Euro-Krise Die Bankenrettung ist ein Fehler

Die Kanzlerin verspricht, Banken im Notfall mit Kapital auszustatten. Ein falsches Signal, kommentiert Mark Schieritz, mit dem Geld sollten Staaten gerettet werden.

Die Kanzlerin ist bereit: Notfalls, so Angela Merkel, müssen die von der Euro-Krise gebeutelten Banken mit neuen Milliarden gestützt werden. Frankreich und Belgien haben bereits die ersten Hilfen verabreicht. Was jetzt als Allheilmittel gegen die Krise angepriesen wird, könnte sie in Wahrheit noch verschlimmern.

Um das zu verstehen, muss man einen Schritt zurücktreten und die großen Linien nachzeichnen. Deutschland hat in der Euro-Krise bislang zwei historische Fehler begangen. Der erste Fehler bestand darin, die Hilfen für Griechenland so lange hinauszuzögern, dass die internationalen Finanzmärkte in Aufruhr gerieten. Dieses Zögern wird heute damit begründet, dass es anders nicht möglich gewesen wäre, die Griechen auf einen Konsolidierungskurs zu bringen, doch das ist ein Eingeständnis mangelnder politischer Kreativität. Damals jedenfalls wurden Zweifel am Zusammenhalt der Europäer gesät und der Grundstein für die Vertrauenskrise gelegt, die sich seither mit der Präzision eines Uhrwerks entfaltet und auf immer mehr Länder übergreift.

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Der zweite Fehler bestand darin, auf dem deutsch-französischen Gipfel von Deauville die Beteiligung privater Gläubiger im Fall einer Staatspleite durchzusetzen. Seit dieser Vereinbarung werden die einstmals als sichere Wertpapiere betrachteten europäischen Staatsanleihen wie Risikoinvestments behandelt, weil die Investoren nun mit Verlusten rechnen müssen. Inzwischen gilt nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds rund die Hälfte der ausstehenden Anleihen als toxisch. Selbst Brasilien oder Kolumbien können sich heute günstiger finanzieren als Schwergewichte wie Italien. Deutschland drohte mit der Pleite und das Kapital nahm die Drohung ernst – und zog sich zurück.

Zeitleiste
Chronik Euro-Krise
Oktober 2009

Die griechische Regierung revidiert die Schätzung des Staatsdefizits für 2009 nach oben – von sechs auf mehr als zwölf Prozent des BIPs. Bereits zuvor enthielt die Schuldenstatistik des Landes gravierende Fehler: Im Jahr 2004 wurde bekannt, dass die Neuverschuldung in den Jahren 1998 und 1999 – also kurz vor Einführung des Euro – deutlich über den im Maastricht-Vertrag festgeschriebenen drei Prozent des BIPs lag. Ende 2010 werden Griechenlands Schulden mehr als 140 Prozent der Wirtschaftsleistung betragen.

16. Dezember 2009

Als erste Rating-Agentur stuft Fitch die Kreditwürdigkeit Griechenlands herab; die anderen Agenturen folgen. Die Sparmaßnahmen Griechenlands reichten nicht aus, um das Defizit nachhaltig zu verringern, begründet Standard & Poor's die Entscheidung. In der EU wächst die Angst vor einem Staatsbankrott, der andere Länder anstecken könnte. In Griechenland kommt es zu ersten Streiks gegen die Sparpolitik der Regierung.

11. Februar 2010

Die Staats- und Regierungschefs der EU erklären sich bereit, Griechenland finanziell zu unterstützen, um die Stabilität der Währungsunion zu sichern. Die EU fordert Griechenland jedoch gleichzeitig auf, die Sparanstrengungen zu verstärken. Zuvor bescheinigte die Kommission ihren Finanzstatistiken qualitative Mängel. Die griechische Regierung verkündet zusätzliche Sparmaßnahmen in Höhe von 4,8 Milliarden Euro. Das entspricht rund zwei Prozent des griechischen BIPs.

2. Mai 2010

Die EU-Finanzminister beschließen, Griechenland Kredite in Höhe von 110 Milliarden Euro zu gewähren: 80 Milliarden kommen von den Euro-Staaten, 30 vom IWF. Nur zehn Tage später fließt die erste Tranche nach Athen. Im Gegenzug wird Griechenland verpflichtet, hart zu sparen, die Wirtschaft zu reformieren und staatliche Unternehmen zu privatisieren. An den Kapitalmärkten kann sich Griechenland nur noch zu hohen Zinsen refinanzieren. Standard & Poor's bewertet die Anleihen des Landes als hochspekulativ (B).

8. Mai 2010

Das Bundesverfassungsgericht lehnt einen Eilantrag gegen die Griechenland-Hilfen ab. Fünf Wissenschaftler hatten nach der Verabschiedung des Gesetzes zur Griechenland-Hilfe im Bundestag Verfassungsbeschwerde eingelegt. Ihr Argument: Die Hilfe verstoße gegen die EU-Verträge, genauer: gegen das Verbot der gegenseitigen Haftung in der sogenannten No-Bailout-Klausel. Mit den Finanzhilfen werde eine "verheerende Inflationspolitik" betrieben.

10. Mai 2010

Die Europäische Zentralbank (EZB) beschließt, Staatsanleihen kriselnder Staaten aufzukaufen. Sie will verhindern, dass die Länder ihre Schulden nicht mehr bedienen können, weil die Zinsen immer weiter steigen. Ihre Statuten verbieten ihr, Anleihen direkt von den Emittenten zu erwerben; also wird sie am öffentlichen und privaten Anleihemarkt – dem sogenannten Sekundärmarkt – tätig. Mit der Ankündigung bricht die EZB mit einem Tabu: Bisher hat sie derartige Mittel zur Krisenbekämpfung stets abgelehnt.

7. Juni 2010

Die Euro-Finanzminister gründen in Luxemburg die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), den sogenannten Euro-Rettungsschirm. Die Zweckgesellschaft soll im Notfall am Kapitalmarkt Kredite aufnehmen, um klamme Staaten finanziell zu stützen. Die Euro-Länder sollen für die Kredite bürgen, Deutschland mit bis zu 148 Milliarden Euro. Der EFSF umfasst insgesamt 750 Milliarden Euro. Die tatsächliche Kreditvergabekapazität liegt niedriger, weil für ein AAA-Rating hohe Garantien erforderlich sind.

29. September 2010

EU-Währungskommissar Olli Rehn präsentiert Vorschläge zur Krisenbewältigung. Der Finne will den Stabilitäts- und Wachstumspakt stärken und die EU finanzpolitisch besser steuern. Dazu sollen etwa Sanktionen künftig automatisch verhängt werden und nicht erst, wenn die Mitgliedsländer darüber entschieden haben. Und Schuldenstaaten sollen schon bei der Eröffnung eines Defizitverfahrens ein Strafpfand in Höhe von 0,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes hinterlegen. Die EU-Finanzminister entscheiden über die Vorschläge im März 2011.

30. September 2010

Die Rating-Agentur Moody's stuft Spanien herab, die viertgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone. Sie bewertet die Bonität des Landes nun nicht mehr mit der Bestnote. Vor dem Platzen der Immobilienblase befand sich Spanien noch im Aufschwung. Seitdem kämpft das Land mit den Folgen der Finanzkrise. Ministerpräsident Zapatero bestreitet, finanzielle Hilfe der EU zu brauchen. Spanien hat auf einen rigorosen Sparkurs geschwenkt – genau wie der ebenfalls hoch verschuldete Nachbar Portugal.

21. November 2010

Irland muss vom Euro-Rettungsschirm aufgefangen werden. Das Land hat seine Banken mit Milliardenbeträgen vor dem Zusammenbruch gerettet und ist dadurch selbst in eine Schieflage geraten. Die Euro-Finanzminister beschließen Hilfskredite in Höhe von 85 Milliarden Euro, im Gegenzug muss Irland wie zuvor schon Griechenland hart sparen. Die irischen Bürger sind wütend: Bis zuletzt hatte ihre Regierung bestritten, Hilfe aus Brüssel beantragen zu wollen.
 

28. November 2010

Die Finanzminister der Euro-Länder einigen sich auf einen dauerhaften Krisenfonds, den Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM). Er soll 2013 den Rettungsfonds EFSF ablösen. Der ESM umfasst 700 Milliarden Euro, von denen maximal 500 Milliarden an Not leidende Staaten verliehen werden können. Der Rest dient als Sicherheitseinlage. Sie soll die Rating-Agenturen überzeugen, auch dem ESM Bestnoten zu verleihen. Im Gegensatz zum EFSF wird der neue Fonds mit einer Bareinlage in Höhe von 80 Milliarden Euro ausgestattet. In Einzelfällen können auch private Gläubiger beteiligt werden.

16. Dezember 2010 /25. Januar 2011

Die EZB verdoppelt ihr Grundkapital auf elf Milliarden Euro, um ihre Anleihekäufe abzusichern. Zu diesem Zeitpunkt hat sie bereits für 72 Milliarden Euro Anleihen aufgekauft – griechische, irische, portugiesische, spanische. Einen Monat später gibt der Rettungsfonds EFSF erstmals selbst Anleihen auf dem Kapitalmarkt aus. Das Interesse der Anleger an den EFSF-Anleihen ist enorm, unter anderem wegen seines Top-Ratings.

11. März 2011

Die Staats- und Regierungschefs der EU-Länder beschließen, die Kreditvergabekapazität des EFSF auf 440 Milliarden aufzustocken. Außerdem einigen sich die Staaten auf den "Pakt für den Euro" – die Selbstverpflichtung, sich in der Haushalts-, Steuer- und Sozialpolitik enger abzustimmen – und verpflichten sich zum Sparen. Gleichzeitig wird der Stabilitäts- und Wachstumspakts verschärft. Die von Deutschland geforderten automatischen Sanktionen scheitern allerdings am Widerstand der Mitgliedsstaaten.

April 2011

Innerhalb der schwarz-gelben Koalition regt sich Widerstand gegen den ESM: Mehr als 30 FDP-Politiker fordern, den Rettungsfonds auf dem Parteitag im Mai abzulehnen. Außerdem wollen sie ein Insolvenzverfahren für EU-Staaten mit starker Gläubigerbeteiligung und ein Verbot für die EZB, Anleihen aufzukaufen. Sie scheitern: Zwei Drittel der Liberalen sprechen sich gegen ein Nein zum ESM aus. Außenminister Westerwelle sagt: "Europa liegt im deutschen Interesse."

7. April 2011

Auch Portugal will unter den Rettungsschirm. Das ärmste Land Westeuropas sieht keine Alternative, nachdem die Opposition im März ein geplantes Sparprogramm der Minderheitenregierung ablehnte. Nach dreiwöchigen Verhandlungen bekommt Portugal 78 Milliarden Euro zugesprochen – und mehr Zeit für den Schuldenabbau: Die Neuverschuldung des Staats darf in diesem Jahr nun statt 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts 5,9 Prozent betragen.

Juli 2011

Die Sorge um Italien lässt die Gemeinschaftswährung abrutschen. Die Staatsverschuldung der drittgrößten Volkswirtschaft Europas ist, gemessen am Bruttoinlandsprodukt, mit fast 120 Prozent höher als die Irlands und Portugals. Die Renditen auf ihre Anleihen steigen. Die Regierung plant, in vier Jahren knapp 48 Milliarden Euro einzusparen, etwa im öffentlichen Dienst und im Gesundheitswesen. Berlusconi meint trotzdem: "Wir sind stabil."

21. Juli 2011

Die Euro-Länder beschließen das zweite Rettungspaket für Griechenland. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 109 Milliarden Euro und soll bis 2014 reichen. Erstmals beteiligen sich freiwillig private Gläubiger: Banken sollen 37 Milliarden Euro beisteuern, indem sie griechische Staatsanleihen in neue Bonds mit geringeren Zinsen umtauschen. Ein Erfolg für die Bundesregierung, die sich für die Beteiligung privater Gläubiger eingesetzt hat.

8. August 2011

Die Europäische Zentralbank kauft erstmals auch italienische und spanische Staatsanleihen am Sekundärmarkt. Sie will damit verhindern, dass die Zinsen für die Krisenstaaten weiter steigen. Mit Erfolg: Der Druck auf die beiden Länder nimmt in den kommenden Wochen etwas ab. Italien erklärt sich bereit, ein weiteres Sparpaket aufzulegen: Bis 2013 soll der Haushalt um weitere 45 Milliarden Euro gekürzt werden.

August 2011

Die Debatte über Euro-Bonds entflammt. Euro-Gruppen-Chef Juncker ist dafür, die Krisenstaaten im Süden auch. In Deutschland drängen SPD und Grüne auf die gemeinsamen Anleihen; auch in der CDU bröckelt der Widerstand. Die FDP ist weiterhin strikt gegen Euro-Bonds, auch Angela Merkel lehnt sie ab. Unterdessen sorgen Gerüchte, Frankreich könnte sein AAA-Rating verlieren, für Turbulenzen an den Börsen. Der Dax fällt zeitweise um bis zu sechs Prozent im Vergleich zum Vortag. Sarkozy kündigt weitere Sparpläne an.

16. August 2011

Merkel und Sarkozy treffen sich zu einem Krisengipfel. Euro-Bonds sind dabei angeblich kein Thema. Stattdessen schlagen die beiden Staatschef eine EU-Wirtschaftsregierung vor, die sich aus dem Rat der Staats- und Regierungschefs der Euro-Länder zusammensetzen soll. Außerdem soll eine Schuldenbremse nach deutschem Vorbild in die Verfassungen der Euro-Länder – und eine Steuer auf Finanztransaktionen. Letztere stößt vor allem bei den Banken auf wenig Gegenliebe.

31. August 2011

Das Bundeskabinett bringt das "Gesetz zur Übernahme von Gewährleistungen im Rahmen eines europäischen Stabilisierungsmechanismus" auf den Weg. Damit setzt es die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 21. Juli um. Deutschland bürgt nun für weitere 211 Milliarden Euro. Knackpunkt in der deutschen Diskussion ist die Beteiligung des Bundestages: Künftig soll das Parlament über alle neuen Hilfen abstimmen. Unter anderem haben die Unions- und die FDP-Fraktion dies gefordert.

August/September 2011
Banken Frankfurt

Die europäischen Banken misstrauen einander zunehmend. Statt sich gegenseitig Geld zu leihen, bemühen sie die EZB. Der Liquiditätsfluss im Finanzsektor droht auszutrocknen, die Angst vor einer neuen großen Bankenpleite wächst. Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), fordert deshalb, die Banken mit neuem Kapital auszustatten, das direkt vom Rettungsfonds EFSF kommen soll. Auch die Bankenaufsicht (EBA) zeigt sich besorgt. EZB-Chef Trichet und Deutsche-Bank-Chef Ackermann hingegen kritisieren die Vorstöße.

7. September 2011
Bundesverfassungsgericht

Erneut weist das Bundesverfassungsgericht Verfassungsbeschwerden gegen die Griechenland-Hilfen ab. Die Richter entscheiden, dass die deutsche Beteiligung am Rettungsfonds EFSF mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Sie setzen aber voraus, dass der Haushaltsausschuss des Bundestages allen Rettungsmaßnahmen zustimmen muss. Bisher musste sich Finanzminister Wolfgang Schäuble lediglich um ein Einvernehmen mit dem Parlament bemühen.

Mitte September 2011

Die Spekulationen über eine mögliche Insolvenz Griechenlands nehmen zu. Eine neue Immobiliensteuer soll das benötigte Geld in die öffentlichen Kassen bringen. Der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos sagt, sein Land brauche weitere Milliarden, um seine Haushaltsziele zu erreichen. Die griechische Wirtschaft schrumpft stärker als gedacht. Ein Sprecher des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble nennt die Spekulationen "zwecklos", aber Wirtschaftsminister Philipp Rösler sagt öffentlich, es dürfe keine Denkverbote geben. Eine geordnete Insolvenz schließt er nicht mehr aus.

29. September 2011

Der Bundestag billigt die von den Euro-Ländern geplante Aufstockung des Rettungsfonds EFSF auf 780 Milliarden Euro, von denen 440 Milliarden an überschuldete Euro-Staaten verliehen werden können. Treten die geplanten Änderungen in Kraft, steigen die deutschen Garantien um 88 Milliarden auf 211 Milliarden Euro. Zudem erhält der Fonds dann weitere Kompetenzen: Künftig soll er an der Börse Staatsanleihen von Krisenstaaten kaufen, um deren Kurse zu stabilisieren. Von 611 anwesenden Abgeordneten im Bundestag stimmen 523 dem Gesetzentwurf der Koalitionsfraktionen zu.

Oktober 2011

Am 26. Oktober stimmt der Bundestag schon wieder über eine Ausweitung des Rettungsfonds EFSF ab. In ihrer Regierungserklärung appelliert Kanzlerin Merkel an die Abgeordneten, ihre Rettungspolitik zu unterstützen: "Scheitert der Euro, scheitert Europa", sagt sie. 503 von 596 Abgeordneten stimmen für die Erweiterung. Auf dem anschließenden EU-Gipfel beschließen die Staats- und Regierungschefs einen Schuldenschnitt für Griechenland, eine Ausweitung des EFSF und eine Rekapitalisierung der Banken. Italien verspricht, stärker zu sparen.

Anfang November 2011
Lucas Papademos (r.) mit seinem Amtsvorgänger Giorgos Papandreou

Am 31. Oktober kündigt Griechenlands Ministerpräsident Papandreou überraschend an, er wolle seine Bevölkerung über die EU-Rettungshilfen abstimmen lassen. Europas Regierungen setzten Griechenland daraufhin unter Druck: Die nächste Kredittranche, von den Euro-Finanzministern eigentlich schon gebilligt, wird auf Eis gelegt. Am 3. November sagt Papandreou das Referendum wieder ab. Sechs Tage später kündigt er seinen Rücktritt an. Das frühere EZB-Ratsmitglied Lucas Papademos wird neuer griechischer Ministerpräsident.
 

Mitte November 2011
Mario Monti

Nach wachsendem Druck der Finanzmärkte auf Italien tritt Regierungschef Silvio Berlusconi zurück. Sein Nachfolger wird der frühere EU-Kommissar Mario Monti. Im Dezember stimmt das Parlament in Rom seinem Spar- und Sanierungsprogramm zu. Auch in Spanien wechselt die Regierung: Bei der vorgezogenen Parlamentswahl am 20. November werden die Sozialisten abgewählt, die konservative Volkspartei (PP) mit ihrem Spitzenkandidaten Mariano Rajoy siegt. Er löst im Dezember José Luis Rodríguez Zapatero als Regierungschef ab.

Dezember 2011
David Cameron in Brüssel

Am 5. Dezember, nur wenige Tage vor dem nächsten EU-Gipfel, droht die Rating-Agentur Standard & Poor's Deutschland und weiteren 14 Ländern der Euro-Zone mit der Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Auf dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs ist Großbritanniens Premierminister David Cameron isoliert: Er will einen Vertrag für mehr Haushaltsdisziplin nicht mittragen, die anderen Länder vereinbaren den Abschluss des Regelwerks. Für sein Verhalten erntet Cameron auch im eigenen Land viel Kritik.

13. Januar 2012

Die Rating-Agentur Standard & Poor's stuft Frankreichs Kreditwürdigkeit herab. Einen Tag später entzieht sie neun weiteren Ländern die Bestnote. Auch der Krisenfonds EFSF verliert sein AAA-Rating. Die Folgen sind begrenzt: Die Zinsaufschläge für einige Krisenländer bleiben zwar hoch, sinken aber in der Tendenz. Die erste Auktion des EFSF nach seiner Herabstufung verläuft reibungslos. Allerdings nimmt die Flucht in sichere Häfen zu: Wenige Tage vor der Herabstufung von Frankreich zahlt Deutschland erstmals negative Zinsen auf kurzfristige Staatspapiere – wie zuvor die Schweiz und Dänemark.

31. Januar

Die Staats- und Regierungschefs der EU verabschieden in Brüssel den Fiskalpakt. 25 Staaten stimmen dem neuen Regelwerk zu; Großbritannien und Tschechien bleiben außen vor. Die neuen Regeln sollen ab 2013 gelten. Künftig kann die Kommission ein Defizitverfahren auch ohne die Zustimmung der Finanzminister eröffnen, immer dann, wenn die Defizitquote eines Landes drei Prozent überschreitet. Das strukturelle Defizit in den Haushalten darf in der Regel nicht mehr die Grenze von 0,5 Prozent überschreiten. Die Krisenstaaten müssen ihre Schulden um fünf Prozent jährlich abbauen. Die Regierungschefs verabschieden auch den dauerhaften Krisenmechanismus ESM, der ab Juli in Kraft treten soll. 

21. Februar

Die EU-Finanzminister bringen in Brüssel ein zweites Rettungspaket für Griechenland auf den Weg. Es umfasst neue Kredite in Höhe von 130 Milliarden Euro. Die Einigung der Minister mit Griechenland ist auch Voraussetzung für die Beteiligung privater Gläubiger an der Rettung des überschuldeten Landes. Sie sollen nun auf mehr als 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten. Der Schuldenstand Griechenlands soll dadurch auf rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung sinken.

8. März 2012
Der Parthenon auf der Akropolis

Der Parthenon auf der Akropolis

Die griechische Regierung verschickt eine Erfolgsmeldung: An dem angekündigten Schuldenschnitt beteiligen sich nach Angaben des Finanzministeriums rund 86 Prozent aller Gläubiger, die Papiere nach griechischem Recht halten. Damit ist das nötige Quorum erreicht, um auch die anderen Gläubiger zum Umtausch zu zwingen. Insgesamt wären dann rund 95 Prozent der Investoren im Boot. Rund 197 Milliarden der 206 Milliarden Euro an griechischen Staatsschulden können nun umgeschuldet werden. Die Anleger erhalten Papiere mit längerer Laufzeit und niedrigerem Zinssatz. Griechenland bekommt mehr Zeit.

Der dritte Fehler besteht nun darin, sich bei der Rettung auf die Rekapitalisierung der Banken zu konzentrieren. Dieser Fehler wird gerade begangen. Nun sollen also die Geldhäuser so mit Kapital ausgestattet werden, dass sie einen Schuldenschnitt in Griechenland und möglicherweise in Irland, Portugal, Spanien und Italien verkraften können. In vielen Fällen würde das auf eine Verstaatlichung herauslaufen.

Die Botschaft, die davon ausgeht, ist: Wenn wir die Banken erst einmal abgesichert haben, können wir die Staaten fallen lassen. Das wird auch noch den letzten Investor vertreiben und die Rechnung noch einmal in die Höhe treiben.

Der entscheidende Punkt ist: Die Europäer schießen auf ein bewegliches Ziel. Mit jeder Staatsanleihe, die als unsicher gilt, steigt der Betrag, der in die Banken gesteckt werden muss. Nach Schätzungen der japanischen Großbank Nomura sind schon 400 Milliarden Euro an zusätzlichem Eigenkapital nötig, damit die Banken Abschreibungen in Höhe von 21 Prozent in Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Irland verkraften können. Die Summe würde schnell größer werden, wenn die Ausfallraten steigen. Die ausstehenden Staatsschulden im Währungsraum belaufen sich auf 6.500 Milliarden Euro – soll das alles in die Banken fließen? Das Geld wäre besser angelegt, wenn es für die Rettung der Staaten verwendet würde. Wenn es dagegen gelänge, den Märkten endlich die Pleiteangst zu nehmen, bräuchten die Banken überhaupt kein frisches Geld.

Der Glaube, der Schuldenschnitt würde Probleme des Währungsraums lösen, ist naiv. Die Wahrheit ist: Er schafft nur neue. Die Milliarden, die jetzt in die Banken fließen, sind der Preis für die Zögerlichkeit bei der Staatenrettung. Er wird immer weiter steigen, wenn die Europäer ihre Krise nicht lösen.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn Dilettanten eine neue Währung schaffen,
    entsteht das Chaos.

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    • joG
    • 06.10.2011 um 13:57 Uhr

    ....dass der erste Fehler bereits mit Maastricht unterschrieben wurde. Danach folgten weitere und von jeder Regierung. Der Eiserne Hans hätte keine Präzedenz schaffen sollen für den Bruch des Stabilitätspakts und für die Hilflosigkeit der EU die vorgeschriebenen Strafen geltend zu machen. usw.

    Die Fehler jetzt sind zwar schlimm. Sie sind aber das Endspiel und nicht der Ausgangspunkt unserer Probleme.

    ist letztlich dilletantisch.

    Vermeiden sie solche Urteile, denn sie werden dem Problem nicht gerecht, sie verschlimmern es nur.

    Warum? Weil Politiker Menschen in einem Spannungsfeld sind, dessen Abhängigkeiten ihnen zumindest scheinbar keine andere Wahl lassen.
    Da nur drauf zu hauen erhöht nur die Resistenz gegenüber anderen Optionen.
    Wer das ändern will, muss sich Gedanken machen, wie es gelingen kann Politikern die Entscheidungsfreiheit zurückzugeben, die sie nur noch theoretisch besitzen.

    Kein Politiker will mit seiner Existenz oder Machtverlust bezahlen, wenn er eine "richtige" Politik betreibt.
    Und was richtig ist, wird längst von den Medien bestimmt, die wiederum das berichten und so bewerten, was den Geldgebern nützt.

    H.

    • MEIMEI
    • 08.10.2011 um 22:05 Uhr

    die Gleichen, die wie ihre Experten nicht verstehen wollen, das die sogenannten Märkte dem Finanzsystem nachgeschaltet sind, versuchen jetzt die Märkte zu beruhigen und die Banken zu retten, indem sie die Bürger (kommt von Bürgen!?) über Generationen verschulden und die Demokratie dabei über die Klinge springen lassen. Fachkompetenz? Fehlanzeige!

    • joG
    • 06.10.2011 um 13:57 Uhr

    ....dass der erste Fehler bereits mit Maastricht unterschrieben wurde. Danach folgten weitere und von jeder Regierung. Der Eiserne Hans hätte keine Präzedenz schaffen sollen für den Bruch des Stabilitätspakts und für die Hilflosigkeit der EU die vorgeschriebenen Strafen geltend zu machen. usw.

    Die Fehler jetzt sind zwar schlimm. Sie sind aber das Endspiel und nicht der Ausgangspunkt unserer Probleme.

    ist letztlich dilletantisch.

    Vermeiden sie solche Urteile, denn sie werden dem Problem nicht gerecht, sie verschlimmern es nur.

    Warum? Weil Politiker Menschen in einem Spannungsfeld sind, dessen Abhängigkeiten ihnen zumindest scheinbar keine andere Wahl lassen.
    Da nur drauf zu hauen erhöht nur die Resistenz gegenüber anderen Optionen.
    Wer das ändern will, muss sich Gedanken machen, wie es gelingen kann Politikern die Entscheidungsfreiheit zurückzugeben, die sie nur noch theoretisch besitzen.

    Kein Politiker will mit seiner Existenz oder Machtverlust bezahlen, wenn er eine "richtige" Politik betreibt.
    Und was richtig ist, wird längst von den Medien bestimmt, die wiederum das berichten und so bewerten, was den Geldgebern nützt.

    H.

    • MEIMEI
    • 08.10.2011 um 22:05 Uhr

    die Gleichen, die wie ihre Experten nicht verstehen wollen, das die sogenannten Märkte dem Finanzsystem nachgeschaltet sind, versuchen jetzt die Märkte zu beruhigen und die Banken zu retten, indem sie die Bürger (kommt von Bürgen!?) über Generationen verschulden und die Demokratie dabei über die Klinge springen lassen. Fachkompetenz? Fehlanzeige!

    • this.
    • 06.10.2011 um 11:56 Uhr

    Die Billionen die Weltweit in Bankenrettungen und jetzt in Staatenrettungen gesteckt wurden, hätten von Anfang an nur zur Sicherung der Spareinlagen der Kunden, und zur Unterstützung der kommenden Arbeitslosen in der folgenden Rezessionen genutzt werden sollen.

    Die Banken und Staaten hätte und soll man fallen lassen!

    Ein Marktbereinigung ist dringend notwendig. Bailouts sind nichts weiter als Insolvenzverschleppungen und verursachen die Krisen von morgen.

    40 Leser-Empfehlungen
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    ...wird nach oben umverteilt und in Realwerte getauscht - oder dient als neues Spekulationskapital. Wir müssen es uns wiederholen.

    ...wird nach oben umverteilt und in Realwerte getauscht - oder dient als neues Spekulationskapital. Wir müssen es uns wiederholen.

  2. Man muss sich mal ein Bild machen, wie uns Politik, Medien vor allem TV (!) ein einseitiges Bild liefern.-
    Es gibt so Leute wie Bernd Senf, Hankel, Wolfgang Berger, Helmut Creutzer (bei Youtube suchen), die einheliig alles vorhergesehen haben, was heute Problem ist und sie sagen alle, dass der Euro gescheitert ist.
    Auch wird infolge des inflationären Zinssystems so eine Wirtschaftsordnung immer zusammenbrechen. Es ist wirklich aufschlußreich und empfehle mal ein paar Stunden Beschäftigung mit diesen Experten, die im öffentlichen Raum sogar teilweise als Spinner deklariert werden und sonstwie in die Aussenseiterrolle gedrängt werden.

    Mir scheint, das Gesunde wird in der heutigen zeit an den Rand verdrängt und das Kranke ist die Mitte. Das ist für mich ein Spruch, der so wahr ist, dass er anstelle "Für das Volk" auf dem Bundestag stehen sollte.

    All diese Rettungsmaßnahmen lassen aus dem Gau einen Mega-Gau werden, man kann nur hoffen, dass das Ende kommt, und nicht Sparpläne zur gewaltigen Revolution führen. Dass die Politiker selbst einlenken. Der Finanzmarkt ist die grösste "braune Wolke", die wir seit einer bestimmten Zeit hatten, nur diesmal weltweit.

    Finanzmafia hat mit uns nichts zu tun, das Geld wird aus der Volksiwrtschaft genommen, dann in Elfenbeintürmen zB Gewinn mit Nahrungsmittelwetten gemacht.

    Die Spekulationen gehören verboten , - öffentliches Betteln ist nicht erlaubt. Obdachlosigkeit auch nicht. Spekulation schon. Komische Welt.

    24 Leser-Empfehlungen
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    Die Menschheit sollte endlich mal aufwachen und aus der geschichte lernen! Die Märkte regeln überhaupt nichts! Das einzigste was die Märkte tun, ist sich nach Profit zu orientieren. Solange das Geld besteht wird es immer zum Zusammenbruch kommen. Wir leben in einer kranken Gesellschaft, in einer kranken Wirtschaft. Hoffen wir das es nicht wieder zum Krieg kommen wird.

    Es gibt genug Alternativen. Und ein überaus, wie ich finde, interessantes Video zu diesem Thema. Darüber sollte mal jeder nachdenken oder sich weiter aufregen und ausbeuten lassen. Im 21. Jahrhundert gehen wir wieder ins Mittelalter zurück. Menschen werden heute immer noch ausgebeutet wie im 15. Jahrhundert. Unfassbar, bei all der Technologie, die wir heute besitzen. Nur wie heisst es so schön...Geld regiert die Welt. Und damit vernichtet der Mensch sich selber.

    http://video.google.com/v...

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    für das auf den Punktbringen.

    Die Menschheit sollte endlich mal aufwachen und aus der geschichte lernen! Die Märkte regeln überhaupt nichts! Das einzigste was die Märkte tun, ist sich nach Profit zu orientieren. Solange das Geld besteht wird es immer zum Zusammenbruch kommen. Wir leben in einer kranken Gesellschaft, in einer kranken Wirtschaft. Hoffen wir das es nicht wieder zum Krieg kommen wird.

    Es gibt genug Alternativen. Und ein überaus, wie ich finde, interessantes Video zu diesem Thema. Darüber sollte mal jeder nachdenken oder sich weiter aufregen und ausbeuten lassen. Im 21. Jahrhundert gehen wir wieder ins Mittelalter zurück. Menschen werden heute immer noch ausgebeutet wie im 15. Jahrhundert. Unfassbar, bei all der Technologie, die wir heute besitzen. Nur wie heisst es so schön...Geld regiert die Welt. Und damit vernichtet der Mensch sich selber.

    http://video.google.com/v...

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    für das auf den Punktbringen.

  3. Vielleicht könnte mir der Autor kurz erklären, was er mit "Staatenrettung" meint? In meinen Augen ist jede Staatenrettung eine Bankenrettung. An wen fließt denn die Kohle, die Griechenland, Portugal etc. erhalten? Doch nicht in Investitionen oder an die jeweiligen Bürger des Landes, sondern an die Gläubiger! Und wer sind diese? Banken, Versicherungen, Hedgefonds, Pensionsfonds.

    Wenn ich das falsch verstanden habe, so möge man mich bitte korrigieren.

    31 Leser-Empfehlungen
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    ...darüber hinaus wird nichteinmal im Ansatz angedeutet, wie die Problematik denn tatsächlich anzugehen sei. Die drei aufgezeigten Fehler sind ebenso korrekt analysiert worden, wie sie wohlfeil sind. An der Verstaatlichung der sogenannten Finanzmärkte führt kein Weg mehr vorbei. Eine zeitlang war ich der Ansicht, es ginge über Zinsstopps nach der Verstaatlichung die bisherigen Eigentümer zu entschädigen, indem man die Anleihen der Staaten abstottert....so auf 60 Jahre hinaus. Diese Ansicht habe ich mittlerweile revidiert. Der Schaden, den diese Leute angerichtet haben ist so immens, dass man sie enteignen muss, wenn man wenigstens den Anschein einer gerechten Gesellschaft aufrecht erhalten will. Sollten die dann dadurch in Existenznot geraten, kann der Staat sie über Hartz IV alimentieren, da dies jedem Bürger zusteht.
    Wir brauchen private Betriebe, die sich über günstige Kredite finanzieren können. Wir brauchen keine privaten Finanzmärkte (ok, Spielcasinos und Lotterien ausgenommen).

    ...wollte ich als Titel des Beitrags schreiben.Sie haben vollkommen Recht wenn sie fragen was mit "Staatenrettung" gemeint ist.Herr Schieritz hat ebenfalls Recht wenn er behauptet,dass eine Kapitalisierung der Banken mit Staatsgelder das völlig falsche Signal ist,aber was er mit "Staatsrettung" genau meint,da bleibt er uns eine Antwort schuldig.

    Meint er vielleicht damit,dass man EU-Staaten,darunter "Schwergewichte" wie Italien dauerhaft subventionieren muss,oder,dass Milliarden unter den Völker solcher Länder gleichmässig verteilt werden sollen?.Das wäre ein noch verheerender Ansatz.Eine solche "Lösung" würde das gesellschaftliche Gefüge und sogar den sozialen Frieden gefährden...dagegen hilft vielleicht ein brasilianischer oder kolumbianischer Pass,wenn Sie verstehen was ich meine.

    Da Sie mich bisher nicht korrigiert haben, muss ich also feststellen, dass Sie dies tatsächlich unter "Staatsrettung" verstehen. Es sollen also weitere Abermilliarden den Banken etc. nachgeworfen werden, ohne Aussicht auf ein Ende.

    Da Sie in den absoluten Topuniversitäten (Harvard, London School of Economics) studiert haben, und aus diesen Institutionen weltweit die führende Elite rekrutiert wird, wundert es mich überhaupt nicht in welcher Situation die Welt steckt, falls ihre Meinung dort den Menschen in VWL eingetrichtert wird. Haben denn die Professoren und Absolventen dieser Unis tatsächlich keine Antworten auf diese Krise, die auch nur den Anschein der Vernunft erwecken können? Das ist doch alles wahnsinnig. Wenn das tatsächlich die einzige Antwort sein soll, kann man auch direkt die volkswirtschaftlichen Fakultäten in Deutschland schließen. Es wäre sonst schlicht rausgeschmissenes Geld diesen Unsinn weiter zu finanzieren.

    Hier der Link:

    http://epp.eurostat.ec.eu...

    Ist ein PDF mit den Zahlen der 27 EU Staaten.

    Für GR sah es in 2010 so aus:
    Einnahmen: 89,933Mrd €
    Ausgaben: 113,887Mrd €
    Fehlbetrag: 23,954Mrd €
    Zinsen: 12,594Mrd €
    Differenz: 11,360Mrd €

    Der Fehlbetrag von knapp 24Milliarden € wurde fast komplett durch die Hilfskredite der Eurostaaten, des IWF und der EU gedeckt. Anfang 2010 konnte GR noch etwas Geld am Kapitalmarkt einsammeln daher fast komplett.

    An Zinsen zahlte GR knapp 12,6Milliarden €.

    Die Ausgangsfrage: "An wen fließt denn die Kohle, die Griechenland, Portugal etc. erhalten? Doch nicht in Investitionen oder an die jeweiligen Bürger des Landes, sondern an die Gläubiger! Und wer sind diese? Banken, Versicherungen, Hedgefonds, Pensionsfonds."

    Es flossen 2010:
    12,594Mrd € an die Gläubiger und 11,360Mrd € an den Staat.

    Diese 11,360Mrd € entsprechen in etwa 11% der Ausgaben für Löhne, Gehälter, Renten, Sachausgaben für Militär, Bildung, das Parlament usw., usw.
    Oder anders Betrachtet knapp 5% der griechischen Wirtschaftsleistung wurden damit bezahlt.

    Bei den Gläubigern sieht es so aus, lt. JP Morgen halten Griechische Banken, Versicherungen und staatliche Sozialkassen etwas mehr als die Hälfte der Anleihen. Die andere Hälfte besitzen neben der EZB zumeist Banken und Versicherungen. Deutsche Institute haben GR Anleihen im Wert von ca. 23Mrd, den Löwenanteil davon die Banken im Staatsbesitz.

    Noch Fragen?

    ...darüber hinaus wird nichteinmal im Ansatz angedeutet, wie die Problematik denn tatsächlich anzugehen sei. Die drei aufgezeigten Fehler sind ebenso korrekt analysiert worden, wie sie wohlfeil sind. An der Verstaatlichung der sogenannten Finanzmärkte führt kein Weg mehr vorbei. Eine zeitlang war ich der Ansicht, es ginge über Zinsstopps nach der Verstaatlichung die bisherigen Eigentümer zu entschädigen, indem man die Anleihen der Staaten abstottert....so auf 60 Jahre hinaus. Diese Ansicht habe ich mittlerweile revidiert. Der Schaden, den diese Leute angerichtet haben ist so immens, dass man sie enteignen muss, wenn man wenigstens den Anschein einer gerechten Gesellschaft aufrecht erhalten will. Sollten die dann dadurch in Existenznot geraten, kann der Staat sie über Hartz IV alimentieren, da dies jedem Bürger zusteht.
    Wir brauchen private Betriebe, die sich über günstige Kredite finanzieren können. Wir brauchen keine privaten Finanzmärkte (ok, Spielcasinos und Lotterien ausgenommen).

    ...wollte ich als Titel des Beitrags schreiben.Sie haben vollkommen Recht wenn sie fragen was mit "Staatenrettung" gemeint ist.Herr Schieritz hat ebenfalls Recht wenn er behauptet,dass eine Kapitalisierung der Banken mit Staatsgelder das völlig falsche Signal ist,aber was er mit "Staatsrettung" genau meint,da bleibt er uns eine Antwort schuldig.

    Meint er vielleicht damit,dass man EU-Staaten,darunter "Schwergewichte" wie Italien dauerhaft subventionieren muss,oder,dass Milliarden unter den Völker solcher Länder gleichmässig verteilt werden sollen?.Das wäre ein noch verheerender Ansatz.Eine solche "Lösung" würde das gesellschaftliche Gefüge und sogar den sozialen Frieden gefährden...dagegen hilft vielleicht ein brasilianischer oder kolumbianischer Pass,wenn Sie verstehen was ich meine.

    Da Sie mich bisher nicht korrigiert haben, muss ich also feststellen, dass Sie dies tatsächlich unter "Staatsrettung" verstehen. Es sollen also weitere Abermilliarden den Banken etc. nachgeworfen werden, ohne Aussicht auf ein Ende.

    Da Sie in den absoluten Topuniversitäten (Harvard, London School of Economics) studiert haben, und aus diesen Institutionen weltweit die führende Elite rekrutiert wird, wundert es mich überhaupt nicht in welcher Situation die Welt steckt, falls ihre Meinung dort den Menschen in VWL eingetrichtert wird. Haben denn die Professoren und Absolventen dieser Unis tatsächlich keine Antworten auf diese Krise, die auch nur den Anschein der Vernunft erwecken können? Das ist doch alles wahnsinnig. Wenn das tatsächlich die einzige Antwort sein soll, kann man auch direkt die volkswirtschaftlichen Fakultäten in Deutschland schließen. Es wäre sonst schlicht rausgeschmissenes Geld diesen Unsinn weiter zu finanzieren.

    Hier der Link:

    http://epp.eurostat.ec.eu...

    Ist ein PDF mit den Zahlen der 27 EU Staaten.

    Für GR sah es in 2010 so aus:
    Einnahmen: 89,933Mrd €
    Ausgaben: 113,887Mrd €
    Fehlbetrag: 23,954Mrd €
    Zinsen: 12,594Mrd €
    Differenz: 11,360Mrd €

    Der Fehlbetrag von knapp 24Milliarden € wurde fast komplett durch die Hilfskredite der Eurostaaten, des IWF und der EU gedeckt. Anfang 2010 konnte GR noch etwas Geld am Kapitalmarkt einsammeln daher fast komplett.

    An Zinsen zahlte GR knapp 12,6Milliarden €.

    Die Ausgangsfrage: "An wen fließt denn die Kohle, die Griechenland, Portugal etc. erhalten? Doch nicht in Investitionen oder an die jeweiligen Bürger des Landes, sondern an die Gläubiger! Und wer sind diese? Banken, Versicherungen, Hedgefonds, Pensionsfonds."

    Es flossen 2010:
    12,594Mrd € an die Gläubiger und 11,360Mrd € an den Staat.

    Diese 11,360Mrd € entsprechen in etwa 11% der Ausgaben für Löhne, Gehälter, Renten, Sachausgaben für Militär, Bildung, das Parlament usw., usw.
    Oder anders Betrachtet knapp 5% der griechischen Wirtschaftsleistung wurden damit bezahlt.

    Bei den Gläubigern sieht es so aus, lt. JP Morgen halten Griechische Banken, Versicherungen und staatliche Sozialkassen etwas mehr als die Hälfte der Anleihen. Die andere Hälfte besitzen neben der EZB zumeist Banken und Versicherungen. Deutsche Institute haben GR Anleihen im Wert von ca. 23Mrd, den Löwenanteil davon die Banken im Staatsbesitz.

    Noch Fragen?

  4. "Die Staaten müssen sichergehen, dass sie Käufer für Anleihen haben. Daher schreiben sie in alle Regeln hinein, dass diese Papiere sicher sind."

    Ja, und das funktioniert nicht mehr !
    Herr Schieritz ist eigentlich kurz vor der Konklusion.
    Die Korruptionsmechanismen zwischen pseudolinken Politikern und unwissenden sowie leicht korrumpierbaren Wählern sind das Problem.

  5. ...Credo der Banken und Merkel als "Haushälterin" der Banken!
    den armen nimmt man an Sonntagen noch eine Spende (Bürgschaft" ab. Christliche Evolution!

  6. "Der zweite Fehler bestand darin, auf dem deutsch-französischen Gipfel von Deauville die Beteiligung privater Gläubiger im Fall einer Staatspleite durchzusetzen. Seit dieser Vereinbarung werden die einstmals als sichere Wertpapiere betrachteten europäischen Staatsanleihen wie Risikoinvestments behandelt, weil die Investoren nun mit Verlusten rechnen müssen."

    ...wenn die internationale Grossfinanz sich verzockt, darf sie auf keinen Fall Verluste erleiden?

    Gerade die "Investoren" und "Märkte" müssen doch schon seit langem gewusst haben, dass GR die immensen Schulden nicht zurückzahlen können wird?! Und sie haben trotzdem neue Kredite vergeben.

    Willkommen im Casino, in dem die Bank immer gewinnt, weil die Steuerzahler für alles geradestehen dürfen.

    16 Leser-Empfehlungen
  7. Am Versagen des Finanzsystems ist nichts zu retten. Schließlich handelt es sich hier um den gigantischsten und umfassendensten Fall von Wirtschaftskriminalität in der Geschichte der Menschheit. Die Deregulierungsmaßnahmen der letzten 15 Jahre haben dies möglich gemacht.

    Alle Bürger sind Opfer dieser kriinellen Machenschaften, nur sollen wir es nicht merken. Dabei zahlen wir so oder so: Höhere Steuern oder Inflation oder Entwertung der Bundesanleihen oder Bankenpleiten.

    Ich denke, diejenigen die das größte Risiko eingegangen sind, müssen am meisten verlieren. Also keine Steuererhöhungen und keine Inflation, sondern Bankenpleiten und Wertverlust der Staatsanleihen.

    Es sei klar gesagt: Wer sein Geld zur Bank bringt, geht ein Ridiko ein. Wer Bundesanleihen kauft, geht ein Risiko ein. Für dieses Risiko muss man geradestehen.

    Letztendlich müssen aber auch die größten Verbrecher in diesem Spiel dringend strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen werden. Sonst nimmt das Volk womöglich das Recht in die eigene Hand...

    15 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    beispielsweise Verbriefungskampagne BMF, Steinbrück, Asmussen etc.

    http://www.nachdenkseiten...

    So funktioniert die Welt einfach nicht, das ist viel zu sehr nach Kriterien einer scheinbar objektiven Vernunft gedacht, die es aber real nicht gibt!
    Ich habe sehr lange selbst so gedacht, aber die Widersprüche in der Wirklichkeit haben mich gezwungen nach anderen Antworten zu suchen.
    Sicher sind egoistische Antriebe an der Krise mitverantwortlich, teilweise auch Kriminelle. Doch insgesamt ist es eher eine Krise der Bequemlichkeit, des Ausweichens, des Glaubens alles ließe sich ohne Schmerzen regeln, wenn man es nur "richtig" machen würde.
    Das ist eine Illusion, die wir nun mit noch viel größeren Schmerzen bezahlen werden.
    Politiker haben dereguliert, aber nicht um kriminell zu handeln, sondern um scheinbar Schmerhafterem aus dem Wege zu gehn, das Ihnen Wahlniederlagen bescheren würde.
    Sie haben geglaubt, weil alle glauben wollten, das sie damit das Wachstum erzeugen, das die benötigten Finanzmittel beschafft für ein weiter so der überhöhten konsumtiven Ausgaben des Staates.
    Auch sie beschuldigen ständig je nach Coleur, die Reichen, die Armen die Schmarotzer den Staat auszubeuten. Dabei ging es nie darum, sondern schlicht um mehr oder weniger egoistische Interessen des Selbsterhaltes, aber letztlich zu Lasten des Kollektivs.
    Es ist naiv zu glauben, das Selbsterhalt immer kollektivkonform möglich wäre, weder bei den Armen, noch bei den Reichen. Es ist auch naiv zu glauben das es einen Unterschied in der persönlichen Moral bedeuten würde, ob man dabei reich oder arm ist.

    H.

    beispielsweise Verbriefungskampagne BMF, Steinbrück, Asmussen etc.

    http://www.nachdenkseiten...

    So funktioniert die Welt einfach nicht, das ist viel zu sehr nach Kriterien einer scheinbar objektiven Vernunft gedacht, die es aber real nicht gibt!
    Ich habe sehr lange selbst so gedacht, aber die Widersprüche in der Wirklichkeit haben mich gezwungen nach anderen Antworten zu suchen.
    Sicher sind egoistische Antriebe an der Krise mitverantwortlich, teilweise auch Kriminelle. Doch insgesamt ist es eher eine Krise der Bequemlichkeit, des Ausweichens, des Glaubens alles ließe sich ohne Schmerzen regeln, wenn man es nur "richtig" machen würde.
    Das ist eine Illusion, die wir nun mit noch viel größeren Schmerzen bezahlen werden.
    Politiker haben dereguliert, aber nicht um kriminell zu handeln, sondern um scheinbar Schmerhafterem aus dem Wege zu gehn, das Ihnen Wahlniederlagen bescheren würde.
    Sie haben geglaubt, weil alle glauben wollten, das sie damit das Wachstum erzeugen, das die benötigten Finanzmittel beschafft für ein weiter so der überhöhten konsumtiven Ausgaben des Staates.
    Auch sie beschuldigen ständig je nach Coleur, die Reichen, die Armen die Schmarotzer den Staat auszubeuten. Dabei ging es nie darum, sondern schlicht um mehr oder weniger egoistische Interessen des Selbsterhaltes, aber letztlich zu Lasten des Kollektivs.
    Es ist naiv zu glauben, das Selbsterhalt immer kollektivkonform möglich wäre, weder bei den Armen, noch bei den Reichen. Es ist auch naiv zu glauben das es einen Unterschied in der persönlichen Moral bedeuten würde, ob man dabei reich oder arm ist.

    H.

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