundesgesundheitsministerium und Bundesversicherungsamt hatte für 2011 einen Anstieg der Leistungsausgaben von rund 4,3 Prozent je Versichertem prognostiziert.

Die Ausgaben für die ambulante Versorgung (plus 2,3 Prozent) und für die Früherkennungsuntersuchungen (plus 5,2 Prozent) zogen dagegen in den ersten sechs Monaten des Jahres weiter an. Auch die Ausgaben für Krankenhausbehandlungen stiegen bis zur Jahresmitte um 4,6 Prozent pro Versichertem, was auf das Jahr hochgerechnet einem Zuwachs von insgesamt 2,5 Milliarden Euro entspräche. Die Verwaltungskosten der Kassen stiegen demnach im selben Zeitraum um 1,3 Prozent je Versichertem.

Für die zweite Jahreshälfte sind laut Bundesgesundheitsministerium keine Überschüsse wie in den ersten sechs Monaten zu erwarten, da die Ausgaben ab der Jahresmitte regelmäßig steigen. So wurde aus dem Überschuss im ersten Halbjahr 2010 im Gesamtjahr noch ein Defizit von rund 445 Millionen Euro. Allerdings habe eine Reihe von Krankenkassen ihre Finanzsituation durch die positive Entwicklung in den ersten Monaten verbessern können.