Euro-GipfelBanken sollen mehr zur Griechenland-Hilfe beitragen

Die Euro-Länder wollen den Schuldenerlass für Griechenland erhöhen und die Banken stärker beteiligen. Sie sollen auf bis zu 60 Prozent ihrer Forderungen verzichten. von dpa und Reuters

IWF-Präsidentin Christine Lagarde (l.), Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker (m.) und der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble

IWF-Präsidentin Christine Lagarde (l.), Luxemburgs Premierminister Jean-Claude Juncker (m.) und der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble  |  © Thierry Roge/Reuters

Für Griechenland zeichnet sich ein höherer Schuldenerlass mit stärkerer Beteiligung der Banken ab. Der Chef der Euro-Gruppe, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, sagte vor Beratungen der EU-Finanzminister: "Wir haben uns darauf verständigt, dass es eine erhebliche Anhebung des von den Banken zu übernehmenden Beitrags geben muss." Statt des im Juli vereinbarten Abschlags von 21 Prozent ist inzwischen ein Forderungsverzicht von 50 bis 60 Prozent im Gespräch.

Juncker wollte keine konkrete Zahl nennen, um die Verhandlungen mit den Banken nicht zu erschweren. Offiziell bestätigt wurde die Höhe des Forderungsverzicht bislang nicht, doch aus dem Bericht der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds geht hervor, dass nur bei einem Forderungsverzicht der privaten Gläubiger von 60 Prozent das Volumen der zusätzlichen öffentlichen Hilfe auf 109 Milliarden Euro begrenzt werden kann.

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Insgesamt bewerteten die Troika-Experten die Situation Griechenlands negativ: Das Land könne noch bis zu zehn Jahre lang am Tropf internationaler Hilfskredite hängen, hieß es im Bericht. Die Situation in Griechenland habe zudem "eine Wendung zum Schlimmeren genommen". Die Troika schätzt mittlerweile, dass bis 2020 möglicherweise noch 252 Milliarden Euro nach Athen überwiesen werden müssen, wenn das zweite Hilfspaket nicht entsprechend nachgebessert wird.

Juncker geht davon aus, dass dazu Entscheidungen fallen könnten, allerdings noch nicht beim EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am Sonntag in Brüssel. Dies sei "aus einigen Gründen" jedoch noch nicht möglich, sagte Juncker. Deshalb werde ein zweiter Gipfel am kommenden Mittwoch nötig. Dabei soll es auch um eine Ausweitung des zweiten Griechenland-Pakets gehen.

Auch der schwedische Finanzminister Anders Borg forderte, die Banken stärker an der Rettung Athens zu beteiligen. "Ich denke nicht, dass wir Banken Geschenke gewähren sollten." Nach seinen Worten ist ein "substanzieller Schuldenschnitt" für Griechenland nötig. Dies hatte zuvor auch schon Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin angedeutet.

Bundesbankpräsident warnt vor massiver EFSF-Ausweitung

Am Vorabend hatten die Euro-Finanzminister erklärt, Griechenland brauche noch mehr Milliarden, um die Schuldenkrise zu überwinden. Das zweite Hilfspaket von 109 Milliarden Euro müsse aufgestockt werden, erklärten die Minister, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Erst im Juli hatten die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) das neue Paket vereinbart. Zusätzlich sollten Banken und Versicherer bis zu 50 Milliarden Euro beitragen.

Der Präsident der Bundesbank Jens Weidmann warnte hingegen vor einer massiven Ausweitung des Rettungsfonds (EFSF). "Die Krise wird nicht durch eine ständige Vergrößerung der Rettungsschirme gelöst werden", sagte Weidmann. Er verwies darauf, dass mit dem diskutierten EFSF-Hebel, höhere Risiken für den deutschen Steuerzahler verbunden sind.

Noch kritischer beurteilte Weidmann die Forderung Frankreichs, den EFSF mit einer Banklizenz bei der EZB auszustatten. "Das wäre eine Staatsfinanzierung über die Notenpresse und damit aus meiner Sicht ein fataler Weg. Er ist deshalb aus guten Gründen durch die EU-Verträge untersagt", sagte Weidmann. Grundsätzlich warnte er vor einer Unterordnung der Notenbank unter die Finanzpolitik, da sie dann ihren Auftrag zur Bekämpfung der Inflation nicht mehr erfüllen könne.

Eine Umschuldung Griechenlands könnte Löcher in die Bilanzen vieler europäischer Banken reißen, die griechische Staatsanleihen in ihren Büchern haben. Daher werden die Finanzminister der 27 EU-Staaten auch Wege besprechen, wie Europas Banken mit frischem Kapital gestützt werden können. Geplant ist, dass Großbanken schon Mitte 2012 eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent erfüllen müssen. Damit wollen die Staaten die Geldhäuser auf eine mögliche Umschuldung Griechenlands vorbereiten.

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Leserkommentare
  1. Wann wird man endlich lernen, dass eine Bankenrettung direkt bei den Banken gemacht werden muss (und nicht via Griechenland) und das die einzige Rettung für Griechenland ist, ihm mit allen EU-Möglichkeiten zu helfen, seine Volkswirtschaft von einer korrupten Freunderlwirtschaft in eine wettbewerbsfähige Marktwirtschaft zu "drehen". Letzteres ist übrigens ein Generationenprojekt.

    Ein Schuldenerlass kann doch bei einem Land der 1. Welt nach nur 3 Krisenjahren absolut nicht in Frage kommen! Da muss man halt die Hälfte der Schulden auf 30+ Jahre umschulden und die Zinsen thesaurieren. Aber kann doch nicht so rasch auf die Forderung verzeichten!

    http://klauskastner.blogs...
    http://klauskastner.blogs...

  2. Ungeachtet der Finanz- und Wirtschaftskrise sind die weltweiten Privatvermögen zwischen 2000 und Mitte dieses Jahres um 117 auf 231 Billionen Dollar (167 Bio Euro) gewachsen, sagt die Credit Suisse.Das Gesamtvermögen der Haushalte dürfte in den kommenden fünf Jahren um 50 Prozent sogar auf 345 Billionen US-Dollar im Jahr 2016 steigen, was einem Wachstum von 8,4 Prozent pro Jahr entspreche.

    Das ist also noch Potential um Griechenland und anderen Staaten wieder auf die Beine zu helfen.
    http://tinyurl.com/6htlgz4

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    und wenn die ihr Vermögen freiwillig nicht hergeben?

    • gast007
    • 22. Oktober 2011 12:29 Uhr

    Papandreou und seine Vorgänger werden historisch einmal zu Volkshelden aufsteigen. Mit Ihrer Betrugs- und Hinhaltetechnik haben sie Hunderte von Milliarden aus den Euroländern herausgehauen, die das Land auf redliche Weise niemals verdient oder bekommen hätte. Der Wohlstandsschub der Jahre 2000 - 2011 hat eine historisch einmalige Dimension.

    Dass das Ganze auf nicht bezahlten Schulden und auf Betrug beruhte - mein Gott, das war in der griechischen Geschichte schon öfter so. Wen juckt das.

    In Portugal liegt das Ganze ähnlich, wenngleich nicht ganz so kriminell.

  3. Griechenland soll, nach einem Geheimpapier der Troika viel mehr Geld brauchen, als bisher erwartet. In der Financial Times soll eine Summe von 440 Mrd. € genannt worden sein. Dieser hohe Finanzbedarf - zusammen mit dem erlauchten Kreis der anderen Pleitsstaaten (u.a. Spanien, Frankreich und Italien) zeigen, dass man diese Summen niemals wird aufbringen können. Der Euro ist tot - er riecht bereits - gebt ihm wenigstens ein würdevolles Begräbnis.

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    "Dieser hohe Finanzbedarf - zusammen mit dem erlauchten Kreis der anderen Pleitsstaaten (u.a. Spanien, Frankreich und Italien) zeigen, dass man diese Summen niemals wird aufbringen können. Der Euro ist tot - er riecht bereits - gebt ihm wenigstens ein würdevolles Begräbnis."

    Spanien, Frankreich, Deutschland ...

    warum unterschlagen Sie Deutschland und - auch wenn es für diesen Zusammenhang natürlich absolut keine Rolle spielt:

    die USA.

    Warum wird hier wiederrum unterschlagen, dass CHINA der größte Kreditgeber der USA ist?

    Geld - Gott!

    Beides 4 Buchstaben.

    Man darf gespannt sein, welches Zeitalter demnächst anbricht!

  4. 5. [...]

    Entfernt. Bitte bemühen Sie sich um sachliche Diskussionbeiträge. Danke. Die Redaktion/vn

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    • Gex83
    • 22. Oktober 2011 12:58 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn

    Brüssler Puppenkiste Figuren. An den Schnürchen von Schäuble zupft normalerweise Joe Ackermann, ansonsten der bewährte Bankenretter Jörg Asmussen (ganz rechts im Bild - nur ein Teil des Gesichtes ist zu erkennen).

  5. man die Banken und Griechenland ihre Geschäfte nicht untereinander ausmachen?

    Wie man hört, soll in den Büchern noch einiges verborgen sein. Könnte es sein, dass unsere uns Regierenden die von uns finanzierten Staaten irgendwie so in das Schlamassel involviert haben, dass sie sich nicht mehr anders zu helfen wissen, als noch mehr Geld von uns zu wollen?

    Aber WIE haben sie das gemacht?

    Ohne uns zu fragen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    >>> man die Banken und Griechenland ihre Geschäfte nicht untereinander ausmachen?

    Weil die Banken dann für ihr Geschäftsrisiko und ihre Strategie vollständig einstehen müssten, wie andere Unternehmen auch? Es war ein geschickter Schachzug der Banken sich als systemrelevant zu positionieren und den betrügerischen Griechen den schwarzen Peter zuzuschieben (welche Aufgabe hatten und haben Rating-Agenturen noch einmal ganz genau ... ;-). Nach einer jahrelangen Hinhaltetaktik der Gläubigerstaaten D - F - LUX, einzig um ihren Banken Zeit zu verschaffen, werden jetzt die Banken zur Übernahme ihrer Risiken verpflichtet, was kleineren und grösseren Unternehmen selbstverständlich ist. Das werden sie widerwillig tun und - wie üblich - die Kosten des politischen Willens gut bezahlen lassen.
    Das Melken des Staates funktionierte schon beim Atomeinstieg, beim Atomausstieg etc. prächtig. Jetzt machen die Banken ihren Schnitt aufkosten von sozialen Aufgaben des Staates.

    Die Investmentbank Goldman-Sachs hatte damals Griechenland fit für den Euro getrickst.
    Ihre Topmanager beraten so manche Regierungen in der EU um vorgeblich Wege aus der Krise zu finden
    und diese Bank rät ihren Kunden zu Wetten gegen den Euro.
    Aber lassen wir die weiterwurschteln und uns in aller Einfalt einreden, dass nur der Euro und die Schulden das Problem wären.

    • Gex83
    • 22. Oktober 2011 12:58 Uhr

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn

    Antwort auf "[...]"
    • beat126
    • 22. Oktober 2011 12:59 Uhr

    Die Politik will immer wieder aufzeigen, dass die Überschuldung der Nationen Ursache dieser Krise ist. Ich behaupte, dies ist nur die Wirkung.

    Ursache ist, dass Finanzinstitute an klamme Länder, Firmen und Personen überhaupt Geld ausleihen dürfen, ohne einen strikten Refinanzierungsplan einhalten zu müssen.
    Hier muss der Hebel angesetzt werden, mit Gesetzen und einer unabhängigen, strikten Kontrolle.

    Dies ist die wirkliche Finanzenkrise.

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    Dem Vernehmen nach sollen die Brüsseler Gourmetrestaurants ganz vorzüglich, wenn auch sündhaft teuer sein. Im Interesse der Steuerzahler sollte man deshalb die Anzahl der Krisengipfel auf nicht mehr als drei pro Woche begrenzen. Hier sollte der Hebel angesetzt werden.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Jean-Claude Juncker | Angela Merkel | Bundesbank | CDU | EU-Kommission | Europäische Zentralbank
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