Auf Seite zehn des Sondergutachtens Strom und Gas 2011 wird es ungemütlich für die Ökostrom-Branche. Von Marktverzerrungen aufgrund des radikalen Ökostromausbaus ist da die Rede. Und dass sich diese ungünstig auf die Verbraucher auswirken würden.

"Die Monopolkommission erachtet daher einen grundsätzlichen Wechsel in ein marktnäheres System als unausweichlich", heißt es dort. Wenn Deutschland seine ambitionierten Ausbauziele erreichen wolle, lasse sich dies nicht mit der bisherigen Einspeisevergütung finanzieren. "Da laufen die Kosten aus dem Ruder", sagt Justus Haucap, Vorsitzender der Monopolkommission. "Wir müssen jetzt überlegen, wie wir die Energiewende langfristig finanzieren."

Die Monopolkommission ist ein Beratergremium der Bundesregierung. Ob Bahn, Telekommunikation oder Energie: Die fünf Mitglieder sollen warnen, wenn der Wettbewerb auf diesen Märkten nicht funktioniert. Regelmäßig erstellen sie Gutachten wie etwa das Energiemärktegutachten, das am Dienstag publiziert wurde.

Im Jahr 2050 soll der Ökostromanteil in Deutschland bei 80 Prozent liegen. Das wichtigste Förderinstrument dafür ist zurzeit das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Jeder Ökostromproduzent erhält für zwanzig Jahre eine garantierte Vergütung für jede Kilowattstunde. Für Windstrom liegt sie aktuell in den ersten fünf Jahren bei etwa neun Cent je Kilowattstunde, für kleine Solarstrom-Dachanlagen etwa 28 Cent je Kilowattstunde.

Alle Stromkunden finanzieren diese Kosten über die so genannte EEG-Umlage, die Teil des Strompreises ist. Aktuell sind das 3,5 Cent je Kilowattstunde. Nach ersten Schätzungen könnte die Umlage im kommenden Jahr steigen, genaue Zahlen werden Anfang Oktober vorgelegt. Im vergangenen Jahr lag die EEG-Umlage, abzüglich der Einnahmen aus der Vermarktung des Ökostroms, bei rund 8,7 Milliarden Euro.

Systemwechsel gefordert

Die Monopolkommission empfiehlt jetzt einen grundlegenden Systemwechsel. Stromanbietern solle am besten ein bestimmter Anteil Ökostrom in ihrem Strommix vorgeschrieben werden. Der Kommission schwebt ein Anteil von etwa 35 Prozent vor. Die Energieversorger können dann selbst entscheiden, mit welcher Technologie und zu welchen Kosten sie diese Bedingung erfüllen.

"Ein Quotensystem würde endlich Wettbewerb unter den erneuerbaren Energien auslösen", sagt Haucap.

Haucap hat mit seinen Äußerungen vor allem die Förderung von Solarstrom im Visier. Sonnenstromproduzenten erhalten zurzeit den höchsten Fördersatz, mussten allerdings in den vergangenen zwei Jahren bereits harte Einschnitte hinnehmen.

Trotzdem ist Haucap pessimistisch. "Die Hoffnungen, dass es in der Branche zu den erforderlichen Kostensenkungen kommen wird, um in Deutschland mit Wind und Biomasse konkurrieren zu können, könnten trügen", sagt er.