Klaus Regling, Chef des Euro-Rettungsfonds EFSF © Peter Parks/AFP/Getty Images

Die Beschlüsse des Euro-Krisengipfels von Brüssel sind auch Thema einer Reise von EU-Währungsfachmann Klaus Regling nach China. Der Chef des Euro-Rettungsschirmes EFSF hält seinen Besuch in Peking für "sehr nützlich" für den Kontakt zu chinesischen Investoren.

Er habe die Verantwortlichen im chinesischen Finanzministerium und in der Zentralbank in Peking über die Ergebnisse des EU-Gipfels informiert, sagte Regling. Seine Gespräche seien aber "keine Verhandlungen". Es werde deshalb auch nichts beschlossen. Für den Rettungsschirm sei es aber sehr wichtig, mit den großen Investoren wie China in Kontakt zu stehen.

Der Hintergrund: Die Euro-Staaten hatten beschlossen, die Wirkung des im Moment 440 Milliarden Euro umfassenden Fonds durch die Hilfe privater Geldgeber auf bis zu eine Billion Euro zu steigern. Dazu vorgesehen ist ein Sonderfonds, in den auch das wirtschaftlich starke China investieren könnte.

Die Wahrscheinlichkeit eines Einstiegs ist deshalb hoch, weil das Land bereits in Europa finanziell engagiert ist und viel zu verlieren hat. Schätzungsweise ein Viertel seiner Devisenreserven sind in Euro angelegt. Sollten chinesische Anleihen von Euro-Staaten ausfallen oder an Wert verlieren, würde das für das Land teuer. Entsprechend groß ist das Interesse der aufstrebenden Wirtschaftsmacht an stabilen Verhältnissen in der europäischen Währungsgemeinschaft.

China sei ein loyaler Partner des EFSF, sagte Regling. Etwa 40 Prozent hätten bisher Investoren in Asien gekauft. Es sei deshalb nur normal, wenn der Fonds bei Investoren für seine Anleihen oder mögliche neue Produkte werbe.

China deutete Bedingungen für einen Einstieg an. Das Land sei stark daran interessiert, Europa zu helfen, sei dies doch sein größter Handelspartner. Ein Engagement hänge davon ab, ob sich auch andere Länder daran beteiligten, sagte Yu Yongding von der Chinesischen Zentralbank der Financial Times. Ein Investment müsse gut abgesichert sein. Auch sollten sich die Europäer mit Kritik an der chinesischen Währungspolitik zurückhalten.

Frankreichs Präsident Nikolas Sarkozy begrüßte eine weitere Beteiligung der Chinesen an der Stabilisierung der Währungsgemeinschaft. "Unsere Unabhängigkeit wird davon nicht berührt", sagte er. Es gebe keinen Grund, das Vertrauen der Chinesen nicht in Anspruch zu nehmen. Sarkozy hatte kurz nach dem Gipfel von Brüssel mit Chinas Präsident Hu Jintao telefoniert, um mit ihm über die Details des Rettungsplanes und ein mögliches Einsteigen der Chinesen zu sprechen.

Die Deutsche Wirtschaft reagierte skeptisch: Der Chef des Industrieverbandes BDI Hans-Peter Keitel sagte, ein Einstieg einer nicht-Euro-Nation gebe der die Möglichkeit, das Schicksal der gemeinsamen Währung mitzubestimmen.