Die Euro-Länder haben einen Plan entworfen, durch den Griechenland langfristig wieder ohne Finanzhilfen aus dem Ausland auskommen soll. Grundlegendes Ziel dabei ist, den Schuldenstand des Landes auf 120 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) zu drücken – heute sind es 160 Prozent. Die privaten Gläubiger verzichteten dafür "freiwillig" auf 50 Prozent ihrer Forderungen an Athen, damit dieses Ziel bis zum Jahr 2020 erreicht wird, erläuterte Bundeskanzlerin Angela Merkel am frühen Morgen nach stundenlangen Beratungen in Brüssel (hier die Erklärung des Gipfels). Dieser Schuldenerlass entspricht etwa 100 Milliarden Euro.

Die Kreditgeber sollen ihre Staatsanleihen dazu im Januar in neue Anleihen umtauschen. Der Euro-Rettungsfonds (EFSF) sichert dies mit 30 Milliarden Euro ab. 

Griechenlands Ministerpräsident Giorgos Papandreou sprach von einer nachhaltigen Entscheidung. Das Land könne seine Probleme nun ein für allemal lösen. Von 2012 an werde sein Land keine neuen Schulden mehr machen.

Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy nannte die Beschlüsse historisch. Auch Merkel äußerte sich zufrieden. "Wir haben heute Nacht gezeigt, dass wir die richtigen Schlüsse aus der Krise ziehen", sagte sie. Beide hatten sich gemeinsam mit den Chefs der EU-Institutionen in die schwierigen Verhandlungen mit den Banken eingeschaltet. Die Banken hatten sich zunächst gegen einen Schuldenschnitt von mehr als 40 Prozent gesträubt. Doch die Euro-Länder bestanden auf mindestens 50 Prozent.

Die 17 Euro-Staaten verständigten sich auch darauf, die Schlagkraft des Rettungsfonds EFSF auf eine Billion Euro zu vervielfachen. Derzeit kann der Fonds 440 Milliarden Euro Kredite absichern. Erreicht werden soll dies, indem der Fonds auch Staatsanleihen von bestimmten Euro-Ländern versichert. Das ist der sogenannte Hebel, der allerdings auch das Verlustrisiko bei Pleiten von Staaten erhöht.

Zur Erweiterung des Fonds EFSF soll ein neuer Sondertopf entstehen, an dem sich der Internationale Währungsfonds IWF beteiligt. Dieser Fonds investiert in Anleihen, die der EFSF ebenfalls zum Teil absichert. Dabei könnten ausländische Investoren wie Staatsfonds aus China mitmachen.

Der Garantierahmen Deutschlands von 211 Milliarden Euro soll auf jeden Fall unverändert bleiben. Unter dieser ausdrücklichen Bedingung hatte der Bundestag am Mittwoch Merkel ein umfassendes Verhandlungsmandat gegeben – mit Stimmen der Union, FDP, SPD und Grünen.

Weiterer Beschluss in Brüssel: Sogenannte systemrelevante Banken müssen ihre Kernkapitalquote auf neun Prozent erhöhen. Sie sollen dafür bis zum 30. Juni 2012 Zeit bekommen.

Die ganze Nacht hindurch bis zum frühen Morgen hatten die europäischen Staats- und Regierungschefs in Brüssel bei ihrem zweiten Euro-Gipfeltreffen innerhalb von vier Tagen verhandelt.