TarifkonfliktFluglotsen verzichten vorerst auf Streik

Zunächst hat es nach einem Streik der Fluglotsen ausgesehen. Nun gab Verkehrsminister Ramsauer Entwarnung: Für Mittwoch sei ein neues Vermittlungsgespräch vereinbart. von dpa und Reuters

Der Fluglotsenstreik ist nach Angaben von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) vorerst abgewendet. Für diesen Mittwoch seien weitere Gespräche vereinbart worden. "Damit sind Streiks erst einmal vom Tisch und insofern keine Beeinträchtigungen des Flugbetriebs zu befürchten", sagte Ramsauer.

"Wir erwarten, dass die Gespräche mit der GdF so schnell wie möglich stattfinden", sagte ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung (DFS). An den Verhandlungen werden auch Mitglieder des Bundesverkehrsministeriums teilnehmen.

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Zuvor hatte sich die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) formal für Arbeitsniederlegungen ausgesprochen. Zugleich hatte die GdF betont, dass sie sich einem letzten Vermittlungsversuch des Schlichters Volker Rieble nicht verschließen wollten.

Der Tarifkonflikt zwischen den Fluglotsen und dem Arbeitgeber DFS schwelt seit Monaten. Die Lotsen fordern mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Am Freitag war ein erneuter Vermittlungsversuch gescheitert. Ein Ausstand der rund 2.000 Fluglotsen bundesweit wäre eine Premiere. Er könnte den Flugverkehr in Deutschland lahm legen.

Die Arbeitgeberseite gab sich am Montag kompromissbereit, um einen Streik in letzter Minute noch abzuwenden. "Wir haben einen Kompromissvorschlag vorgelegt und hoffen, dass die Gewerkschaft jetzt an den Verhandlungstisch zurückkehrt", sagte ein Sprecher des bundeseigenen Unternehmens.

Grund für die am Freitag geplatzte Schlichtung war laut Flugsicherung die Forderung der Gewerkschaft, alle sogenannten Schicht- und Teamleiter in eine höhere Vergütungsgruppe einzustufen. Dazu ist die DFS nach eigenen Angaben inzwischen bereit. Im Gegenzug solle das Gehalt der Neulinge in dieser Gruppe aber etwas geschmälert werden. 

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Leserkommentare
    • Ullli
    • 10. Oktober 2011 18:58 Uhr

    Das ist nicht hinnehmbar, dass Erpressung automatisch zu deutlich überzogenen Einkommen führt. Die winzige Gewerkschaft der Flugsicherung und die kleine Lokführergewerkschaft sollten durch Gesetzgebung in die Schranken gewiesen werden.
    In Berlin verdient ein "Lokführer" oder eine "Lokführerin" der S-Bahn erheblich mehr als ein Busfahrer oder eine Busfahrerin der BVG. Letztere müssen ausser der Fahrzeugführung noch zusätzlich auf den fliessenden Verkehr achten und weiterhin Fahrscheine verkaufen sowie an den Bushaltestellen behinderten Fahrgästen im Rollstuhl eine Rampe herunterlassen.
    Die Lokführer und Lokführerinnen der S-Bahn in Berlin fallen im Übrigen auch durch unverhältnismässig lange Pausen an den Haltepunkten auf. Das ist mir ein Rätsel, warum die U-Bahnen in Berlin nur einen Bruchteil der Zeit im Vergleich zu den S-Bahnen benötigen, um die Fahrgäste aus- und einsteigen zu lassen.

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    • LaoLu
    • 11. Oktober 2011 1:56 Uhr

    Die Entstehung dieser Interessengemeinschaften kleiner Gruppen von Spitzenverdienern ist durch die grenzenlose Dummheit der Arbeitgeber maßgeblich forciert worden.

    Beispiel Lufthansa: Bis in die 90er gab es einen Tarifvertrag für das gesamte Personal.
    Da hatte der 747 Kapitän ein recht ansehnliches Salär, was ihm aber keiner neidete, weil er ja auch einen etwas anspruchsvolleren Job hatte als der Teilewäscher in der Triebwerkswerkstatt, der sich am anderen Ende der Liste fand.

    Dieser Tarifvertrag wurde in regelmäßigen Abständen ausgehandelt, und die Gewerkschaft (Sozialisten!!) war den Arbeitgebervertretern immer ein Dorn im Auge.

    Und dann schlich sich eine Interessenvertretung ins Bild, die Vereinigung Cockpit, und das war ja was nach Ansicht des Verhandlungsführers der LH (übrigens immer noch in der Firma, in einer leitenden Position)
    (in der Telefonliste unter L).

    Der Verein hatte keinen Gewerkschaftsstatus, konnte also nicht an den Tarifverhandlungen teilnehmen, hat sich aber sukzessive etabliert, und wurde irgendwann zum Tarifpartner befördert.

    Und nachdem das geschehen war, haben sie sich erst mal eine 30%+ Kelle aus dem großen Gehaltssuppentopf genehmigt.
    Schließlich war man jetzt wer, und man hatte die Daumenschrauben.

    Dann kamen die UFOs, und seither verhandelt Lufthansa ununterbrochen mit mehreren verschiedenen Vereinen, und sieht sich genauso ununterbrochen Streikdrohungen ausgesetzt, die die potentiellen Kunden verschrecken.

    Alles aus Dummheit.

    • Turel
    • 10. Oktober 2011 19:20 Uhr

    Ein anderer Artikel sagt, Fluglosten würden über 100000€ (in Worten: Einhunderttausend Euro) im Jahr verdienen, d.h. c.a. 8400€ im Monat - vermutlich Brutto, also unterm Strich wenigstens knapp 5.000€ Netto im Monat bzw. 60.000€ im Jahr. Und das nach einer gut bezahlten Ausbildung. Klar, viel Verantwortung, Schicht-, Nacht- und Wochenend- sowie Feiertagsarbeit etc.

    Im Vergleich dazu: Ein Dipl. Päd/Sozialarbeiter im Bereich der Jugend- und Heimarbeit verdient c.a. 24.000 € im Jahr - Brutto! Das sind c.a. 2000€ im Monat (inkl. aller Zulagen!), unterm Strich also vielleicht 1600€ Netto im Monat. Das vorherige Studium dürfte c.a. 10.000€ gekostet haben. Und die Arbeitsbedingungen? Viel Verantwortung (sogar persönliche Haftung) Schicht-, Nacht- und Wochenend- sowie Feiertagsarbeit etc.

    Und habt ihr schonmal was von einem Streik der Sozialarbeiter gehört? Nö, geht ja auch nicht - wer soll denn dann solange die Betreuung der Klienten übernehmen? "Ausfallen lassen" kann man da nichts.

    Ich will den Beruf des Fluglosten ja nicht kleinreden aber irgendwo haben die doch einen Sprung in der Schüssel, wenn die trotz Top-Bezahlung noch mehr Kohle wollen...

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    Es wird immer gerne nur auf denen herumgehackt, aber es ist ja die Gewerkschaft, die allgemein mehr Geld fordert. Und zwar für Bodenpersonal (Koffer, Luftsicherheit am Boden, Fahrer etc.) sowie das Personal an den Schaltern. Die sind sicherlich keine Spitzenverdiener.

    Wobei Sozialarbeiter natürlich auch wenig verdienen, klar. Aber die löschen halt nicht mit einem Fehler hunderte Menschenleben aus und müssen daher in jeder Sekunde ihrer Arbeitszeit top konzentriert sein.

    ...einfach mal den Mund halten. Glaubt nicht alles was in der Presse steht. Die GdF wird in den Medien als raffgierige Gewerkschaft dargestellt die Ihren mehr als gut bezahlten Mitgliedern durch erpresserische Methoden noch mehr Kohle in den nimmersatten Rachen werfen möchte. Nur um das mal klarzustellen, die GdF ist die Gewerkschaft der Flugsicherung, nicht die Gewerkschaft der Fluglotsen!!! Daraus ergibt sich auch, das es in diesem Tarifstreit um viel mehr geht als nur um Kohle. Wie gesagt....glaubt nicht alles was in der Presse steht.

  1. Es wird immer gerne nur auf denen herumgehackt, aber es ist ja die Gewerkschaft, die allgemein mehr Geld fordert. Und zwar für Bodenpersonal (Koffer, Luftsicherheit am Boden, Fahrer etc.) sowie das Personal an den Schaltern. Die sind sicherlich keine Spitzenverdiener.

    Wobei Sozialarbeiter natürlich auch wenig verdienen, klar. Aber die löschen halt nicht mit einem Fehler hunderte Menschenleben aus und müssen daher in jeder Sekunde ihrer Arbeitszeit top konzentriert sein.

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    Antwort auf "kleiner Vergleich"
    • Lewii
    • 10. Oktober 2011 20:04 Uhr

    Verhandlungsgeschick. Fluglotsen sind essentiell für den Flugverkehrt. Optimale Verhandlungsbasis. Wer kann's ihnen verübeln?

    Eine Leserempfehlung
  2. Es ist erstaunlich wie sehr Medien falsche Information verbreiten können. Wenn Sie sich die Artikeln in der Fachpresse und andere Medien, wird es klar, dass die Geldfrage schon seit langem geklärt ist. Und wie schon erwähnt geht es nicht nur um die Fluglotsen, sondern um das ganze Personal, also auch Techniker, Flugdatenbearbeiter usw.

    Das eigentliche Thema der Diskussion sind die uneindeutigen Klauseln zur Besetzung von wichtigen Posten im Unternehmen, wie mir aus persönlicher Auseinandersetzung mit dem Thema und Bekanntschaft mit einigen Lotsen bekannt ist. Man möchte mal wieder an der falschen Stelle sparen, und was die Lotsen fordern, ist, dass diese Stellen nur mit bestimmter fachlicher Kompetenz und Erfahrung (sprich Lotsen und keine nur wirtschaftsdenkende Menschen) besetzt werden dürfen. Aber das berichten nur die wenigen! Es ist ja letzten Endes einfacher sensationalistische Presse zu betreiben und nicht wirklich zu forschen was los ist. Ist ja viel einfacher.

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    • LaoLu
    • 11. Oktober 2011 1:56 Uhr

    Die Entstehung dieser Interessengemeinschaften kleiner Gruppen von Spitzenverdienern ist durch die grenzenlose Dummheit der Arbeitgeber maßgeblich forciert worden.

    Beispiel Lufthansa: Bis in die 90er gab es einen Tarifvertrag für das gesamte Personal.
    Da hatte der 747 Kapitän ein recht ansehnliches Salär, was ihm aber keiner neidete, weil er ja auch einen etwas anspruchsvolleren Job hatte als der Teilewäscher in der Triebwerkswerkstatt, der sich am anderen Ende der Liste fand.

    Dieser Tarifvertrag wurde in regelmäßigen Abständen ausgehandelt, und die Gewerkschaft (Sozialisten!!) war den Arbeitgebervertretern immer ein Dorn im Auge.

    Und dann schlich sich eine Interessenvertretung ins Bild, die Vereinigung Cockpit, und das war ja was nach Ansicht des Verhandlungsführers der LH (übrigens immer noch in der Firma, in einer leitenden Position)
    (in der Telefonliste unter L).

    Der Verein hatte keinen Gewerkschaftsstatus, konnte also nicht an den Tarifverhandlungen teilnehmen, hat sich aber sukzessive etabliert, und wurde irgendwann zum Tarifpartner befördert.

    Und nachdem das geschehen war, haben sie sich erst mal eine 30%+ Kelle aus dem großen Gehaltssuppentopf genehmigt.
    Schließlich war man jetzt wer, und man hatte die Daumenschrauben.

    Dann kamen die UFOs, und seither verhandelt Lufthansa ununterbrochen mit mehreren verschiedenen Vereinen, und sieht sich genauso ununterbrochen Streikdrohungen ausgesetzt, die die potentiellen Kunden verschrecken.

    Alles aus Dummheit.

  3. ...einfach mal den Mund halten. Glaubt nicht alles was in der Presse steht. Die GdF wird in den Medien als raffgierige Gewerkschaft dargestellt die Ihren mehr als gut bezahlten Mitgliedern durch erpresserische Methoden noch mehr Kohle in den nimmersatten Rachen werfen möchte. Nur um das mal klarzustellen, die GdF ist die Gewerkschaft der Flugsicherung, nicht die Gewerkschaft der Fluglotsen!!! Daraus ergibt sich auch, das es in diesem Tarifstreit um viel mehr geht als nur um Kohle. Wie gesagt....glaubt nicht alles was in der Presse steht.

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    Antwort auf "kleiner Vergleich"
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    • LaoLu
    • 11. Oktober 2011 12:51 Uhr

    kann ich auch nicht, weil ich unbedingt wissen möchte, wen die "Gewerkschaft der Flugsicherung" denn nun genau vertritt.

    Nicht die Mitarbeiter der Flugsicherung, im Volksmund (dummerweise) Fluglotsen genannt?

  4. Wenn man schon so denkt wir Herr Raab (Unternehmenssprecher DFS) "Es wäre fatal, wenn die Passagiere ihren Urlaub nicht antreten können."
    Fatal ich lach mich tot. Wenns fatal ist dann unbedingt nachgeben.

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  • Quelle dpa, Reuters
  • Schlagworte Peter Ramsauer | Streik | CSU | Arbeitgeber | Bundesverkehrsminister | Flugverkehr
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