US-Präsident Barack Obama und Chinas Präsident Hu Jintao auf dem jüngsten Apec-Gipfel © Kent Nishimura/Getty Images

ZEIT ONLINE: Der Klimawandel ist heftiger als gedacht . Doch auch der Gipfel in Durban wird der internationalen Klimapolitik vermutlich keinen Durchbruch bringen. Haben die Verhandlungen noch einen Sinn?

Ottmar Edenhofer: Für Durban sehe ich drei Möglichkeiten: Ein Wunder wäre, wenn die Blockade zwischen den USA und China sich löst, und auch Länder wie Russland oder Japan sich für die Zeit nach dem Auslaufen des Kyoto-Protokolls zu weiteren Emissionsreduktionen verpflichten. Oder die Verhandlungen verzögern sich, gehen aber weiter, weil Europa sich unilateral auf weitere Verpflichtungen einlässt und andere Länder später nachziehen. Beides wird kaum passieren. Das dritte und wahrscheinlichste Szenario ist, dass wir das Kyoto-Protokoll verlieren und damit das einzige halbwegs verbindliche internationale Klimaschutzabkommen.

ZEIT ONLINE: Was bringt dann der Aufwand für einen weiteren Gipfel?

Edenhofer: Nur wenn innerhalb der UN-Klimarahmenkonvention verhandelt wird, erreichen wir größtmögliche Legitimität. Deshalb ist der Klimagipfel sinnvoll. Aber es stimmt, dass die nötigen Kompromisse durch den UN-Prozess kurzfristig kaum zu erreichen sind. Deshalb sollte man über einen zusätzlichen zweiten Verhandlungspfad nachdenken, zum Beispiel innerhalb der G20, der größten Wirtschaftsmächte – die zugleich auch die größten Emittenten von Treibhausgasen sind. Diese kleinere Runde könnte dann auch über kleinere Themen sprechen als über das eine allumfassende Klimaschutz-Abkommen.

ZEIT ONLINE:Die Zeit drängt , alle Beteiligten wissen das. Was hält sie davon ab, Kompromisse zu schließen?

Edenhofer: Der Verhandlungsprozess ist nicht wirklich effizient, was unter anderem an der großen Zahl der Beteiligten liegt. Zudem wollen die großen Schwellenländer keine völkerrechtlich verbindlichen Verpflichtungen eingehen. China zum Beispiel hat ambitionierte Ziele: Das Land will einen Emissionshandel einführen und die Energieeffizienz der heimischen Wirtschaft erhöhen. Dennoch will die Regierung sich international nicht festlegen, denn sie fürchtet, dadurch auf Wirtschaftswachstum zu verzichten. Dabei ist es grundsätzlich möglich, Wachstum und Emissionen zu entkoppeln. Aber bisher hat noch niemand bewiesen, dass es in der Praxis funktionieren kann.

ZEIT ONLINE: Nicht nur die Schwellenländer blockieren, auch die USA.

Edenhofer: Alle Länder, für deren Energieversorgung Kohle eine wichtige Rolle spielt, blockieren – auch die USA. Sie haben genauso viel Angst um ihr Wachstum wie die Schwellenländer. Kohle ist sehr billig, und in China, Indien und den USA gibt es enorme Vorkommen. Weltweit erlebt die Kohle gerade eine Renaissance. Die ganze Weltwirtschaft hängt von fossilen Energieträgern ab, das dürfen wir nicht vergessen. Europa aber unterschätzt die Bedeutung der Kohle für die Welt notorisch.

ZEIT ONLINE: Wäre es nicht umso wichtiger, dass Europa in Durban zeigt: Wir glauben an Wachstum ohne Emissionen und legen uns einseitig auf weitere Klimaziele fest?

Edenhofer: Wir Europäer sollten nicht so tun, als könnten wir alleine das Klima retten. Wenn nur wir unseren Verbrauch an fossiler Energie reduzieren, wird der Rest der Welt sich freuen, weil dann für ihn mehr übrig bleibt. Dem Klima hilft das allein zunächst wenig. Wir können aber ein gutes Beispiel sein – und wenn wir damit auch die Technologieführerschaft im Zukunftsmarkt der erneuerbaren Energien übernehmen, werden andere Länder das sehr aufmerksam beobachten.

ZEIT ONLINE: Sie sagen, innerhalb der G20 ließen sich Kompromisse besser erreichen als in den großen Runden der Vereinten Nationen. Aber in der G20 sitzen die großen Blockierer auch.