Noch ist nicht klar, ob der Griechenlandkompromiss , auf den sich Europas Staats- und Regierungschefs am Mittwoch einigten, tatsächlich so umsetzbar ist wie geplant – da ist das politische Aussschlachten des Beschlusses schon in vollem Gange. Peer Steinbrück, Kanzlerkandidat-Kandidat und Finanzexperte seiner Partei, hat einen harten Forderungskatalog aufgestellt, um die Spekulanten endgültig aus Europa zu vertreiben. Unter anderem will er den Zockern verbieten, ihr Geld auf Kreditausfallversicherungen zu setzen.

Schon vor ein paar Tagen hatte die europäische Kommission mit Parlament und Ministerrat vereinbart, die Spekulation mit einer bestimmten Art dieser Versicherungen künftig zu verbieten. Doch die Politiker könnten zu spät kommen. Denn die im Branchenjargon Credit Default Swaps oder kurz CDS genannten Kontrakte auf Staatsschulden drohen durch die Einigung vom Mittwoch ihren Nutzen zu verlieren und vom Markt zu verschwinden. Und das könnte für die Lage der europäischen Krisenländer böse Nebenwirkungen haben.

Am Mittwoch feierten alle beteiligten Staatsoberhäupter die Brüsseler Beschlüsse noch gleichermaßen. Zentraler Punkt: Die Gläubiger der griechischen Papiere verzichten auf 50 Prozent der ihnen zustehenden Außenstände. Eigentlich müsste bei einem solchen Ausfall der Versicherungsfall für die CDS-Policen eintreten. Doch weil der Verzicht der Gläubiger offiziell "freiwillig" war, werden die CDS nach derzeitigem Stand wohl nicht ausbezahlt.

Eine wertlose Versicherung

Pech für die Zocker! So sehen das viele Europäer. Leer gehen aber auch diejenigen Marktteilnehmer aus, die nicht spekulierten, sondern sich über den Kauf von CDS gegen das Risiko eines Kreditausfalls absichern wollten. Das sind vor allem Banken. Sie müssen sich nun fragen, was eine Versicherung wert ist, die im realen Schadensfall gar nicht gilt. Die Folge könnte das Ende des Marktes für CDS auf Staatspapiere sein. "Landen CDS auf der Müllhalde der Finanzgeschichte?", titelte bereits ein Kommentator für die Nachrichtenagentur Reuters.

Erfunden Ende der neunziger Jahre, machen es CDS möglich, auf die Kreditwürdigkeit eines Unternehmens oder Landes zu spekulieren. Das war vorher nur eingeschränkt und über Umwege möglich. Der Vorteil: Über CDS können Investoren oder Banken Risiken von Engagements an andere Marktteilnehmer abgeben und so für sich verringern.

"CDS gelten immer als Teufelszeug" , sagt Peter Boockvar vom New Yorker Brokerhaus Miller Tabak +Co. "Aber es ist schlicht ein Absicherungsinstrument." Im Prinzip stimmt das. Doch auf dem Markt für Kreditausfallversicherungen stellen die Akteure, die sich bloß gegen Verluste schützen wollen, nur einen Teil der Käufer und Verkäufer. Der Rest sind reine Spekulanten. 

Gegen sie richtet sich die Kritik, auch die von Steinbrück. Doch wer so argumentiere, versteht die Funktionsweise der Märkte nicht, sagt Boockvar. "Ohne Spekulanten gibt es keinen Markt."