Ein landesweiter Streik hat das öffentliche Leben in Griechenland weitgehend lahm gelegt. Die Fluglotsen streiken für 24 Stunden, womit der Luftverkehr praktisch ruht. Auch Züge und die Athener Vorstadtbahn sind von dem Ausstand betroffen. Zahlreiche Bahnmitarbeiter legten am Morgen ihre Arbeit nieder, was zu starken Behinderungen im Schienenverkehr führte. Ärzte in staatlichen Krankenhäusern wollen nur Notfälle behandeln.

Ministerien, staatliche Unternehmen und Schulen sollen ebenfalls den ganzen Tag bestreikt werden. Auch viele Gerichte und andere Behörden bleiben geschlossen. Bereits am Dienstag blockierten Beamte und andere Staatsbedienstete die Eingänge von sieben Ministerien in Athen. Sie wehren sich mit dem Ausstand gegen die harten Sparmaßnahmen der Regierung von Ministerpräsident Giorgos Papandreou.

Keine Flüge aus Deutschland

Seit 23 Uhr gibt es wegen des Lotsenstreiks keine Flüge von und nach Griechenland. Deutsche Fluggesellschaften haben zahlreiche Flüge verschoben oder gestrichen. Die Lufthansa plante für Mittwoch wegen des Streiks keine Flüge nach Griechenland – mit Ausnahme eines in den späten Abend verschobenen Flugs nach Athen. In Frankfurt am Main fielen zwölf Starts und Landungen aus.

Air Berlin strich eine Verbindung von München nach Thessaloniki. Die übrigen für Mittwoch geplanten Flüge waren zum Teil auf Dienstag vorgezogen worden. Weitere Flüge wurden auf die späten Abendstunden oder Donnerstag verschoben. Auch der Reiseveranstalter TUI verlegte einzelne Flüge vor und verschob den Rest auf die Zeit nach dem Streik.

Am Mittag sind in Athen und anderen Städten des Landes Demonstrationen geplant. Zu dem Streik haben die beiden größten Gewerkschaftsverbände des staatlichen und des privaten Bereichs aufgerufen. Die Regierung plant, rund 30.000 Staatsbedienstete zu entlassen. Zudem sollen die Griechen in den kommenden Monaten weitere 6,5 Milliarden Euro sparen.

Geldreserve reicht bis Mitte November

Griechenland hat allerdings noch einige Wochen genügend Geld, um Löhne und Renten zu zahlen. "Bis Mitte November – das ist klar – gibt es kein Problem", sagte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos. Bei der wohl letzten Athener Geldreserve handelt es sich um 1,5 Milliarden Euro aus einem Banken-Stabilisierungs-Fonds.

Diese Summe soll Griechenland liquide halten, bis die Experten der Troika die Spar- und Reformanstrengungen positiv bewerten und die nächste Kredittranche in Höhe von acht Milliarden Euro überwiesen wird. Einstweilen hat die griechische Regierung viele Zahlungen ausgesetzt, darunter Mehrwertsteuer-Rückerstattungen an Exportunternehmen sowie Zahlungen an Pharmakonzerne.