FinanzkriseUSA verklagen Großbanken wegen fauler Kredite

Die US-Aufsichtsbehörde verklagt 17 Banken wegen umstrittener Hypothekengeschäfte – unter anderem die Deutsche Bank. Sie sollen die Finanzkrise mitverursacht haben. von dpa, AFP und Reuters

Die USA wollen gegen mehr als ein Dutzend Großbanken vorgehen, die mit unlauteren Hypothekengeschäften die Finanz- und Wirtschaftskrise vor drei Jahren mitverursacht haben sollen. Die US-Aufsichtsbehörde Federal Housing Finance Agency (FHFA) hatte am Freitag bei einem New Yorker Gericht Klage gegen 17 Banken auf Schadenersatz in Milliardenhöhe eingereicht.

Sie wirft den Banken vor, im Vorfeld der Bankkrise 2008 sogenannte Giftpapiere finanzschwacher Schuldner gebündelt und Investoren unter falschen Angaben der Kreditwürdigkeit vermittelt zu haben. Als der Immobilienmarkt im Jahr 2007 zusammenbrach und die Preise für Eigenheime fielen, konnten viele Hausbesitzer ihre Schulden nicht mehr begleichen und die Hypothekenpapiere verloren schlagartig an Wert.

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Neben sechs weiteren ausländischen Instituten ist auch die Deutsche Bank angeklagt. Sie soll für "substanzielle Verluste" geradestehen, die die beiden staatlichen Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac nach dem Kauf von ihren Hypotheken-Papieren erlitten hätten. Die FHFA hat die Deutsche Bank auf einen Schadensersatz in Millardenhöhe verklagt. Laut der Anklage soll die Deutsche Bank mit den falschen Angaben zu den Hypothekenpapieren einen Schaden von "mehreren Milliarden Dollar" angerichtet haben. Es geht um mehrere Geschäfte im Wert von insgesamt 14,2 Milliarden Dollar (etwa 10 Milliarden Euro) aus den Jahren 2005 bis 2007.

Ein Sprecher der Bank nannte die Forderungen haltlos, die Klage sei unbegründet. "Wir werden uns mit allen Mitteln gegen die Klage zur Wehr setzen", schrieb die Bank in einer Mitteilung.

Ebenfalls angeklagt sind unter anderem die Bank of America, JP Morgan Chase, Goldman Sachs, HSBC, Credit Suisse und die Société Générale. Ob es zu einem Prozess kommt, ist noch ungewiss. In den USA sind außergerichtliche Verhandlungen über eine gütliche Einigung üblich.

Banken sollen die Ausfallpapiere zurückkaufen

Laut der New York Times will die FHFA die Großbanken nicht zu einem Rückkauf der Ausfallpapiere zwingen, sondern Entschädigungszahlungen an Fannie Mae und Freddie Mac durchsetzen. Die beiden staatlichen Hypothekenfinanzierer hatten in der Finanzkrise fast 30 Milliarden Dollar Verlust gemacht und mussten vom Staat gerettet werden. Die Banken argumentieren, die Verluste der Baufinanzierer seien auf die allgemeine Wirtschaftskrise zurückzuführen gewesen. Außerdem seien die beiden Institute ausreichend erfahren gewesen, um alle Risiken einschätzen zu können.

Auch von anderer Stelle wird gegen die Banken vorgegangen: Die Staatsanwälte der 50 US-Bundesstaaten und zahlreiche Finanzmarktregulierer ermitteln wegen Tausender fehlerhafter Hauspfändungen.

Die Börse reagierte auf die Klage der FHFA: Deutsche-Bank-Aktien verloren am Freitag fast sechs Prozent, während der Dax rund 3,4 Prozent einbüßte. Auch die Commerzbank rutschte 5,5 Prozent ab. Neben der US-Klage bewogen neue Sorgen wegen des hoch verschuldeten Griechenlands und enttäuschenden US-Arbeitsmarktdaten die Anleger zum Rückzug. Die Aktien von Goldman Sachs und JP Morgan verloren mehr als 4,5 Prozent, die Papiere der Bank of America 8,3 Prozent.

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Leserkommentare
    • fx-555
    • 03. September 2011 15:46 Uhr

    ...

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    • grrzt
    • 03. September 2011 15:53 Uhr

    bisher ist noch nichts passiert, was nicht durch Gemauschel hier und ein ein paar Peanuts dort aus der Welt geschafft werden kann.-

    • checki
    • 03. September 2011 16:07 Uhr

    Der Finanzkrieg tobt sich aus.

    • grrzt
    • 03. September 2011 15:53 Uhr

    bisher ist noch nichts passiert, was nicht durch Gemauschel hier und ein ein paar Peanuts dort aus der Welt geschafft werden kann.-

    3 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Halleluja!"
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    • fx-555
    • 03. September 2011 16:12 Uhr

    Es ist wenigstens ein symbolischer Akt.

    • checki
    • 03. September 2011 16:07 Uhr

    Der Finanzkrieg tobt sich aus.

    Antwort auf "Halleluja!"
    • fx-555
    • 03. September 2011 16:12 Uhr
    4. Naja.

    Es ist wenigstens ein symbolischer Akt.

  1. und das auch noch in USA.aber immerhin.allerdings fragt man sich "mußte das wirklich so viele jahre dauern"oder ist jetzt alles verjährt ??

  2. Na wunderbar damit lassen sich mal wieder die SChlagzeilen füllen und die USA beweisen dass sie handlungsfähig sind. Und wer schaut denn schon gerne hinter die Kulissen?
    Als Alan Greenspan den Leitzins sinken ließ (somit war es für die Banken lukrativer Geld aufzehmen) und George W. Bush die Parole ausgab, dass jeder Amerikaner ein Eigenheim bräuchte begann die Talfahrt doch. Auf einmal konnte sich jeder völlig mittellose Amerikaner ein Haus leisten - kein Hahn krähte danach, ob man von Leuten die schon mehrere Kredite zurückzahlen mussten, das Geld jemals wiedersehen würde. Die Banken machten das, was jedes gewinnorientierte Unternehmen getan hätte - Sie vermittelten die Kredite. Das ganze wuchs, wurde in hedge fonds gepackt und überstieg irgendwann den realen Wert der Immobilien um das zig fache. Und so jemand wie Bush wundert sich dann auch noch wenn die Blase platzt. Die Banken tragen eine Schuld an der Misere, aber oben genannte Herren ebenfalls und noch mehr als diese: Die Ratingagenturen. Aber die scheinen ja über jegliche Kritik seit jeher erhaben.
    In diesem Sinne

    8 Leserempfehlungen
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    Bereits Ende der 90er Jahre kam Bill Clinton auf die "grandiose" Idee, die Bedingungen für Hypothekenkredite derartig zu lockern, daß so gut wie jeder eine Immobilie auf Pump kaufen konnte. Fannie Mae und Freddie Mac und auch die FED spielten dabei eine erhebliche unrühmliche Rolle. Bush hat dann dort weitergemacht, wo Clinton aufhörte.

    Es gehörte zum Selbstverständnis des 'American Way of Life', daß man ohne strenge Prüfung der Leistungsfähigkeit über Kredite kaufte, was man gerade haben wollte. Die Banken und andere Finanzinstitute haben fleißig daran mitgearbeitet.

    Wir sollten allerdings nicht nur auf die USA mit dem Finger zeigen; in Europa (und in anderen Regionen der Welt) agierten Regierungen und Bürger ebenso verantwortungslos.

  3. 7. Nun ja

    Es ist ein Schritt in die richtige Richtung. Allerdings will ich alles wiedersehen! Wie viel Geld wurde in die Banken reingepumpt? Hunderte von Milliarden! Mann könnte natürlich die Banken zwingen das ganze Geld zurückzuzahlen das sie verzockt haben, meinetwegen auch in Raten.
    Doch bis das geschiet muss der Finanzmarkt noch schätzungsweise 10x mal zusammenbrechen...

    • peto1
    • 03. September 2011 18:03 Uhr

    Na und die rennen gleich wieder zu den Regierungen und kriegen sowieso soviel Steuergelder als Rettung soviel sie wollen und scheren sich sowieso nicht darum ohne Verbindlichkeiten oder Sicherheiten.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Schlagworte Deutsche Bank | Commerzbank | Dax | Goldman Sachs | Bank of America | Fannie Mae
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