Studie Kinderkrippen machen schlau und reich

Ob Fremdbetreuung Kleinkindern nützt oder schadet, hat eine Langzeitstudie aus Norwegen untersucht. Die Ergebnisse sind bemerkenswert.

Für die ehemalige Tagesschau-Sprecherin Eva Herman besteht kein Zweifel: Mütter gehören zu ihren Kindern, nicht an den Arbeitsplatz – sonst bleiben die Kinder auf der Strecke. Im September kritisierte Herman Bundesfamilienministerin Kristina Schröder in einem offenen Brief dafür, dass diese schon drei Monate nach der Geburt ihrer Tochter an den Schreibtisch zurückgekehrt ist: "Ich hätte mir gewünscht, dass das kleine Mädchen mehr von ihrer Mama gehabt hätte."

Auch mit den Plänen der Bundesregierung, deutlich mehr Kinderkrippen zu bauen, rechnete Herman ab. Das richte "verheerenden Schaden" an. "Jedes schon früh fremdbetreute Kleinkind ist eines zu viel."  Herman hätte vielleicht vor dem Schreiben ihres Briefes einen Blick in das American Economic Journal werfen sollen. In der Fachzeitschrift hätte sie eine einzigartige Langzeitstudie zu den Folgen staatlicher Kinderbetreuung gefunden.

Anzeige

Die Arbeit kommt zu dem Fazit, dass das Gegenteil von dem, was Herman schreibt, richtig ist. "Staatlich subventionierte Kinderbetreuung hat starken positiven Einfluss auf das spätere Erwachsenenleben der Kinder", schreiben Tarjei Havnes (Universität Oslo) und Magne Mogstad (University College London). Wer in einer staatlich finanzierten Kindertagesstätte war, hat im Alter von 30 eine bessere Bildung und ein höheres Einkommen. Die Studie analysiert die Langzeitfolgen eines politischen Kurswechsels in Norwegen in den frühen siebziger Jahren. Um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern, baute der Staat ab 1975 die Kinderbetreuung stark aus. Bis 1979 verdoppelte sich die Zahl der Plätze in Ganztagskindergärten für Drei- bis Sechsjährige.

Die Wissenschaftler verfolgen die Bildungs- und Erwerbskarrieren der ersten Generation von Norwegern, die in den neuen Kindertagesstätten aufwuchsen, rund 175.000 zwischen 1973 und 1976 Geborene. Zum Vergleich zogen die Forscher 400.000 Norweger heran, die 1967 bis 1972 geboren wurden und schon ganz oder teilweise aus dem Kindergartenalter herausgewachsen waren, als die Gesetze griffen. Um Ursache und Wirkung messen zu können, nutzten die Wissenschaftler aus, dass es damals große regionale Unterschiede bei der Kinderbetreuung gab.

Weniger Schulabbrecher, mehr Akademiker

Sie betrachten Kinder aus Gegenden, in denen es bis 1975 sehr wenige Betreuungsplätze gab und danach viele neue Ganztagskindergärten gebaut wurden. Diese vergleichen sie mit einer Kontrollgruppe von Kindern aus Regionen, in denen es schon immer ein großes Angebot gab und sich nach der Reform wenig verändert hat. Die liberalen Datenschutzgesetze Norwegens ermöglichen es, die Erwerbsbiografie jedes einzelnen Kindes im Detail nachzuvollziehen.

Die Forscher stellen fest: Jeder zusätzlich eingerichtete Betreuungsplatz führte dazu, dass ein Kind später im Schnitt 0,35 Jahre länger zur Schule ging. Die Wahrscheinlichkeit, zum Schulabbrecher zu werden, sank dadurch um sechs Prozent – und die, eine Uni zu besuchen, stieg um sieben Prozent. Die bessere Ausbildung spiegelt sich in spürbar höheren Einkommen wieder. Zudem waren Kinder, die die neuen Betreuungseinrichtungen nutzten, seltener auf Sozialhilfe angewiesen. Besonders stark ist der Effekt bei Kindern aus Unterschicht-Familien.

Eva Herman behauptet, Fremdbetreuung mache depressiv, fördere Alkoholismus und Gewaltbereitschaft. Doch die Wahrheit ist: Sie macht schlau und reich.

No Child Left Behind: Subsidized Child Care and Children's Long-Run Outcomes von Tarjei Havnes und Magne Mogstad, in: American Economic Journal: Economic Policy (2011)

Erschienen im Handelsblatt

 
Leser-Kommentare
  1. aber warum unter dr Ruprik "Wirtschaft"? Unter "Gesellschaft" hätte ich ihn gesucht.
    Aber es geht hier ja schließlich um "Humankapital, nachwachsendes Humankapital, und das ist ja für die Wirtschaft noch immer von Bedeutung. Wenn also Kinder, die weniger in der Familie sondern mehr in Kindergärten herangezogen werden, besseres Humankaptal ergeben, dann muß man als Staat natürlich die Konsequenzen ziehen und Kinder ihren Müttern nehmen. Die letze Entscheidung des Verfassungsgerichtes (Mütter müssen wieder voll arbeiten, wenn das Kind in die Krippe gebracht werden kann).

    Also, Väter und Mütter, zreugt gesunde Kinder und gebt sie so früh wie möglich in den Kindergarten. Die Wirtschaft braucht Arbeitskräfte, die früh daran gewöhnt wurden sich zu integrieren und die Familie nicht so wichtig zu nehmen.

    16 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Studie ist zu vernachlässigen, da die Norwegen heute noch zum großen Teil keinen Berufsabschluss haben. Ich arbeite mit den Norwegen täglich und muss ansehen, wie ungebildet die heute noch sind. Mit der Qualifikation von den Norwegern würde kein Deutscher in Deutschland einen Arbeitsplatz finden. In Norwegen hat der Dümmste noch alle Möglichkeiten offen. Die Kinderbetreuung in Norwegen beginnt schon ab dem ersten Lebensjahr. Nicht jeder bekommt einen Kindergartenplatz, die Anmeldung erfolgt ca. halbes Jahr im Voraus. Die Norweger sind Eigenbrötler und die Kommunikation erfolgt meist nur schriftlich. Die Nachbarn reden kaum miteinander. Es ist mir klar, dass durch die gemeinsame Zeit im Kindergarten der Durchschnitts-Norweger klüger geworden ist, da die Norwegen ja nicht besonders kommunikativ sind. Was nicht in der Studie berücksichtigt wurde, das die Norweger durch das Öl reich geworden sind. Die Produktion in der Industrie liegt ca. 20 bis 30 Jahre zurück wenn ich mir Deutschland und Norwegen vergleiche. Um auf den Punkt zu kommen und die Studie zu beurteilen, muss ich feststellen, dass der Zeitpunkt der Studie sehr weit zurückliegt und da ist die Schnittstelle zwischen der alten norwegische Gesellschaft und der moderne wiedergegeben aber hat keine Aussagekraft ob die Kinder durch die Kinderkrippen kluger und reiche werden. Ehe ist die Schlussfolgerung im Wandel der Zeit zu sehen als mit der frühen Kinderbetreuung.

    sondern führen zu einer kränkeren weniger leistungsfähigen Gesellschaft. Es geht den Verfassern des Handelsblatts offensichtlich vielmehr um kurzfristige ökonomische Interessen.

    Die Studie ist zu vernachlässigen, da die Norwegen heute noch zum großen Teil keinen Berufsabschluss haben. Ich arbeite mit den Norwegen täglich und muss ansehen, wie ungebildet die heute noch sind. Mit der Qualifikation von den Norwegern würde kein Deutscher in Deutschland einen Arbeitsplatz finden. In Norwegen hat der Dümmste noch alle Möglichkeiten offen. Die Kinderbetreuung in Norwegen beginnt schon ab dem ersten Lebensjahr. Nicht jeder bekommt einen Kindergartenplatz, die Anmeldung erfolgt ca. halbes Jahr im Voraus. Die Norweger sind Eigenbrötler und die Kommunikation erfolgt meist nur schriftlich. Die Nachbarn reden kaum miteinander. Es ist mir klar, dass durch die gemeinsame Zeit im Kindergarten der Durchschnitts-Norweger klüger geworden ist, da die Norwegen ja nicht besonders kommunikativ sind. Was nicht in der Studie berücksichtigt wurde, das die Norweger durch das Öl reich geworden sind. Die Produktion in der Industrie liegt ca. 20 bis 30 Jahre zurück wenn ich mir Deutschland und Norwegen vergleiche. Um auf den Punkt zu kommen und die Studie zu beurteilen, muss ich feststellen, dass der Zeitpunkt der Studie sehr weit zurückliegt und da ist die Schnittstelle zwischen der alten norwegische Gesellschaft und der moderne wiedergegeben aber hat keine Aussagekraft ob die Kinder durch die Kinderkrippen kluger und reiche werden. Ehe ist die Schlussfolgerung im Wandel der Zeit zu sehen als mit der frühen Kinderbetreuung.

    sondern führen zu einer kränkeren weniger leistungsfähigen Gesellschaft. Es geht den Verfassern des Handelsblatts offensichtlich vielmehr um kurzfristige ökonomische Interessen.

    • vb187
    • 19.10.2011 um 18:33 Uhr

    ...paar Prozent schon!? So ein Stuss, zunächst liegt die Zeit bereits lange zurück und die wirtschaftlichen sowie soziologischen Bedingungen haben sich teils stark verändert. Darüber hinaus ist es meiner Meinung nach unverantwortlich, so ein kleines "Ding" - wie es Bundesfamilienministerin Kristina Schröder tat - mit drei Monaten fast den ganzen Tag abzugeben. Als Vater finde ich das unfassbar, verantwortungslos und grausam. Bereits ich würde gerne mehr Zeit mit meiner kleinen Tochter verbringen, als "nur" nach der Arbeit. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für ein kleines Kind schlechter ist, mehr Zeit mit ihrer Mutter/ ihren Eltern zu verbringen - (fragwürdige) Studie hin oder her.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • gorgo
    • 19.10.2011 um 18:55 Uhr

    Achm als Vater finden sie es grausam, ein kleines Kind in die Krippe zu geben - sind sie denn dann auch bei jedem Kind drei Jahre (oder mehr) zuhause geblieben?

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für ein kleines Kind schlechter ist, mehr Zeit mit ihrer Mutter/ ihren Eltern zu verbringen - (fragwürdige) Studie hin oder her.

    Vielleicht sollte man die Wahrheit irgendwo dazwischen suchen. Für ein Kleinkind im Alter von 2 bis 4 Jahren ist es meiner Meinung nach besonders wichtig, viele soziale Kontakte zu bekommen. Es war höchste Zeit, dass sie mit 3 in die Kita kam. Es kann zu dem Zeitpunkt gut laufen, sich artikulieren und beginnt damit die Welt außerhalb von Mama und Papa zu erkunden. Das eine Kind beobachtet mehr, das andere Kind ist lieber mitten drin im Geschehen. Man darf das aber nicht mit Abschieben gleichsetzen. Mama und Papa sind immer noch wichtig und müssen den Ausgleich und die Abwechslung zur täglichen Kita schaffen.

    Ich habe insbesondere an meiner Tochter ab etwa 2,5 Jahren gemerkt, wie unausgeglichen und gelangweilt sie dadurch war, dass sie jeden Tag immer nur die gleichen fünf Gesichter gesehen hat und wieviel Freude sie hatte, wenn sie mal neue Gesichter sah. Dass sie mit 3 Jahren in die Kita kam, fand ich eigentlich schon viel zu spät.

    • vb187
    • 23.10.2011 um 9:31 Uhr

    2-3 Jahren finde ich es ebenfalls richtig, den nächsten Schritt zu gehen und das Kind weitergehend in die Gesellschaft einzugliedern.

    • gorgo
    • 19.10.2011 um 18:55 Uhr

    Achm als Vater finden sie es grausam, ein kleines Kind in die Krippe zu geben - sind sie denn dann auch bei jedem Kind drei Jahre (oder mehr) zuhause geblieben?

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für ein kleines Kind schlechter ist, mehr Zeit mit ihrer Mutter/ ihren Eltern zu verbringen - (fragwürdige) Studie hin oder her.

    Vielleicht sollte man die Wahrheit irgendwo dazwischen suchen. Für ein Kleinkind im Alter von 2 bis 4 Jahren ist es meiner Meinung nach besonders wichtig, viele soziale Kontakte zu bekommen. Es war höchste Zeit, dass sie mit 3 in die Kita kam. Es kann zu dem Zeitpunkt gut laufen, sich artikulieren und beginnt damit die Welt außerhalb von Mama und Papa zu erkunden. Das eine Kind beobachtet mehr, das andere Kind ist lieber mitten drin im Geschehen. Man darf das aber nicht mit Abschieben gleichsetzen. Mama und Papa sind immer noch wichtig und müssen den Ausgleich und die Abwechslung zur täglichen Kita schaffen.

    Ich habe insbesondere an meiner Tochter ab etwa 2,5 Jahren gemerkt, wie unausgeglichen und gelangweilt sie dadurch war, dass sie jeden Tag immer nur die gleichen fünf Gesichter gesehen hat und wieviel Freude sie hatte, wenn sie mal neue Gesichter sah. Dass sie mit 3 Jahren in die Kita kam, fand ich eigentlich schon viel zu spät.

    • vb187
    • 23.10.2011 um 9:31 Uhr

    2-3 Jahren finde ich es ebenfalls richtig, den nächsten Schritt zu gehen und das Kind weitergehend in die Gesellschaft einzugliedern.

  2. Selten etwas so blödsinnig Simplifizierendes gelesen!

    21 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • medwed
    • 19.10.2011 um 21:05 Uhr

    ...simplifizieren immer. Das liegt in der Natur der Sache. Empfehlung: den ganzen Bericht lesen, nachdenken, dann einen Kommentar schreiben. Nicht umgekehrt.

    • medwed
    • 19.10.2011 um 21:05 Uhr

    ...simplifizieren immer. Das liegt in der Natur der Sache. Empfehlung: den ganzen Bericht lesen, nachdenken, dann einen Kommentar schreiben. Nicht umgekehrt.

  3. Ob die Kinder wirklich mal schlauer durch einen Kitaplatz erden, bezweifle ich. Richtig ist, das die Kinder besser sozialisiert werden, der Egoismus somit weniger wird. Und wenn Kinder im letzten Kindergartenjahr dann auf die Schule vorbereitet wird, werden sie mit Sicherheit besser und schneller Lesen und Schreiben können.

    Ich plädiere für 1 Elternjahr, von mir aus auch zwei. Danach können Kinder ruhig in den Kindergarten. Unter Gleichgesinnten spielt es sich nunmal besser. Und Mütter müssen mir nicht damit kommen, dass sie sich den ganzen Tag um ihre Kinder bemühen. Mit ihnen spielen, sich mit ihnen beschäftigen. Dann lügt man sich in die eigene Tasche.

    Wenn der Staat Mütter frühzeitig in das Arbeitsleben integrieren will, muß er auch dafür sorgen, dass genügend Arbeitsplätze vorhanden sind! Das sehe ich nämlich nicht so. Hier wird es ein großes Defizit geben! Es sind nämlich nicht genug Arbeitsplätze vorhanden!

    Man kann auch die Norweger nicht mit Deutschland vergleichen, da Norwegen ganz andere Voraussetzungen hat. Die Arbeitslosigkeit in Norwegen ist z.Bsp. viel geringer als in Deutschland. Und für Familien wird da auch mehr getan.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • gorgo
    • 19.10.2011 um 19:07 Uhr

    Ich denke auch, dass in Deutschland oft unterschätzt wird, was Kinder mit anderen Kindern und von anderen Kindern sowie durch eine echte Betreuung lernen.
    Ist das soviel anders als zuhause? In dem Viertel, in dem ich wohne, gibt es viele Kinder, die Zeit, Nachbarn und geschützten Straßenraum haben, um ausgiebig miteinander zu spielen. Viele Mütter dieser Kinder bleiben automatisch und auch viele Jahre zu Hause. Im Sommer findet das Zusammenleben weitgehend draußen statt. Es ist wahr, dass die Mütter natürlich für die Kinder ansprechbar sind - aber das wären Erzieherinnen auch. Die Hauptbeschäftigung der Mütter ist aber putzen, kochen, waschen, einkaufen - und die Kiddies zu Aktivitäten fahren, oft mehrmals am Tag - etc. pp. Die Mütter sind in erster Linie Hausfrauen, wie gehabt Ich sehe fast eher mal einen Vater, der nach der Arbeit direkt mit dem Kind spielt oder länger redet.
    Den Kleinen geht es natürlich prima - aber nichts passiert, was nicht auch in einer Krippe möglich wäre. I
    Fortsetzung

    das wird bei der Debatte auch immer wieder verschwiegen, und viele Eltern nutzen das auch. Dadurch kann als Nebeneffekt die Qualität der Krippen verbessert werden, weil so der Betreuungsschlüssel nahe der optimalen 1:3 Grenze liegt, bei uns in Deutschland sind es oft mehr als doppelt soviel Kinder pro Betreuerin und nur ganze 2% der Krippen sind als ausreichend gut zu bezeichnen, die anderen schlecht bis mittelmäßig, also eindeutig schädlich fürs Kind. Optimal ist es, so Stand der Wissenschaft, Kinder unter 2 Jahren nicht in die Gruppenbetreuung zu geben und zwischen 2 und 3 Jahren maximal halbtags. Ein durchschnittlich entwickeltes Kind kann früher auch noch keine sozialen Kontakte zu anderen Kindern aufbauen und braucht auch keine Bildung, die ihm eine normale Mutter nicht geben könnte, dafür aber um so mehr Bindung zu einer festen Betreuungsperson, in der Regel am besten die Mutter.

    • gorgo
    • 19.10.2011 um 19:07 Uhr

    Ich denke auch, dass in Deutschland oft unterschätzt wird, was Kinder mit anderen Kindern und von anderen Kindern sowie durch eine echte Betreuung lernen.
    Ist das soviel anders als zuhause? In dem Viertel, in dem ich wohne, gibt es viele Kinder, die Zeit, Nachbarn und geschützten Straßenraum haben, um ausgiebig miteinander zu spielen. Viele Mütter dieser Kinder bleiben automatisch und auch viele Jahre zu Hause. Im Sommer findet das Zusammenleben weitgehend draußen statt. Es ist wahr, dass die Mütter natürlich für die Kinder ansprechbar sind - aber das wären Erzieherinnen auch. Die Hauptbeschäftigung der Mütter ist aber putzen, kochen, waschen, einkaufen - und die Kiddies zu Aktivitäten fahren, oft mehrmals am Tag - etc. pp. Die Mütter sind in erster Linie Hausfrauen, wie gehabt Ich sehe fast eher mal einen Vater, der nach der Arbeit direkt mit dem Kind spielt oder länger redet.
    Den Kleinen geht es natürlich prima - aber nichts passiert, was nicht auch in einer Krippe möglich wäre. I
    Fortsetzung

    das wird bei der Debatte auch immer wieder verschwiegen, und viele Eltern nutzen das auch. Dadurch kann als Nebeneffekt die Qualität der Krippen verbessert werden, weil so der Betreuungsschlüssel nahe der optimalen 1:3 Grenze liegt, bei uns in Deutschland sind es oft mehr als doppelt soviel Kinder pro Betreuerin und nur ganze 2% der Krippen sind als ausreichend gut zu bezeichnen, die anderen schlecht bis mittelmäßig, also eindeutig schädlich fürs Kind. Optimal ist es, so Stand der Wissenschaft, Kinder unter 2 Jahren nicht in die Gruppenbetreuung zu geben und zwischen 2 und 3 Jahren maximal halbtags. Ein durchschnittlich entwickeltes Kind kann früher auch noch keine sozialen Kontakte zu anderen Kindern aufbauen und braucht auch keine Bildung, die ihm eine normale Mutter nicht geben könnte, dafür aber um so mehr Bindung zu einer festen Betreuungsperson, in der Regel am besten die Mutter.

  4. ABER: bevor das Kind 2-3 Jahre alt ist, macht es meiner Meinung nach keinen Sinn. Das Kind muss sich erstmal geborgen fühlen, im Kreise der Familie. Danach kann man ihm die Welt nach und nach öffnen. Also mit 3, 4 Jahren Kindergarten, vielleicht 3 Mal in der Woche oder so.
    Aber das ist in unserer Zeit reine Utopie; wer kann sich das leisten?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Unsere Kinder sind beide jeweils im Alter von 4 Monaten zu einer Tagesmutter und damit in Kontakt zu anderen, etwas älteren Kindern gekommen. Etwas besseres hätte ihnen gar nicht passieren können: Unsere Tagesmutter hatte deutlich mehr Zeit, sich um die Bedürfnisse der Kinder zu kümmern, die Kinder wurden durch den Umgang mit anderen Kindern viel besser sozialisiert, als das ganz allein zu Hause möglich gewesen wäre und sie haben zudem von den älteren Kindern äußerst viel gelernt.
    Ich kann Tagesmütter oder Kinderkrippen nur empfehlen. Wenn es auch noch (angeblich) "schlau und reich" macht, um so besser. Aber auch ohne derartige Effekte ist meiner Erfahrung nach die Wirkung sowohl für Kinder als auch Eltern durchweg positiv - jedenfalls sofern man eine gute Tagesmutter oder Krippe gefunden hat.

    Unsere Kinder sind beide jeweils im Alter von 4 Monaten zu einer Tagesmutter und damit in Kontakt zu anderen, etwas älteren Kindern gekommen. Etwas besseres hätte ihnen gar nicht passieren können: Unsere Tagesmutter hatte deutlich mehr Zeit, sich um die Bedürfnisse der Kinder zu kümmern, die Kinder wurden durch den Umgang mit anderen Kindern viel besser sozialisiert, als das ganz allein zu Hause möglich gewesen wäre und sie haben zudem von den älteren Kindern äußerst viel gelernt.
    Ich kann Tagesmütter oder Kinderkrippen nur empfehlen. Wenn es auch noch (angeblich) "schlau und reich" macht, um so besser. Aber auch ohne derartige Effekte ist meiner Erfahrung nach die Wirkung sowohl für Kinder als auch Eltern durchweg positiv - jedenfalls sofern man eine gute Tagesmutter oder Krippe gefunden hat.

    • gorgo
    • 19.10.2011 um 18:55 Uhr

    Achm als Vater finden sie es grausam, ein kleines Kind in die Krippe zu geben - sind sie denn dann auch bei jedem Kind drei Jahre (oder mehr) zuhause geblieben?

    14 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "Was belegen diese...."
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • vb187
    • 23.10.2011 um 9:37 Uhr

    finde ich nicht sinnvoll. Bzgl. des zu Hause bleibens: Wenn Sie die Wahl hätten, ein Einkommen von (bspw.) 1000 Euro oder 10000 zu erhalten, welches würden Sie wählen?
    Eben!

    • vb187
    • 23.10.2011 um 9:37 Uhr

    finde ich nicht sinnvoll. Bzgl. des zu Hause bleibens: Wenn Sie die Wahl hätten, ein Einkommen von (bspw.) 1000 Euro oder 10000 zu erhalten, welches würden Sie wählen?
    Eben!

  5. unter welchen Bedingungen die Kinder in den Krippen untergebracht waren. Ich will bezweifeln, dass die in D üblichen Bedingungen (Stichwort Personalschlüssel) dasselbe erwarten lassen, wie in der norwegischen Studie.

    Interessant zu dem Thema - und passend wie die Faust aufs Auge - ist auch folgender Beitrag:

    http://www.psychoanalyse-...

    Der Link stammt ursprünglich von der Userin Polarwoelfin, die ihn hier auf Zeit online zum Thema Therapeutenmangel bei Kindern und Jugendlichen verlinkt hat

    http://www.zeit.de/zeit-w...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    hat mit Krippenbetreuung gar nichts zu tun. Einen Kausalnexus zu vermehrt auftretenden psychischen Auffälligkeiten herzustellen ist unwissenschaftlicher Kokolores. Auch der Text der Psychoanalytikerin (erster Link) argumentiert nicht evidenzbasiert und hält daher ebenso wenig wissenschaftlichen Standards stand. Der Erkenntnisgewinn in Bezug auf die Frage, ob frühzeitige Fremderziehung schadet oder nutzt, tendiert daher gen null.

    P.S.: Psychoanalyse als Wissenschaft zu klassifizieren ist - trotz aller Verdienste des Ahnherren Freud - an sich schon höchst problematisch. Mit empirischen Fakten hat sie jedenfalls herzlich wenig zu tun.

    Der verlinkte Artikel bezieht sich aber doch mehr auf Kinder in Wochenkrippen.

    Ich bin in der DDR großgeworden und habe selber 2 Kinder, die auch die Krippe besucht haben.

    Die Wochenkrippe hatte ich beim 1. Kind aufgrund meines Berufes (3 Schichtsytem+Fahrzeit) auch in Anspruch nehmen müssen. Das war ein großer Fehler nur eben damals in der DDR normal. Wochenkrippen, das Kind ist die ganze Woche dort, sind das allerletzte. Sie hinterlassen wirklich seelische Schäden beim Kind! Zumal die Erzieher sich nicht wirklich um die Kinder gekümmert hatten. Es war halt eine Massenabfertigung. Wobei es auch immer an der Leiterin der Einrichtung bzw am Personal selber liegt.
    Dazu gibts auch mehrere Studien

    http://de.wikipedia.org/w...

    Mein 2. Kind ist nach 1 Jahr in die Krippe gegangen. Sie hat sich am Anfang sehr schwer damit getan, da sie sensibel ist. Andere Kinder wiederum sind sehr gerne in die Einrichtung gegangen. Man sollte also nichts pauschalisieren.

    Richtig ist, das Kinder in Kitas wirklich bessere Sozialisierung erfahren. Und wenn es nicht nur eine Aufbewahrungsstätte ist, sondern auch etwas vermittelt wird, sind die Kinder dann auf die Schule besser vorbereitet.

    In der DDR wurden die Kinder im letzten Kindergartenjahr systematisch auf die Schule vorbereitet. Vergleichbar mit der Vorschule, die es heute ja gibt.

    Eines muß ich wirklich bestätigen: Kinder waren zu DDR Zeiten weiter in ihrer Entwicklung als es heute Kinder im vergleichbaren Alter sind.

    zeigen uns, welchen Wert eine sichere Bindung (http://de.wikipedia.org/w...) in der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen ausmacht. Die Erkenntnisse über die Persönlichkeit von A, B, C oder D- Kindern und Erwachsenen machen deutlich, wie wichtig eine sichere Bindung für einen Menschen ist.
    Mir persönlich ist die "Fremdunterbringung" meines Kindes (in Deutschland) nicht "sicher" genug. Schon gar nicht bei einem Betreuungsschlüssel, der in der Theorie 1:3 nicht überschreiten sollte aber in der deutschen(!) Krippenpraxis (eigene Erfahrung) weit überschritten und den Bedürfnissen von Kleinkindern (http://www.kindergartenpa...) nicht gerecht wird.
    http://www.kaiserkurier.d... (es geht mir nur um den Artikel, nicht um den "Kaiserkurier"... ursprünglich stand der Artikel in einer Ausgabe von www.zeit-fragen.ch von 2004)

    hat mit Krippenbetreuung gar nichts zu tun. Einen Kausalnexus zu vermehrt auftretenden psychischen Auffälligkeiten herzustellen ist unwissenschaftlicher Kokolores. Auch der Text der Psychoanalytikerin (erster Link) argumentiert nicht evidenzbasiert und hält daher ebenso wenig wissenschaftlichen Standards stand. Der Erkenntnisgewinn in Bezug auf die Frage, ob frühzeitige Fremderziehung schadet oder nutzt, tendiert daher gen null.

    P.S.: Psychoanalyse als Wissenschaft zu klassifizieren ist - trotz aller Verdienste des Ahnherren Freud - an sich schon höchst problematisch. Mit empirischen Fakten hat sie jedenfalls herzlich wenig zu tun.

    Der verlinkte Artikel bezieht sich aber doch mehr auf Kinder in Wochenkrippen.

    Ich bin in der DDR großgeworden und habe selber 2 Kinder, die auch die Krippe besucht haben.

    Die Wochenkrippe hatte ich beim 1. Kind aufgrund meines Berufes (3 Schichtsytem+Fahrzeit) auch in Anspruch nehmen müssen. Das war ein großer Fehler nur eben damals in der DDR normal. Wochenkrippen, das Kind ist die ganze Woche dort, sind das allerletzte. Sie hinterlassen wirklich seelische Schäden beim Kind! Zumal die Erzieher sich nicht wirklich um die Kinder gekümmert hatten. Es war halt eine Massenabfertigung. Wobei es auch immer an der Leiterin der Einrichtung bzw am Personal selber liegt.
    Dazu gibts auch mehrere Studien

    http://de.wikipedia.org/w...

    Mein 2. Kind ist nach 1 Jahr in die Krippe gegangen. Sie hat sich am Anfang sehr schwer damit getan, da sie sensibel ist. Andere Kinder wiederum sind sehr gerne in die Einrichtung gegangen. Man sollte also nichts pauschalisieren.

    Richtig ist, das Kinder in Kitas wirklich bessere Sozialisierung erfahren. Und wenn es nicht nur eine Aufbewahrungsstätte ist, sondern auch etwas vermittelt wird, sind die Kinder dann auf die Schule besser vorbereitet.

    In der DDR wurden die Kinder im letzten Kindergartenjahr systematisch auf die Schule vorbereitet. Vergleichbar mit der Vorschule, die es heute ja gibt.

    Eines muß ich wirklich bestätigen: Kinder waren zu DDR Zeiten weiter in ihrer Entwicklung als es heute Kinder im vergleichbaren Alter sind.

    zeigen uns, welchen Wert eine sichere Bindung (http://de.wikipedia.org/w...) in der Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen ausmacht. Die Erkenntnisse über die Persönlichkeit von A, B, C oder D- Kindern und Erwachsenen machen deutlich, wie wichtig eine sichere Bindung für einen Menschen ist.
    Mir persönlich ist die "Fremdunterbringung" meines Kindes (in Deutschland) nicht "sicher" genug. Schon gar nicht bei einem Betreuungsschlüssel, der in der Theorie 1:3 nicht überschreiten sollte aber in der deutschen(!) Krippenpraxis (eigene Erfahrung) weit überschritten und den Bedürfnissen von Kleinkindern (http://www.kindergartenpa...) nicht gerecht wird.
    http://www.kaiserkurier.d... (es geht mir nur um den Artikel, nicht um den "Kaiserkurier"... ursprünglich stand der Artikel in einer Ausgabe von www.zeit-fragen.ch von 2004)

  6. Es gibt einige Studien, die die o. g. Befunde stützen. Der Vorteil der Longitudinalstudie aus Norwegen ist allerdings die beeindruckende Größe der Teilnehmenden.

    Besonders positiv sind die Effekte in der Tat bei Kindern aus schwierigen Verhältnissen.

    P.S.: Wer weiterhin sein Kind selbst fördern möchte, dem bleibt es selbstverständlich unbenommen. Anderen Eltern, die ihr Kind frühzeitig in Tageseinrichtungen erziehen lassen, jedoch als Rabeneltern zu verunglimpfen, wie dies von ideologisch Verblendeten hierzulande leider immer getan wird, ist vollkommener Blödsinn. Ebenso übrigens wie das von Konservativen gewünschte Betreuungsgeld, das de facto dazu führt, dass gerade finanziell schlecht(er) gestellte, meist bildungsferne Familien auf professionelle Frühförderung in Kindertageseinrichtungen verzichten, was sich mittel- und längerfristig vielfach als Nachteil erweist.

    18 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Außer Sie...

    Haben Sie ein Interesse daran sich als Opfer darzustellen und den Begriff am Leben zu erhalten?

    Dafür verunglimpfen Sie aber sofort finanziell schlecht gestellte Familien als bildungsfern und damit implizit als dumm.

    Wer so ein Weltbild hat, der muss sich nicht wundern, wenn er Widerstand erfährt.

    Als Heimkind aus dem Prekariat - mit späteren Studium - kann ich über solche Mittelschicht Meinungen nur den Kopf schütteln.

    Von Tuten und Blasen keine Ahnung aber meinen die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Typisch deutsche Mittelschicht. An deren Weltbild sollen alle genesen.

    Gott sei Dank musste ich das nicht, denn dann wäre sozialer Aufstieg nicht möglich gewesen.

    "Besonders positiv sind die Effekte in der Tat bei Kindern aus schwierigen Verhältnissen."

    Haben Sie dafür Belege?

    Leider deckt sich Ihre Vermutung nicht mit meiner ERFAHRUNG im Kinderheim.

    • TDU
    • 20.10.2011 um 14:48 Uhr

    Vermutlich haben Sie keine Kinder sonst hätten Sie Mutter/Vater oder Eltern Kreuizzügler gewählt. Denn ich kann Ihnen sagen, plötzlich war mein Sohn 15, aufmüpfig und ich bereue es jetzt noch, dass ich wegen Arbeit oder anderen Interessen nicht mehr Zeit mit ihm verbracht habe, als er klein war. Es gibt kein Leben auf Probe und manches ist unwiderbringlich. Also nicht so leichtfertig aus dem hohlen Bauch.

    in Norwegen immerhin 450 €, und in Schweden, hier später als in den anderen skandinavischen Ländern erst seit 2008 eingeführt, werden auch 300 € für selbsterziehende Eltern gezahlt. Das hängt weniger mit der konservativen Einstellung dieser Länder zusammen sondern resultiert aus den Erfahrungen, die diese Länder mit der frühkindlichen Fremdbetreuung gemacht haben.

    Außer Sie...

    Haben Sie ein Interesse daran sich als Opfer darzustellen und den Begriff am Leben zu erhalten?

    Dafür verunglimpfen Sie aber sofort finanziell schlecht gestellte Familien als bildungsfern und damit implizit als dumm.

    Wer so ein Weltbild hat, der muss sich nicht wundern, wenn er Widerstand erfährt.

    Als Heimkind aus dem Prekariat - mit späteren Studium - kann ich über solche Mittelschicht Meinungen nur den Kopf schütteln.

    Von Tuten und Blasen keine Ahnung aber meinen die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Typisch deutsche Mittelschicht. An deren Weltbild sollen alle genesen.

    Gott sei Dank musste ich das nicht, denn dann wäre sozialer Aufstieg nicht möglich gewesen.

    "Besonders positiv sind die Effekte in der Tat bei Kindern aus schwierigen Verhältnissen."

    Haben Sie dafür Belege?

    Leider deckt sich Ihre Vermutung nicht mit meiner ERFAHRUNG im Kinderheim.

    • TDU
    • 20.10.2011 um 14:48 Uhr

    Vermutlich haben Sie keine Kinder sonst hätten Sie Mutter/Vater oder Eltern Kreuizzügler gewählt. Denn ich kann Ihnen sagen, plötzlich war mein Sohn 15, aufmüpfig und ich bereue es jetzt noch, dass ich wegen Arbeit oder anderen Interessen nicht mehr Zeit mit ihm verbracht habe, als er klein war. Es gibt kein Leben auf Probe und manches ist unwiderbringlich. Also nicht so leichtfertig aus dem hohlen Bauch.

    in Norwegen immerhin 450 €, und in Schweden, hier später als in den anderen skandinavischen Ländern erst seit 2008 eingeführt, werden auch 300 € für selbsterziehende Eltern gezahlt. Das hängt weniger mit der konservativen Einstellung dieser Länder zusammen sondern resultiert aus den Erfahrungen, die diese Länder mit der frühkindlichen Fremdbetreuung gemacht haben.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service