Streit um Staatsfinanzen Merkel und Barroso auf Konfrontationskurs
Der EU-Kommissionspräsident hat ein Konzept vorgelegt, das eine EU-weite Kreditaufnahme ermöglichen soll. Für Merkel ist dies "außerordentlich bekümmerlich". Barroso kontert.
Gegen den Widerstand aus Deutschland hat die EU-Kommission die Einführung von Euro-Bonds vorgeschlagen. Behördenchef José Manuel Barroso präsentierte in Brüssel erste Ideen für gemeinschaftliche europäische Staatsanleihen.
Die Bundesregierung lehnt eine solche gemeinsame Kreditaufnahme ab. Kanzlerin Angela Merkel warnte im Bundestag vor einer Vergemeinschaftung der Schulden. Dies sei kein Weg, strukturelle Mängel der Währungsunion zu überwinden. Sie halte es für "außerordentlich bekümmerlich und unpassend", dass die EU-Kommission heute im Grunde die Einführung von Euro-Bonds vorschlägt. Es habe aber "keinen Sinn, leichte Lösungen vorzugaukeln", sagte die Kanzlerin.
Kommissionspräsident Barroso wehrte sich gegen die massive Kritik aus Deutschland an seinem Diskussionspapier und wies die grundsätzlichen Einwände zurück. "Es ist nicht angemessen in unserer Europäischen Union, aus Respekt gegenüber dem Vorschlagsrecht und der Pflicht der Kommission, von Anfang an zu erklären, dass eine Debatte nicht geführt werden soll", sagte er. Andere seien der Meinung, dass es Zeit sei für die Auseinandersetzung. Die Kommission erfülle mit dem Bericht nur ihre Pflicht und lege eine seriöse, rationale Diskussionsgrundlage dazu vor.
"Unsere Absicht ist sicher nicht, etwas gegen den größten Mitgliedsstaat der EU zu unternehmen", sagte Barroso. Nach seiner Auffassung sind deutsche Politiker auch nicht gegen die Idee an sich, sondern nur gegen den Zeitpunkt der Diskussion. Barroso verwies darauf, dass "manche Staaten" auch zunächst gegen den Euro-Rettungsfonds EFSF oder die Anleihekäufe am Sekundärmarkt gewesen seien und am Ende doch zugestimmt hätten. Die Bundesregierung hatte sich gegen die Anleihekäufe durch den Fonds ursprünglich gewehrt.
EU-Kommission will nationale Haushalte schärfer kontrollieren
Zur Abwehr künftiger Schuldenkrisen will die Kommission die Finanzpolitik der EU-Staaten noch schärfer kontrollieren und damit die Voraussetzung für gemeinsame Anleihen der Union schaffen. Die Exekutive der Staatengemeinschaft legte zwei Gesetzesentwürfe vor, die ihr stärkeren Einfluss auf die nationale Haushaltspolitik verschaffen würden. Euro-Länder, die auf Finanzhilfe ihrer Partnerstaaten angewiesen sind, müssten sich demnach einer engmaschigen Aufsicht der EU-Behörde unterwerfen.
Alle Mitgliedsstaaten sollen außerdem ihre Haushaltsentwürfe für das Folgejahr nicht nur im Anfangsstadium, sondern kurz vor der nationalen Beschlussfassung der EU zur Genehmigung vorlegen. Die Euro-Länder sollen sich dadurch enger abstimmen und für solide Staatsfinanzen sorgen.
Zu den Euro-Bonds legte Barroso zwar keinen Gesetzentwurf vor, sondern ein sogenanntes Grünbuch, das erste Ideen zur praktischen Ausgestaltung gemeinsamer Staatsanleihen der Euro-Länder beinhaltet. "Die Kommission stellt klar, dass jeglicher Schritt zur Einführung von Stabilitätsbonds nur machbar und wünschenswert wäre, wenn die Haushaltsdisziplin gestärkt würde", hieß es dazu.
Die EU-Kommission nennt in ihrem Vorschlagspapier drei Optionen für Eurobonds. In einer großen Lösung würden alle nationalen Anleihen der Euro-Länder durch Gemeinschaftsanleihen ersetzt – die Euro-Staaten würden gemeinsam haften. Bei der zweiten Option würde nur ein Teil der Schuldscheine gemeinschaftlich aufgelegt. Bei der dritten Variante gäbe es für einen Teil der Schulden gemeinschaftliche Anleihen, aber mit anteiliger Haftung der Staaten.
- Datum 23.11.2011 - 15:05 Uhr
- Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, AFP
- Kommentare 103
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Der neuerliche Versuch, Euro-Bonds, nun als „Stabilitätsbonds“ zu recht der Lächerlichkeit preisgegeben, als europäische „Rettungsmaßnahme“ einzubringen, dürfte erneut scheitern.
Allen Mit-Europäern dürfte inzwischen klar sein, dass die damit verbundene Selbstentmachtung der deutschen Legislative verfassungsrechtlich nicht durchsetzbar ist. Das BVerfG hat in dieser Frage deutliche Grenzen aufgezeigt. Auch die Behauptung, Deutschland stünde in dieser Frage zunehmend isoliert da, ist unzutreffend. Was ist z. B. mit den Finnen, Österreichern und Niederländern?
Hinter den Kulissen tobt ein Kampf. Deutschland dringt auf die Implementierung von Instrumenten zur Haushaltssanierung während die Südländer auf Instrumente des „weiter so“ setzen. Möglicherweise geht es aber auch nur um Verhandlungstaktik mit dem Ziel, hinter einer unannehmbaren Forderung (Euro-Bonds) die eigentliche Forderung( EZB als Staatsfinanzierer) zu platzieren. Aber auch das dürfte rechtlich kaum durchsetzbar sein.
Dem BVerfG ist zu danken, dass es im jüngsten Urteil verdeutlicht hat: Keine unbestimmten Ermächtigungen und keine Selbstentmachtung des deutschen Parlaments. Vielleicht sollte man Herrn Barroso das BVerfG-Urteil vom 07.09.2011 mal zu lesen geben. Möglicherweise hilft das ja ein wenig.
Barroso versucht Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Europa aus dem Würgegriff des Finanzmarkts entfleuchen könnte.
Barroso ist nicht für Deutschlands innenpolitische Wirrnisse mit BVerfG verantwortlich, die in erster Linie daher kommen, dass die deutsche Regierung das Volk zu wichtigen Entscheidungen einfach nicht fragen will.
....über die Implementierung des Lissabonner Vertrags hinaus verhindern?
Das ist die Quizfrage des Abends.
Barroso versucht Möglichkeiten aufzuzeigen, wie Europa aus dem Würgegriff des Finanzmarkts entfleuchen könnte.
Barroso ist nicht für Deutschlands innenpolitische Wirrnisse mit BVerfG verantwortlich, die in erster Linie daher kommen, dass die deutsche Regierung das Volk zu wichtigen Entscheidungen einfach nicht fragen will.
....über die Implementierung des Lissabonner Vertrags hinaus verhindern?
Das ist die Quizfrage des Abends.
Aber solange die Spekulanten noch profitieren, zerstört unsere Regierung soviel an Substanz wie möglich. Mit den Steuermilliarden, die in die Euro-Rettung gepumpt werden, könnte man das Lebemn von Millionen Deutschen sicherer und bequemer machen! Bildung! Gesundheit! Alter! Kultur!
Knein, man kniet vor dem Götzen Euro und die Behauptung ( Der Euro ist gut Dt.), wird durch die ständige Wiederholung nicht wahrer
...aber ist das das Ziel der Euroländer Bürokratie?
...aber ist das das Ziel der Euroländer Bürokratie?
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Äusserungen und Beiträge, die als beleidigend und provozierend verstanden werden. Danke, die Redaktion/jz
Das war noch eine ausgesprochen höfliche Übersetzung der diplomatisch kaum noch steigerungsfähigen Abstrafung des x-ten Vorstoßes des Herrn Barroso durch die Kanzlerin....äußerst bekümmerlich exakt übersetzt würde ich nie posten.
Das war noch eine ausgesprochen höfliche Übersetzung der diplomatisch kaum noch steigerungsfähigen Abstrafung des x-ten Vorstoßes des Herrn Barroso durch die Kanzlerin....äußerst bekümmerlich exakt übersetzt würde ich nie posten.
Und am Ende wird Merkel wieder weichgeklopft.
So geht das nun schon seit langer Zeit.
Ruhe wird erst sein, wenn Deutschland pleite ist.
Deshalb sollte Deutschland austreten, bevor es ausgeblutet ist.
Das wachsende Engagement Deutschlands in der Schuldenkrise wird von den Staatsfinanzieren zunehmend als Risiko gesehen. Deutschland hat erstmals Schwierigkeiten, seine Anleihen am Markt zu verkaufen. http://www.deutsche-mitte...
wenn man andere Staaten (besonders Frankreich) einfach alleine lässt?
Da können wir unsere "gute" wirtschaftliche Lage gleich vergessen. Massenarbeitslosigkeit und höhere Ausgaben bei den Sozialversicherungen wären die Folgen.
Euro-Bonds sind zwar keine Lösung, aber immerhin würden wir hier Zeit gewinnen. Wichtige Zeit um z.B. ein anderes Wirtschaftssystem zu etablieren (oder zumindest damit anfangen).
1) Die ganze Welt ist falsch, nur Deutschland hat Recht
2) Die ganze Welt will von dem deutschen Geld profitieren
3) Bekämpfung der Inflation ist wichtiger als die Vermeidung einer weltweiten Krise
usw.
wenn man andere Staaten (besonders Frankreich) einfach alleine lässt?
Da können wir unsere "gute" wirtschaftliche Lage gleich vergessen. Massenarbeitslosigkeit und höhere Ausgaben bei den Sozialversicherungen wären die Folgen.
Euro-Bonds sind zwar keine Lösung, aber immerhin würden wir hier Zeit gewinnen. Wichtige Zeit um z.B. ein anderes Wirtschaftssystem zu etablieren (oder zumindest damit anfangen).
1) Die ganze Welt ist falsch, nur Deutschland hat Recht
2) Die ganze Welt will von dem deutschen Geld profitieren
3) Bekämpfung der Inflation ist wichtiger als die Vermeidung einer weltweiten Krise
usw.
...die uns diese Suppe eingebrockt haben erwarten, daß sie mit einer vernünftigen Lösung daherkommen?
Ich will hören was die wenigen Experten, die Seinerzeit gewarnt haben, dazu zu sagen haben.
Die sollte man Fragen und sonst keinem.
Wer würde zu einem Arzt gehen der sich eine derartige Fehldiagnose geleistet hat?
....die Situation gut überschlagen. Aber!: Die Parteien wollen die Verträge ändern. Das sind die gleichen Ärzte, von denen Sie sprechen. Wie wollen Sie verhindern, dass das geschieht? Es ist potentiell, wie hier im Forum richtig gesagt wurde, eine schiere Existenzfrage. Und Sie können nichts tun.
Sondern krankmachende "Therapie"!
....die Situation gut überschlagen. Aber!: Die Parteien wollen die Verträge ändern. Das sind die gleichen Ärzte, von denen Sie sprechen. Wie wollen Sie verhindern, dass das geschieht? Es ist potentiell, wie hier im Forum richtig gesagt wurde, eine schiere Existenzfrage. Und Sie können nichts tun.
Sondern krankmachende "Therapie"!
Ich frage mich immer öfter, was Herrn Barroso dazu
legitimiert, solche Forderungen zu erheben.
Was hat ein Komissionspräsident für eine Macht?
Wie wichtig ist Herr Barroso?
"Die Kommission stellt klar, dass jeglicher Schritt zur Einführung von Stabilitätsbonds nur machbar und wünschenswert wäre, wenn die Haushaltsdisziplin gestärkt würde"
Genau da smuss zuerst umgesetzt werden. Eurobonds sind nicht grundsätzlich falsch, in der derzeitigen Lage nichts weiter als die direkte Übernahme von Schulden der Kriesenstaaten. Ohne gemeinsame Fiskalpolitik und Haushaltskontrolle wäre das keine Lösung der Krise sondern nur eine verlagerung der Last. Also warum immer von Eurobonds reden wenn das Fundament nicht gelegt ist?
was Sie sagen. Nur dafür ist keine Zeit mehr.
Wir können uns nicht einfach zurücklehnen und die Sache gemütlich und gründlich angehen.
was Sie sagen. Nur dafür ist keine Zeit mehr.
Wir können uns nicht einfach zurücklehnen und die Sache gemütlich und gründlich angehen.
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