IWF-Chefin Christine Lagarde © Brendan Smialowski/AFP/Getty Images

Die Stimmung bei den Jahrestagungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) ist in der Regel ein guter Indikator für die Lage der Weltwirtschaft . In den vergangenen Jahren war stets die Zuversicht zu spüren, die Krise dank der entschlossenen Rettungsmaßnahmen der Politik überwinden zu können. Das diesjährige Treffen ist von Resignation geprägt.

Zu gravierend scheinen die Probleme der Weltwirtschaft – und zu wenig setzt ihnen die Politik entgegen. Die übertriebene Rettungseuphorie ist einem übertriebenen Rettungspessimismus gewichen.

In vielen Ländern sind die Staatskassen leer – Spielraum für neue Konjunkturprogramme ist nicht vorhanden. In den Ländern, in denen es noch Spielraum gibt, sind die Bürger und die Parlamente dagegen, ihn auszunützen. Das gilt vor allem für die USA, wo es Präsident Barack Obama trotz hoher Arbeitslosigkeit und einer maroden öffentlichen Infrastruktur nicht schafft, ein neues Hilfspaket durch den Kongress zu bringen.

Zugleich wächst der öffentliche Druck auf die Zentralbanken, ihre Hilfsmaßnahmen zurückzufahren. In den USA fordern die Republikaner Notenbankchef Ben Bernanke in einem öffentlichen Brief dazu auf, auf neue geldpolitische Stimuli zu verzichten, in Deutschland greift Bundespräsident Christian Wulff die Europäische Zentralbank an.

Führungslos vor dem Abgrund

Die Furcht vor der Inflation ist angesichts der deflationären Tendenzen in der Weltwirtschaft völlig unangebracht, doch für die Notenbanker wird es angesichts der öffentlichen Debatte immer schwerer, ihr Mandat zu erfüllen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die größte Bedrohung für die Unabhängigkeit der Währungshüter nicht von jenen kommt, die die Notenpresse anwerfen wollen, sondern von jenen, die sie stoppen wollen.

Und auch die Lösung der europäischen Schuldenkrise droht an der allgemeinen Rettungsmüdigkeit zu scheitern. Denn entweder sorgen die Europäer dafür, dass Staatsanleihen wieder als sicheres Investment gelten – oder sie schulden die Krisenländer um und fangen die dramatischen Folgewirkungen für die Banken und andere Staaten ab, denen die Ansteckung droht. Beides wird Milliarden kosten, sehr viele Milliarden.

So steuert die Weltwirtschaft führungslos auf den Abgrund zu: In China lässt die Konjunktur nach, Europa wird von den Investoren gemieden und die USA kommen nicht aus der Schwächephase.

Die Situation erinnert an das Jahr 2008 – nur dass diesmal kein Retter bereit steht.