Euro-Rettungsschirm Viele Fragen, keine Lösung

Ein deutsch-französisches Spitzentreffen zur Euro-Schuldenkrise ist ohne konkretes Ergebnis geblieben. In Deutschland werden weitere Details der Euro-Rettung bekannt.

Deutschland und Frankreich haben ihre Differenzen über den Einsatz der Mittel des Euro-Rettungsfonds EFSF offenbar nicht beilegen können. Ein zweistündiges Gespräch von Kanzlerin Angela Merkel und Präsident Nicolas Sarkozy – der deswegen die Geburt seines vierten Kindes verpasste – blieb ohne offizielles Ergebnis. Die beiden wichtigsten Staaten der Euro-Zone konnten sich auf dem Treffen in Frankfurts Alter Oper nicht auf ein Modell verständigen, um die Wirkungsmöglichkeiten des EFSF zu steigern. Deutschland strebt eine "Hebelung" des Volumens des Rettungsschirms an, indem Investoren eine Kredit-Ausfallversicherung angeboten wird.

Nach den Gesprächen am Rande der Verabschiedung von Jean-Claude Trichet als Präsident der Europäischen Zentralbank gaben Merkel und Sarkozy keinen öffentlichen Kommentar ab. Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker sagte beim Verlassen der Oper auf die Frage, ob eine Krisenlösung erreicht sei, die dazu nötigen Treffen dauerten an. Unter deutschen Regierungsvertretern hieß es lediglich, es sei in Frankfurt um offene Fragen zur Stabilisierung der Euro-Zone gegangen.

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Merkel unterstrich in Frankfurt die Bereitschaft Deutschlands zu einer starken Reaktion auf die Finanz- und Schuldenkrise. Um den Euro zu retten und die Krise beizulegen, müsse alles getan werden: "Auch Vertragsänderungen sind kein Tabu. Wo steht eigentlich geschrieben, dass Vertragsänderungen auf europäischer Ebene immer ein Jahrzehnt dauern müssen?"Allerdings würden die in der Vergangenheit gemachten Fehler "nicht mit einem Schlag gelöst".

Der französische Finanzminister François Baroin, der wie sein deutscher Kollege Wolfgang Schäuble an der Veranstaltung in Frankfurt teilnahm, hatte erneut auf eine Banklizenz für den EFSF gedrängt. Die Bundesregierung hielt dagegen nach Angaben hochrangiger Mitarbeiter an ihrem Widerstand gegen eine solche Lösung fest. Dabei hat sie bislang auch die Europäische Zentralbank auf ihrer Seite.

"Keine Lösungen, die alles richten"

Nach der Ankündigung eines Gesamtpakets zur Krisenlösung durch Merkel und Sarkozy gibt es "extrem intensive Diskussionen, extrem intensive Konferenzen, Telefonschaltungen, Treffen", wie der Sprecher Schäubles sagte. Beim EU-Gipfel in Brüssel sollen weitreichende Beschlüsse zur Stabilisierung der Euro-Zone gefasst werden. Der finnische Ministerpräsident Jyrki Katainen dämpfte die Erwartungen an das Gipfeltreffen am Wochenende: "Ich glaube nicht, dass am Sonntag Lösungen gefunden werden können, die alles richten", sagte er in einem Interview mit dem TV-Sender YLE. "Aber ich bin mir sicher, dass es Entscheidungen geben wird, die in die richtige Richtung gehen."

Das überschuldete Griechenland muss um die Auszahlung der nächsten Hilfstranche der Euro-Staaten von acht Milliarden Euro bangen. Der Abschlussbericht der sogenannten Troika aus Europäischer Zentralbank (EZB), Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission verzögert sich, wie aus Koalitionskreisen in Berlin verlautete. Offenbar gibt es noch Unstimmigkeiten unter den Troika-Partnern. Nach den ursprünglichen Plänen war der Bericht für Mittwoch erwartet worden. Auf Grundlage des Abschlussberichtes wollen die Finanzminister der Euro-Zone am Freitag über die Freigabe der Hilfen entscheiden.

Lammert widerspricht SPD und Grünen

Das Bundesfinanzministerium übermittelte maßgeblichen Bundestagsabgeordneten die Ausführungsbestimmungen für den Euro-Rettungsschirm EFSF. In dem Entwurf dieser Leitlinien sind keine genaueren Angaben enthalten, wie eine Hebelwirkung genutzt werden kann, um dem EFSF zusätzliche finanzielle Schlagkraft zu geben.

Bundestagspräsident Lammert (CDU) wies die Forderung von SPD und Grünen nach einer Abstimmung des Parlaments über den Hebel-Mechanismus im EFSF zurück. Nur "wenn die Höhe der Verpflichtungen verändert würde, müsste der Bundestag erneut befasst werden", sagte Lammert der Frankfurter Rundschau. Wie der Fonds jedoch die Mittel einsetze, werde mit Leitlinien festgelegt, "die der Zustimmung des Haushaltsausschusses bedürfen". Dadurch sei die parlamentarische Mitwirkung ausreichend gewährleistet: "Ich sehe keinen Anhaltspunkt dafür, dass die vom Bundestag beschlossenen Regelungen verletzt würden."

Der haushaltspolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Norbert Barthle, begrüßte die geplante Ausweitung des EFSF mittels einer Teilversicherung von Staatsanleihen. "Das Versicherungsmodell würde gewährleisten, dass unser garantierter Gewährleistungsrahmen nicht erhöht werden muss und gleichzeitig das Risiko gestreut werden kann", sagte er der Mitteldeutschen Zeitung. "Das halte ich für eine machbare Variante."

 
Leser-Kommentare
  1. ...das ist die Frage!

  2. 200 Milliarden Euro sollen griechische Bürger seit Beginn der Finanzkrise in die Schweiz gebracht haben. Könnte nicht dort oder bei bei deutschen Gläubigern der Hebel angesetzt werden ? http://tinyurl.com/5wlncxz

    • BerndL
    • 20.10.2011 um 8:14 Uhr

    kanpp ZEHNTAUSEND Euro pro sozialpflichtigem Beschäftigungsverhältnis in D.
    Was könnte man mit einer solchen Summe zum Wohle UNSERES Volkes alles machen...

    • PALVE
    • 20.10.2011 um 8:14 Uhr

    Also verstehe ich das richtig: Man will Gläubiger animieren, Staatsanleihen zu kaufen, bei deren Ausfall (der ist so gut wie sicher) sie dann mit 20% aus dem EFSF entschädigt werden?
    Was wird mit den restlichen 80% ihres Einsatzes?

    Wird der dann aus Kanälen bedient, die zuvor wieder mit Steuergeldern geflutet wurden?

    Ich meine, der Ackermann verbietet sich ja jetzt schon einen Schuldenschnitt von 50% bei Griechenland und da sollen die Gläubiger später auf 80% verzichten?

    Wer das glaubt, muss mit dem Klammerbeutel gepudert worden sein.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    es ist empörend und gleichzeitig lächerlich, was sich Schäuble & Co. da wieder leisten.

    Reiche Griechen haben inzwischen Unsummen z.B. in die Schweiz "transferiert" welcher Finanzdepp wird den freiwillig auf dieses "Angebot" eingehen ?

    20 % Versicherung und im Ernstfall sind dann 80 % des Kapitals weg ?!

    Ackermann will inzwischen nicht mal mehr eine 50 % Umschuldung Griechenlands akzeptieren ?!

    Das ist nichts als Opium fürs Volk und sonst nichts.Man will sich mit diesen Tricksereien mindestens bis zur nächsten Bundestagswahl retten, damit die erheblichen, steuerlichen Mehrbelastungen die dem deutschen Michel drohen erst NACH DER WAHL spürbar werden.

    Die Politik hat seit 2008 bis heute total versagt in Sachen kontrolle des ausgeuferten Finanz- und Bankenmarktes, man herchelt weiter diesen verantwortungslosen Fianzjongleuren hinterher, hängt Lobbiesten wie Ackermann an den Lippen und der deutsche Michel darf die Zeche zahlen.

    Nicht unerwähnt darf dabei bleiben, das die Politik letztlich über Jahrzehnte zum Leben auf Pump also über die eigenen Verhältnisse zu leben, geradezu animiert hat. Dass gehört zur Schuldenkrise mit dazu und Griechenland ist mit seinem total überbordenden öffentlichen Dienst und Beamtentum, strotzend vor Vetternwirtschaft und Korruption ein abschreckendes Beispiel, wie man ein Land nicht strukturieren darf.

    Motto nach mir die Sintflut, Haupsache ich werde gewählt, wo das Geld für die staatlichen Wohltaten herkommen soll ist doch egal....

    es ist empörend und gleichzeitig lächerlich, was sich Schäuble & Co. da wieder leisten.

    Reiche Griechen haben inzwischen Unsummen z.B. in die Schweiz "transferiert" welcher Finanzdepp wird den freiwillig auf dieses "Angebot" eingehen ?

    20 % Versicherung und im Ernstfall sind dann 80 % des Kapitals weg ?!

    Ackermann will inzwischen nicht mal mehr eine 50 % Umschuldung Griechenlands akzeptieren ?!

    Das ist nichts als Opium fürs Volk und sonst nichts.Man will sich mit diesen Tricksereien mindestens bis zur nächsten Bundestagswahl retten, damit die erheblichen, steuerlichen Mehrbelastungen die dem deutschen Michel drohen erst NACH DER WAHL spürbar werden.

    Die Politik hat seit 2008 bis heute total versagt in Sachen kontrolle des ausgeuferten Finanz- und Bankenmarktes, man herchelt weiter diesen verantwortungslosen Fianzjongleuren hinterher, hängt Lobbiesten wie Ackermann an den Lippen und der deutsche Michel darf die Zeche zahlen.

    Nicht unerwähnt darf dabei bleiben, das die Politik letztlich über Jahrzehnte zum Leben auf Pump also über die eigenen Verhältnisse zu leben, geradezu animiert hat. Dass gehört zur Schuldenkrise mit dazu und Griechenland ist mit seinem total überbordenden öffentlichen Dienst und Beamtentum, strotzend vor Vetternwirtschaft und Korruption ein abschreckendes Beispiel, wie man ein Land nicht strukturieren darf.

    Motto nach mir die Sintflut, Haupsache ich werde gewählt, wo das Geld für die staatlichen Wohltaten herkommen soll ist doch egal....

  3. spätestens 3 Tage nach der Bekanntgabe einer "Lösung" wird es wohl ein ordentliches Downgrade für Frankreich geben ...

  4. diese kreditausfallversicherungen sind teil jener komplizierter finanzprodukte, die die krise 2008 verursacht hatten. nur jetzt zur euro-bankenrettung glaubt man in regierungen man sei koenne bessere Konstrukte entwerfen und damit die investoren ueberlisten? und wer waeren denn ploetzlich ueberhaupt jene investoren, die jetzt doch dann 2 billionen in krisenstaaten pumpen wuerde? europaeische banken oder asiatische staatsonds?

  5. "Bundestagspräsident Lammert (CDU) wies die Forderung von SPD und Grünen nach einer Abstimmung des Parlaments über den Hebel-Mechanismus im EFSF zurück. Nur "wenn die Höhe der Verpflichtungen verändert würde, müsste der Bundestag erneut befasst werden", sagte Lammert der Frankfurter Rundschau."

    Die Banken sollen gerettet werden, wieder einmal ganz unverhofft, nicht der Euro. Merkel hat den Euro versenkt um ihn jetzt als Argument für die Bankenrettung zu verunstalten.

    Schäuble verneinte die Risikoausfallversicherung vor dem Bundestag und der ganzen Nation. Jetzt hören wir, die Gesamtverbindlichkeiten der Bundesrepublik verändern sich durch eine Hebelung nicht. Wenn wir die Ausfallrisiken decken - 100% von 20% - gibt es einen Totalverlust. Das ist keine Überbrückungsfinanzierung wie es einst für den EFSF vorgesehen war und wie im Bundestag darüber abgestimmt wurde. Eine solche Veränderung bedarf sehr wohl der erneuten Abstimmung.

  6. Manchmal frage ich mich, was soll das Ganze noch. Das Mensch sein bleibt völlig auf der Strecke. Wir unterwerfen uns den Märkten, dem Kapital und einer Politik, die unsere ursprünglichen Werte völlig über den Haufen wirft. Hier hilft kein Rettungsschirm mehr. Hier hilft nur noch eine völlige Abkehr von all dem, was das Menschliche in uns tötet und uns selisch zugunde richtet. Das System, in dem wir leben, ist nicht der Weisheit letzter Stein. Hier muss etwas geändert werden. Und das radikal. Wenn alles beim Alten bleibt, wird diese Welt irgendwann zugrunde gehen. Und wenn es denn so kommt, haben wir es wahrscheinlich nicht besser verdient. Dann hat der von der Natur uns gegebene Intellekt leider nicht ausgereicht, um das Tier in uns zu überwinden.

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