Der Grund ihres Optimismus ist eine neue Strategie des World Food Programmes (WFP ). Die UN-Organisation will weg von der puren Nothilfe und hin zum langfristigen Aufbau tragfähiger Strukturen. Wie das klappen kann, testet sie in Uganda. Irgendwann einmal, so das Ziel, sollen Bauern wie die in Amuru auf eigenen Füßen stehen. "Einkauf für den Fortschritt" oder "Purchase for Progress" heißt das Programm im Jargon der Vereinten Nationen, abgekürzt P4P. Die Idee: Das WFP oder andere Händler kaufen , die Landwirte verkaufen. Beide Seiten profitieren.

"Es geht darum, die Bauern mit dem Markt zu verlinken", erklärt Tiziana Zocheddu, die Chefin des WFP-Regionalbüros in Gulu. Bislang bringen viele Kleinbauern in Uganda nur einen Bruchteil ihrer Ernte auf den Markt. Bis zu 30 Prozent des Mais verdarben früher in Amuru, erzählen die Menschen, denn es gab keine Lagermöglichkeiten. Die übrig gebliebenen Körner waren oft schmutzig, zerbrochen oder von Tieren angefressen.

Um einen geringen finanziellen Ertrag zu erzielen, verscherbelten die Bauern ihre Produkte an den erstbesten Zwischenhändler, der im Dorf auftauchte, und akzeptierten jeden Preis. "Wegen der hohen Verluste hatten wir nicht immer genug zu essen. Der Verkauf brachte kaum etwas ein", fasst einer die Konsequenzen zusammen. Schulungen und eine neue Infrastruktur sollen den Bauern nun helfen, ihre Erzeugnisse auf den Markt zu bringen .

Erfahrungen aus dem Südosten

Im Distrikt Kapchorwa, weit weg von Gulu, im fruchtbaren Hochland Südost-Ugandas, arbeiten die Bauern seit einiger Zeit mit neuen Anbaumethoden. Hier, im Dorf Tambacha, lebt Mike Andyama. In den vergangenen beiden Jahren haben sich seine Erträge vervielfacht, berichtet er. Mit den Erträgen finanziert Andyama das Schulgeld für seine drei Kinder, kauft Nahrungsmittel und Kleidung für sich und seine Familie. Sein nächstes Haus soll aus Stein sein, sagt er.

Es ist für den Bauern aber immer noch ein Problem, seine Ernten in die Distrikthauptstadt zu transportieren. "Bisher haben wir unsere Erzeugnisse auf Eseln zum Markt gebracht", sagt er. Für Autos sind die Pfade hier nicht geeignet. Aber ein Bulldozer fräst gerade eine breite rote Erdpiste in die grüne Landschaft Kapchorwas. Über die Piste sollen die Erzeugnisse von Andyamas Gemeinschaft künftig schneller und sicherer ins zentrale Lagerhaus gelangen. Straßen und Lagerhäuser – wie Samuel Ogikson in Gulu setzt auch Andyama große Hoffnungen auf diesen neuen Weg.

Das Lagerhaus von Jinja

Etwas weiter südwestlich, in Jinja, lässt sich besichtigen, wie sich das World Food Programme den Betrieb in seinen Lagerhäusern künftig vorstellt. Hier steht schon ein Lagerhaus, Arbeiter schleppen Säcke mit Mais, Trocknungs- und Reinigungsmaschinen lärmen. Und auf dem Gelände entsteht eine weitere Lagerhalle, Jinja expandiert. Die neue Anlage soll bis zu 15.000 Tonnen Mais pro Stunde reinigen und trocknen können. Die bisherige schafft nur ein Drittel davon.

In Amuru und Gulu ist es noch nicht so weit. Generalsekretär Ogikson macht sich Sorgen, das WFP könnte sich zurückziehen, bevor die Bauern ihr Geschick wirklich in die eigenen Hände nehmen können. Er bittet um mehr Unterstützung: Vorsichtig fragt er, ob das WFP ihnen nicht auch helfen könne, ihre Erzeugnisse leichter zum Markt zu bringen. Etwa durch die Spende eines Fahrzeugs?

Die Helfer erteilen ihm eine freundliche Absage. "Es wäre nicht fair, euch Geld oder einen Wagen zu geben", sagt P4P-Koordinator Elvis Odeke den Bauern, dann wären die wieder Hilfsempfänger. Wenn derzeit Waren auf den Markt sollen, legen die Bauern zusammen und mieten ein Fahrzeug. Das ist der richtige Weg, meint Odeke. "Ihr müsst gemeinsam Lösungen für Eure Probleme entwickeln." So könnten sie Erfahrungen sammeln und dann später, wenn das WFP sich zurückziehe, als Geschäftsleute alleine bestehen. "Wir geben unser Bestes", sagt Odeke. "Aber den Rest – den müsst Ihr alleine regeln."