ZEIT ONLINE: Herr Nair, Sie lieben die Provokation: Asiens Regierungen sollen ihren Bürgern das Autofahren verbieten. Damit machen Sie sich beliebt.

Chandran Nair: Aber es gibt keinen anderen Weg. Wir leben im 21. Jahrhundert und es wird das Jahrhundert der Ressourcenknappheit und des Klimawandels sein. Es hätte katastrophale Auswirkungen für das Klima und den Umgang mit knappen Ressourcen, wenn wir ähnliche Autozahlen hätten wie der Westen.

ZEIT ONLINE: Aber noch spielt das Weltklima kaum eine Rolle, wenn es um den individuellen Wunsch nach einem Auto geht. Warum sollte das in Asien anders laufen?

Nair: Weil die Regierungen ehrlicher mit den Menschen umgehen. Wir müssen aufgeben, den Leuten vorzuspielen, dass wir alle ein Auto haben können. Wir können einfach nicht alle gleich viel konsumieren – auch wenn uns das der Westen zwei Jahrhunderte lang eingetrichtert hat. Es ist unmoralisch, das permanent zu behaupten.

ZEIT ONLINE: Warum genau?

Nair: Wenn wir wie der Westen die Wünsche des Individuums über die der Gemeinschaft stellen, erleidet die Weltgemeinschaft einen enormen Schaden, wie etwa die Klimaerwärmung. Asien darf nicht darauf warten, dass der Westen eine Lösung für die aktuellen Probleme hat – egal, ob Finanzkrise oder Klimawandel. Wir brauchen hier in Asien eigene Ideen.


ZEIT ONLINE: Was heißt das konkret?

Nair: Regierungen werden zu drastischen Regeln greifen müssen, um öffentliche Güter zu schützen und so einer Mehrheit einen gerechten Zugang zur den Ressourcen zu ermöglichen. Es wird die politische Herausforderungen in diesen Zeiten sein, die Menschen auf Verzicht vorbereiten. Regierungen müssen erklären, warum sie Verbote erteilen, dann verstehen die Menschen das auch.