Griechenland-Beschlüsse Auf Spekulanten gezielt, Europa getroffen

Europas Politiker schränken die Spekulation mit Staatsanleihen ein. Doch statt Zocker zu behindern, schadet ihre Politik womöglich den Europäern selbst.

Börsenhändler in New York

Börsenhändler in New York

Noch ist nicht klar, ob der Griechenlandkompromiss, auf den sich Europas Staats- und Regierungschefs am Mittwoch einigten, tatsächlich so umsetzbar ist wie geplant – da ist das politische Aussschlachten des Beschlusses schon in vollem Gange. Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat-Kandidat und Finanzexperte seiner Partei, hat einen harten Forderungskatalog aufgestellt, um die Spekulanten endgültig aus Europa zu vertreiben. Unter anderem will er den Zockern verbieten, ihr Geld auf Kreditausfallversicherungen zu setzen.

Schon vor ein paar Tagen hatte die europäische Kommission mit Parlament und Ministerrat vereinbart, die Spekulation mit einer bestimmten Art dieser Versicherungen künftig zu verbieten. Doch die Politiker könnten zu spät kommen. Denn die im Branchenjargon Credit Default Swaps oder kurz CDS genannten Kontrakte auf Staatsschulden drohen durch die Einigung vom Mittwoch ihren Nutzen zu verlieren und vom Markt zu verschwinden. Und das könnte für die Lage der europäischen Krisenländer böse Nebenwirkungen haben.

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Am Mittwoch feierten alle beteiligten Staatsoberhäupter die Brüsseler Beschlüsse noch gleichermaßen. Zentraler Punkt: Die Gläubiger der griechischen Papiere verzichten auf 50 Prozent der ihnen zustehenden Außenstände. Eigentlich müsste bei einem solchen Ausfall der Versicherungsfall für die CDS-Policen eintreten. Doch weil der Verzicht der Gläubiger offiziell "freiwillig" war, werden die CDS nach derzeitigem Stand wohl nicht ausbezahlt.

Eine wertlose Versicherung

Pech für die Zocker! So sehen das viele Europäer. Leer gehen aber auch diejenigen Marktteilnehmer aus, die nicht spekulierten, sondern sich über den Kauf von CDS gegen das Risiko eines Kreditausfalls absichern wollten. Das sind vor allem Banken. Sie müssen sich nun fragen, was eine Versicherung wert ist, die im realen Schadensfall gar nicht gilt. Die Folge könnte das Ende des Marktes für CDS auf Staatspapiere sein. "Landen CDS auf der Müllhalde der Finanzgeschichte?", titelte bereits ein Kommentator für die Nachrichtenagentur Reuters.

Erfunden Ende der neunziger Jahre, machen es CDS möglich, auf die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens oder Landes zu spekulieren. Das war vorher nur eingeschränkt und über Umwege möglich. Der Vorteil: Über CDS können Investoren oder Banken Risiken von Engagements an andere Marktteilnehmer abgeben und so für sich verringern.

"CDS gelten immer als Teufelszeug", sagt Peter Boockvar vom New Yorker Brokerhaus Miller Tabak +Co. "Aber es ist schlicht ein Absicherungsinstrument." Im Prinzip stimmt das. Doch auf dem Markt für Kreditausfallversicherungen stellen die Akteure, die sich bloß gegen Verluste schützen wollen, nur einen Teil der Käufer und Verkäufer. Der Rest sind reine Spekulanten. 

Gegen sie richtet sich die Kritik, auch die von Steinbrück. Doch wer so argumentiere, versteht die Funktionsweise der Märkte nicht, sagt Boockvar. "Ohne Spekulanten gibt es keinen Markt."

Leser-Kommentare
  1. Finanzminister Peer Steinbrück 2007:
    "Eine direkte Regulierung der Hedgefonds ist allerdings auch nicht unbedingt zwingend, wenn sich der indirekte aufsichtsrechtliche Ansatz bewährt, der auf Marktdisziplin baut und beim Risikomanagement der regulierten Geschäftspartner der Hedgefonds ansetzt."
    http://tinyurl.com/652734g

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    Und wo ist jetzt die "Kehrtwende"? Denn dass die hinter dem "wenn" formulierte Bedingung in keiner Weise erfüllt ist, kann ja wohl nicht bestritten werden?

    Übrigens: Unter dem angegebenen Link ist der zitierte Text nicht auffindbar.

    • joG
    • 29.10.2011 um 9:55 Uhr

    ....als das erkennen, was er zu sein scheint. Ein ruppiger Volkstribun, der schon einmal die Kavalerie in Verhandlungen mit kleineren Partnerländern ins Gespräch bringt und das Wohl des Volkes mit dem emotionalen Begehren des Wählers in seiner Rede vertauscht.

    Und wo ist jetzt die "Kehrtwende"? Denn dass die hinter dem "wenn" formulierte Bedingung in keiner Weise erfüllt ist, kann ja wohl nicht bestritten werden?

    Übrigens: Unter dem angegebenen Link ist der zitierte Text nicht auffindbar.

    • joG
    • 29.10.2011 um 9:55 Uhr

    ....als das erkennen, was er zu sein scheint. Ein ruppiger Volkstribun, der schon einmal die Kavalerie in Verhandlungen mit kleineren Partnerländern ins Gespräch bringt und das Wohl des Volkes mit dem emotionalen Begehren des Wählers in seiner Rede vertauscht.

  2. Betrug muss man verbieten, auch wenn er manchen nützt.

    Die ARD hatten mal folgende Sendung:

    http://www.daserste.de/pl...
    """
    Finanzkrise
    Die Kreditversicherungsfalle

    Sendeanstalt und Sendedatum:
    WDR, Dienstag, 7. Oktober 2008 im Ersten
    von Michael Houben

    1995 hatte die Hochschulabsolventin Blythe Masters, frisch angestellt bei der New Yorker Bank J. P. Morgan, eine scheinbar geniale Idee. Sie erfand die sogenannten credit default swaps, kurz cds, die der amerikanische Großinvestor Warren Buffet wenig später als „Massenvernichtungswaffe der Finanzwelt“ bezeichnete. Doch dieser Warnung zum Trotz wurde das neue Produkt zum Megaseller.

    Swaps funktionieren auf den ersten Blick wie das Versichern eines Auto. Eine Bank müsste zur Absicherung eines Kredits eigentlich Rücklagen bilden und vermeidet das, indem sie bei einer anderen Bank eine Art Rückversicherung abschließt. Die erhält dafür eine Prämie und müsste eigentlich ihrerseits Rücklagen bilden. Das will aber auch sie nicht und schließt eine weitere Rückversicherung ab. Auch die nächste Bank will keine Rücklage bilden und schließt (eventuell auch nur über einen Teil des Risikos) einen weiteren Vertrag mit einer vierten Institution. Auf diese Weise können sehr lange Ketten entstehen. Nicht nur Banken können solche Versicherungsgarantien geben. Jeder Fonds, jede Firma kann als Garantiegeber auftreten. Aber anders als bei einer Versicherung gibt es für diese Verträge keinerlei Aufsicht.

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    """

    Eine Erfolgsgeschichte

    Dieses Instrument der Risikoabwälzung erwies sich als so attraktiv, dass sich das Volumen der weltweit gehandelten cds seit ihrer Erfindung jedes Jahr verdoppelt hat. Weil sie weder zentral gehandelt werden, noch gemeldet werden müssen, kennt niemand die genaue Summe. Die BIS, eine Zentralbank der weltweiten Zentralbanken, versucht, das Volumen durch jährliche Umfragen zu schätzen und beziffert es auf zurzeit

    etwa 60 Billionen Dollar.

    etwa 60 Billionen Dollar. !!!

    Das ist eine Zahl mit 13 Nullen und weit mehr als das Bruttoweltprodukt, also mehr als der Gesamtwert aller auf unserem Planeten pro Jahr hergestellten und gehandelten Produkte und Dienstleistungen.

    Professor Jan Pieter Krahnen

    von der Universität Frankfurt gilt international als Experte für solche Kreditgeschäfte und hält sie im Grundsatz für durchaus sinnvoll. In normalen Zeiten, sagt er, könne ein wirtschaftliches Risiko auf viele Schultern verteilt und dadurch leichter verkraftbar werden. Und im Normalfall wird seiner Aussage nach auch jeder Versicherungsnehmer darauf achten, dass der Versicherungsgeber im Ernstfall auch zahlen kann. Wenn aber, wie zurzeit, viele Kredite platzen und viele Versicherungsfälle auftreten, kann auch ein ursprünglich solide erscheinender Vertragspartner unter der Last der von anderen übernommenen Risiken zusammenbrechen.

    """

    • joG
    • 29.10.2011 um 9:50 Uhr

    ....und wir sahen, wie schlecht das lief. Es ist nicht eine Frage des Viel. Die Staatsverschuldung wurde just von Jenen veranstaltet, die wir beauftragten zu beaufsichtigen. Das war wohl nichts. Das war wohl nichts.

    Nun wollen diese Dilettanten und Ignoranti der Finanzwirtschaft nach der tollpatschigen Währungsfixierung durch den Euro(Oder kennen sie sich aus und tun solche Dinge und eine miserabel informiertes Wählerschaft zu gewinnen?) das Finanzsystem einer weiteren wichtigen Flexibilität berauben? Und wie ehrlich ist es, wenn man am Mittwoch beschließt selbst durch das EFES Programme handelbarer CDS aufzusetzen (Option 1 der Instrumente), CDS auszuhebeln durch Spitzfindigkeiten und mit staatlich verordneter Hinterlist?

    Was sollen die Chinesen denken, wenn diese Leute dann kommen und sagen, sie hätten sichere Anlagen anzubieten? Also persönlich würde ich lachen.

    """

    Eine Erfolgsgeschichte

    Dieses Instrument der Risikoabwälzung erwies sich als so attraktiv, dass sich das Volumen der weltweit gehandelten cds seit ihrer Erfindung jedes Jahr verdoppelt hat. Weil sie weder zentral gehandelt werden, noch gemeldet werden müssen, kennt niemand die genaue Summe. Die BIS, eine Zentralbank der weltweiten Zentralbanken, versucht, das Volumen durch jährliche Umfragen zu schätzen und beziffert es auf zurzeit

    etwa 60 Billionen Dollar.

    etwa 60 Billionen Dollar. !!!

    Das ist eine Zahl mit 13 Nullen und weit mehr als das Bruttoweltprodukt, also mehr als der Gesamtwert aller auf unserem Planeten pro Jahr hergestellten und gehandelten Produkte und Dienstleistungen.

    Professor Jan Pieter Krahnen

    von der Universität Frankfurt gilt international als Experte für solche Kreditgeschäfte und hält sie im Grundsatz für durchaus sinnvoll. In normalen Zeiten, sagt er, könne ein wirtschaftliches Risiko auf viele Schultern verteilt und dadurch leichter verkraftbar werden. Und im Normalfall wird seiner Aussage nach auch jeder Versicherungsnehmer darauf achten, dass der Versicherungsgeber im Ernstfall auch zahlen kann. Wenn aber, wie zurzeit, viele Kredite platzen und viele Versicherungsfälle auftreten, kann auch ein ursprünglich solide erscheinender Vertragspartner unter der Last der von anderen übernommenen Risiken zusammenbrechen.

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    • joG
    • 29.10.2011 um 9:50 Uhr

    ....und wir sahen, wie schlecht das lief. Es ist nicht eine Frage des Viel. Die Staatsverschuldung wurde just von Jenen veranstaltet, die wir beauftragten zu beaufsichtigen. Das war wohl nichts. Das war wohl nichts.

    Nun wollen diese Dilettanten und Ignoranti der Finanzwirtschaft nach der tollpatschigen Währungsfixierung durch den Euro(Oder kennen sie sich aus und tun solche Dinge und eine miserabel informiertes Wählerschaft zu gewinnen?) das Finanzsystem einer weiteren wichtigen Flexibilität berauben? Und wie ehrlich ist es, wenn man am Mittwoch beschließt selbst durch das EFES Programme handelbarer CDS aufzusetzen (Option 1 der Instrumente), CDS auszuhebeln durch Spitzfindigkeiten und mit staatlich verordneter Hinterlist?

    Was sollen die Chinesen denken, wenn diese Leute dann kommen und sagen, sie hätten sichere Anlagen anzubieten? Also persönlich würde ich lachen.

  3. """

    Eine Erfolgsgeschichte

    Dieses Instrument der Risikoabwälzung erwies sich als so attraktiv, dass sich das Volumen der weltweit gehandelten cds seit ihrer Erfindung jedes Jahr verdoppelt hat. Weil sie weder zentral gehandelt werden, noch gemeldet werden müssen, kennt niemand die genaue Summe. Die BIS, eine Zentralbank der weltweiten Zentralbanken, versucht, das Volumen durch jährliche Umfragen zu schätzen und beziffert es auf zurzeit

    etwa 60 Billionen Dollar.

    etwa 60 Billionen Dollar. !!!

    Das ist eine Zahl mit 13 Nullen und weit mehr als das Bruttoweltprodukt, also mehr als der Gesamtwert aller auf unserem Planeten pro Jahr hergestellten und gehandelten Produkte und Dienstleistungen.

    Professor Jan Pieter Krahnen

    von der Universität Frankfurt gilt international als Experte für solche Kreditgeschäfte und hält sie im Grundsatz für durchaus sinnvoll. In normalen Zeiten, sagt er, könne ein wirtschaftliches Risiko auf viele Schultern verteilt und dadurch leichter verkraftbar werden. Und im Normalfall wird seiner Aussage nach auch jeder Versicherungsnehmer darauf achten, dass der Versicherungsgeber im Ernstfall auch zahlen kann. Wenn aber, wie zurzeit, viele Kredite platzen und viele Versicherungsfälle auftreten, kann auch ein ursprünglich solide erscheinender Vertragspartner unter der Last der von anderen übernommenen Risiken zusammenbrechen.

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    Ich muß Sie leider berichtigen: Das Welt-BIP beträgt ungefähr 60 Billionen USD - Die Summe der Derivate ist 10 mal höher, beträgt also ca. 600 Billionen USD. Wahrscheinlich ist sie aber noch höher. Wegen dieser Papiere haben die USA allein für zwei ihrer Banken (Merrill Lynch, Tochter der BoA, und JP Morgan) einen "Rettungsschirm" von 154 Billionen USD aufgespannt.

    Ich muß Sie leider berichtigen: Das Welt-BIP beträgt ungefähr 60 Billionen USD - Die Summe der Derivate ist 10 mal höher, beträgt also ca. 600 Billionen USD. Wahrscheinlich ist sie aber noch höher. Wegen dieser Papiere haben die USA allein für zwei ihrer Banken (Merrill Lynch, Tochter der BoA, und JP Morgan) einen "Rettungsschirm" von 154 Billionen USD aufgespannt.

  4. Aus Versicherungen werden Wettgeschäfte

    Doch das ist noch nicht alles: Swaps können auch zwischen völlig unbeteiligten Firmen geschlossen werden. Wenn also Bank A einen Kredit vergeben hat, kann jede andere Bank oder Firma mit einer beliebigen dritten einen solchen Vertrag schließen. So ähnelt die vermeintliche Versicherung eher einer Wette. Auf diese Weise kann ein einzelner geplatzter Kredit dazu führen, dass viele verschiedene Garantiegeber an viele verschiedene – eigentlich völlig unbeteiligte - Garantienehmer zahlen müssen. Das ursprüngliche Risiko kann sich auf diese Weise vervielfachen.

    Und das ist noch immer nicht alles: Solche Swaps können gebündelt werden, sodass dadurch nicht mehr ein einzelner Kreditschaden abgedeckt wird, sondern mehrere. Übertragen auf das Beispiel Autoversicherung wäre das so, als wenn ein Versicherungsgeber versprechen würde, den Schaden zu ersetzen, falls auf deutschen Straßen gleichzeitig mehr als zehn gelbe Autos mit Totalschaden verunglücken. Auf den ersten Blick scheint es unwahrscheinlich, dass so etwas eintritt, und der Versicherungsgeber glaubt, schon mit einer kleinen Versicherungsprämie auf der sicheren Seite zu sein. Wenn dann aber eine Massenkarambolage auftritt, kann es nicht nur teuer werden,

    sondern sehr lange dauern,

    bis überhaupt klar ist, wie viele gelbe Autos dabei nun wirklich einen Totalschaden erlitten haben – und ob der jeweilige Rückversicherer überhaupt noch zahlen kann.

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    """

    Verluste auch ohne Schadensfall

    In genau dieser Situation befindet sich zurzeit die Bankenwelt. Und dieses undurchsichtige Geflecht kann nicht nur im Schadensfall Milliardenverluste erzeugen. Angesichts der Undurchsichtigkeit des Systems und derzeit hoher Schadenswahrscheinlichkeit werden Anleger misstrauisch. Falls Sie überhaupt noch bereit sind, ein Kreditrisiko per cds abzusichern, lassen sie es sich sehr viel teurer bezahlen als bisher. Wenn nun aber ein bestehender cds ausläuft und nur sehr teuer verlängert werden kann, zahlt die Bank, die den Kredit gegeben hat und weiterhin per cds absichern will, drauf. Oder aber sie findet wirklich niemanden, der dieses Risiko versichert, und muss es plötzlich in die eigenen Bücher nehmen. Weil dort nun größere Risiken liegen, die nur zum Teil durch Eigenkapital abgedeckt sind, verliert die Bank an Bonität und im schlimmsten Fall die Zahlungsfähigkeit. Wenn die in Schieflage geratene Bank dann aber (wie üblich) selbst mit cds als Versicherungsgeber für Dritte aufgetreten ist, werden diese cds wegen mangelnder Bonität des Garantiegebers wertlos. Die Folge: Auch der Dritte muss diese Risiken nun in seine Bücher nehmen.

    Aus Versicherungen werden Verunsicherungen

    Die Ketten, die über die Welt verteilt wurden, um Sicherheiten zu schaffen, drohen nun in einer Kettenreaktion eine Bank nach der andern in die Krise zu stürzen. Laut Professor Krahnen ist dabei das größte Risiko, dass niemand das Risiko kennt –

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    Verluste auch ohne Schadensfall

    In genau dieser Situation befindet sich zurzeit die Bankenwelt. Und dieses undurchsichtige Geflecht kann nicht nur im Schadensfall Milliardenverluste erzeugen. Angesichts der Undurchsichtigkeit des Systems und derzeit hoher Schadenswahrscheinlichkeit werden Anleger misstrauisch. Falls Sie überhaupt noch bereit sind, ein Kreditrisiko per cds abzusichern, lassen sie es sich sehr viel teurer bezahlen als bisher. Wenn nun aber ein bestehender cds ausläuft und nur sehr teuer verlängert werden kann, zahlt die Bank, die den Kredit gegeben hat und weiterhin per cds absichern will, drauf. Oder aber sie findet wirklich niemanden, der dieses Risiko versichert, und muss es plötzlich in die eigenen Bücher nehmen. Weil dort nun größere Risiken liegen, die nur zum Teil durch Eigenkapital abgedeckt sind, verliert die Bank an Bonität und im schlimmsten Fall die Zahlungsfähigkeit. Wenn die in Schieflage geratene Bank dann aber (wie üblich) selbst mit cds als Versicherungsgeber für Dritte aufgetreten ist, werden diese cds wegen mangelnder Bonität des Garantiegebers wertlos. Die Folge: Auch der Dritte muss diese Risiken nun in seine Bücher nehmen.

    Aus Versicherungen werden Verunsicherungen

    Die Ketten, die über die Welt verteilt wurden, um Sicherheiten zu schaffen, drohen nun in einer Kettenreaktion eine Bank nach der andern in die Krise zu stürzen. Laut Professor Krahnen ist dabei das größte Risiko, dass niemand das Risiko kennt –

  5. """

    Verluste auch ohne Schadensfall

    In genau dieser Situation befindet sich zurzeit die Bankenwelt. Und dieses undurchsichtige Geflecht kann nicht nur im Schadensfall Milliardenverluste erzeugen. Angesichts der Undurchsichtigkeit des Systems und derzeit hoher Schadenswahrscheinlichkeit werden Anleger misstrauisch. Falls Sie überhaupt noch bereit sind, ein Kreditrisiko per cds abzusichern, lassen sie es sich sehr viel teurer bezahlen als bisher. Wenn nun aber ein bestehender cds ausläuft und nur sehr teuer verlängert werden kann, zahlt die Bank, die den Kredit gegeben hat und weiterhin per cds absichern will, drauf. Oder aber sie findet wirklich niemanden, der dieses Risiko versichert, und muss es plötzlich in die eigenen Bücher nehmen. Weil dort nun größere Risiken liegen, die nur zum Teil durch Eigenkapital abgedeckt sind, verliert die Bank an Bonität und im schlimmsten Fall die Zahlungsfähigkeit. Wenn die in Schieflage geratene Bank dann aber (wie üblich) selbst mit cds als Versicherungsgeber für Dritte aufgetreten ist, werden diese cds wegen mangelnder Bonität des Garantiegebers wertlos. Die Folge: Auch der Dritte muss diese Risiken nun in seine Bücher nehmen.

    Aus Versicherungen werden Verunsicherungen

    Die Ketten, die über die Welt verteilt wurden, um Sicherheiten zu schaffen, drohen nun in einer Kettenreaktion eine Bank nach der andern in die Krise zu stürzen. Laut Professor Krahnen ist dabei das größte Risiko, dass niemand das Risiko kennt –

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    """

    und deshalb auch niemand mehr ein Risiko eingehen will. Das ist auch der Grund, warum die Amerikaner den Großversicherer AIG quasi durch Verstaatlichung retten mussten. Dieses eine Unternehmen hatte so viele credit default swaps in ihrem Portfolio, dass der Zusammenbruch der AIG unmittelbar Dutzende andere Finanzinstitute in den Abgrund gerissen hätte. Auch beim holländischen Finanzkonzern Fortis und vielen anderen Instituten spielte dieses Risiko eine wesentliche Rolle. Für das Aufkaufen von Krediten und Bürgschaften haben die Regierungen dem System in den letzten vier Wochen schon mehr als eine Billion Dollar zur Verfügung gestellt. Denn nur wenn die Garantiegeber das Vertrauen nicht verlieren, kann diese weltweit gespannte Kette weiter bestehen. Andernfalls droht sie zu reißen und dann wirklich eine Kettenreaktion auslösen.

    Wenn aber die Krise doch halbwegs glimpflich zu Ende geht, wird man darüber nachdenken müssen, wie man eine solche Situation künftig vermeidet. Professor Krahnen plädiert nicht dafür, die offensichtlich riskanten Geschäfte mit cds künftig zu verbieten. Er hält es jedoch für dringend erforderlich, eine Aufsicht einzuführen, eine Art zentrales öffentliches Melderegister für credit default swaps. Nur wenn die Banken, aber auch Außenstehende und Geschäftspartner jederzeit erkennen können, welche Risiken eine Bank oder Firma mit cds eingegangen ist und welche Forderungen daraus entstehen können, kann eine derart undurchsichtige und

    """

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    und deshalb auch niemand mehr ein Risiko eingehen will. Das ist auch der Grund, warum die Amerikaner den Großversicherer AIG quasi durch Verstaatlichung retten mussten. Dieses eine Unternehmen hatte so viele credit default swaps in ihrem Portfolio, dass der Zusammenbruch der AIG unmittelbar Dutzende andere Finanzinstitute in den Abgrund gerissen hätte. Auch beim holländischen Finanzkonzern Fortis und vielen anderen Instituten spielte dieses Risiko eine wesentliche Rolle. Für das Aufkaufen von Krediten und Bürgschaften haben die Regierungen dem System in den letzten vier Wochen schon mehr als eine Billion Dollar zur Verfügung gestellt. Denn nur wenn die Garantiegeber das Vertrauen nicht verlieren, kann diese weltweit gespannte Kette weiter bestehen. Andernfalls droht sie zu reißen und dann wirklich eine Kettenreaktion auslösen.

    Wenn aber die Krise doch halbwegs glimpflich zu Ende geht, wird man darüber nachdenken müssen, wie man eine solche Situation künftig vermeidet. Professor Krahnen plädiert nicht dafür, die offensichtlich riskanten Geschäfte mit cds künftig zu verbieten. Er hält es jedoch für dringend erforderlich, eine Aufsicht einzuführen, eine Art zentrales öffentliches Melderegister für credit default swaps. Nur wenn die Banken, aber auch Außenstehende und Geschäftspartner jederzeit erkennen können, welche Risiken eine Bank oder Firma mit cds eingegangen ist und welche Forderungen daraus entstehen können, kann eine derart undurchsichtige und

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    und deshalb auch niemand mehr ein Risiko eingehen will. Das ist auch der Grund, warum die Amerikaner den Großversicherer AIG quasi durch Verstaatlichung retten mussten. Dieses eine Unternehmen hatte so viele credit default swaps in ihrem Portfolio, dass der Zusammenbruch der AIG unmittelbar Dutzende andere Finanzinstitute in den Abgrund gerissen hätte. Auch beim holländischen Finanzkonzern Fortis und vielen anderen Instituten spielte dieses Risiko eine wesentliche Rolle. Für das Aufkaufen von Krediten und Bürgschaften haben die Regierungen dem System in den letzten vier Wochen schon mehr als eine Billion Dollar zur Verfügung gestellt. Denn nur wenn die Garantiegeber das Vertrauen nicht verlieren, kann diese weltweit gespannte Kette weiter bestehen. Andernfalls droht sie zu reißen und dann wirklich eine Kettenreaktion auslösen.

    Wenn aber die Krise doch halbwegs glimpflich zu Ende geht, wird man darüber nachdenken müssen, wie man eine solche Situation künftig vermeidet. Professor Krahnen plädiert nicht dafür, die offensichtlich riskanten Geschäfte mit cds künftig zu verbieten. Er hält es jedoch für dringend erforderlich, eine Aufsicht einzuführen, eine Art zentrales öffentliches Melderegister für credit default swaps. Nur wenn die Banken, aber auch Außenstehende und Geschäftspartner jederzeit erkennen können, welche Risiken eine Bank oder Firma mit cds eingegangen ist und welche Forderungen daraus entstehen können, kann eine derart undurchsichtige und

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    """kann eine derart undurchsichtige und riskante Situation, wie sie nun entstanden ist, künftig verhindert werden.

    Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 07.10.2008. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt."""

    -----------------

    Kommentar:

    Es wurde ja von manchen dazu verschiedentlich auch die Frage gestellt, weshalb Wirtschaftsprüfungsinstitute das nicht festgestellt haben.

    Hierzu findet sich eine mögliche Erklärung in der Sendung: Mit der Rückversicherung verschwänden - nach Prof. Krahnen - alle diese Risiken aus der Bilanz dh diese Risiken existeren dann bilanzmäßig gar nicht mehr. Und wie auch zu hören war, werden die Provisionen, die Boni direkt nach Abschluss ausgezahlt dh wenn die Kredite in einigen Jahren platzen, sind die Boni dazu schon vor Jahren ausgezahlt worden (Originalaussage der Bundeskanzlerin in der Regierungserklärung).

    Wenn die Kredite aber platzen, kommen die Risiken auf die Bank zurück, welche schon jahrelang aus den Bilanzen verschwunden waren. Soweit Prof. Krahnen.

    Im übrigen seien aber die meisten cds von der Deutschen Bank verkauft worden.

    Eine weitere umfassende Darstellung finden wir hier:

    http://www.trend.infopart...
    Kredit, Kapital und Krise
    Von der Überakkumulation des Kapitals zur aktuellen Krise des Geldes

    """kann eine derart undurchsichtige und riskante Situation, wie sie nun entstanden ist, künftig verhindert werden.

    Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 07.10.2008. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt."""

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    Kommentar:

    Es wurde ja von manchen dazu verschiedentlich auch die Frage gestellt, weshalb Wirtschaftsprüfungsinstitute das nicht festgestellt haben.

    Hierzu findet sich eine mögliche Erklärung in der Sendung: Mit der Rückversicherung verschwänden - nach Prof. Krahnen - alle diese Risiken aus der Bilanz dh diese Risiken existeren dann bilanzmäßig gar nicht mehr. Und wie auch zu hören war, werden die Provisionen, die Boni direkt nach Abschluss ausgezahlt dh wenn die Kredite in einigen Jahren platzen, sind die Boni dazu schon vor Jahren ausgezahlt worden (Originalaussage der Bundeskanzlerin in der Regierungserklärung).

    Wenn die Kredite aber platzen, kommen die Risiken auf die Bank zurück, welche schon jahrelang aus den Bilanzen verschwunden waren. Soweit Prof. Krahnen.

    Im übrigen seien aber die meisten cds von der Deutschen Bank verkauft worden.

    Eine weitere umfassende Darstellung finden wir hier:

    http://www.trend.infopart...
    Kredit, Kapital und Krise
    Von der Überakkumulation des Kapitals zur aktuellen Krise des Geldes

  7. Eine Leser-Empfehlung
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    • joG
    • 29.10.2011 um 10:04 Uhr

    ....solchen Entscheidung nicht berücksichtigt.

    Natürlich mag es sein, dass die Banken auf Buchwert abgeschrieben haben, weil sie, soweit sie sich abgesichert hatten, die Wirkung der Absicherungen zunehmend politisch gefährdet sahen und die so entgangenen Gewinne nicht versteuerten. Aber wie will man einem Rechtsraum trauen, das im Nachgang immer wieder beschließt, dass Anleger die Verluste aus schlechten Regierungsentscheidungen und gegen zur Zeit der Anlage geltendes Recht tragen müssen?

    Würden Sie wirklich Ihr Geld in einer rechtlich so unsicheren Gegend anlegen, wenn Sie genügend Geld hätten dem zu entkommen? Also ich fände solches Verhalten blöde.

    • joG
    • 29.10.2011 um 10:04 Uhr

    ....solchen Entscheidung nicht berücksichtigt.

    Natürlich mag es sein, dass die Banken auf Buchwert abgeschrieben haben, weil sie, soweit sie sich abgesichert hatten, die Wirkung der Absicherungen zunehmend politisch gefährdet sahen und die so entgangenen Gewinne nicht versteuerten. Aber wie will man einem Rechtsraum trauen, das im Nachgang immer wieder beschließt, dass Anleger die Verluste aus schlechten Regierungsentscheidungen und gegen zur Zeit der Anlage geltendes Recht tragen müssen?

    Würden Sie wirklich Ihr Geld in einer rechtlich so unsicheren Gegend anlegen, wenn Sie genügend Geld hätten dem zu entkommen? Also ich fände solches Verhalten blöde.

  8. """kann eine derart undurchsichtige und riskante Situation, wie sie nun entstanden ist, künftig verhindert werden.

    Dieser Text informiert über den Fernsehbeitrag vom 07.10.2008. Eventuelle spätere Veränderungen des Sachverhaltes sind nicht berücksichtigt."""

    -----------------

    Kommentar:

    Es wurde ja von manchen dazu verschiedentlich auch die Frage gestellt, weshalb Wirtschaftsprüfungsinstitute das nicht festgestellt haben.

    Hierzu findet sich eine mögliche Erklärung in der Sendung: Mit der Rückversicherung verschwänden - nach Prof. Krahnen - alle diese Risiken aus der Bilanz dh diese Risiken existeren dann bilanzmäßig gar nicht mehr. Und wie auch zu hören war, werden die Provisionen, die Boni direkt nach Abschluss ausgezahlt dh wenn die Kredite in einigen Jahren platzen, sind die Boni dazu schon vor Jahren ausgezahlt worden (Originalaussage der Bundeskanzlerin in der Regierungserklärung).

    Wenn die Kredite aber platzen, kommen die Risiken auf die Bank zurück, welche schon jahrelang aus den Bilanzen verschwunden waren. Soweit Prof. Krahnen.

    Im übrigen seien aber die meisten cds von der Deutschen Bank verkauft worden.

    Eine weitere umfassende Darstellung finden wir hier:

    http://www.trend.infopart...
    Kredit, Kapital und Krise
    Von der Überakkumulation des Kapitals zur aktuellen Krise des Geldes

    10 Leser-Empfehlungen
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    Schön gemacht! Danke! Schon putzig, dass wir die Analysen immer öfter selber in die Hand nehmen müssen, während die Journalisten vom Dienst durchgeknallte Neoliberale interviewen, die uns die Spekulantenbrut zu Edelmenschen umlackieren.

    Da haben Sie sich aber Mühe gegeben. Vielen Dank für die ausführliche und doch (im Großen und Ganzen) verständliche Ausführung.

    • joG
    • 29.10.2011 um 14:10 Uhr

    ....wahr, dass die Risiken "aus der Bilanz verschwinden", wenn man sie absichert. Sie erscheinen aber in anderer Form, die von den Behörden vorgegeben und reguliert, in die Bewertung der Kreditrisiken einfließen. Kaufen Sie bspw eine griechische Anleihe und einen auf die Anleihe lautenden CDS von der Deutschen Bank AG, so haben Sie kein Griechenlandrisiko, dafür aber ein DB AG Risiko im Ausweis. Tatsächlich gibt es ein Problem, wenn sowohl Griechenland als auch die Deutsche Bank ausfallen. *)

    *)Fällt Griechenland aus aber in einer Weise, die kein Kredit Ereignis bedeutet, so wie dies die Politiker nun machten, so hat man sich abgesichert und war im Nachhinein nicht sicher.

    Schön gemacht! Danke! Schon putzig, dass wir die Analysen immer öfter selber in die Hand nehmen müssen, während die Journalisten vom Dienst durchgeknallte Neoliberale interviewen, die uns die Spekulantenbrut zu Edelmenschen umlackieren.

    Da haben Sie sich aber Mühe gegeben. Vielen Dank für die ausführliche und doch (im Großen und Ganzen) verständliche Ausführung.

    • joG
    • 29.10.2011 um 14:10 Uhr

    ....wahr, dass die Risiken "aus der Bilanz verschwinden", wenn man sie absichert. Sie erscheinen aber in anderer Form, die von den Behörden vorgegeben und reguliert, in die Bewertung der Kreditrisiken einfließen. Kaufen Sie bspw eine griechische Anleihe und einen auf die Anleihe lautenden CDS von der Deutschen Bank AG, so haben Sie kein Griechenlandrisiko, dafür aber ein DB AG Risiko im Ausweis. Tatsächlich gibt es ein Problem, wenn sowohl Griechenland als auch die Deutsche Bank ausfallen. *)

    *)Fällt Griechenland aus aber in einer Weise, die kein Kredit Ereignis bedeutet, so wie dies die Politiker nun machten, so hat man sich abgesichert und war im Nachhinein nicht sicher.

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