Leserartikel

SonderwirtschaftszonenUngewöhnliche Freiheiten in Nordkorea

An der Grenze zu China und Russland versucht Nordkorea, internationale Handelszentren aufzubauen. Ein Schritt in die richtige Richtung, meint Leser Tobias Dondelinger.

Mitte dieses Jahres haben sich Vertreter Chinas und Nordkoreas darauf geeinigt, zwei Sonderwirtschaftszonen im Norden Nordkoreas wiederzubeleben. Die Hwanggumphyong and Wihwa Islands Economic Zone im Nordwesten und die Zone in Rason im Nordosten waren bereits vor Jahren als Sonderwirtschaftszonen ausgewiesen worden. Die nordkoreanische Regierung hatte sie jedoch in den vergangenen Jahren vernachlässigt.

Das hat sich geändert. Das Präsidium der Obersten Volksversammlung Nordkoreas hat im Juni eine investitionsfreundliche Gesetzgebung erlassen, die sich an den rechtlichen Rahmenbedingungen früherer chinesischer Sonderwirtschaftszonen orientiert. Mit russischen und chinesischen Partnern sollen die marode Transportinfrastruktur und Stromversorgung sichergestellt werden.

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Kim Jong Il war in die beiden Nachbarstaaten gereist und hatte sich dort um ausländische Investoren bemüht. Außerdem fand im August dieses Jahres auch erstmalig eine internationale Handelsmesse in Rason statt. Die Bewohner der Region scheinen davon zu profitieren. Medien berichten, dass sie über ungewöhnliche ökonomische Freiheiten verfügen.

In China stoßen die Bemühungen Nordkoreas auf reges Interesse. Das Land würde von einem florierenden Wirtschafts- und Handelszentrum in den nordkoreanischen Gebieten profitieren. China bekäme einen direkten Zugang zum japanischen Meer, der den teilweise rückständigen Provinzen im Nordosten des Landes einen wirtschaftlichen Aufschwung bescheren könnte.

Auch Russlands ökonomisch unterentwickelter Ferner Osten könnte von einem wirtschaftlichen Zentrum unmittelbar an der 18 Kilometer langen Grenze zu Nordkorea profitieren. Die Bewohner würden vom Zugang zu einem dauerhaft eisfreien Hafen in Nordkorea ebenfalls einen Vorteil haben. Aus diesem Grund helfen sowohl Russland als auch China derzeit tatkräftig beim Straßen- und Schienenbau in den nordkoreanischen Gebieten. Beide Länder haben sich bereits Anlagen im Hafengebiet von Rason gesichert.

Nordkorea hat mit seinen Sonderwirtschaftszonen einen ersten kleinen Schritt in Richtung einer freien Marktwirtschaft gemacht. Und das ist mit Abstand das Beste, was es seit Langem über das Land zu berichten gibt.

 
Leserkommentare
  1. "Nordkorea hat mit seinen Sonderwirtschaftszonen einen ersten kleinen Schritt in Richtung einer freien Marktwirtschaft gemacht"

    Nachdem die alte Waehrung ersetzt wurde und die Bevoelkerung alle Devisen abliefern musste.
    Was soll gross passieren ?
    Wer soll investieren, wohin sollen die Produkte verkauft werden ?
    Reine Show.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Und welchem Zweck sollte die Show genau dienen? Russen und Chinesen werden wohl nicht investieren, damit Nordkorea eine schöne Potemkinsche-SWZ bauen kann…
    Nordkorea wäre nicht das erste Land, in dem nicht in erster Linie für den einheimischen Markt produziert wird. Die Währungsreform war eine (ziemlich desaströse) Maßnahmen, die sich auf das ganze Land bezog, während die SWZ in Rason wohl eher als Laboratorium zum ökonomischen Experimentieren gedacht ist, ohne gleich landesweit tiefgreifende Reformen umzusetzen. Gerade Rason hat außerdem echtes Potential als Handelsdrehscheibe, was die Frage nach Produkten erübrigt.
    Zur Vertiefung des Themas ist das hier hilfreich: http://www.washingtonpost...

    Und welchem Zweck sollte die Show genau dienen? Russen und Chinesen werden wohl nicht investieren, damit Nordkorea eine schöne Potemkinsche-SWZ bauen kann…
    Nordkorea wäre nicht das erste Land, in dem nicht in erster Linie für den einheimischen Markt produziert wird. Die Währungsreform war eine (ziemlich desaströse) Maßnahmen, die sich auf das ganze Land bezog, während die SWZ in Rason wohl eher als Laboratorium zum ökonomischen Experimentieren gedacht ist, ohne gleich landesweit tiefgreifende Reformen umzusetzen. Gerade Rason hat außerdem echtes Potential als Handelsdrehscheibe, was die Frage nach Produkten erübrigt.
    Zur Vertiefung des Themas ist das hier hilfreich: http://www.washingtonpost...

    • pong89
    • 27.09.2011 um 19:41 Uhr

    Guter Artikel, kaum von denen der "echten" Redakteure zu unterscheiden

  2. Und welchem Zweck sollte die Show genau dienen? Russen und Chinesen werden wohl nicht investieren, damit Nordkorea eine schöne Potemkinsche-SWZ bauen kann…
    Nordkorea wäre nicht das erste Land, in dem nicht in erster Linie für den einheimischen Markt produziert wird. Die Währungsreform war eine (ziemlich desaströse) Maßnahmen, die sich auf das ganze Land bezog, während die SWZ in Rason wohl eher als Laboratorium zum ökonomischen Experimentieren gedacht ist, ohne gleich landesweit tiefgreifende Reformen umzusetzen. Gerade Rason hat außerdem echtes Potential als Handelsdrehscheibe, was die Frage nach Produkten erübrigt.
    Zur Vertiefung des Themas ist das hier hilfreich: http://www.washingtonpost...

    Antwort auf "selten so amuesiert"
    • reven
    • 28.09.2011 um 14:42 Uhr

    "Nordkorea hat mit seinen Sonderwirtschaftszonen einen ersten kleinen Schritt in Richtung einer freien Marktwirtschaft gemacht"
    Nein.Wenn Nordkorea tatsächlich die Pläne mit seinen Sonderwirtschaftszonen umsetzen würde, dann hätte das Land nur das nachgemacht, was China in den 80er Jahren getan hatte.Damals hat China Sonderwirtschaftszonen in Südchina errichtet. Das wäre dann ein Schritt in Richtung eines autoritären Staatskapitalismus chinesischer Art.
    Man muss sich bloss das heutige China anschauen: kaum Sozialsysteme; Schlüsselindustrien in der Hand des Staates; Verteilung enormer Summe vom Staatseigentum unter Parteifunktionären; Parteifunktionäre werden Unternehmer, Unternehmer werden Parteifunktionäre; Installation von Parteizellen in sämtlichen Staatsbetrieben und größeren Privatbetrieben; Unterdrückung des Mittelstands, die Mehrheit der Bevölkerung bleibt weiterhin arm; extreme Ungleichheit zwischen und Arm und Reich.

    Folge: Die privilegierte Schicht(also die Parteikader im engeren Sinne) wird extrem reich, Herausbildung einer systemkonformen kleinen nationalistishen städtischen Mittelschicht bei gleichzeitiger Verarmung eines Großteils der ländlichen Bevölkerung.Brutalstmögliche Ausbeutung der Arbeiterschicht durch ausländische Firmen.Das Überleben des Regimes wird verlängert, bis die sozialen Probleme zu landesweiten Unruhen führen.Genau das wird auch in Nordkorea passieren.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • reven
    • 28.09.2011 um 14:46 Uhr

    Verstehe mich nicht falsch.Ich würde eine wirtschaftliche Öffnung des Landes begrüßen.Nur:Eine freie Marktwirtschaft wird Nordkorea dadurch ganz bestimmt nicht werden, solange die Kommunistische Partei da an der Macht ist.

    • reven
    • 28.09.2011 um 14:46 Uhr

    Verstehe mich nicht falsch.Ich würde eine wirtschaftliche Öffnung des Landes begrüßen.Nur:Eine freie Marktwirtschaft wird Nordkorea dadurch ganz bestimmt nicht werden, solange die Kommunistische Partei da an der Macht ist.

    • reven
    • 28.09.2011 um 14:46 Uhr

    Verstehe mich nicht falsch.Ich würde eine wirtschaftliche Öffnung des Landes begrüßen.Nur:Eine freie Marktwirtschaft wird Nordkorea dadurch ganz bestimmt nicht werden, solange die Kommunistische Partei da an der Macht ist.

    Antwort auf "Nordkorea"
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    Deine Kritik ist durchaus angebracht, wenn du den Inhalt so verstanden hast, dass Nordkorea als Folge der SWZ eine freie Marktwirtschaft würde. Das ist nicht gesagt bzw. sollte nicht gesagt sein.
    Erste Schritte haben die Eigenschaft, dass sie nur sehr eingeschränkt den zukünftigen Weg determinieren. Wenn ich mich einschulen lasse, dann kann man das durchaus als ersten kleinen Schritt zur Promotion verstehen (ohne Einschulung ist das glaube ich nicht sehr einfach). Ob ich dann meine schulische Karriere aber ohne Abschluss nach der neunten Klasse beende ist noch lange nicht gesgat. Das muss die Zukunft zeigen.
    Die Wege sind ziemlich vielfältig und wenn sich Nordkorea in einigen Belangen an chinesischen Vorbildern orientiert, dann ist damit natürlich auch noch lange nicht gesagt, dass es einen chinesischen Weg geht. Die Reise kann schon viel früher oder ganz wo anders enden. Was aber durchaus zu vermerken ist, ist die Tatsache, dass sich etwas zu tun scheint und das die aktuellen Vorhaben nicht in Richtung einer restriktiveren Wirtschaftspolitik zeigen. Was man dann damit anfängt (so einschätzungsmäßig) ist jedem selbst überlassen.
    Im Endeffekt kann man ohnehin nur abwarten und beobachten was passiert...

    Deine Kritik ist durchaus angebracht, wenn du den Inhalt so verstanden hast, dass Nordkorea als Folge der SWZ eine freie Marktwirtschaft würde. Das ist nicht gesagt bzw. sollte nicht gesagt sein.
    Erste Schritte haben die Eigenschaft, dass sie nur sehr eingeschränkt den zukünftigen Weg determinieren. Wenn ich mich einschulen lasse, dann kann man das durchaus als ersten kleinen Schritt zur Promotion verstehen (ohne Einschulung ist das glaube ich nicht sehr einfach). Ob ich dann meine schulische Karriere aber ohne Abschluss nach der neunten Klasse beende ist noch lange nicht gesgat. Das muss die Zukunft zeigen.
    Die Wege sind ziemlich vielfältig und wenn sich Nordkorea in einigen Belangen an chinesischen Vorbildern orientiert, dann ist damit natürlich auch noch lange nicht gesagt, dass es einen chinesischen Weg geht. Die Reise kann schon viel früher oder ganz wo anders enden. Was aber durchaus zu vermerken ist, ist die Tatsache, dass sich etwas zu tun scheint und das die aktuellen Vorhaben nicht in Richtung einer restriktiveren Wirtschaftspolitik zeigen. Was man dann damit anfängt (so einschätzungsmäßig) ist jedem selbst überlassen.
    Im Endeffekt kann man ohnehin nur abwarten und beobachten was passiert...

  3. Deine Kritik ist durchaus angebracht, wenn du den Inhalt so verstanden hast, dass Nordkorea als Folge der SWZ eine freie Marktwirtschaft würde. Das ist nicht gesagt bzw. sollte nicht gesagt sein.
    Erste Schritte haben die Eigenschaft, dass sie nur sehr eingeschränkt den zukünftigen Weg determinieren. Wenn ich mich einschulen lasse, dann kann man das durchaus als ersten kleinen Schritt zur Promotion verstehen (ohne Einschulung ist das glaube ich nicht sehr einfach). Ob ich dann meine schulische Karriere aber ohne Abschluss nach der neunten Klasse beende ist noch lange nicht gesgat. Das muss die Zukunft zeigen.
    Die Wege sind ziemlich vielfältig und wenn sich Nordkorea in einigen Belangen an chinesischen Vorbildern orientiert, dann ist damit natürlich auch noch lange nicht gesagt, dass es einen chinesischen Weg geht. Die Reise kann schon viel früher oder ganz wo anders enden. Was aber durchaus zu vermerken ist, ist die Tatsache, dass sich etwas zu tun scheint und das die aktuellen Vorhaben nicht in Richtung einer restriktiveren Wirtschaftspolitik zeigen. Was man dann damit anfängt (so einschätzungsmäßig) ist jedem selbst überlassen.
    Im Endeffekt kann man ohnehin nur abwarten und beobachten was passiert...

    Antwort auf "Anmerkung"

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