Der russische Regierungschef Wladimir Putin und der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) haben die Ostsee-Pipeline Nord Stream zwischen Russland und Deutschland eröffnet. In Portowaja in der Nähe des russischen Ostseehafens Wyborg gab Putin per Computer den Befehl, sogenanntes technisches Gas einzuleiten, um den für den Transport nötigen Druck in der Pipeline zu erzeugen. Das erste nutzbare Gas soll im Oktober geliefert werden. Schröder ist inzwischen Vorsitzender im Aufsichtsgremium von Nord-Stream, dem Aktionärsausschuss.

Mit der Pipeline ende das "Diktat der Transitländer" für russisches Gas nach Westeuropa, sagte Putin. Russland will mit der Leitung unabhängiger von den Transitländern Ukraine und Weißrussland werden. Die Ukraine ist bisher das wichtigste Transitland für russische Gaslieferungen in die EU. Zwischen Russland und Weißrussland kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Streit wegen der Gaspreise. Als Reaktion auf einen Streit hatte Russland im Winter 2009 die Gaslieferungen gestoppt, sodass es auch in der EU zu Engpässen kam.

Pipeline soll Energiebedarf von 26 Millionen Haushalten decken

Das durch die Pipeline fließende Gas sei vergleichbar mit der Energie aus elf Atomkraftwerken, sagte Putin. Die 1.224 Kilometer lange Nord Stream soll jährlich 55 Milliarden Kubikmeter Gas liefern und damit den Energiebedarf von etwa 26 Millionen Haushalten decken. Sie verläuft von Wyborg bis nach Lubmin bei Greifswald in Mecklenburg-Vorpommern, dabei durchquert sie die Ostsee, finnische, schwedische und dänische Gewässer.

Mehrheitseigner im Betreiberkonsortium Nord Stream ist der russische Gaskonzern Gazprom mit 51 Prozent. Weitere Anteile halten die deutschen Firmen Eon Ruhrgas und die BASF-Tochter Wintershall, der französische Energiekonzern GDF Suez und das niederländische Unternehmen Gasunie.

Russland plant auch eine South Stream. Sie soll Erdgas von Russland über das Schwarze Meer nach Bulgarien und von dort in zwei Leitungen bis nach Österreich und Italien bringen. Indem die Leitung rund 900 Kilometer durch das Schwarze Meer führt, wird die Ukraine umgangen. Mit dem Nachbarland befindet sich Russland in einem Dauerstreit, der ebenfalls mehrfach zur Unterbrechung der Lieferungen nach Westeuropa geführt hat.