Euro-Zone Inflation verharrt auf Rekordhoch

Experten hoffen, dass die Inflationsrate in naher Zukunft sinkt. Das würde der EZB mehr Spielraum eröffnen. Momentan bleibt sie aber auf einem Drei-Jahres-Hoch.

Die Inflationsrate der Euro-Zone verharrt auf einem Rekordhoch. Grund dafür sei die teure Energie, teilte das Statistikamt Eurostat mit. Die Verbraucherpreise seien im Oktober erneut um 3,0 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht stabile Preise nur bei Werten von knapp unter zwei Prozent gewährleistet.

In den kommenden Monaten rechnen Experten wegen der Konjunkturflaute allerdings mit einer nachlassenden Inflation. Das eröffne der EZB Spielraum für weitere Zinssenkungen im Kampf gegen die drohende Rezession, sagt der Ökonom Carsten Brzeski. Die EZB lege "ihr Hauptaugenmerk derzeit mehr auf Wachstum und weniger auf die Inflation".

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Schon im Dezember könnte die EZB deshalb ihre Geldpolitik lockern und ihren Leitzins auf das Rekordtief von 1,0 Prozent senken, um mit billigem Geld Konsum und Investitionen zu stimulieren. Die Wirtschaft der 17 Euro-Länder wuchs im dritten Quartal erneut nur um 0,2 Prozent. Viele Experten gehen aber davon aus, dass um den Jahreswechsel eine Rezession kaum zu verhindern ist.

Wegen der Schuldenkrise haben die Regierungen vieler Krisenländer harte Sparmaßnahmen verabschiedet, die von Steuererhöhungen bis zu Lohnsenkungen reichen. Das drückt den privaten Konsum, während sich viele Unternehmen angesichts der ausufernden Schuldenkrise mit Investitionen zurückhalten. Bei sinkender Nachfrage haben Unternehmen weniger Spielraum für Preiserhöhungen. Gewerkschaften fällt es im Abschwung schwer, höhere Lohnerhöhungen durchzusetzen, was wiederum die Unternehmen auf der Kostenseite entlastet.

Die EZB unter ihrem neuen Präsidenten Mario Draghi hatte Anfang November ihren Leitzins von 1,5 auf 1,25 Prozent gesenkt – zum ersten Mal seit zweieinhalb Jahren. "Obwohl die Inflationsrate noch einige Monate über zwei Prozent verharren dürfte, wird sie im Laufe des Jahres 2012 voraussichtlich unter zwei Prozent sinken", sagte Draghi.

Inflation in den USA sinkt

Die Inflation in den USA ist unterdessen leicht gesunken. Die Verbraucherpreise lagen im Oktober um 3,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats, teilte das Arbeitsministerium mit. Im September hatte die Teuerungsrate mit 3,9 Prozent noch ein Drei-Jahres-Hoch erreicht.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat im Unterschied zur Europäischen Zentralbank nicht die Inflationsrate im Blick, sondern die sogenannte Kernrate, bei der die stark schwankenden Energie- und Nahrungsmittelpreise herausgerechnet werden. Sie stieg nur um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat. Das gibt der Notenbank nach Einschätzung von Experten Spielraum, ihre Geldpolitik weiter zu lockern und damit die Konjunktur anzuschieben.

 
Leserkommentare
  1. Es ist unsinnig von einem Rekordhoch von 3% zu sprechen. Abgesehen davon stimmen die Preissteigerungen im Sinne von Verbraucherpreisen nicht.

    Nehmen wir mal den Benzinpreis 2001 mit 1,42 DM = 0,73 €
    Heute haben wir einen Mittelpreis von 1,55 €
    Steigerung um rund 112% / 10 = 11,2% pro Jahr

    Quelle: http://www.was-war-wann.d...

    Ähnliches gilt für Strom und Gas.

    Ich habe mal überschlagen was wir an Fixkosten im Jahr 2001 hatten (Strom, Gas, Wasser, Müllabfuhr, Benzin nur Fahrten zu Arbeit, Lebensmittel (habe ich mal im Juni 2001 aus Interesse gesammelt), Versicherungen) und den Fixkosten im Oktober 2011 (hochgerechnet auf ein Jahr). Das sind dann mal satte 68% oder 6,8% pro Jahr.

    Und da wird dann vorgegaukelt wir hätten im Oktober 2011 (gegenüber Vormonat) von 2,5% und im Schnitt von Oktober 2010 bis Oktober 2011 unter 2%.

    Eine Leserempfehlung
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    Ich stimme Ihnen zu, dass viele Dinge, die im Alltag eine Rolle spielen (Lebensmittel, Energie) deutlich teurer geworden sind, als es die Inflationsrate vermuten lässt.

    Trotzdem sind Ihre Berechnungen falsch, denn sie lassen den Zinseszins (oder sozusagen die Inflation der Inflation) außer Acht. Eine 68-prozentige Steigerung der Fixkosten in 10 Jahren, entspricht daher nicht einer jährlichen Verteuerung von 6.8%, sondern etwa 5.3%. (http://de.wikipedia.org/w...)

    Ist immer noch zu viel, kommt aber der berechneten Inflationsrate schon näher.

    Ich stimme Ihnen zu, dass viele Dinge, die im Alltag eine Rolle spielen (Lebensmittel, Energie) deutlich teurer geworden sind, als es die Inflationsrate vermuten lässt.

    Trotzdem sind Ihre Berechnungen falsch, denn sie lassen den Zinseszins (oder sozusagen die Inflation der Inflation) außer Acht. Eine 68-prozentige Steigerung der Fixkosten in 10 Jahren, entspricht daher nicht einer jährlichen Verteuerung von 6.8%, sondern etwa 5.3%. (http://de.wikipedia.org/w...)

    Ist immer noch zu viel, kommt aber der berechneten Inflationsrate schon näher.

  2. 2. Gesund

    Global gesehen ist eh mehr Geld als Sachwert vorhanden, da kommt eine Geldentwertung nur recht.
    Zwar schmerzhaft und reflexartig ein "no go" aber ich sehe keine andere Möglichkeit die Schieflage zwischen Arbeit und Geld wieder zu schließen.

    Es sei denn, jemand ist in der Lage dem 1% der Reichsten das Geld wegzunehmen und zu verbrennen, was eher utopisch ist.

    Dazu dürfte es 2/3 der Deutschen kaum tangieren, da sie eh kein/kaum Vermögen haben. Im Gegenteil, den überschuldeten Haushalten sollte es leichter fallen ihre Schulden zu tilgen.

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    Nur gibt es da das dezente Problem, daß die Löhne und Gehälter mit entwertet werden. Und die Altersversorgung. Während "die Reichen" bequemer in Sachwerte investieren können, deren Wert sich erhält. Nein, Inflation ist nicht so toll...

    Nur gibt es da das dezente Problem, daß die Löhne und Gehälter mit entwertet werden. Und die Altersversorgung. Während "die Reichen" bequemer in Sachwerte investieren können, deren Wert sich erhält. Nein, Inflation ist nicht so toll...

    • Ron777
    • 16.11.2011 um 17:23 Uhr

    Europas Chaoswährung steht vor einem Scherbenhaufen - Europa selbst ist gefährdet. Italien wird vermutlich bereits Ende des Monats ohne EZB-Hilfe über 8 Prozent an Zinsen zahlen, Spaniens und Portugals Anleihen gehen in die gleiche Richtung. Frankreichs Ratingabstufung scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Belgien und Österreich fürchten ebenfalls um ihre Kreditwürdigkeit. Zypern, Griechenland und diverse Osteuropäer verabschieden sich vom geregelten Kapitalmarkt. Der Euro-Rettungsschirm EFSF, der dies alles verhindern soll, ist selbst drei Wochen nach seiner Schaffung bereits ein Pflegefall. Laut Marktgerüchten kauft er mangels Nachfrage seine eigenen Papiere - Absurdistan lässt grüßen. Die EZB kauft derweil Anleihen der Krisenländer am Sekundärmarkt und federt über Target2 die immensen Geldabflüsse aus den Krisenländern ab. Die Politik setzt stoisch auf weiteres Sparen und auf sozialistische Verallgemeinschaftung der Haushalte. Dies wird im SuperGau enden - eine Lost-lost-Situation für alle beteiligten Länder. Wir brauchen endlich eine alternative Politik. Entweder wir schaffen schnellstmöglich neue nationale Währungen für alle und inflationieren den Euro zu Tode oder wir verpassen dem Euro eine Art Kapitalerhöhung durch die Notenpressen. Auch mit dieser Regelung könnte Deutschland leben, wenn das Geld gleichmäßig an alle Euroländer (1/3 Deutschland) ausgeschüttet würde. Deutschland könnte dann Staatsschulden tilgen und die Binnenkonjunktur beleben.

  3. sorry, die Haushaltsprobleme anderer Staaten dadurch lösen zu wollen, dass man mittels der Inflationssteuer die unteren Schichten der Euroländer dafür bluten lässt, weil die oberen Schichten der Empfängerländer nicht genug Steuern bezahlen, nee, das sehe ich nicht ein.

    Wenn es wirklich brenzlig wird, dann sollen diese Länder halt entsprechende Notsteuern erheben (zB. Vermögensabgaben oder eben andere Steuern). Bei uns hat das in der Nachkriegszeit auch funktioniert. Das können die dann regeln wie sie wollen.

    Eine Inflationssteuer betrifft jedenfall die unteren Schichten immer am meisten, da sie nur wenig Möglichkeiten haben auf Sachwerte auszuweichen.

  4. Nur gibt es da das dezente Problem, daß die Löhne und Gehälter mit entwertet werden. Und die Altersversorgung. Während "die Reichen" bequemer in Sachwerte investieren können, deren Wert sich erhält. Nein, Inflation ist nicht so toll...

    Antwort auf "Gesund"
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    • Slater
    • 16.11.2011 um 18:07 Uhr

    > daß die Löhne und Gehälter mit entwertet werden.
    bei einer richtigen Inflation steigen die Löhne proportional,
    es wird nichts entwertet

    ob die Löhne steigen muss sich natürlich immer erst zeigen,
    was hier verharmlosend Inflation genannt wird ist erstmal nur die Teuerungsrate..

    und manche Verteurerung wie Energie wird garantiert nicht ausgeglichen,
    das wird ganz einfach teurer, als wenn es das nie geben dürfte

    --

    in Sachwerte kann jeder investieren, Aktien oder Gold gibt es auch in kleinen Stückelungen,
    beim Rückblick auf den Wert eines Gehalts von vor 30 Jahren heute
    aber in Lebensversicherungen & Co zu investieren ist eigentlich immer unverständliches Verhalten..

    • Slater
    • 16.11.2011 um 18:07 Uhr

    > daß die Löhne und Gehälter mit entwertet werden.
    bei einer richtigen Inflation steigen die Löhne proportional,
    es wird nichts entwertet

    ob die Löhne steigen muss sich natürlich immer erst zeigen,
    was hier verharmlosend Inflation genannt wird ist erstmal nur die Teuerungsrate..

    und manche Verteurerung wie Energie wird garantiert nicht ausgeglichen,
    das wird ganz einfach teurer, als wenn es das nie geben dürfte

    --

    in Sachwerte kann jeder investieren, Aktien oder Gold gibt es auch in kleinen Stückelungen,
    beim Rückblick auf den Wert eines Gehalts von vor 30 Jahren heute
    aber in Lebensversicherungen & Co zu investieren ist eigentlich immer unverständliches Verhalten..

  5. Wenn die EZB ihr selbst gestecktes Ziel um über 50 Prozent verfehlt, dann akzeptiert man das einfach so. Dabei zeigt sich auch hier an diesen Beispiel, dass es einfach nicht funktionieren kann, wenn man unterschiedliche Volkswirtschaften in einen Währungsraum presst.

    Wenn man aber die "Mittel" zum Abbau der Inflation ließt, dann könnte man der Meinung sein, dass der Neubau der EZB, welchen ich mir jeden Tag mit Magenschmerzen ansehen muss, schlecht investiertes Geld ist. Denn alle aufgezählten Mittel liegen außerhalb der Verantwortung der EZB.
    Denn wenn man hofft, dass die Gewerkschaften weniger Geld für die Arbeiter fordern und die Unternehmen im Gegenzug nicht die Preise erhöhen. Auf gut Deutsch, der "kleine Mann" soll mal wieder einen Schritt zurücktreten, damit man die Banken weiter mit billigen Geld fluten kann.

    In diesen Zusammenhang mal eine Frage. Warum fordert man niedrige Zinsen für Italien? Warum dürfen bestimmte Zinsbarrieren nicht überschritten werden?
    Das verstehe ich nicht. Jedes Unternehmen was überschuldet ist, bezahlt am Markt auch höhere Zinsen wie ein Unternehmen was ordentlich arbeite. Oder muss ich mich als Privatperson einfach nur überschulden um auch an günstige Zinsen zu kommen?

  6. Ich stimme Ihnen zu, dass viele Dinge, die im Alltag eine Rolle spielen (Lebensmittel, Energie) deutlich teurer geworden sind, als es die Inflationsrate vermuten lässt.

    Trotzdem sind Ihre Berechnungen falsch, denn sie lassen den Zinseszins (oder sozusagen die Inflation der Inflation) außer Acht. Eine 68-prozentige Steigerung der Fixkosten in 10 Jahren, entspricht daher nicht einer jährlichen Verteuerung von 6.8%, sondern etwa 5.3%. (http://de.wikipedia.org/w...)

    Ist immer noch zu viel, kommt aber der berechneten Inflationsrate schon näher.

    Eine Leserempfehlung
  7. Am Ende folgt hier noch eine kalte Enteignung. Denn das Geld was man für das Alter spart - und das will ja unsere Regierung - wird durch eine höher Inflation praktisch wertlos.

    Ich denke da zum Beispiel an die Werbung der Deutschen Bank: "Topzins von 2 Prozent für Festanlage".

    Wenn man einmal davon ausgeht, dass die meisten Menschen wohl einfach ihr Geld zu obigen Konditionen der Bank anvertrauen und sich nicht selbst darum kümmern, sieht man welchen Weg man geht.

    Dazu würde ich gern mal etwas von der Sozialministerin hören. Warum soll der kleine Mann sparen, wenn er am Ende weniger raus hat wie er eingezahlt hat?

    Eine Leserempfehlung

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