SchuldenkriseEuro-Zone vor Rezession

EU-Währungskommissar Rehn sieht Anzeichen für eine Rezession in der Euro-Zone. Die griechischen Schulden könnten auf 200 Prozent der Wirtschaftsleistung ausufern. von dpa

Die Wirtschaft der Euro-Zone droht wegen der Schuldenkrise in eine Rezession abzurutschen. "Das Wachstum in Europa ist zum Stillstand gekommen, und es besteht das Risiko einer erneuten Rezession", sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn. Er sprach von einem drastischen Vertrauenseinbruch, der Investitionen und Konsum behindere. Rehn sagte, der Schlüssel zu mehr Wachstum liege darin, das Vertrauen in die langfristige Tragfähigkeit der öffentlichen Budgets und in das Finanzsystem wieder herzustellen.

Die Schulden Griechenlands werden vermutlich in den nächsten Jahren aus dem Ruder laufen. Die gesamtstaatliche Verschuldung werde 2012 und 2013 jeweils knapp 200 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreichen. Für das laufende Jahr wird die griechische Verschuldung auf knapp 163 Prozent geschätzt. Erlaubt sind in der EU höchstens 60 Prozent der Wirtschaftsleistung.

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Laut der Kommission wird die Wirtschaft der Euro-Zone im vierten Quartal 2011 gegenüber den drei Vormonaten leicht um 0,1 Prozent schrumpfen. Im ersten Quartal des kommenden Jahres wird dann mit 0,0 Prozent eine Stagnation erwartet. In der Regel spricht man bei zwei negativen Quartalen hintereinander von einer Rezession.

Rehn erwartet 2012 nur noch ein Mini-Wachstum von 0,5 Prozent. Für 2013 werden 1,3 Prozent angenommen. Deutschland wird im kommenden Jahr keine Konjunkturlokomotive mehr sein. Die deutsche Wirtschaft werde nur noch um 0,8 Prozent wachsen, so die Behörde. Im Folgejahr sollen es dann 1,5 Prozent sein.

Die Europäische Zentralbank (EZB) mahnte Europas Regierungen angesichts des drohenden Absturzes der Konjunktur zu tief greifenden Reformen. Der EZB-Rat fordere "alle Regierungen des Euro-Raums auf, die Umsetzung substanzieller und umfassender Strukturreformen dringend zu beschleunigen", schreibt die Notenbank in ihrem Monatsbericht für November.


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Leserkommentare
  1. Steuererhöhungen, was sonst!

    denn über sinnvolle Ausgabenkürzungen können diese
    Damen und Herren nicht entscheiden.

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    ...wären ja auch sinnvoll, zumindest für die Zinsen-kassierenden Kreise. Ausgabenkürzungen treffen hingegen idR die Zinszahler und führen in die Rezession, wie man schön am Griechenlanddesaster sieht. Die Troika ruiniert die EU mit ihrer Austeritätspolitik sehr nachhaltig...

  2. Der gelbe Balken für Eilmeldungen wird langsam etwas inflationär. Leute, welche die Nachrichten der letzten Wochen verfolgt haben, dürften schon länger mit diesem Szenario rechnen - und ist die Meldung für die Allgemeinheit oder bestimmte Gruppen tatsächlich so relevant, dass sie diese unbedingt eine halbe Stunde vor dem regulären Artikel erhalten müssen?

    13 Leserempfehlungen
  3. Die Bedingungen fuer eine Teilnahme am Euro waren (soweit ich mich erinnere) klar geregelt. Eine klar limitierte Verschuldungsgrenze war vorgegeben. So und nur so konnte der Euro funktionieren. Ausser Luxemburg hat wohl kein EU Land diese Auflagen dauerhaft erfuellt. Das heisst, der Euro funktioniert nicht. Der Krug geht so lange zum Brunnen ...

    9 Leserempfehlungen
  4. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Polemik. Danke, die Redaktion/se

    4 Leserempfehlungen
  5. Auch in Deutschland wird spätestens ab nächsten Jahres die Realität einzughalten, das die letzten 2 Jahre nur ein Strohfeuer war. Früher hat man gesagt 7 gute Jahre und 7 schlechte Jahre. Heute 2 gute Jahre (für einige wenige) und wieviel schlechte Jahre? Ich bin der Überzeugung das,das dicke Ende noch kommen wird und es wird so schlimm kommen, das die Bankenkrise 2008/2009 harmlos war.

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    Deutschland hat eine extrem exportorientierte Wirtschaft entwickelt, bei gleichzeitiger Schwächung des Binnenmarkts.
    Damit ist unser Wirtschaftssystem ausgesprochen anfällig. Eine Rezession innerhalb unserer Exporträume wird Deutschland doppelt hart treffen.
    Wenn der Export spürbar zurückgeht, beginnt bei uns das große Heulen und Zähneklappern. Und da sich die Schuldenquote ja bekanntlich am BIP bemißt, könnte es sein, daß wir in puncto "Schulden" bei nachlassender (Export-) Wirtschaftsleistung ganz schnell ganz große Augen machen werden.

  6. Was soll dieses Gehoppel in der Finanzpolitik der Eurozone. Es ist seit langem bekannt, das eine Rezession auf Europa und auf Deutschland zukommt. Die Kanzlerin hat mit unwissenden Taktiererei dazu beigetragen. Sie hat dem wählenden Bürger diese Misere verschwiegen. Dieses Wahltaktische Handeln ist für den Deutschen Bürger und für die globalen Wirtschaftsmechanismen kein guter Ansatz.

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  7. D und F beraten bereits die Einführung des Nord-EURO:

    http://www.mmnews.de/inde...

    .

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    Wenn ich mal ketzerisch fragen darf...

    • cegog
    • 10. November 2011 11:50 Uhr

    für den interessanten Link.
    Ungeachtet dessen, dass ein Nordeuro auf "intellektueller Ebene" angeblich nur angedacht wird, ist es doch interessant zu sehen, wie sich Frankreich fiskalisch eilig auf die andere Rheinseite zu retten versucht, um nicht zu den Südländern abzurutschen.

    Findet eine Herabstufung Frankreichs tatsächlich - wie befürchtet - noch im Dezember statt, dürften diese Planspiele deutlich an Momentum gewinnen.

    Bleibt zu hoffen, dass sich die deutsche Regierung von dieser erdrückenden Umarmung Frankreichs nicht betören lässt.

    Nüchtern betrachtet, hat Frankreich wenig zu bieten. Als Partner ist es angesichts der wachsenden, auch politischen Bedeutung Osteuropas bei weitem nicht mehr so interessant und vor allem nicht unersetzbar.

    Na also, das wird Hans-Olaf Henkel mit Genugtuung erfüllen, der das bereits seit 2010 in seinen Büchern und Publikationen fordert und dafür in jeder Schlaumeier-Talk-Show von hoch dotierten "Experten" Wirtschaftsjournalisten und nicht zuletzt von der schwarz-gelb-rot-grünen Fraktion dafür Dresche bezogen hat.

    "Das Tabu, dass eines der 17 Mitgliedsländer der Eurozone ausscheiden könne, wurde bereits am Rande des G20 Gipfels gebrochen, als Merkel und Sarkozy nicht mehr ausgeschlossen hatten, dass Griechenland die Eurozone auch verlassen könnte...
    Welche Länder im Euro verbleiben sollen und welche nicht, das wurde bisher nicht bekannt. Das Modell läuft laut Insidern aber auf den "Nord-Euro" hinaus, in dem dann die wirtschaftlich stärkeren Staaten zusammengefasst werden sollen...
    Es scheint so zu sein, als wenn dies für Frankreich die letzte Rettung ist, noch schnell zu den "Starken" aufzuspringen, bevor das Land selbst in den Euro-Wirren untergeht. Insider rechnen noch vor Dezember mit einem Downgrade Frankreichs. Ob das Land dann noch beim Nord-Euro mitmachen darf, ist mehr als unklar."
    "http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/8845-d-f-diskutieren-nord-euro
    http://www.reuters.com/ar...

    Es sollten nur die Staaten in der Eurozone bleiben, die wirtschaftlich und finanzpolitisch aus eigenem Antrieb die nötige Konvergenz erreichen. Die Gespräche zwischen Deutschland und Frankreich zeigen, dass den Verantwortlichen doch noch nicht jeglicher Realitätssinn abhanden gekommen ist.

    Dagegen Schlendriane einem, wie auch immer geartetem, Protektorat der EU unterwerfen zu wollen, nur damit diese auf Biegen und Brechen im Euroraum bleiben können, halte ich für einen sehr gefährlichen Weg. Die Anhänger einer Weichwährung sollten besser ihren separaten Währungsraum entwickeln dürfen.

    Wie es aussieht, zerlegt sich die bestehende EU gerade selbst.
    MMn müssen wir zurück auf Anfang (1992) und zwar komplett.
    Die damals geltenden Kriterien müssen eingehalten werden.
    Die EU-Länder müssen sich, jedes Einzelne, reoragnisieren.
    Ziel muß sein, eine große Ähnlichkeit in den nationalen Strukturen zu erreichen. Wenn das geschehen ist, und das wird dauern, also keine Hetze, ist ein Zusammenschluß zu einem "Vereinten Europa" nur mehr ein Verwaltungsakt.
    Was durch blinde Eile dabei alles schiefgehen kann, erleben wir ja jetzt.
    Ob wir daraus aber auch lernen, bezweifle ich, denn dazu bräuchte es Staatsmänner/frauen und keine PolitikerInnen.
    Sosehr ich mir einen Neuanfang wünsche, sowenig Hoffnung habe ich. Liegt aber vielleicht auch am Nebel.

  8. Mit Wirtschaftswachstum aus den Schulden zu wachsen ist also auch unmöglich. Was bleibt nun noch außer drastischen Steuererhöhungen und einem zügigen Aufbau funktionierender Verwaltungen?

    Sequentielle Staatsbankrotte.

    Es ist wie verhext: die deutsche Steuersenkungsideologie führt uns zurück in die Anarchie. Das sollten alle Leute bedenken, die demnächst Leute wie den HO Henkel wählen wollen, weil sie auf den € schimpfen.

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    ...sollte Wachstum unmöglich sein? Mal abgesehen von all den Aspekten die gegen ständiges Wachstum sprechen, wäre es ein leichtes, eine Investitionspolitik mit frisch gedrucktem EZB-Geld zu fahren. Vollbeschäftigung, faire Löhne und sinkende relative Verschuldung als Ausgleich für eine etwas höhere Inflation. Aber es ist halt leider so, dass die Habenichtse und Arbeitslosen nicht das sagen haben, sondern eher der Geldadel, und dem ist STABILITÄT alles und Wohlstand der Massen nichts.

    Probleme gäbe es in der EU trotzdem, einfach aufgrund enormer wirtschaftlicher Schieflage in den Regionen, unausgeglichenen Leistungsbilanzen usw.

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