Euro-Krise Die EZB muss Spekulanten abschrecken

Die EZB muss auch künftig Staatsanleihen von Euro-Staaten aufkaufen, schreibt Gustav Horn im Gastbeitrag. Die Finanzmärkte wissen dann: Spekulation hat keine Chance.

Der amtierende EZB-Präsident Jean-Claude Trichet geht, und der Euro-Raum steht vor gewaltigen Umwälzungen. Zeit also zu fragen, welche Herausforderungen auf den Nachfolger, den Italiener Mario Draghi, warten. Seine wichtigste Aufgabe ist es, den Euro von einer lebensgefährlichen Kinderkrankheit zu heilen und zu einer echten europäischen Inlandswährung zu machen. Es ist nicht übertrieben, in diesem Zusammenhang von einer zweiten Geburt zu sprechen.

Die erste vor zehn Jahren verlief erstaunlich unproblematisch. Zwar fremdelten anfänglich noch viele, doch hat man sich relativ schnell an das neue Zahlungsmittel gewöhnt und seine Vorteile auf Reisen, im Handel und bei der Investitionsfinanzierung ausgekostet. Vor allem aber verschwanden die bilateralen Wechselkurse und ihre bisweilen drastischen wettbewerbsverzerrenden Schwankungen.

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Übersehen wurde allerdings, dass der Euro mit einer gefährlichen Kinderkrankheit behaftet war, die jetzt, in Zeiten der Schuldenkrise, ihre Virulenz zeigt: Es ist immer noch völlig unklar, ob der Euro für seine Mitglieder eine Inlands- oder eine Auslandswährung ist. Man könnte den Verantwortlichen mildernd zugute halten, dass sich diese Frage im Normalfall gar nicht stellt, weil eine Währung üblicherweise an eine einzige Nation mit einer Zentralbank gebunden ist, und somit für diese immer Inlandswährung ist. Im Fall des Euro-Raums, eines Zusammenschlusses unabhängiger Staaten zu einem Währungsverbund, ist die Antwort aber nicht von vornherein klar. Dabei ist der Unterschied enorm wichtig.  

Gustav Horn
Gustav Horn

leitet das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.

Verschuldet sich ein Staat oder ein privater Haushalt in Auslandswährung, besteht eine harte außenwirtschaftliche Beschränkung. Eine solche Verschuldung ist nur begrenzt möglich. Die Grenze wird durch jenes Defizit in der Leistungsbilanz und jenes Maß an kumulativer Netto-Verschuldung markiert, dass die Märkte bereit sind, auf Dauer zu tragfähigen Zinsen zu finanzieren. Diese Bereitschaft erlischt, wenn die Devisen, die notwendig sind, um die Auslandsschuld zu bedienen, nicht mehr aufgebracht werden können. Der Bankrott Argentiniens ist ein Beispiel dafür.

Anders sieht es aus, wenn ein Staat sich in Inlandswährung verschuldet. In diesem Fall besteht die harte außenwirtschaftliche Restriktion nicht. Dann kann entweder die Regierung über höhere Steuern die notwendigen Einnahmen generieren oder – im Notfall – die Zentralbank als Gläubiger der letzten Instanz Staatsanleihen auf dem Sekundärmarkt aufkaufen. Dieses Vorgehen lässt sich beispielhaft in Japan beobachten, das trotz deutlich höherer Verschuldung als in Argentinien oder Griechenland nach wie vor nicht zahlungsunfähig ist.

Was ist nun mit dem Euro? Tatsächlich ist er von seiner Konstruktion her ein Zwischending. Einerseits ist er für jedes seiner Mitglieder eine Auslandswährung, denn die Mitgliedsländer haben keine eigene Zentralbank mehr. Andererseits ist der Euro eine Inlandswährung, denn die Steuerhoheit ist weiterhin national, und es müssen auch keine Devisen erwirtschaftet werden. Diese institutionelle Unklarheit ist eine der wesentlichen Wurzeln der gegenwärtigen Euro-Krise. 

Leser-Kommentare
    • WiKa
    • 31.10.2011 um 17:48 Uhr

    … und wieder eine völlige Verneblung. Die Spekulanten bekommt man in einem Rutsch mit weg, wenn man das kaputte Geld-System kastriert. Der Artikel beschreibt wieder alle Nebelkerzen neben der Baustelle, aber keine hinreichende Lösung des Problems, denn der Euro (auch wenn es der reinste Murks ist) ist als solches nicht Problem.

    Egal was da jetzt veranstaltet wird und in welchem Ausmaß die EU-Kratur noch versucht den Sozialismus für die Banken neu zu erfinden, es kann aufgrund des Geldsystems nicht gut gehen. Die „Guthabenkrise“ (ist die 180° versetzte Sicht auf die Schuldenkrise), wird nicht enden, weil das exponentielle Wachstum des Geldes nach wie vor nicht unterbunden wird. Es wird nur ein zusätzliches Stück Bürokratie nebst Enteignung der breiten Mehrheit weiter zementiert und dies mit Vorsatz wider besserer Erkenntnis, ich nenne es sträflich.

    Und so landen am Ende nicht wir, als die Mehrheit der Menschen in diesem edlen und noblen neuen Kurort namens „Bad Bank“ … Link , sondern nur die Banken, Banker und Günstlinge dieses Systems und feiern dort unter Ausschluss der Öffentlichkeit die tollsten Genesungsparties. Es ist zum Schreien und volksverdummend bei solchen Artikeln stets die eigentliche Ursache auszulassen.

    Liebe ZEIT, ersetzen sie doch mal in allen ihren Artikeln das Wort „Schuldenkrise“ durch „Guthabenkrise“ dann sollte es jedem wie Schuppen von den Augen fallen.

  1. Griechenland ist in der EU der korrupteste Staat, mit dem höchsten Anteil an Subventionsbetrug, und mit der weitverbreitesten Steuerhinterziehung. Wie ist dies über Jahrzehnte möglich gewesen?
    1. Die EG/EU zahlte Milliarden an Subventionen und kümmerte sich nicht darum, was mit dem Geld passierte.
    2. Die Banken gaben in unverantwortlicher Weise immer weiter Kredite.
    Was Herr Horn jetzt vorschlägt, ist – nachdem die Banken als Geldgeber ausfallen – dass die EZB jetzt in diese Bresche springt, und das Geld in ein Fass ohne Boden wirft.
    Der normale Grieche muss nun „Blut und Tränen“ büßen (auch für seine eigenen Fehler), aber Griechenlands Elite kann ungestraft auf ihrem kriminellen Kurs weiterfahren, und lacht sich über die Europäer schlapp.

  2. Nein.

    Man muss ausufernde Spekulation strafbewerht verbieten.
    Dann hat sich alles geklärt.

  3. in dem der Gegner von der eigenen Führung jederzeit nach Wunsch und ohne jedwede Rücksicht und Bedenken gegenüber der eigenen Partei mit Munition und Infastruktur (nichts anderes sind diese ganzen "Rettungsprogramme") versorgt wird ,wirft mehr als berechtigt die Frage auf, welcher Partei sich die "Führung" eigentlich zugehörig fühlt.

    Früher nannte man solch Verhalten zumindest Hochverrat. Sollte man wohl mal wieder aus der Schublade holen.

  4. … am Vorabend von Halloween daran zu erinnern, dass der Euro zur Zombiewährung verkommen ist - eine Währung, in der beliebig viele Schulden aufgenommen werden können und anstelle der Rückzahlung eine Mülldeponie nach der anderen aufgemacht wird, um die Schuldscheine darin zu versenken.
    Tatsache wird sein, die „Abzahlung“ der Kredite erfolgt nur noch durch die Notenpresse. Kein Land, welches seinen Schund an die EZB durchgereicht hat, wird auch nur im Traum daran denken, diese abzuzahlen.
    Ich bin dafür, dass jeder Europäer die neueste Version von Money for Windows© kostenlos als Download erhält. Dann brauche auch ich nicht mehr zur Arbeit gehen.

  5. nicht sein kann, was nicht sein darf.

    Es ist in der Tat verwunderlich, dass die aktuelle deutsche Regierung den vom Autor beschriebenen Tatbestand, nach Art von Palmström, grandios nicht zur Kenntnis nimmt.

  6. denn es bleibt kaum ein anderer Weg, die Krise zu lösen. Der Weg einer Konsolidierung der Staatsfinanzen durch solide Haushaltsführung ist schon nicht mehr möglich, da der Zeitpunkt schon vor Jahren verpasst wurde.
    Das, was uns dort als vernünftige Lösung verkauft wird, ist allerdings nichts anderes als ein Offenbarungseid. Es ist die Vorstufe zu dem, was wir schon einmal hatten: dass der Heizwert des Geldes höher ist als die ihm innewohnende Kaufkraft.

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    "Der Weg einer Konsolidierung der Staatsfinanzen durch solide Haushaltsführung ist schon nicht mehr möglich, da der Zeitpunkt schon vor Jahren verpasst wurde."

    In einem Kreditsystem gibt es einen solchen Punkt nicht. Sie können lediglich die Spielregeln etwas neu formulieren oder mit Schlimmeren arbeiten.

    Sie können auch das System abschaffen. Was auf Dauer die vernünftigere Lösung sein dürfte.

    "Der Weg einer Konsolidierung der Staatsfinanzen durch solide Haushaltsführung ist schon nicht mehr möglich, da der Zeitpunkt schon vor Jahren verpasst wurde."

    In einem Kreditsystem gibt es einen solchen Punkt nicht. Sie können lediglich die Spielregeln etwas neu formulieren oder mit Schlimmeren arbeiten.

    Sie können auch das System abschaffen. Was auf Dauer die vernünftigere Lösung sein dürfte.

  7. Sie kennen mindestens so gut wie ich die rechtliche Konstruktion der Bundesbank, die über 4 Jahrzehnte für eine stabile Währung in Deutschland sorgte. Auch der Bundesbank war es verboten Staatsanleihen Deutschlands zu kaufen, nach Ihrer Definition war damit die D-Mark genau so eine Zwitterwährung.

    Zum Zweiten wäre es interessant zu erfahren wer denn laut Ihrer Ansicht gegen den Euro oder seine Mitgliedsstaaten spekuliert.

    Aus meiner Sicht kann ich nicht erkennen, warum ein Anleger, der nach Prüfung der Daten zu dem Schluss kommt, sein Geld nicht in italienische Staatsanleihen zu investieren, ein Spekulant sein sollte. Wer es in Anbetracht der aktuellen Regierung Italiens, für sicherer hält, z.B. eine Anleihe der Firma Dykerhoff zu kaufen, der hat eine fundierte Entscheidung getroffen und nicht spekuliert.

    Womit wir beim Punkt wären, hätte Italien noch seine Lira, wäre die Anleihe zwar ausfallsicher aber genauso unattracktiv für ausländische Investoren, da die Käufe der Notenbank in einer Abwertung der Lira münden würden, was für einen Ausländer im Ergebnis einem Schuldenschnitt gleich kommt.

    Was unsere Politiker offensichtlich nicht erkennen können/wollen ist, dass der Euro zu einem europweiten Wettbewerb der Länder um die Gunst der Anleger eröffnet hat.

    Vor der Lösung der Schuldenkrise muss die Politik erst die Frage beantworten ob sie diesen Wettbewerb überhaupt will oder eben nicht.

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