FinanzmarktUS-Börsenaufsicht kritisiert Rating-Agenturen

Den Einschätzungen der Rating-Agenturen wird oft blind vertraut. Jetzt wirft ihnen die US-Börsenaufsicht vor, Fehler bei internen Arbeitsabläufen gemacht zu haben. von dpa

Die US-Börsenaufsicht SEC hat die Arbeit der einflussreichen Rating-Agenturen kritisiert. Den Wächtern über die Kreditwürdigkeit unterliefen mitunter Fehler in der Methodik, aber auch bei der internen Kontrolle des Rating-Prozesses und der Bewältigung von Interessenkonflikten. Das geht aus dem ersten Jahresbericht der Aufsicht zu zehn Rating-Agenturen hervor. Zwar räumte die SEC darin ein, dass es bereits einige Verbesserungen gegeben habe, dennoch erwarte sie, dass die Agenturen die Bedenken ernst nähmen und rechtzeitig darauf reagierten.

Rating-Agenturen

Rating-Agenturen bewerten die Bonität von Firmen und Staaten. Die Ergebnisse veröffentlichen sie in Form von Buchstaben-Zahlen-Kombinationen in 21 Abstufungen von AAA (zuverlässige Schuldner, beste Qualität) bis D (default, zahlungsunfähig).

Den Gläubigern und Investoren geben diese Ratings an, wie wahrscheinlich es ist, pünktlich die Zinsen sowie das verliehene Geld zurückzubekommen. Nach dem Rating richtet sich der Zinssatz, den Länder für ihre Staatsanleihen auf dem Kapitalmarkt entrichten müssen.

Für eine Bewertung zieht eine Rating-Agentur sowohl veröffentlichte Informationen als auch Interna wie Informationen über die zehn größten Kunden, Finanzpläne, die wichtigsten Wettbewerber und genaue Kosten- und Ertragsstrukturen heran. Mindestens einmal im Jahr wird das Rating aktualisiert.

Die drei Großen

Bevor Unternehmen am amerikanischen Aktienmarkt gezeichnet werden dürfen, müssen sie sich von zwei Rating-Agenturen bewerten lassen. Die einzigen drei Agenturen, die dafür von der Börsenaufsicht SEC zugelassen sind, sind Standard & Poor's (1941 aus der Fusion von Standard Statistics und Poor's Publishing entstanden); Moody's, die 1909 erstmals Analysen über US-Eisenbahnanleihen an Investoren verkauften, woraus sich der Markt für Rating-Agenturen entwickelte; und Fitch Ratings, eine Tochtergesellschaft der französischen Fimalac-Gruppe.

Die EZB hat angekündigt, künftig neben dem Urteil der drei großen auch das der kanadischen Rating-Agentur DBRS (Dominion Bond Rating Service) einzubeziehen. DBRS hat bislang keine Andeutungen gemacht, die Bonität Griechenlands herabzustufen.

Kritik

Kritiker bemängeln an Rating-Agenturen generell, ihr Urteil sei nicht transparent. Nach der Hypothekenkrise wurden die Agenturen besonders dafür kritisiert, die "Ramschpapiere" amerikanischer Hypotheken zu lange positiv bewertet zu haben. In der Euro-Krise beanstanden Politiker, dass die Bonität Griechenlands, Spaniens und Portugals unberechtigt herabgestuft worden sei – jetzt gelten die Agenturen als zu streng.

Die Urteile der Rating-Agenturen werden schnell zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, da große Anleger unter Umständen nur Papiere mit gutem Rating halten dürfen. Das dient auch dem Anlegerschutz. Werden Anleihen aber herabgestuft, können Versicherungen und Banken zum Verkauf gezwungen sein, was die Krise verschärft. Die Verteidiger der Agenturen halten dagegen, dass diese nicht für die Ursachen der negativen Ratings verantwortlich seien.

Rating-Agenturen bewerten die Bonität von Staaten und Unternehmen sowie die Ausfallwahrscheinlichkeit von Wertpapieren. Viele Investoren vertrauen ihrem Urteil nahezu blind. Politiker und Finanzaufseher hatten die Rating-Agenturen immer wieder kritisiert. Sie hätten die Zeichen für den Niedergang des US-Immobilienmarktes ignoriert. Versuche, die Rating-Agenturen für ihre Fehleinschätzungen zur Rechenschaft zu ziehen, scheiterten bislang.

Die Agenturen vertreten hingegen den Standpunkt, sie hätten Meinungen abgegeben und keine Kaufempfehlungen ausgesprochen. Erst jüngst waren die Rating-Agenturen wieder in die Kritik geraten, weil sie in der Schuldenkrise in Europa und den USA die Kreditwürdigkeit von Ländern herabstuften. Das verteuert für die betroffenen Staaten die Aufnahme neuer Kredite.

Anzeige
Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Die SEC hat den Agenturen Vorwürfe gemacht. Die werden sich, zumindest intern danach richten, ihre Bewertungskriterien zu überarbeiten. Mit der SEC macht man keine Scherze. Die haben schon ganz andere in den Knast gebracht.

    Die Macht der Ratingagenturen Standart & poors, Moodys und Fitch ist zum einen so gross, weil sich eine Vielzahl Investoren nach deren Bewertungen richten bei ihrem Engagement.

    Zum anderen aber haben die Agenturen auch deshalb diese Macht erhalten, weil auch die Europäer vorschreiben, dass Banken sich bei ihren Engagements in Staatspapieren nach den Ratings richten müssen und nur bestens bewertete kaufen sollen.

    Dann müssten die Europäer zunächst mal diese Vorgaben zurücknehmen. Haben sie aber bis heute meines Wissens nicht getan.

    Die Finanzmärkte werden die Ratings der Agenturen immer als Grundlage nehmen. Sie machen ihre eigenen Ratings, womit dann manchmal auch positive Bewertungen der Agenturen unberücksichtigt bleiben und diese die Papiere nicht kaufen trotz AAA, umgekehrt jedoch, wenn die Ratings tiefer sind, werden sich kaum Investoren zu einem gegenteiligen eigenen Rating entschliessen. Ausnahme: Treasury Bonds. Die nehmen sie auch trotz dem Gejaule von standart & poors mit AA+.

    Politiker täten gut daran, die Macht dieser Agenturen nicht zu unterschätzen. Die Kritik an denen ist eigentlich nicht hilfreich.

    Für die Systemschwächen eines Euro können auch Ratingagenturen nichts.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Naja das ist Ansichtssache. Die Ratingagenturen zwingen vor allem Deutschland eine nicht expansive Fiskalpolitik auf und waren maßgeblich daran beteiligt von der Politik den Sozialabbau ala HartzIV zu fordern. Damals im jahre 2005 wurde angedroht das Rating Deutschlands zu senken, sollten die Agendareformen nicht umgesetzt werden. Das ist wenig bekannt.

    Argumentiert man heute also, dass Deutschland in der Eurozone maßgeblich am Nachfrageausfall und an der Deflation in der Peripherie Mitschuld trägt, darf man nicht vergessen, dass auch in Deutschland die politische Entscheidung zu diese Entwicklung nicht ganz frei getroffen worden ist. Für mich liegt hier ein politischer Interessenskonflikt vor, der juristisch nicht belangt werden kann:
    einerseits fordern die Ratingagenturen von den ehemals nachfragestarken Ländern der Eurozone einen Abbau des Sozialstaats. Diese Nachfrageausfälle werden mit Verschuldung kompensiert, die durch eine Kreditierung derselben Agenturen erst möglich wird. Und jetzt, da die Ratingagenturen die Daumen nach unten zeigen, wird der selbe Nachfrageausfall auch in den Peripherieländern organisiert.

    Das nächste Opfer in diesem Spiel dürften entweder Frankreich und die Beneluxländer sein oder wieder mal Deutschland, von dem ein weiterer Sozialabbau gefordert werden wird.

    Übrigens: ich hatte diese Quelle gestern bereits hier gepostet. Urteil der Redaktion: "Bitte belegen Sie ihre Behauptungen mit seriösen Quellen." Soviel zur Urteilskraft spät am Abend.

  2. 2. Rating

    Wie der Finanz-Kabarettist Chin Meyer sagt: Standard & Poor's = durchschnittlich arm; Moody = launisch; Fitch = kurz für "fucking bitch".

    "Ratingagenturen machen, was ihr Name schon sagt: sie raten."

    4 Leserempfehlungen
  3. ...absolut und unantastbar. Die Zeiten haben sich geändert, aber die höchste Stelle der unantastbaren Glaubwürdigkeit wird durch ein neues System ersetzt. Ein wichtiges Teil, wie es das Gesetz es vorschreibt, dieser für das Leben und die ganze Existenz bedeutender einflussrechen Instanzen bilden die Ratingagenturen. Dass das System der mittelalterlichen Kirche in ihrer Gesamtwirkung und der Rolle in der Gesellschaft gegenwärtig mehr dem System der Finanzindustrie in seinem realen Wirkung ähnelt, könnte eine spekulative Analyse beliebig bestätigen oder widerlegen, wie übrigens alle Prognosen der Finanzpropheten.

    Es ist letztendlich nicht so wichtig ob man das Recht hat oder nicht, sonder was damit in der ganzen Unternehmung des Systems zu erreichen ist.

    Und ganz genau so uneingeschränkt selbstbewusst benehmen sich manche wichtiger Spieler ( wie G-S Chef z.B)) auf der offenen Bühne des Lebens, wie Götter, sie tun nach eigenen Aussagen nur das Gotteswerk. Diese Bestrebung, die Totalität des Lebens aufzufassen und vollständig zu gestalten, wäre einer umfangreichen Analyse über die Ursachen der Krise wert.

    • kaleb
    • 01. Oktober 2011 19:18 Uhr

    Wenn die Spieler mit sich selbst unzufrieden sind, geben sie dem neutralen Schiedsrichter schuld.
    So können sie vor sich selbst eine Weile die Illusion aufrecht erhalten, doch ganz wackere Kerle gewesen zu sein.
    Da sieht man mal die Anmaßung und Uneinsichtigkeit der Banksters: Erst verzocken sie Steuergelder oder gewähren faule Kredite, und wenn es schiefgeht, sind die Rating-Agenturen schuld, nicht etwa die Banksters.
    Im Artikel hört es sich beinahe so an, als hätten am Ende die Rating-Agenturen und nicht die Bankster die Finanzkrise verursacht - das heißt natürlich wieder mal, den Bock zum Gärtner zu machen.
    Es sei aber von der Börsenaufsicht die Rede, die auch neutral sei?
    "The Securities and Exchange Commission (SEC) under Mary Shapiro is trying to escape a difficult legacy -- over the past two decades, the once proud agency was effectively captured by the very Wall Street firms it was supposed to regulate."
    http://www.huffingtonpost...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Lyaran
    • 02. Oktober 2011 13:10 Uhr

    Und genau wie im Sport ist nicht jeder Schiedsrichter neutral und kann durch sein Eingreifen ein Spiel entscheiden.
    Untersuchen sie mal die Verknüpfungen zwischen den Rating Agenturen und den amerikanischen Banken.

    • vril
    • 01. Oktober 2011 21:04 Uhr

    Wer hört überhaupt auf diese selbsternannten Kaffeesatzleser ? Leben wir immer noch im Mittelalter ? Glauben ist nicht Wissen ! Lasst einfach die Finger von dubiosen Anlagen, die Ihr nicht versteht !!!

  4. In den USA werden also von offiziellen Stellen die Ratingagenturen kritisiert. In Deutschland nicht.

    In den USA wurden tlw "Börsen- und Bankenbetrüger" etc. tlw mit lebenslangen Gefängnisstrafen bedacht. In Deutschland nicht.

    In den USA werden tlw. betroffene Banken und Finanzdienstleister zu Schadenersatz verklagt. In Deutschland nicht.

    usw

    Eine Leserempfehlung
  5. Naja das ist Ansichtssache. Die Ratingagenturen zwingen vor allem Deutschland eine nicht expansive Fiskalpolitik auf und waren maßgeblich daran beteiligt von der Politik den Sozialabbau ala HartzIV zu fordern. Damals im jahre 2005 wurde angedroht das Rating Deutschlands zu senken, sollten die Agendareformen nicht umgesetzt werden. Das ist wenig bekannt.

    Argumentiert man heute also, dass Deutschland in der Eurozone maßgeblich am Nachfrageausfall und an der Deflation in der Peripherie Mitschuld trägt, darf man nicht vergessen, dass auch in Deutschland die politische Entscheidung zu diese Entwicklung nicht ganz frei getroffen worden ist. Für mich liegt hier ein politischer Interessenskonflikt vor, der juristisch nicht belangt werden kann:
    einerseits fordern die Ratingagenturen von den ehemals nachfragestarken Ländern der Eurozone einen Abbau des Sozialstaats. Diese Nachfrageausfälle werden mit Verschuldung kompensiert, die durch eine Kreditierung derselben Agenturen erst möglich wird. Und jetzt, da die Ratingagenturen die Daumen nach unten zeigen, wird der selbe Nachfrageausfall auch in den Peripherieländern organisiert.

    Das nächste Opfer in diesem Spiel dürften entweder Frankreich und die Beneluxländer sein oder wieder mal Deutschland, von dem ein weiterer Sozialabbau gefordert werden wird.

    Übrigens: ich hatte diese Quelle gestern bereits hier gepostet. Urteil der Redaktion: "Bitte belegen Sie ihre Behauptungen mit seriösen Quellen." Soviel zur Urteilskraft spät am Abend.

  6. "Die Ratingagenturen zwingen vor allem Deutschland eine nicht expansive Fiskalpolitik auf und waren maßgeblich daran beteiligt von der Politik den Sozialabbau ala HartzIV zu fordern. Damals im jahre 2005 wurde angedroht das Rating Deutschlands zu senken, sollten die Agendareformen nicht umgesetzt werden. "

    -------

    Wenn man daraus den Schluß ziehen würde, dass die Ratingagenturen zT Deutschland regieren, wäre man sicher auf einer Seite mit einem Teil der Wissenschaftler verschiedenster Ausrichtung.

    In der Konsequenz würde das bedeuten, ein Teil der Arbeitnehmer arbeitet sich jahrzehntelang "den Arsch ab" und wenn sie durch den deutschen Altersrassismus oder durch sonstige Profitgeilheit der marktradikalen Neoliberalen in Not gekommen sind, entscheiden die Ratingangenturen: Nichts da, von wegen menschenwürdiger Rente oder sonstiger Hilfe - .

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Agentur | Kredit | SEC | Wertpapierhandel | Arbeit | USA
Service