Im Lagerhaus von Jinja in Südost-Uganda herrscht Betriebsamkeit. Nur mit Muskelkraft wird ein Maislaster entladen: Ein Träger nach dem anderen tritt auf die Ladefläche, krümmt seinen Rücken und hebt die Hände, dann wuchten seine Kollegen einen Sack voller Körner quer auf seine Schultern. Gebeugt und als Teil einer kleinen Prozession schleppen die Männer ihre Last ins Lager. Drinnen stapeln sich die Maissäcke bis unter die Decke. Die Motoren und Gebläse der Trocken- und Reinigungsmaschinen klopfen und dröhnen, über allem liegt Getreidestaub.

In Ugandas Nachbarländern am Horn von Afrika herrscht Hunger. In Uganda aber fallen die Ernten ganz ordentlich aus. In manchen Gegenden erwarten die Bauern überdurchschnittlich hohe Erträge. Florence Kalinak und Katooko Sowali zum Beispiel, Subsistenzlandwirte aus dem Dorf Bugiri bei Jinja. Zuletzt habe es mehr geregnet als sonst, berichten sie. "Deshalb wird die Ernte wahrscheinlich besonders gut."

Florence Kalinak und Katooko Sowali, Bauern aus dem Dorf Bugiri. Sie hoffen, ihren Mais bald dem WFP verkaufen zu können.

Uganda ist fruchtbar, das Land exportiert Getreide sogar. Das World Food Programme (WFP) besorgt hier einen Teil der Nothilfe für Somalia. Auch in Uganda verteilt das WFP in manchen Regionen Nahrung, aber zwei Drittel davon kommen aus dem Land selbst.

Diese Strategie soll ugandischen Bauern wie Kalinak und Sowali zugute kommen. Denn Kleinbauern werden in Anbau- und Lagermethoden geschult, damit sie Mais besserer Qualität produzieren können . Wenn sie die Qualitätsanforderungen erfüllen, werden ihre Ernten in Lagerhäusern wie dem in Jinja gesammelt. So kommt viel Mais an einem Ort zusammen. Diese Vorräte sind dann auch für Kunden interessant, die große Volumina benötigen. Dazu gehören Händler aus Kenia und dem Südsudan, die viel in Uganda einkaufen, und eben das WFP. Diese UN-Organisation ist der größte Einzel-Nachfrager im Land.

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Früher war es Usus, Nahrungshilfen aus den Industriestaaten zu importieren. Heute bevorzugt das WFP es, Lebensmittel regional einkaufen. Mit den Erträgen aus dem Verkauf, so die Idee, sollen die örtlichen Bauern ihr Leben auf eine stabilere Grundlage stellen können. Sie leben nicht mehr nur von der Hand in den Mund und sind so bei unerwarteten Ereignissen wie Regenfluten, Trockenheit oder Krankheit nicht sofort in ihrer wirtschaftlichen Existenz bedroht. 

Die Voraussetzungen für den regionalen Einkauf sind da. Denn trotz aller Krisen ist Afrika nicht nur der Hungerkontinent, für den ihn viele immer noch halten. Manche afrikanische Länder produzieren und exportieren Nahrungsmittel in großen Mengen. Ein wichtiger Exporteur ist Äthiopien , das allerdings zurzeit wegen der Hungersnot am Horn von Afrika in den Schlagzeilen ist. Seit März ist die Ausfuhr von Mais aus Äthiopien wegen Knappheit und hoher Inflation verboten. Insgesamt aber kaufte das WFP im vergangenen Jahr mehr Nahrung in Afrika ein als in Europa und den USA zusammen.

Die wichtigsten Lieferländer waren Äthiopien, Südafrika und Uganda. "Uganda ist für uns eine zuverlässige zusätzliche Quelle", sagt Arben Caslli, der in Ugandas Hauptstadt Kampala den regionalen Einkauf des WFP verantwortet. Seine Aufgabe ist, die dringend benötigten Lieferungen für die Hungerregion am Horn zu organisieren.