Vielleicht sollte sich Familienministerin Kristina Schröder noch einmal versichern, welches Parteibuch sie eigentlich besitzt. Man hört, sie sei Mitglied der CDU. Das ist jene konservative Partei, die eine Bundeskanzlerin stellt und drei (gemeinsam mit der CSU sogar vier) Ministerinnen. Die ein Frauen-Quorum von 33 Prozent für alle parteiinternen Wahlen beschlossen hat. Deren bayerische Schwesternpartei alle Ämter oberhalb der Orts- und Kreisverbandsebene zu 40 Prozent mit Frauen besetzt.

Ausgerechnet eine Ministerin, die solche Parteien im Rücken hat, scheut sich, eine gesetzliche Frauenquote für die Führungsgremien börsennotierter Unternehmen einzuführen?

Nie war die Zeit reifer für eine solche Entscheidung. Wissenschaftlich ist alles belegt: Vom Nutzen führender Frauen für die Unternehmenskultur über das sträflich ungenutzte Potenzial hoch gebildeter Arbeitskräfte, welches Frauen repräsentieren, bis zur Qualitäts- und Leistungssteigerung bei männlichen Führungskräften, die mit Frauen zusammenarbeiten müssen.

Selten gab es auch so gute Vorbilder: Das Beispiel Norwegen zeigt, welchen Erfolg man mit der Quote haben kann, und auch, wie genau man es machen muss, damit die Sache funktioniert. Und in den Niederlanden, in Spanien, in Brüssel: Überall gibt es Mitstreiter.

Doch was tut Frau Schröder? Sie will die Angelegenheit abermals der Wirtschaft und einer Selbstverpflichtung überlassen. Die gibt es seit zehn Jahren und hat nichts gebracht.

Was nicht verwundert, denn auf diese Weise überlässt man das Problem Menschen wie Daimler-Chef Dieter Zetsche . Dem ist jüngst ein großartiges Hindernis für jederart Quote eingefallen: "Wohin soll ich all die Männer aussortieren?", fragte er in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung . "Alle zwangsweise in Rente schicken, damit überhaupt so viele Stellen frei werden?" Hübsch auch, was Gabriele Sons, Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbandes Gesamtmetall beizutragen hat: "Es besteht die Gefahr, dass Frauen in ihrer Vorstandsposition, die sie nur aufgrund der Quote besetzen, scheitern."

Ja, man wird darüber nachdenken müssen, ob jeder Mann für den Posten geeignet ist, auf dem er sitzt. Ja, es wird Frauen geben, die ihrer Aufgabe nicht gewachsen sind. So ist das in der Marktwirtschaft.

Aber genauso gilt, dass Fortschritt manchmal erzwungen werden muss, wo Systeme verkrusten . Vielleicht sollte einmal jemand die deutschen Industriekapitäne mit Indra Nooyi bekannt machen. Sie leitet den Pepsi-Konzern. Oder mit Meg Whitman, die gerade Hewlett-Packard retten soll. Oder mit der Kraft-Chefin Irene Rosenfeld. Dann könnte auch das Gerede vom weiblichen Desinteresse an Führungsaufgaben endlich aufhören.

Kristina Schröder sei geraten, sich selbst endlich ernst zu nehmen. Eine Ministerin, die inmitten ihrer Amtszeit Mutter wird und selbstverständlich ihren Leitungsjob weiterführt, müsste eigentlich ein großartiges Vorbild für alle Frauen im Land sein – und für viele Männer ebenso.