Proteste gegen die Macht der FInanzindustrie in New York © Getty Images

Meldung der vergangenen Tage: In den USA protestieren empörte Bürger gegen die Macht der Wall Street. Auch in Europa wächst die Wut. In Zürich, Frankfurt und Paris werden am Wochenende Tausende für mehr Demokratie und gegen die Macht der Geldhäuser demonstrieren. "Wir sind hier und wir werden mehr", wird auf ihren Plakaten stehen.

Meldung Nummer zwei: In Brüssel fordert der Europäische Wirtschaftskommissar Olli Rehn "stärkere Schutzmauern" für die Banken. Wenige Tage zuvor verkündet die deutsche Kanzlerin, man werde das "Nötige" tun, um die Finanzindustrie zu stabilisieren. Anders gesagt heißt das: Es wird vermutlich wieder Milliarden für die Banken geben. Wieder gibt der Staat den Instituten Geld, das in Kindergärten, Schulen und Universitäten fehlen wird.

Beides zusammen ist ein gefährliches Gemisch. Zumal Europas Politik im Moment nur unpopuläre Alternativen hat. Entweder überweist sie noch mehr Milliarden an die verschuldeten Südländer. Oder aber sie verordnet den Griechen einen radikalen Schuldenschnitt von 50 Prozent oder mehr und muss an anderer Stelle die Verluste der Banken mit neuen Staatshilfen ausgleichen. Derzeit sieht es so aus, als würden die Regierungen während des EU-Treffens am 23. Oktober den zweiten Weg wählen. Die deutschen Bürger haben dafür kein Verständnis: Rund 78 Prozent sagen einer Forsa-Umfrage zufolge, sie seien gegen eine weitere Bankenrettung.

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Ein Blick auf die größten Gläubiger Griechenlands (siehe Grafik) zeigt, um welche Summen es in einem ersten Schritt geht. Zwar sind die Zahlen nicht ganz aktuell: Sie datieren vom Ende des vergangenen Jahres. Viele Banken haben ihre Risiken mittlerweile deutlich reduziert. Dennoch geben die Daten einen Eindruck, wie groß die Belastungen für Europas größte Banken sein würden. Allerdings könnte das im schlimmsten Fall nur der Anfang sein: Die Analysten der Großbank BNP Paribas schätzen den Finanzbedarf aller europäischen Institute für den Fall, dass die Krise sich weiter verschlimmert, auf 92 bis 300 Milliarden Euro.

Wie viele Staatsanleihen aus Südeuropa die Banken im Moment genau halten, weiß derzeit niemand. Aufschluss darüber soll nun ein neuer Stresstest bringen, den die Europäische Bankenaufsicht (EBA) nun auf die Schnelle organisiert. Die Organisation dementiert zwar, dass es einen neuen Test geben wird. Man sammele lediglich Daten über die Kapitalausstattung der Banken. Wie die Financial Times berichtet , soll der Test jedoch kommen – und er soll strenger sein als alle vorherigen. Alle Institute, denen im heftigsten Szenario weniger als neun Prozent Kernkapital bliebe, sollen gezwungen werden, am Markt neues Kapital einzusammeln. Gelingt das nicht, soll der Staat die Geldhäuser rekapitalisieren. Viele Institute werden den Test nicht bestehen.

Die Folge werden weitere Milliardenhilfen für die Banken sein. Die Bürger werden mit Wut darauf reagieren und eine berechtigte Frage stellen: Warum hat die Politik nicht rechtzeitig etwas unternommen, um eine weitere Bankenkrise zu verhindern?