Occupy Wall StreetProteste gegen Finanzmarkt erreichen die US-Hauptstadt

Die Demonstrationen von Occupy Wall Street stoßen auf Wohlwollen in Washington. Obama hält die "verbreitete Frustration" über das Finanzsystem für berechtigt. von AFP, dpa und Reuters

Die Protestbewegung Occupy Wall Street hat sich auf weitere Großstädte in den USA ausgebreitet. Am Donnerstag versammelten sich Demonstranten unter anderem in Washington, Philadelphia und Houston, um gegen die ungleiche Verteilung von Wohlstand zu protestieren. In der US-Hauptstadt hätten ein paar Hundert Menschen "stundenlang gesungen und Protestsätze skandiert", schreibt ein Reporter der New York Times. Zitat eines Teilnehmers der Aktion: "Wir haben gesehen, was in Ägypten passiert ist und in Spanien" – Occupy Wall Street sei Teil einer weltweiten Protestbewegung.

US-Präsident Barack Obama äußerte Verständnis für die Proteste. Die Demonstrationen seien Ausdruck der Verärgerung über die Finanzkrise, sagte Obama. "Die Demonstranten verleihen einer breiteren Frustration darüber, wie unser Finanzsystem funktioniert, eine Stimme". Noch immer würden einige der Leute, die mit ihrem unverantwortlichen Verhalten die Finanzkrise ausgelöst hätten, sich gegen eine stärkere Regulierung stemmen.

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Auch ein hochrangiger Vertreter der Notenbank Fed bezeichnete die Motive des Protestes als nachvollziehbar: "Es gibt zu viele Arbeitslose, die Einkommensverteilung ist zu ungleichmäßig", sagte der Fed-Präsident von Dallas, Richard Fisher. "Wir haben ein frustriertes Volk, und ich kann ihre Frustration verstehen."

In New York, wo die Bewegung ihr Zentrum hat, skandierten die zumeist jungen Protestteilnehmer "Wir sind 99 Prozent". Sie spielten damit auf das reichste Prozent der US-Bevölkerung an, von dem sie sich hintergangen fühlen. Die Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie "Rettet unsere Republik" und "Gleichheit, Demokratie, Revolution". Nach Angaben aus Gewerkschaftskreisen beteiligten sich 12.000 Menschen an der Demonstration, die Polizei sprach von 5000 Teilnehmern.

In Deutschland sind ähnliche Aktionen am 15. Oktober in Berlin und Frankfurt geplant.

Geißler will auf die Straße gehen

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Heiner Geißler sagt voraus, dass die Proteste in den USA Einfluss auf die dortige Politik nehmen werden. Die Demonstranten "können den Widerstand der Republikaner, einer Mischung aus Marktgläubigen und Piusbrüdern, gegen die von den G-20-Staaten beschlossene Reform der Finanzindustrie brechen", sagte Geißler der Mitteldeutschen Zeitung. Ähnlichen Demonstrationen in Deutschland würde er sich nach eigener Aussage anschließen.

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Leserkommentare
    • SmoovE
    • 07. Oktober 2011 10:16 Uhr

    "In Deutschland sind ähnliche Aktionen am 15. Oktober in Berlin und Frankfurt geplant."

    UND IN VIELEN WEITEREN STÄDTEN ... SIEHE HIERZU http://www.attac.de/aktue...

    • Evolux
    • 07. Oktober 2011 10:19 Uhr

    Vollkommen richtig!

    Und auch wenn ich die freie Entscheidung habe,wurde ein System erschaffen,daß es ermöglichte,daß sich die Menschen auf der Suche nach dem vernmeintlichen(privaten) Glück bis über beide Ohren verschulden konnten und damit abhängig-einerseits von den Banken,andererseits von den Arbeitgebern.
    Gemerkt haben das die meisten erst hinterher und die meisten durchschauen es immer noch nicht.
    Das System hat es zugelassen und gefördert auf der Suche nach Profit,vielmehr lässt es immer noch zu.

    "We Are the 99 Percent
    We are the 99 percent. We are getting kicked out of our homes. We are forced to choose between groceries and rent. We are denied quality medical care. We are suffering from environmental pollution. We are working long hours for little pay and no rights, if we're working at all. We are getting nothing while the other 1 percent is getting everything. We are the 99 percent"
    http://wearethe99percent....

    Antwort auf "Gier und Giersystem"
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    • a-b-l
    • 07. Oktober 2011 10:48 Uhr

    Die „Freiheit der Entscheidung“, wie Sie die so schön nennen, ist leider auch eine der Methoden, wie unsere kapital- und konsumorientierte Gesellschaftsordnung einem suggeriert, dass er selbst seines Glückes Schmied ist.
    Paar Beispiele:
    - unsere demokratische Freiheit zu wählen. Die ist uns alle 4-5 Jahre gegeben, aber dazwischen hat man als Bürger und Wähler kaum Kontrollmöglichkeiten diesbezüglich, was die Regierung tut oder das Legislative beschließt.
    - unsere Freiheit zu demonstrieren, dient nur als Druckventil und wenn die Situation eskaliert, dann wird auch in den gefestigten Demokratien, hart durchgegriffen.
    - unsere Meinungsfreiheit. Diese ist auch nur gültig, wenn es bei den Meinungen bleibt. Wenn aus Meinungen Pläne und Taten werden, dann ist man recht schnell im Visier der Staatschützer aller Art.
    - über unsere Freiheit unser kreatives Potential zu suchen und unser Glück außerhalb der Konsumgesellschaft zu finden, kann am besten jeder Fließbandarbeiter berichten
    - unsere Freiheit zu Konsumieren hat auch Grenzen, gegeben durch die eigenen Geldmittel und wirkt sich auf der anderen Seite als sanftes Druckmittel, um mehr zu leisten. Und wenn das nicht reicht, dann kann man bequem eines der tollen Kredit-Produkte der Banken in Anspruch nehmen.

    Ich möchte nicht alles mit diesen Beispielen schwarz malen, denn es gibt eben noch die Hoffnung, dass in immer mehr Menschen eine Spur an sozialem Instinkt auflebt.

    • Gafra
    • 07. Oktober 2011 10:20 Uhr

    schon mal hier seine Unterschrift hinsetzen, die dann auch auf einer riesigen Tafel gezeigt wird.
    http://www.avaaz.org/de/t...
    Es wird wirklich Zeit für eine weltweite Massenbewegung.

    Antwort auf "Ich bin dabei, …"
    • a-b-l
    • 07. Oktober 2011 10:22 Uhr

    Ich glaube Obama (da könnte auch jeder andere Politiker stehen) hat es mittlerweile genug oft gezeigt, wer er ist.

    Auf der einen Seite Verständnis, Mitgefühl und gute Intentionen zeigen, wie es auf den ersten Seiten eines jeden Konflikt-Management-Handbuchs steht und auf der anderen Seite wenn die Gefahr, für das bestehende System, zu groß werden sollte, das gesamte Spektrum der Unterdrückungsmethoden autorisieren, um das bestehende System, das so erfolgreich unter der Verpackung „Freedom & Democracy“ oder „American Dream“ in aller Welt vermarktet wird, zu verteidigen.

    Schließlich muss man halt die Sprache derer sprechen, die einem die ganze Wahl-Show finanziert haben und auch dieses staatliche System finanziell tragen. Und das sind nicht die 99%! Die sind im besten Fall Human-Ressourcen oder Humnan-Kapital und ganz viele nur Kostenverursacher im System.

    Man hat vom Anfang an zu viel Hoffung in dieser Marionette gesteckt oder anders gesehen, man hat die richtige Marketing-Strategie eingesetzt um die Wahlen zu gewinnen. Die eigentlichen Entscheidungen werden sowieso nicht vom Präsidenten getroffen, auch wenn es so aussieht, als sei er der mächtigste Mann der Welt.
    In dieser Position muss man halt diese Rolle spielen – und das tut er auch recht gut.

  1. http://www.youtube.com/wa...

    unterstützt Occupy Wallstreet, auch wenn man hier wenig davon lesen kann.

    Herzliche Grüße

    Antwort auf "Bin dabei!"
    • Gafra
    • 07. Oktober 2011 10:27 Uhr

    der die Gefolgschaft aufgibt.
    Lorenz Jäger:
    Adieu, Kameraden, ich bin ein Gutmensch.
    Bei der FAZ kostet der Artikel, aber hier kann man den Artikel lesen.
    http://www.nerddeutschlan...

  2. Friedrich II hat in seinem "Epistel über die Menschlichkeit" die Grundlagen der Verantwortung des Mächtigen definiert, heisst hier und heute also die Verantwortung unserer sogen. parlamentarischen Vertreter, des Bundes- und der Länderkabinette.

    Wenn sich aber solche "Politiker" zu Handlangern und Helfershelfern machen, wie dies am Beispiel von Mappus und Notheis, Merkel und Ackermann, Schröder-Rürup-Riester-Steinbrück-Chr. Wulff und Maschmeyer dokumentieren lässt, dann brauchen wir einen gesellschaftlichen Umsturz, eine Entmachtung der Macht- und Amtsmissbraucher. Dann brauchen wir die Wiederherstellung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, der Sozialen Marktwirtschaft mit den Definitionen von W. Eucken, A. Müller-Armack und L. Erhard sowie die Wiederherstellung einer demokratischen Justiz und Rechtsprechung.

    Faktisch läuft dies auf die Entfeudalisierung unserer heutigen deutschen Gesellschaft hinaus. Deshalb sind die Erfolge Der Piratenpartei in einem Umfeld und in einem Licht zu besehen, dass uns allen noch Schmerzen in den Augen verursachen dürfte.

    Antwort auf "Das Große Spiel."
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    • vriegel
    • 07. Oktober 2011 10:54 Uhr

    Vermutlich fehlt nur jemand, der den Protest formiert und ihm eine Bühne gibt. Es geht vielen einfach noch zu gut und man ist zu bequem. Auch das eine Strategie der Politik an sich und der Mächtigen in der Wirtschaft. "Brot und Spiele", wie schon im alten Rom bekannt, heisst heute etwas anders, ist aber im Grunde das Selbe. Ein bisschen Wohlstand und etwas zum verlieren zu haben... Gegen S21 sind viele auf die Strasse gegangen. So was wird nach einiger zeit ein Selbstläufer. Der Protest gegen den Staat, das System oder das Regiem, das ist zu abstrakt und zu wenig klar.

    Und schliesslich halten sehr viele unsere Demokratie immer noch für die beste der Welt.. naja.. ich bin mir da ehrlic hgesagt nicht mehr so sicher.. ES gibt Länder, die bekomme ndas wesentich besser hin. Und dort geht es der Industrielobby ja auch nicht schlechter deswegen. Die machen ihre Lobbyarbeit dann eben mit Milliarden in der EU. DA ist sowieso der größere Markt, als bspw. in der Schweiz...

    "Wenn sich aber solche "Politiker" zu Handlangern und Helfershelfern machen, wie dies am Beispiel von Mappus und Notheis, Merkel und Ackermann, Schröder-Rürup-Riester-Steinbrück-Chr. Wulff und Maschmeyer dokumentieren lässt, dann brauchen wir einen gesellschaftlichen Umsturz, eine Entmachtung der Macht- und Amtsmissbraucher. Dann brauchen wir die Wiederherstellung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung, der Sozialen Marktwirtschaft mit den Definitionen von W. Eucken, A. Müller-Armack und L. Erhard sowie die Wiederherstellung einer demokratischen Justiz und Rechtsprechung."

    Ich stimme Ihnen vollumfänglich zu.

    • Evolux
    • 07. Oktober 2011 10:36 Uhr

    Die AVAAZ-Mutterorganisation MoveOn schreibt ueber ihre Zwecke:
    http://www.moveon.org/abo...
    ""AVAAZ ist ein recht geschickt angelegter Versuch, die Post-Bush-imperiale Politik der USA schon im Vorfeld "demokratisch" zu definieren und zu lancieren. Die USAmerikanische Mutterorganisationen CIVIC ACTION und MOVE-ON, die ihren NGO-Status verdaechtig oft betonen - wie ihre EURO-Tochter AVAAZ ebenfalls - sind im Randbereich der "Demokraten" angesiedelt und werden von prominenten "Demokraten" wie Al Gore unterstuetzt ... M.E. ist sowohl MOVE-ON wie CIVIC ACTION und AVAAZ der Versuch des Obama-Fluegels der "Demokraten", die Civil-Rights-Bewegung, Teile der Friedensbewegung, insbesondere die Anti-Irak-Kriegs-Bewegung zu beereben ohne strukturell wesentliche Aenderungen vorzunehmen. Die beiden Mutterschiffe in den USA moegen innerhalb der Vereinigten Staaten durchus auch tatsaechlich demokratische Funktionen erfuellen (...) Ebenso wie die Traeume von der Beendigung der globalen US-Kriege ... AVAAZ ist ein Rattenfaenger fuer die Kreuzzuege gegen die als Naechste anvisierten "Bad Guys" in strategisch wichtigen Gegenden - politisch, militaerisch und ressourcendefiniert. Gestern Zimbabwe, morgen Sudan und am ehesten noch die Menschenrechte im Iran"
    http://www.barth-engelbar...

    Hijacking der Bewegungen-
    Wer steckt hinter dem "Großkampftag 15,Oktober 2011"?
    Doch nicht etwa Avaaz und Moveonorg?

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    • Gafra
    • 07. Oktober 2011 11:16 Uhr

    Was avaaz angeht: Selbstverständlich reicht es nicht, da mal eine Unterschrift zu leisten. Aufstehen muss schon jeder selbst!
    Das ist vielleicht die Gefahr, dieser vielen Internet-Unterschriftenlisten, dass man glaubt, damit habe man seiner demokratischen Pflicht Genüge getan.
    Aber danke, Sie haben mich auf etwas aufmerksam gemacht, woran ich nicht dachte, obgleich ich mich gerade mit all den Schweinereien der CIA in Verbindung mit der US-Regierung und ihren Verbündeten beschäftige.
    Ich fand nun das, ein bisschen langatmig, aber mit Informationen über die Gründer http://stevenblack.wordpr...

    Bitte kehren Sie zum konkreten Artikelthema zurück. Danke, die Redaktion/mk

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  • Quelle ZEIT ONLINE, AFP, dpa, Reuters
  • Schlagworte Barack Obama | Heiner Geißler | Arbeitslose | Finanzkrise | Protest | US-Präsident
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