Bankenkrise Ackermann wehrt sich gegen Zwangskapitalisierung

Es wird wahrscheinlicher, dass die Banken mit Staatshilfen ausgestattet werden – auch unfreiwillig. Der Deutsche-Bank-Chef kontert, die Institute seien sicherer als 2008.

Der Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat der Forderung der EU-Kommission nach einer höheren Eigenkapitalquote von Banken widersprochen. "Die aktuelle Rekapitalisierungsdebatte ist kontraproduktiv", sagte Ackermann. Sie signalisiere den Märkten, dass ein Schuldenschnitt in Griechenland wahrscheinlicher werde. Mehr Kapital könnten die Banken derzeit "sicher nicht" von privater Seite bekommen, eine Kapitalaufstockung laufe daher auf weitere Staatshilfen hinaus, was die Schuldensituation verschärfe.

Der Kapitalbedarf für die einzelnen Häuser soll EU-Kreisen zufolge in einem Blitz-Stresstest ermittelt werden. Darin unterstellt die Europäische Bankenaufsicht, dass alle Staatsanleihen der Euro-Krisenländer zu aktuellen Marktpreisen bewertet werden. Alle Institute, die unter diesen Bedingungen nicht mindestens eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent erreichen, müssen sich den Plänen zufolge frisches Kapital besorgen.

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Ackermann zweifelt an diesem Konzept. "Nicht die Kapitalausstattung der Banken ist das Problem, sondern die Tatsache, dass Staatsanleihen ihren Status als risikofreie Aktiva verloren haben." Der Schlüssel zur Lösung liege daher darin, dass die Regierungen das Vertrauen in die Solidität der Staatsfinanzen wiederherstellten.

"Die Deutsche Bank wird alles tun, um eine Zwangskapitalisierung zu vermeiden", sagte Ackermann. Sie verfüge über ausreichend eigene Mittel, um eine neue Krise zu meistern. Dies könne unter Umständen heißen, "die Bilanzen massiv zu kürzen, vielleicht sogar, sich von Dingen zu trennen, die durchaus im strategischen Interesse der Bank liegen".

Ackermann behauptete, der europäische Bankensektor stünde im Vergleich zur Krise von 2008 wesentlich besser da: Die Institute seien besser kapitalisiert, hätten weniger toxische Papiere und ein ausgefeilteres Risikomanagement. Die Deutsche Bank selbst könne angesichts einer Überschussliquidität von 180 Milliarden Euro "mehrere Monate gut leben, ohne irgendwelche Märkte beanspruchen zu müssen". Der Konzern habe eine Kernkapitalquote von mehr als zehn Prozent. Vorgeschrieben sind derzeit mindestens zwei Prozent.

Auch Sparkassen-Präsident Heinrich Haasis kritisierte die von EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso vorgestellten Pläne. Die Ursache der aktuellen Krise liege darin, dass viele Regierungen zu viele Schulden aufgenommen hätten, und nicht bei den Banken. "Es ist doch eigentlich Unsinn, wenn man nun sagt, die Staaten zahlen ihre Schulden nicht zurück und deshalb geben die Staaten den Banken Geld, damit sie das verkraften können", sagte Haasis im Deutschlandfunk.

Protest gegen "künstliche Verschärfung"

Auch die Chefs der fünf großen deutschen Bankenverbände kritisierten die Kapitalisierungspläne. In einem Brief an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) schreiben sie, es könne "nicht im Interesse der Stabilisierung der Finanzmärkte liegen, durch eine künstliche Verschärfung des Eigenkapitalbegriffs eine vermeintliche Schwäche der europäischen Kreditwirtschaft zu fingieren".

Die Banken sollten nach Ansicht der Verbände ausreichend Zeit bekommen, einen eventuellen Eigenkapitalbedarf zu decken. Erst an zweiter Stelle solle der Staat aktiv werden. Die europäische Bankenaufsicht solle die Risikotragfähigkeit der Banken auf der Grundlage des derzeit gültigen Eigenkapitalbegriffs beurteilen. Die verschärften Eigenkapitalanforderungen, die erst ab 2019 in voller Höhe gelten sollen, dürften nicht vorweggenommen werden.

 
Leser-Kommentare
    • Marula
    • 13.10.2011 um 15:55 Uhr

    Man muss bezweifeln, dass die Politiker noch wissen, was sie tun. Noch im Juli 2010 beim ersten Banken-Stresstest hat Schäuble Kritik zurückgewiesen, dass der Härtetest für Banken zu leicht zu bestehen sei. Es dauerte nur ein Jahr und die IWF-Chefin Lagarde forderte dringend die Rekapitalisierung der Banken. Schäuble wies diese Forderung zurück und erklärte, die Berechnung sei "teils falsch, teils missverständlich". Nur einen Monat später warnte auch er vor einer Bankenkrise. Das schafft nicht gerade Vertrauen.
    Erstaunlich, dass Ackermann die Frage nach der "Schuld" stellt. Soll das bankrotte Griechenland oder die anderen PIIGS für den Schaden aufkommen, weil sie ihn verursacht haben? Wo nichts ist, kann man auch nichts holen. Bekanntlich sind es die Steuerzahler, die für alles aufkommen und die können nun wirklich nichts für die Krise. Hier sind Ratschläge, man solle doch mit deren Geld eher die Staaten als die Banken retten, fehl am Platz.

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    • joG
    • 13.10.2011 um 17:32 Uhr

    ...sehr genau und sie ist ziemlich sicher eine der besser kapitalisierten europäischen Institute. Sicher ist aber auch, dass es einen guten Grund gab, dass die Politik den letzten Stresstest so anlegte, wie sie das tat. Die europäischen Banken waren und sind vermutlich tatsächlich sehr schlecht ausgestattet im Durchschnitt. Das waren sie vor der Krise 2008 und haben seither keine sehr gute Entwicklung der Assets gehabt, die ihnen die Politik aufzwang.

    Der französiche Staat und seine Banken sind aufgrund ihrer quasi sozialistischen Wirtschaft und damit drohender Überschuldung finanziell in erheblicher Gefahr. Da werden Überlegungen überlebenswichtig, wie man sich mit fremden Geld, also auf Kosten anderer, helfen lassen kann.

    Dazu war es strategisch von großer Bedeutung, die Sarkozy-Vertraute Lagarde in die Schlüsselposition beim IWF zu bringen. Noch bedeutender war es, Staatsschulden durch die französich getriebene EZB (Trichet) zu sozialisieren (Aufkauf von Staatsanleihen) und staatenübergreifende Rettungsschirme zu etablieren, die sich auch staatenübergreifend um Banken kümmern sollen. Soweit zur Aufstellung.

    Die Strategie des Angriffs auf unsere Vermögen (denn darauf läuft es hinaus) besteht nun darin, die Banken mit Hilfe der Rettungsschirme und des manipulierten Stresstests zur Aufnahme staatlichen Kapitals zu zwingen. Dies bedeutet zum einen eine Zwangsenteignung der Banken im Sinne des französischen sozialistischen Staats- und Wirtschaftsverständnisses, die zum anderen im wesentlichen vom deutschen Steuerzahler so lange finanziert werden muss, bis dieser blank ist.

    Daüber hinaus werden IWF und vor allem EZB (neuer Chef: Italiener!) zunehmend in die Staatsfinanzierung involviert, was auch wieder im wesentlichem vom deutschen Steuerzahler bezahlt werden wird.

    Merkel hat's schwer gegenzuhalten, weil auch die deutschen Sozis auf der falschen Seite stehen.

    Wer das nicht glaubt, möge einfach die Entwicklung abwarten.

    • joG
    • 13.10.2011 um 17:32 Uhr

    ...sehr genau und sie ist ziemlich sicher eine der besser kapitalisierten europäischen Institute. Sicher ist aber auch, dass es einen guten Grund gab, dass die Politik den letzten Stresstest so anlegte, wie sie das tat. Die europäischen Banken waren und sind vermutlich tatsächlich sehr schlecht ausgestattet im Durchschnitt. Das waren sie vor der Krise 2008 und haben seither keine sehr gute Entwicklung der Assets gehabt, die ihnen die Politik aufzwang.

    Der französiche Staat und seine Banken sind aufgrund ihrer quasi sozialistischen Wirtschaft und damit drohender Überschuldung finanziell in erheblicher Gefahr. Da werden Überlegungen überlebenswichtig, wie man sich mit fremden Geld, also auf Kosten anderer, helfen lassen kann.

    Dazu war es strategisch von großer Bedeutung, die Sarkozy-Vertraute Lagarde in die Schlüsselposition beim IWF zu bringen. Noch bedeutender war es, Staatsschulden durch die französich getriebene EZB (Trichet) zu sozialisieren (Aufkauf von Staatsanleihen) und staatenübergreifende Rettungsschirme zu etablieren, die sich auch staatenübergreifend um Banken kümmern sollen. Soweit zur Aufstellung.

    Die Strategie des Angriffs auf unsere Vermögen (denn darauf läuft es hinaus) besteht nun darin, die Banken mit Hilfe der Rettungsschirme und des manipulierten Stresstests zur Aufnahme staatlichen Kapitals zu zwingen. Dies bedeutet zum einen eine Zwangsenteignung der Banken im Sinne des französischen sozialistischen Staats- und Wirtschaftsverständnisses, die zum anderen im wesentlichen vom deutschen Steuerzahler so lange finanziert werden muss, bis dieser blank ist.

    Daüber hinaus werden IWF und vor allem EZB (neuer Chef: Italiener!) zunehmend in die Staatsfinanzierung involviert, was auch wieder im wesentlichem vom deutschen Steuerzahler bezahlt werden wird.

    Merkel hat's schwer gegenzuhalten, weil auch die deutschen Sozis auf der falschen Seite stehen.

    Wer das nicht glaubt, möge einfach die Entwicklung abwarten.

  1. Es liegt doch auf der Hand, wie die Banken angesichts der jetzigen Situation - weltweit bildet sich Widerstand gegen die Banken -argumentieren müssen.

    Aber man kann doch auf die Aussagen "der Ackermänner" eingehen.

    Man überläßt die Banken sich selbst. Wunschgemäss.
    Entweder stimmen die Aussagen der Bankster oder sie stimmen eben nicht. dann werden eben die Banken reihenweise pleite gehen oder auch nicht. Auf jeden Fall gibt es dann keinerlei Staatshilfe mehr. Fertig.

    Und weiter?

  2. Nicht der Staat hat die Banken vernachlässigt sondern
    die Banken die Allgemeinheit eines Staats.
    Vollkommene Benutzung eines Staats wurde durch sogenannte
    Peanuts-Banker vollzogen.
    Und dies auch noch mit wissentlicher Unterstützung einiger
    politischen Parteien.
    Die Solidität der Banken ist unter anderem mit der in-
    stallierung eines Herrn Ackermann auf tiefste Niveau ab-
    gestuft worden.
    Das Nichts der Qualifikation und das Nichts des Geistes
    hatte Vorrang vor der Solidität ordentlicher Geschäfte.

    Profitmaximierung,mit den grosszügigen Unterstützer aus
    Wirtschaft und vor allem aus der Politik haben das der-
    zeitige Fiasko eingeleitet.
    Weder die Banker noch die Politik haben eine korrekte
    Arbeit abgeliefrert.
    Manchmal,so denke ich, hat diese Konstellation es nicht
    verdient in Europa leben zu dürfen.

  3. inzwischen nicht selbst peinlich sind...
    Er weis doch wohl ganze genau, dass er nur für sich allein sprechen kann. Es sieht immer so aus als würde er das ganz allgemein meinen. Der Schlüssel ist, dass Banken verantwortungsvoller investieren müssen und nicht das Geld wie nichts gutes raushauen können, weil sie eh immer gerettet werden. Wenn er seine narzistische Einstellungen nicht endlich mal ablegt, dass alle immer alles den Banken recht machen müssen wird das nie was. Das ist genau das Problem. Es muss endlich mal möglich werden, dass Banken allein klar kommen ohne das ständig Ausnahmezustand herrscht. So sieht's aus Herr Ackermann!

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    Herr Ackermann ist auch vorsitzender der Internationalen Banken Vereinigung. Er darf nicht nur er muss sich sogar auch in deren Namen zu Wort melden.

    Außerdem ist nicht nur den Banken in Deutschland völlig unklar warum man ihnen jetzt mit aller Gewalt Steuergelder geben will die sie nicht wollen.

    Vielleicht sollten wir mal bei Herrn Barroso vorbeischauen und ihn fragen was der ganze Unsinn soll.

    Herr Ackermann ist auch vorsitzender der Internationalen Banken Vereinigung. Er darf nicht nur er muss sich sogar auch in deren Namen zu Wort melden.

    Außerdem ist nicht nur den Banken in Deutschland völlig unklar warum man ihnen jetzt mit aller Gewalt Steuergelder geben will die sie nicht wollen.

    Vielleicht sollten wir mal bei Herrn Barroso vorbeischauen und ihn fragen was der ganze Unsinn soll.

  4. Herr Ackermann ist und bleibt der Banken-Cheflobbyist, der natürlich ausschließlich die Interessen der Banken vertritt.
    Natürlich ist es richtig, dass Staatsanleihen den Status als risikofreie Aktiva verloren haben, aber daraus abzuleiten, dass die Staaten in der Pflicht stünden und nicht die Banken, ist schon etwas abenteuerlich.

    Hat Herr Ackermann vergessen, dass die Staaten nach der Lehman-Pleite die Banken retten mussten und sich auch deshalb über Gebühr verschuldet haben?

    Und waren es nicht die Banken, die aufgrund ihrer Kompetenz schon seit Jahren wissen mussten und auch wussten, dass griechische Anleihen niemals sicher sein können?

    Und waren es nicht die Banken, die mit Anleihen der Krisenländer jahrelang beste Geschäfte gemacht gemacht haben?

    Und waren es nicht die Banken, die die Politik mit einer lächerlichen freiwilligen und angeblichen Beteiligung von 20 % (Umtausch Laufzeit griechischer Anleihen) über den Tisch gezogen haben (hatten längst mehr abgeschrieben)?

    Was mich auch noch ärgert, ist die mittlerweile auch in Deutschland zulässige Bilanzierung der Banken nach IFRS (International Financial Reporting Standards), die nur der Verschleierung von Risiken dient. Außerdem kämpfen die Banken auch noch um eine bankenfreundliche Auslegung dessen, was zum Kernkapital zu rechnen ist.

    Ich hoffe, dass die Politik den Banken endlich die Stirn zeigt und sich nicht immer wieder über den Tisch ziehen lässt.

  5. Das Herz des deutschen Kapitalismus ist eben sehr zäh.

    Eine Leser-Empfehlung
  6. Wen bitte ,soll Herr Ackermann denn repräsentieren ausser die Banken, er ist doch nun mal für deren Interessen zuständig.
    Das die nicht notwendigerweise mit unseren kongruent sein müssen , ist doch klar.
    Wenn jemand aber bewusst Schulden aufnimmt in dem Wissen diese nicht zurückzahlen zu können, dann ist das eigentlich ein betrügerischer Bankrott.
    Wenn Verträge aber mit den Füssen getreten werden ist es eigentlich auch eine Unverfrorenheit, die man aber nirgendwo einklagen kann, da kein Gericht für diese Verträge zuständig ist.
    Wer hat in Griechenland zu Hochzinsen Geld verliehen , die Ausdruck des Risikos sind ? Die Landesbanken (und Franz. Banken ). Die können wir nicht enteignen , da sie uns gehören.

    Eine Leser-Empfehlung
  7. Entfernt. Bitte diskutieren Sie das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/mk

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