Deshalb werden mittlerweile radikalere Lösungen diskutiert. Die amerikanische Ökonomin und Bloggerin Megan Greene etwa hält einen Schuldenschnitt in Italien – ähnlich wie in Griechenland – für unausweichlich. "Italien ist zu groß, um es zu retten, deshalb bleibt nur eine Restrukturierung der Schulden", schreibt sie in ihrem Blog . Das aber hätte gewaltige Folgen für das europäische Bankensystem – vor allem für Italiens Banken, die einen Großteil der italienischen Staatsschulden finanziert haben. Sie müssten wiederum vom Staat aufgefangen werden.

Eine andere Option wären gemeinsame Staatsanleihen in Europa, sogenannte Euro-Bonds. Sie würden die Zinsspirale mit großer Wahrscheinlichkeit stoppen – zumindest kurzfristig. Die gesamte Staatsverschuldung in Europa ist eher moderat und die Bedeutung des Wirtschaftsraumes so groß, dass die Investoren an den gemeinsamen Anleihen kaum vorbei kommen. Das würde niedrigere Zinsen bedeuten – und mehr Zeit für die Krisenstaaten, um von den Schulden runterzukommen. Der Haken: Wenn die Staaten im Norden im Gegenzug nicht mehr Kontrollrechte über die Haushalte der südeuropäischen Staaten bekommen, sind die gemeinsamen Anleihen politisch kaum durchsetzbar.

Einen Kompromiss legte Mitte der Woche ausgerechnet der deutsche Sachverständigenrat vor. Er schlägt einen Schuldenfonds vor, in den die Krisenstaaten all jene Schulden auslagern können, die 60 Prozent der Wirtschaftsleistung übersteigen. Der Fonds würde für diesen Teil der Staatsschuld gemeinsame Anleihen – also Euro-Bonds – ausgeben, für die alle Staaten der Euro-Zone gemeinsam haften. Jedes Land müsste aber seine Verbindlichkeiten gegenüber dem Fonds einzeln zurückzahlen. Auch wäre eine Schuldenbremse in jedem Land der Euro-Zone verpflichtend.

Eine weitere Möglichkeit: Die EZB kauft nahezu unbegrenzt die Anleihen von Krisenstaaten wie Italien auf. Die Feuerkraft hätte die Zentralbank. Am Donnerstag kursierten am Markt auch Gerüchte, dass die Frankfurter Währungshüter einen solchen Schritt schon in Planung hätten. In der Folge würden die Zinsen für Staatsanleihen sinken – allerdings zu dem Preis, dass die Zentralbank etwas tut, wozu sie eigentlich nie befugt war.

Noch lehnt die deutsche Bundesregierung diese Pläne ab. Sie hofft, dass sich die Märkte auf andere Weise beruhigen werden. Im politischen Berlin kursiert ohnehin schon länger die verzweifelte Frage, wann denn die Märkte endlich Ruhe geben. "Manchmal fragt man sich, was die Märkte denn noch wollen?", sagt ein Regierungsvertreter. Der Fondsmanager Bosomworth hat darauf eine einfache Antwort: "Langfristig werden die Märkte nur Ruhe geben, wenn aus der Währungsunion eine stärkere politische Union und Fiskalgemeinschaft geworden ist."