Finanzpolitik Trichet sieht schwerste globale Krise seit 1945
Sein Vermächtnis als Chef der Europäischen Zentralbank ist von Sorgen überschattet: Jean-Claude Trichet mahnt die Staatenlenker zu Reformen in der Fiskalpolitik.
©picture alliance / dpa

Jean-Claude Trichet bei seiner letzten Pressekonferenz als EZB-Chef
Der scheidende Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, hat die führenden Wirtschaftsmächte der Welt zu Reformen aufgerufen. "Wir erleben gegenwärtig die schwerste globale Krise seit Ende des Zweiten Weltkriegs", sagte Trichet in den ARD-Tagesthemen. Die weltweit führenden Volkswirtschaften müssten daher ihre Strategien überprüfen: "Das gilt für die USA, das gilt für Japan, und das gilt auch für Europa".
Der Euro sei "nach wie vor eine glaubwürdige und stabile Währung", für die Finanzsysteme gebe es jedoch nicht genügend Kontrollmaßnahmen. "Die Währung ist nicht das Problem, die EZB ist nicht das Problem, sondern die Fiskalpolitik, die Wettbewerbspolitik und die Strukturreformen", sagte Trichet.
Die EZB will den Banken mit neuen Milliardenhilfen helfen. Trichet kündigte am Donnerstag bei seiner letzten großen Ratssitzung als EZB-Chef an, die Zentralbank werde ein Ankaufprogramm für Pfandbriefe und andere gedeckte Anleihen in Höhe von 40 Milliarden Euro auflegen. Da der Geldmarkt zuletzt angespannt war, könnten die Banken sich zudem über neue langfristige Kreditlinien bei der EZB mit Liquidität versorgen.
Trichet sagte, der Zinssatz werde bei 1,5 Prozent bleiben. Es sei auch "ausgiebig über das Für und Wider" einer Kappung diskutiert worden. Damit ließ er die Tür offen für eine Zinssenkung unter seinem Nachfolger Mario Draghi, der Trichet Anfang November ablöst.
Die EZB hatte 2011 zwei Mal die Geldpolitik gestrafft, um der anziehenden Inflation Paroli zu bieten. Nachdem die Teuerungsrate zuletzt auf 3,0 Prozent zulegte, wird sie laut Trichet nach einigen Monaten wieder abebben und unter die Inflationsmarke der EZB von knapp 2,0 Prozent fallen.
Zinssenkung aufgeschoben
Eine Zinswende kommt nach Meinung von Ökonom Holger Schmieding von der Berenberg Bank daher in den nächsten Monaten in Sicht. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", sagte auch Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer. Er rechnet mit einer Zinssenkung gegen Jahresende.
Im Hinblick auf die Entwicklung der Wirtschaft äußerte Trichet sich zurückhaltend. Der Ausblick für die Wirtschaft bleibe vor allem von großer Ungewissheit und stärkeren Abwärtsrisiken geprägt. Zugleich werde das reale Wachstum nur "sehr moderat ausfallen", sagte er.
Bankenkrise soll abgewehrt werden
Bundeskanzlerin Angela Merkel drang auf eine rasche europäische Entscheidung über eine Rekapitalisierung der Banken. Damit solle eine Bankenkrise wie 2008 abgewehrt werden. Zugleich will die Kanzlerin den weltweiten Kapitalfluss schärfer kontrollieren und regulieren, um das internationale Währungssystem "stabiler und widerstandsfähiger" zu machen. Vorschläge dazu würden dem G-20-Treffen am 3. und 4. November in Cannes vorgelegt, sagte sie.
Über die drohende Bankenkrise sagte Merkel, die Politik müsse den Rat der Fachleute "sehr ernst nehmen". Diese kämen mehr und mehr zur Überzeugung, dass eine Kapitalaufstockung nötig sei. "Ich glaube, wenn die Notwendigkeit dafür besteht, dann ist es vernünftig investiertes Geld", sagte sie. Zunächst aber sollten die Banken selbst zusehen, wie sie an ausreichend Kapital kämen.
Merkel betonte, der erweiterte Euro-Rettungsschirm EFSF habe "noch eine Menge von Ressourcen". Bislang seien nur zehn Prozent gebunden. Über den Schirm könne einem Land jedoch nur geholfen werden, wenn es den gesamten Euro-Raum gefährde und seine Banken nicht selbst stabilisieren könne.
- Datum 07.10.2011 - 08:17 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
- Kommentare 8
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Dirk Müller "Mr. Dax": Euro-Dauerkrise - Ist unser Geld noch zu retten?
Immer neue Berichte über drohende Staatspleiten erreichen uns. In der Bevölkerung geht die Angst vor einem neuem Bankencrash um. Ist unser Geld noch zu retten?
http://goo.gl/XOjRp
Interessante diskussion....
Wie sieht es mit einer Reform des Zentralbankenwesens aus?
http://www.youtube.com/wa...
"Die Währung ist nicht das Problem, die EZB ist nicht das Problem, sondern die Fiskalpolitik, die Wettbewerbspolitik und die Strukturreformen", sagte Trichet."
Warum stimmts nicht ?
1.) Eine Multinationalwährung ist prinzipiell nicht existenz fähig.
A) Fehlende Flexibilität durch Devisenkurse unter
Nationalwährungen
B) Fehlende zielgenaue Leitzinshöhenbestimmung nationaler
Währungen, passend zum Nationalmarkt
C) Geldmengenberechnung und Buchgeldschöpfung nach national
notwendigen Kriterien
D) Konjunkturbegleitende Maßnahmen durch B + C bei
Rezessionen und Konjunkturüberhitzungen
E) Nationalmarkt A boomt, Nationalmarkt B ist in Rezession.
Es können nur gemittelte Werte angewendet werden, damit
ist niemand recht geholfen. Gemittelte Werte, wo die
beiden grössten Märkte D + F immer bevorzugt wurden, weil
es nicht anders geht, die anderen konnten in die Röhre
schauen.
F) Erst nach diesen nicht veränderbaren Mißständen kommt dann mit Sekundärwirkung die von ihm genannten Reformen. Aber auch die können lediglich verbessern und den Untergang
der Schrottwährung hinauszögern.
Nationalstaaten und Multinationalwährung führen zwangsläufig zu diktatorischen Mitteln zum Währungserhalt.
Dem Götzen Euro, die Demokratien geopfert werden.
Das will Merkel, das will Sarkoszy, das wollen die europäischen Bürger nicht.
[...]
Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/lv
@ Gerdtrader50 um 11:32 Uhr
Ich muß Ihnen widersprechen. Es stimmt schon, was Trichet sagt: "Die Währung ist nicht das Problem, die EZB ist nicht das Problem, sondern die Fiskalpolitik, die Wettbewerbspolitik und die Strukturreformen." Doch unter der Herrschaft des 2%Wachstumszwang-Absolutismus ist das 'Problem' machtstrukturell-politisch unlösbar. Lösungsversuche gehen voll zu lasten der Leistenden und die Kapitalbesitzer streichen die Vorteile ein, wie es in GR vorgeführt wird.
Lösbar, und zwar selbstläuferisch, d.h. macht- und wirtschafts-politisch leicht lösbar, werden die genannten Wettbewerbs- usf.-Probleme, die durch den Verzicht/EURO-Einführung auf die Instrumente 'Währungsparität und Zinsen' entstanden sind, n a c h dem Ordnungsübergang unter die Fortschrittsordnung des öko-sozialen/KREATIVEN Evolutionspfades. Dieser Übergang ist genau Angela Merkels Politikprojekt. Da der Exodus aus dem 2%Wachstumszwang-Regime global schon lange auf der Geheimagenda steht, ist die EU-Schuldenkrise n u r der Anlaß, sich diesem globalen Revolutionsprojekt zu aktiv zu widmen. Mit dem vorhandenen Evolutionprojekt-Wissen kann der Ordnungsübergang auch gemanagt werden.
Alles Große ist bekanntlich genial einfach, weil selbstläuferisch ... Man muß nur zum besten Zeitpunkt das Erkannte-Geniale tun wollen.
@ Gerdtrader50 um 11:32 Uhr
Ich muß Ihnen widersprechen. Es stimmt schon, was Trichet sagt: "Die Währung ist nicht das Problem, die EZB ist nicht das Problem, sondern die Fiskalpolitik, die Wettbewerbspolitik und die Strukturreformen." Doch unter der Herrschaft des 2%Wachstumszwang-Absolutismus ist das 'Problem' machtstrukturell-politisch unlösbar. Lösungsversuche gehen voll zu lasten der Leistenden und die Kapitalbesitzer streichen die Vorteile ein, wie es in GR vorgeführt wird.
Lösbar, und zwar selbstläuferisch, d.h. macht- und wirtschafts-politisch leicht lösbar, werden die genannten Wettbewerbs- usf.-Probleme, die durch den Verzicht/EURO-Einführung auf die Instrumente 'Währungsparität und Zinsen' entstanden sind, n a c h dem Ordnungsübergang unter die Fortschrittsordnung des öko-sozialen/KREATIVEN Evolutionspfades. Dieser Übergang ist genau Angela Merkels Politikprojekt. Da der Exodus aus dem 2%Wachstumszwang-Regime global schon lange auf der Geheimagenda steht, ist die EU-Schuldenkrise n u r der Anlaß, sich diesem globalen Revolutionsprojekt zu aktiv zu widmen. Mit dem vorhandenen Evolutionprojekt-Wissen kann der Ordnungsübergang auch gemanagt werden.
Alles Große ist bekanntlich genial einfach, weil selbstläuferisch ... Man muß nur zum besten Zeitpunkt das Erkannte-Geniale tun wollen.
@ Gerdtrader50 um 11:32 Uhr
Ich muß Ihnen widersprechen. Es stimmt schon, was Trichet sagt: "Die Währung ist nicht das Problem, die EZB ist nicht das Problem, sondern die Fiskalpolitik, die Wettbewerbspolitik und die Strukturreformen." Doch unter der Herrschaft des 2%Wachstumszwang-Absolutismus ist das 'Problem' machtstrukturell-politisch unlösbar. Lösungsversuche gehen voll zu lasten der Leistenden und die Kapitalbesitzer streichen die Vorteile ein, wie es in GR vorgeführt wird.
Lösbar, und zwar selbstläuferisch, d.h. macht- und wirtschafts-politisch leicht lösbar, werden die genannten Wettbewerbs- usf.-Probleme, die durch den Verzicht/EURO-Einführung auf die Instrumente 'Währungsparität und Zinsen' entstanden sind, n a c h dem Ordnungsübergang unter die Fortschrittsordnung des öko-sozialen/KREATIVEN Evolutionspfades. Dieser Übergang ist genau Angela Merkels Politikprojekt. Da der Exodus aus dem 2%Wachstumszwang-Regime global schon lange auf der Geheimagenda steht, ist die EU-Schuldenkrise n u r der Anlaß, sich diesem globalen Revolutionsprojekt zu aktiv zu widmen. Mit dem vorhandenen Evolutionprojekt-Wissen kann der Ordnungsübergang auch gemanagt werden.
Alles Große ist bekanntlich genial einfach, weil selbstläuferisch ... Man muß nur zum besten Zeitpunkt das Erkannte-Geniale tun wollen.
Die Banken sollen also ihren Eigenkapitalanteil erhöhen. Das macht natürlich Sinn, weil es die Banken Verluste leichter verdauen lässt und sie daher krisenfester macht.
Aber woher soll das Eigenkapital denn kommen?
Die Gewinne der Banken sind, bezogen auf deren Gesamtkapital, also dem Kernkapital (Eigenkapital) plus den risikotragenden Aktiva (isnbs. Kredite), ausgesprochen gering (<2,5%). Oder anders gesagt: Die meisten Banken verdienen zu wenig. Das ist das Hauptproblem.
Die Gewinne können zudem nicht vollständig dem Eigenkapital zugeführt werden. Ein Teil muss an die Kapitaleigner ausgeschüttet werden. Wird viel ausgeschüttet, fehlt das erst einmal in der Bilanz. Andererseits können so die Aktionäre gehalten oder neue, und damit zusätzliches Eigenkapital, hinzu gewonnen werden. Wird zu wenig ausgezahlt, stärkt das erst einmal die Eigenkapitalbasis. Andererseits riskiert die Bank den Ausstieg von Aktionären und damit den Verlust von Eigenkapital.
Seit der Finanzkrise von 2008 ist es für die Banken daher besonders schwer, ihr Eigenkapital zu erhöhen.
Trichet, dieser Bankenlobbyist. Schmallspurstaatsmann.
statt einer Fiskalpolitikreform brauchst es eine grundlegende Reform der Finanzsystems mit der Abschaffung der Geldschöpfung der Banken. Geld muss wieder vom Staat kommen und einen realen Gegenwert haben. Vieleicht dazu noch den Glass-Steagal Act wiedereinführen. Wird nicht passieren mit den Banksterfreundlichen Poltikern wie Trichet und Juncker.
Liebe Zeit, machen sie mal einen Artikel über echte Regulierung nicht dieses Eierrollen der jetzigen Zeit.
traut sich endlich die wahrheit zu sagen. Nachdem er den Vorsitz abgibt hat Herr Trichet endlich den Mut zu sagen was er von er momentanen weltweiten Finanzsituation hält. Der Crash ist vorprogrammiert. Daß er kommt ist so sicher wie das "Amen" in der Kirche. Fragt sich nur wann es so weit sein wird.
Durch die Staatsanleihenaufkäufe mischte sich die EZB in die Finanzpolitik sehr zur Freude Barrosos und der betroffenen, nein, begünstigten Staaten ein, belastete damit die anderen Staaten, verstieß gegen Artikel 123 AEUV, mutierte ein wenig zur bad bank, verabschiedete sich de facto Von der reinen Geldpolitik. Herr Trichet wird seinen Platz als der Totengräber stabiler Geldpolitik in der Geschichte finden.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren