Euro-Krise: "Ein Bankrott der Société Générale ist unmöglich"
Die EU handelt in der Krise zu hektisch, sagt der französische Ökonom Jean-Marc Daniel. Im Interview erklärt er, warum ein Schuldenschnitt in Griechenland falsch ist.
ZEIT ONLINE: Herr Daniel, Griechenland wird wahrscheinlich ein Schuldenschnitt von 50 oder 60 Prozent verordnet. Ein richtiger Schritt?
Jean-Marc Daniel: Ich glaube, dass die Regierungen die Wahl hatten, sich mehr um die Probleme der Banken zu bemühen oder um die Probleme Griechenlands. Letzteres ist schwierig und braucht Zeit; es ist unmöglich, die griechischen Schulden in kurzer Zeit zu reduzieren. Deshalb setzt man jetzt die Banken, die griechische Staatsanleihen halten, dem Risiko eines Schuldenschnitts aus. Der deutsche Standpunkt ist dabei: Das Bankenproblem ist ein nationales. Es sind ja hauptsächlich französische oder italienische Banken, die Probleme haben, keine deutschen.
ZEIT ONLINE: Was bedeutet ein Schuldenschnitt für Frankreichs Banken?
Daniel: Er bedeutet hohe Verluste; sie haben 30 Milliarden griechische Schulden im Portfolio. Sarkozy wollte, dass sich die EU dem Problem annimmt, aber die Antwort der deutschen Regierung war: Das sind eure Banken, ihr müsst euch um sie kümmern. Also wird der französische Staat Schulden aufnehmen müssen, um den Banken Geld zu geben. Die Gefahr ist, dass Frankreich in der Folge seine Top-Bonität verliert.

Jean-Marc Daniel ist Professor an der École supérieure de commerce de Paris.
ZEIT ONLINE: Würde Frankreich herabgestuft, käme die gesamte Euro-Rettung unter Druck.
Daniel: Ja, am Ende wäre das ein Problem der Euro-Zone. Aber die französische Sichtweise bestimmt momentan etwas Anderes: Bei uns finden im kommenden Frühling Wahlen statt. Immer mehr Entscheidungen werden davon beeinflusst, auch, weil Sarkozys Gegner François Hollande in den Umfragen vorn liegt. Für Präsident Sarkozy ist das AAA-Rating deshalb sehr wichtig.
ZEIT ONLINE: Wie viel frisches Kapital brauchen die französischen Banken, um wie vorgeschrieben eine Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen?
Daniel: Alle zusammen benötigen 40 bis 50 Milliarden Euro. Dieses Geld auf den französischen Märkten zu finden, wird sehr schwierig. Es ist offensichtlich, dass die Banken staatliche Hilfe brauchen.
ZEIT ONLINE: Bei der Société Générale machen griechische Staatsschulden zehn Prozent des Kernkapitals aus. Wie gefährdet ist die Bank?
Daniel: Es ist schwierig, darüber zu sprechen: Wenn Sie sagen, dass eine Bank Probleme hat, kreieren Sie selbst Probleme. Trotzdem: Es ist offensichtlich, dass die Bank in der schlechtesten Situation die Société Générale ist. Aber auch sie ist weit von einer Pleite entfernt. Wissen Sie, diese Bank ist eine Institution, sie besteht seit Ende des 19. Jahrhunderts. Für Viele ist sie ein Symbol. Ein Bankrott der Société Générale ist unmöglich.




Wieso wird dies in diesem Interview nicht deutlich?
Hallo Laberbacke,
die Frage zur Preisstabilität hat es leider nicht ins Interview geschafft. Herr Daniel sagte dazu sinngemäß, dass Inflation momentan kein europäisches Problem sei, sondern eines, dass wir in den nächsten Jahren durch die risikoreiche US-Geldpolitik bekommen werden. Die EZB solle sich mit dem Wechselkurs als Instrument um die Inflation von außen kümmern.
Hallo Laberbacke,
die Frage zur Preisstabilität hat es leider nicht ins Interview geschafft. Herr Daniel sagte dazu sinngemäß, dass Inflation momentan kein europäisches Problem sei, sondern eines, dass wir in den nächsten Jahren durch die risikoreiche US-Geldpolitik bekommen werden. Die EZB solle sich mit dem Wechselkurs als Instrument um die Inflation von außen kümmern.
Hallo
irgendwie verstehe ich das nicht:
1. Französische Bank halten 30 Mrd. Euro griechische Staatsanleihen. Bei 50% Schuldenschnitt machen sie einen Verlust von 15 Mrd.
Wieso brauchen sie das 40-50 Mrd. Euro neues Kapital ?
2. Warum sollte die EU-Staaten für französische Banken aufkommen ? Kriegen die EU-Staaten dann auch anteilig die Steuererträge von Frankreich überwiesen ?
3. Wie lange will der gute Mann den Griechenland so weiter machen lassen ?
"Diese Bank besteht schon seit dem 19.Jh., also ist ein Bankrott unmöglich." Ich habe selten eine so falsche Logik gehört. Tatsächlich ist es die am meisten gefährdete Bank Europas, denn sie dient vielen genau so gefährdeten Hedgefonds als Basis. Wie jeder schon seit dem Kerviel-Skandal weiß, ist sie außerdem auch noch in zahllose unsichere und völlig undurchsichtige Derivate verwickelt, die jeden Moment platzen und den Lehman-Moment auslösen können.
Hallo fredvonmars,
die zusätzlichen Milliarden beziehen sich auf die von den Euro-Regierungen verordnete Rekapitalisierung der Banken (9 Prozent Kernkapitalquote bis 2012).
Schöne Grüße!
"Diese Bank besteht schon seit dem 19.Jh., also ist ein Bankrott unmöglich." Ich habe selten eine so falsche Logik gehört. Tatsächlich ist es die am meisten gefährdete Bank Europas, denn sie dient vielen genau so gefährdeten Hedgefonds als Basis. Wie jeder schon seit dem Kerviel-Skandal weiß, ist sie außerdem auch noch in zahllose unsichere und völlig undurchsichtige Derivate verwickelt, die jeden Moment platzen und den Lehman-Moment auslösen können.
Hallo fredvonmars,
die zusätzlichen Milliarden beziehen sich auf die von den Euro-Regierungen verordnete Rekapitalisierung der Banken (9 Prozent Kernkapitalquote bis 2012).
Schöne Grüße!
Französische Banken haben viel mehr Probleme als deutsche Banken, Sarkozy wird bei einer Herabstufung Frankreichs evtl. nicht wiedergewählt.
Also muss nach französischer Sicht Deutschland dafür bezahlen und die EZB soll zur Bad Bank zugunsten Frankreichs und zuungunsten des deutschen Sparers werden.
Sehr schöne Sichtweise. Erinnert mich an einen Kindergarten.
Ich hoffe, Merkel fällt nicht schon wieder um. Sie sollte gegenüber Sarkozy mit dem Austritt Deutschlands aus der Eurozone drohen.
...wössön Üdee war le Örö noch mal genau, s'il vous plait?
hat Herr Daniel recht, wenn die französischen Banken gerettet werden indem die EZB deren schlechte Staatskredite übernimmt kostet es die Franzosen weniger, da wir über die Inflation dann alle direkt mit im Boot sitzen.
Er übersieht aber , warum die französischen und italienischen Banken so besonders viele Griechenland Kredite haben : weil sie da eben höhere Zinsen ( incl. Pleiterisiko ) erzielten als bei schwedischen oder deutschen Obligationen. Jetzt sollen die Kosten die Steuerzahler Europas übernehmen, die an den Profiten aber nicht beteiligt worden sind.
Genau um diese soziale Ungerechtigkeit geht es aber, das ist doch der Sprengstoff, den man versucht im Nebel der Hebel zu verstecken.
Letztlich wird alles auf eine zweistellige Inflationsrate hinauslaufen, die dann den Steuerzahlenden Normalbürger zusätzlich trifft.
Was hier nicht gesagt wird - deutsche Banken hatten vor der Krise rund 40 Mrd Euro Griechenlandanleihen, die sie dann abstiessen, und die Krise verschaerften. Jetzt haben sie nur noch etwa 10 Mrd. Dei franzoesichen haben ihre Anleihen immer behalten.
Ausserdem, haben franzoesiche Banken oeffentlich erklaert, nicht auf die Pleite Griechenlands gewettet zu haben. Das haben deutsche Banken nicht gemacht.
Ich kann die Franzosen verstehen, Deutsche verschaerfen die Krise, und Frankreich soll alleine fuer die franzoesiche Bankenrettung aufkommen, die dadurch mitverursacht wurde.
Und warum will man aus der EFSF nicht eine Bank machen - das waere das vernuenftigste, sie koennte dann glaubhaft Renditen runterfahren von allen Laendern, und so die Solvenz Europas garantieren.
Europa geht nicht pleite, Die EZB kann Geld drucken ohne Ende, wie es in Amerika geschieht, das bedeutet aber Inflation und dann steigen die Zinsen für alle Staaten ,da der Wert des EUROS verfällt.
Oder würden Sie jetzt Staatsanleihen für 3 % Zinsen kaufen , wo die Inflation jetzt schon höher ist.
Über die Inflation werden dann auch automatisch die Gehälter gekürzt, das Griechenlandproblem wird dann sozial verträglich über uns alle ausgebreitet.
... Franzosen haben also "recht" und die "bösen" Deutschen verschärfen natürlich die Krise. Vielleicht trägt ja der folgende Artikel etwas zu Ihrer Erhellung bei, obwohl ich es bezweifele :
http://www.wiwo.de/politi...
1. Der Finanzmarkt agiert nach dem Motto den Letzten beissen die Hunde. So wie 2008 unter Anderem die Deutschen Landesbanken oder auch die HRE die Letzten waren die gemerkt haben was für Schrott sie besassen und deswegen wohl den grössten Schaden davon trugen, sind es jetzt die französichen (normalen) Banken.
2. Wenn sie jetzt noch soviele griechische Papiere haben, haben sie entweder davor noch mehr gehabt und auch Teile abgestossen oder ihre gezielt behalten in der Hoffnung es würde bei 20% Gläubiger Beteiligung bleiben. So oder so selbst schuld.
Jetzt hier die deutschen Banken zu beschuldigen ist so vermessen wie Hakenkreuze auf die deutsche Botschaft in Athen zu schmieren.
Europa geht nicht pleite, Die EZB kann Geld drucken ohne Ende, wie es in Amerika geschieht, das bedeutet aber Inflation und dann steigen die Zinsen für alle Staaten ,da der Wert des EUROS verfällt.
Oder würden Sie jetzt Staatsanleihen für 3 % Zinsen kaufen , wo die Inflation jetzt schon höher ist.
Über die Inflation werden dann auch automatisch die Gehälter gekürzt, das Griechenlandproblem wird dann sozial verträglich über uns alle ausgebreitet.
... Franzosen haben also "recht" und die "bösen" Deutschen verschärfen natürlich die Krise. Vielleicht trägt ja der folgende Artikel etwas zu Ihrer Erhellung bei, obwohl ich es bezweifele :
http://www.wiwo.de/politi...
1. Der Finanzmarkt agiert nach dem Motto den Letzten beissen die Hunde. So wie 2008 unter Anderem die Deutschen Landesbanken oder auch die HRE die Letzten waren die gemerkt haben was für Schrott sie besassen und deswegen wohl den grössten Schaden davon trugen, sind es jetzt die französichen (normalen) Banken.
2. Wenn sie jetzt noch soviele griechische Papiere haben, haben sie entweder davor noch mehr gehabt und auch Teile abgestossen oder ihre gezielt behalten in der Hoffnung es würde bei 20% Gläubiger Beteiligung bleiben. So oder so selbst schuld.
Jetzt hier die deutschen Banken zu beschuldigen ist so vermessen wie Hakenkreuze auf die deutsche Botschaft in Athen zu schmieren.
"Es ist offensichtlich, dass die Bank in der schlechtesten Situation die Société Générale ist. Aber auch sie ist weit von einer Pleite entfernt."
Und warum wehrt der Mann sich dann so vehement gegen einen überfälligen Schuldenschnitt? Versteh ich nicht.
bei dem Schuldengerede der Banken.
Nehmen wir einfach mal als Beispiel eine x beliebige Griechische Staatsanleihe:
Anleihe GRIECHENLAND fällig 20.07.15 WKN: A0DY4P
Kurs 34,215 Frankfurt heute
Kupon: 3.7% (Festverzinsung von 100)
Rendite: 28,4 %
Bei einem Schuldenschnitt von 60 % würde der Besitzer der Anleihe immer noch einen Kursgewinn von ca. 6% realisieren plus Zinsen aus Vergangenheit und Zukunft oder?
Wenn die Bank einen Käufer findet und verkaufen kann, bevor die Dinger ganz den Bach runter sind, müsste das so stimmen, wie Sie ausführen.
Sollte die SG z.B. den von Ihnen genannten Bond erworben haben, dann hätte sie dafür dem grichieschen Staat die 100 gezahlt. Auf diese 100 bekommt sie seit 2005 jährlich 3,7% Zinsen und erwartet am 20.07.2015 die letzte Zinszahlung von 3,7 und die geliehenen 100.
Würde jetzt ein Schuldenschnitt von 60% durchgesetzt, bekäme die SG am 20.07.2015 anstatt der 100 nur noch 40 und für 2012, 2013, 2014 und 2015 nur noch 1,48 statt der 3,7 an Zinsen.
Ihre Rechnung geht nur für denjenigen auf, der heute diesen Bond für 34,22€ an der Börse kauft.
Wenn die Bank einen Käufer findet und verkaufen kann, bevor die Dinger ganz den Bach runter sind, müsste das so stimmen, wie Sie ausführen.
Sollte die SG z.B. den von Ihnen genannten Bond erworben haben, dann hätte sie dafür dem grichieschen Staat die 100 gezahlt. Auf diese 100 bekommt sie seit 2005 jährlich 3,7% Zinsen und erwartet am 20.07.2015 die letzte Zinszahlung von 3,7 und die geliehenen 100.
Würde jetzt ein Schuldenschnitt von 60% durchgesetzt, bekäme die SG am 20.07.2015 anstatt der 100 nur noch 40 und für 2012, 2013, 2014 und 2015 nur noch 1,48 statt der 3,7 an Zinsen.
Ihre Rechnung geht nur für denjenigen auf, der heute diesen Bond für 34,22€ an der Börse kauft.
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