Für Griechenland zeichnet sich ein höherer Schuldenerlass mit stärkerer Beteiligung der Banken ab. Der Chef der Euro-Gruppe, Luxemburgs Premier Jean-Claude Juncker, sagte vor Beratungen der EU-Finanzminister: "Wir haben uns darauf verständigt, dass es eine erhebliche Anhebung des von den Banken zu übernehmenden Beitrags geben muss." Statt des im Juli vereinbarten Abschlags von 21 Prozent ist inzwischen ein Forderungsverzicht von 50 bis 60 Prozent im Gespräch.

Juncker wollte keine konkrete Zahl nennen, um die Verhandlungen mit den Banken nicht zu erschweren. Offiziell bestätigt wurde die Höhe des Forderungsverzicht bislang nicht, doch aus dem Bericht der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds geht hervor, dass nur bei einem Forderungsverzicht der privaten Gläubiger von 60 Prozent das Volumen der zusätzlichen öffentlichen Hilfe auf 109 Milliarden Euro begrenzt werden kann.

Insgesamt bewerteten die Troika-Experten die Situation Griechenlands negativ: Das Land könne noch bis zu zehn Jahre lang am Tropf internationaler Hilfskredite hängen, hieß es im Bericht. Die Situation in Griechenland habe zudem "eine Wendung zum Schlimmeren genommen". Die Troika schätzt mittlerweile, dass bis 2020 möglicherweise noch 252 Milliarden Euro nach Athen überwiesen werden müssen, wenn das zweite Hilfspaket nicht entsprechend nachgebessert wird.

Juncker geht davon aus, dass dazu Entscheidungen fallen könnten, allerdings noch nicht beim EU-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am Sonntag in Brüssel. Dies sei "aus einigen Gründen" jedoch noch nicht möglich, sagte Juncker. Deshalb werde ein zweiter Gipfel am kommenden Mittwoch nötig. Dabei soll es auch um eine Ausweitung des zweiten Griechenland-Pakets gehen.

Auch der schwedische Finanzminister Anders Borg forderte, die Banken stärker an der Rettung Athens zu beteiligen. "Ich denke nicht, dass wir Banken Geschenke gewähren sollten." Nach seinen Worten ist ein "substanzieller Schuldenschnitt" für Griechenland nötig. Dies hatte zuvor auch schon Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin angedeutet.

Bundesbankpräsident warnt vor massiver EFSF-Ausweitung

Am Vorabend hatten die Euro-Finanzminister erklärt, Griechenland brauche noch mehr Milliarden, um die Schuldenkrise zu überwinden. Das zweite Hilfspaket von 109 Milliarden Euro müsse aufgestockt werden, erklärten die Minister, ohne konkrete Zahlen zu nennen. Erst im Juli hatten die Euro-Länder und der Internationale Währungsfonds (IWF) das neue Paket vereinbart. Zusätzlich sollten Banken und Versicherer bis zu 50 Milliarden Euro beitragen.

Der Präsident der Bundesbank Jens Weidmann warnte hingegen vor einer massiven Ausweitung des Rettungsfonds (EFSF). "Die Krise wird nicht durch eine ständige Vergrößerung der Rettungsschirme gelöst werden", sagte Weidmann. Er verwies darauf, dass mit dem diskutierten EFSF-Hebel, höhere Risiken für den deutschen Steuerzahler verbunden sind.

Noch kritischer beurteilte Weidmann die Forderung Frankreichs, den EFSF mit einer Banklizenz bei der EZB auszustatten. "Das wäre eine Staatsfinanzierung über die Notenpresse und damit aus meiner Sicht ein fataler Weg. Er ist deshalb aus guten Gründen durch die EU-Verträge untersagt", sagte Weidmann. Grundsätzlich warnte er vor einer Unterordnung der Notenbank unter die Finanzpolitik, da sie dann ihren Auftrag zur Bekämpfung der Inflation nicht mehr erfüllen könne.

Eine Umschuldung Griechenlands könnte Löcher in die Bilanzen vieler europäischer Banken reißen, die griechische Staatsanleihen in ihren Büchern haben. Daher werden die Finanzminister der 27 EU-Staaten auch Wege besprechen, wie Europas Banken mit frischem Kapital gestützt werden können. Geplant ist, dass Großbanken schon Mitte 2012 eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent erfüllen müssen. Damit wollen die Staaten die Geldhäuser auf eine mögliche Umschuldung Griechenlands vorbereiten.