In Italien steigen die Chancen für eine Übergangsregierung unter dem ehemaligen EU-Kommissar Mario Monti. Die regierende Partei Volk der Freiheit (PDL) ziehe diese Option in Betracht, sagte der Fraktionschef Fabrizio Cicchitto. Allerdings gebe es auch noch die Möglichkeit, die Wahlen vorzuziehen. Eine abschließende Entscheidung sei noch nicht gefallen.

Wie die italienische Nachrichtenagentur Ansa aus Regierungskreisen berichtete, steht auch Berlusconi einer Übergangsregierung unter Monti offen gegenüber. Der Wirtschaftswissenschaftler, der bisher vor allem von der linken Opposition favorisiert wurde, arbeite "im Interesse des Landes", heißt es in einem Glückwunschtelegramm Berlusconis an Monti. 

Staatspräsident Giorgio Napolitano hat Monti am Mittwoch zum Senator auf Lebenszeit ernannt. Politik und Medien werteten dies als Zeichen dafür, dass Napolitano den Wirtschaftsexperten sobald wie möglich zum Chef einer Übergangsregierung machen will. Monti braucht aber dafür eine Mehrheit im Parlament.

Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, kündigte zwar an, Italien zu unterstützen. Der IWF sei zur Hilfe in der italienischen Schuldenkrise bereit, sagte Lagarde. Er müsse seinen "Sachverstand" in den Dienst der regelmäßigen "Haushaltsüberwachung" Italiens stellen. Aber es sei "politische Klarheit" notwendig. Die Unsicherheit darüber, wer Berlusconi als Regierungschef nachfolgen solle, um das hoch verschuldete Land aus der Krise zu führen, beunruhige die Finanzmärkte, sagte Lagarde. Berlusconi hatte am Dienstag seinen Rücktritt angekündigt.

Spekulationen über Verkleinerung der Euro-Zone

Offenbar gibt es in Brüssel erste Überlegungen, dass die Euro-Zone in ihrer gegenwärtigen Form nicht zu halten ist. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete von mehreren Szenarien auf höchster diplomatischer Ebene, die eine Währungsreform mit dem Ausschluss schwacher Länder vorsehen.

Frankreich und Deutschland hätten seit Monaten "intensiven Kontakt in dieser Angelegenheit auf allen Ebenen", zitiert Reuters einen nicht namentlich genannten EU-Beamten. "Die Wahrheit ist, wir müssen genau die Liste derjenigen erstellen, die nicht teilnehmen wollen oder nicht teilnehmen können", sagte er weiter. Dabei müssten die Kriterien der Teilnahme sehr streng geprüft werden. Ein deutscher Beamter sagte Reuters: "Man wird es immer noch den Euro nennen, aber mit weniger Staaten."

Die Bundesregierung dementierte den Bericht. Sie verfolge solche Pläne "ausdrücklich nicht", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. "Unsere Politik ist im Gegenteil darauf gerichtet, die Euro-Zone als Ganzes zu stabilisieren und ihre Probleme an der Wurzel anzupacken."

Barroso warnt vor Aufspaltung

Die Spekulationen über eine Umstrukturierung der Euro-Zone wurden von Äußerungen von Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel bestärkt. Sarkozy hatte am Mittwoch während einer Rede vor Studenten offen von einem "Europa der zwei Geschwindigkeiten" gesprochen, berichtete Reuters. Merkel forderte während einer Rede zum Jahrestag des Mauerfalls erneut, der EU-Vertrag müsse neu verhandelt werden. "Die Welt wartet nicht auf Europa", sagte Merkel. Dazu seien dringende, auch grundsätzliche Veränderungen notwendig.

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso warnte davor, die Europäische Union und die Euro-Zone aufzuspalten. "Die gesamte EU und die Euro-Zone müssen zusammenstehen", sagte er. Es sei die Aufgabe aller, "die Integration der Euro-Zone voranzutreiben, ohne eine Abspaltung der Länder herbeizuführen, die sich noch außerhalb befinden". Staaten, die nicht Mitglied des gemeinsamen Währungsraums seien, dürften diesen nicht von Fortschritten abhalten, sagte Barroso. Die beste Lösung sei es, wenn alle EU-Mitgliedsstaaten auch Teil der Euro-Zone würden.