Vor mehreren Hundert Unternehmern hat Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ein griechisch-deutsches Wirtschaftsforum in Athen eröffnet. Er erhoffe sich ein "starkes und klares Signal für den Investitionsstandort Griechenland". Rösler forderte die griechische Regierung auf, ihren Reformkurs fortzusetzen, und bot deutsche Hilfe für eine Verbesserung der Investitionsbedingungen an. Die Unternehmer rief er auf, "mit Tatkraft und Schaffenskraft" die Leistungsfähigkeit Griechenlands zu verbessern.

Der griechische Wirtschaftsminister Michailis Chrysochoidis warb für Investitionen deutscher Unternehmer in seinem Land. "Deutschland und Griechenland müssen ihre Handelsbeziehungen ausbauen und eine Allianz für das Wachstum schaffen", sagte er nach einem Treffen mit Rösler und mehreren Bundestagsabgeordneten. "Wir wollen eine Wirtschaft schaffen, die befähigt ist, auf eigenen Beinen zu stehen."

Beide Seiten wollen eine Absichtserklärung zu Maßnahmen für eine verbesserte Wettbewerbsfähigkeit Griechenlands unterzeichnen. Deutschland erkläre sich darin bereit, bei der Reform der Verwaltungsstrukturen in Griechenland zu helfen, sagte Rösler. Daran könnten beispielsweise die Bundesnetzagentur und das Kartellamt mit Know-how und Personal mitwirken.

Deutsche Firmen warten auf Zahlungen

Auch das Problem ausstehender Zahlungen für griechische Staatsaufträge an deutsche Unternehmer werde in dem Memorandum angesprochen, sagte Rösler. Die griechische Seite habe zugesagt, bei der Lösung dieser Fälle umfangreich zu helfen. In diesen Streitfällen sind auf deutscher Seite Siemens, die Deutsche Telekom, Bayer und Fresenius betroffen.

Rösler nannte das Gespräch mit seinem griechischen Kollegen "sehr produktiv". Er betonte, dass Griechenland in der Euro-Gruppe bleiben solle: "Wir müssen alles dafür tun, alle Staaten in der Euro-Zone zu halten." Dazu müsse die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit einzelner Länder gestärkt oder wiederhergestellt werden.

Rösler ist in Begleitung einer großen Wirtschaftsdelegation mit knapp 70 deutschen Managern in Griechenland. Der FDP-Politiker will mit Ministerpräsident Giorgos Papandreou über das stockende Sanierungs- und Privatisierungsprogramm beraten. Außerdem ist ein Treffen mit Finanzminister Evangelos Venizelos geplant.