SchuldenkriseÄrger um Rating-Panne zulasten Frankreichs

Wegen eines "technischen Fehlers" hat die Rating-Agentur S&P Frankreichs Kreditwürdigkeit falsch beurteilt. Nun ermittelt die Finanzmarktaufsicht.

Das Gebäude der Rating-Agentur Standard & Poor's in New York

Das Gebäude der Rating-Agentur Standard & Poor's in New York

Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat am Donnerstag versehentlich die französische Kreditwürdigkeit herabgestuft und damit für Verwirrung gesorgt. Die Agentur räumte ein, unbeabsichtigt eine Mitteilung an einige Abonnenten ihrer Internetseite verschickt zu haben, die eine Verschlechterung der Bonität signalisierte. Ursache sei ein "technischer Fehler" gewesen, erklärte S&P. Gleichzeitig betonte die Agentur, dass Frankreich noch immer die Bestnote AAA mit einem stabilen Ausblick habe.

Die französische Finanzmarktaufsicht AMF hat inzwischen Ermittlungen gegen die Rating-Agentur eingeleitet. Die AMF habe zudem die Europäische Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (ESMA) kontaktiert, teilte die Behörde mit. Frankreichs Finanzminister François Baroin nannte den Fehler am Rande einer Wirtschaftskonferenz in Lyon "ziemlich schockierend".

Anzeige

S&P versprach zu untersuchen, warum die Mitteilung automatisch versendet wurde. "Wenn die Empfänger auf den Link in dem Alert geklickt hätten, hätten sie gesehen, dass Frankreichs Rating unverändert war", fügte S&P-Sprecher Martin Winn hinzu. Weiter wollte er sich nicht äußern. Es war unklar, wie viele Abonnenten die Mitteilung über die Herabstufung erhalten hatten.

Aus der französischen Regierung kamen deutliche Worte: "Kann man so etwas glauben?", sagte ein namentlich nicht genannter Beamter der Financial Times. "So etwas trägt nicht dazu bei, die Leute zu beruhigen. Sie sagen, es sei ein Fehler, aber in der jetzigen Situation kann man doch nicht solche Spiele spielen."

Ein Händler in London bezeichnete die Panne in der Financial Times als "extrem unverantwortlich". Viele Anleger würden derzeit versuchen, ihre französischen Anleihen loszuwerden. "Wir sind stinksauer auf S&P. Wie kann man in der jetzigen Situation einen solchen Fehler machen?"

Am Freitag beruhigte sich die Lage am französischen Anleihemarkt nur leicht. Einen Tag zuvor hatte die Rendite für zehnjährige französische Staatstitel einen Sprung von 0,3 Prozentpunkten hingelegt, der laut Händlern zumindest teilweise auf die Panne von S&P zurückging. Die Rendite des französischen Zehn-Jahres-Papiers lag am Freitagvormittag bei 3,4 Prozent und damit nur leicht unter dem Höchststand vom Donnerstag.

Die Rating-Agenturen waren in jüngster Zeit wegen ihres Verhaltens in der Schuldenkrise in der Politik in Kritik geraten. Zuletzt warf die US-Börsenaufsicht ihnen Fehler bei internen Arbeitsabläufen vor.

Sicherung von Frankreichs Top-Bonität

Seit geraumer Zeit fragen sich viele Anleger, ob Frankreich seine Bestnote in der Schuldenkrise noch lange verteidigen kann. Infolge der Mitteilung gaben die Aktienkurse in New York vorübergehend nach. Auch die französischen Staatsanleihen verloren deutlich an Wert.

Der frühere Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD), Jacques Attali, hatte Paris in einem Gespräch mit dem Wirtschaftsblatt La Tribune bereits ein schlechtes Zeugnis ausgestellt: "Machen wir uns nichts vor: Auf den Finanzmärkten haben die (französischen) Schulden schon kein AAA mehr."

Frankreichs Regierung hatte in den vergangenen drei Monaten zweimal ihre Wachstumsprognosen reduziert und drastische Sparpläne ausgearbeitet, um dennoch ihre ehrgeizigen Ziele bei der Reduzierung des Budgetdefizits zu erreichen. Nach Bekanntgabe eines Nullwachstums im zweiten Quartal dieses Jahres hatten Spekulationen über eine möglicherweise bevorstehende Herabstufung der Top-Bonität Frankreichs an den Börsen für Aufruhr gesorgt.

Bundestag fordert Haftungsregeln

Die Rating-Agenturen waren am Freitag auch Thema im Bundestag. Mit den Stimmen der schwarz-gelben Koalition wurde ein Entschließungsantrag beschlossen. Danach soll sich die Bundesregierung in der EU sowohl für eine zivilrechtliche Haftung der umstrittenen Rating-Agenturen einsetzen als auch für einen stärkeren Wettbewerb zwischen den Bonitätsprüfern. Damit soll die Bedeutung der Rating-Agenturen bei der staatlichen Regulierung der Finanzmärkte zurückgedrängt werden.

Union und FDP fordern den Abbau von Rating-Vorschriften. Ziel ist es, eine mechanische Verwendung von Bonitätsurteilen durch die Agenturen zu verringern, denn viele Marktteilnehmer sind derzeit gesetzlich noch zu externen Ratings verpflichtet. Der Opposition gehen die Pläne nicht weit genug.

 
Leserkommentare
  1. dass die Verantwortlichen nicht in irgendeinem Raketenleitstand sitzen. Dort ein Irtum - das war es!

    Ironie aus.

    Welch eine Nachricht. Irrtümlich? wird eine Nachricht verbreitet?
    Wer hat sie denn formuliert und in Druck gegeben?
    Wird nicht mehr quergelesen und autorisiert?
    Wieviel haben denn Marktteilnehmer verloren bzw. gewonnen?
    Da würden mich doch mal die Namen interessieren!

    SEC übernehmen Sie!
    ----
    Und wenn das in einem Newsletter verfasst wurde - oha, dann den Verfasser mal hinterfragen.

    ----------
    Immer noch Ironie aus:

    Oder weiss er mehr und wurde zurückgepfiffen?
    Meine Tentakel bleiben weiter auf misstrauischem Empfang - auch wenn die Börsen nur husteten.

    Erholsames Wochenende, die Sonne und das Blattrascheln geniessen.

    13 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas ungeprüft durch höchste Stellen rausgeht. Egal ob automatisch generiert oder von niederen Chargen geschrieben. Wo es um die Abwertung Frankreichs (!) von der bisherigen Top-Wertung geht. Das kann vielleicht, aber auch nur vielleicht, bei irgendeinem unbedeutenden Land passieren, das sowieso irgendwo in der Mitte der Skala steht.

    Ich fürchte spätestens jetzt, dass diese US-Ostküsten-Ratingagenturen Teil des Nervenkriegs sind, bei dem in letzter Konsequenz auch Deutschland kaputtspekuliert werden soll. Man kann es zwar nicht beweisen. Aber alles andere wäre schon ziemlich naiv.

    • joG
    • 11.11.2011 um 12:23 Uhr

    ...dass die Verantwortlichen nicht in irgendeinem Raketenleitstand sitzen. Dort ein Irtum - das war es!

    Das ist eine der Gründe, weshalb Proliferation so eminent wichtig ist.

    Ich weiß, dass man sich nur in den zutreffenden Threads äußern soll, aber hier ist es jedem klar, was das bedeutet, während man das in einer anderen geistigen Verfassung zu einem anderen Thema ist und daher es nicht einsehen will.

    Dies also zum Thema an anderer Stelle, wo es um das Nuklearprogramm Irans geht. Proliferation erhöht das Risiko des Drückens des falschen Knopfes.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass so etwas ungeprüft durch höchste Stellen rausgeht. Egal ob automatisch generiert oder von niederen Chargen geschrieben. Wo es um die Abwertung Frankreichs (!) von der bisherigen Top-Wertung geht. Das kann vielleicht, aber auch nur vielleicht, bei irgendeinem unbedeutenden Land passieren, das sowieso irgendwo in der Mitte der Skala steht.

    Ich fürchte spätestens jetzt, dass diese US-Ostküsten-Ratingagenturen Teil des Nervenkriegs sind, bei dem in letzter Konsequenz auch Deutschland kaputtspekuliert werden soll. Man kann es zwar nicht beweisen. Aber alles andere wäre schon ziemlich naiv.

    • joG
    • 11.11.2011 um 12:23 Uhr

    ...dass die Verantwortlichen nicht in irgendeinem Raketenleitstand sitzen. Dort ein Irtum - das war es!

    Das ist eine der Gründe, weshalb Proliferation so eminent wichtig ist.

    Ich weiß, dass man sich nur in den zutreffenden Threads äußern soll, aber hier ist es jedem klar, was das bedeutet, während man das in einer anderen geistigen Verfassung zu einem anderen Thema ist und daher es nicht einsehen will.

    Dies also zum Thema an anderer Stelle, wo es um das Nuklearprogramm Irans geht. Proliferation erhöht das Risiko des Drückens des falschen Knopfes.

  2. Narrenfreiheit fuer die Spekulanten!

    Aber doch bitte erst nach 11:11:11.11 ...

    8 Leserempfehlungen
  3. ...wenn beim Lesen aus dem Kaffeesatz noch ein bisserl Kaffee anwesend ist und den Blick trübt.

    Hoffentlich merkt man nun, wie handfest und fundiert die Beurteilungen von diesen immens wichtigen Firmen wirklich sind.....aber ich fürchte, dass es einfach nur weitergeht.

    5 Leserempfehlungen
  4. ...die Ratingagenturen herunterstufen.

    14 Leserempfehlungen
  5. Bestand der "technische" Fehler darin, dass man den falschen Verteiler für die "Vorab-Information" gewählt hat?

    14 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Selektive Vorab-Informationen". Heißt das nicht Insiderhandel?
    Wenn aber dann Sarkozy davon erfährt und wütend bei Obama anruft, ist das Geschäft dann am Ende doch im Eimer und die bevorzugten Kunden sind die Dummen.

    "Selektive Vorab-Informationen". Heißt das nicht Insiderhandel?
    Wenn aber dann Sarkozy davon erfährt und wütend bei Obama anruft, ist das Geschäft dann am Ende doch im Eimer und die bevorzugten Kunden sind die Dummen.

  6. Was eigentlich Fakt ist und von jedem der die Grundrechenarten beherrscht bestätigt werden kann wurde "versehentlich" zu früh in die Welt posaunt.Man sollte doch bitte schön warten bis Frankreich die nächsten Milliarden abgehoben hat.

  7. Die Frage ist doch, ob das tatsächlich "nur" eine bedauerliche Panne war (was schlimm genug wäre) oder ob das nicht eine gezielte Aktion war...
    Machen wir uns nichts vor: Hier geht es um den Erhalt des Dollars als Welt-Leitwährung, und da erleben wir gerade, dass die Wallstreet-Lobby zum gezielten Angriff auf den Euro bläst. Der Euro soll mit allen Mitteln platt gemacht werden - dieser Eindruck drängt sich jedenfalls zwangsläufig auf, wenn man die Geschehnisse der letzten Tage, Wochen und Monate sorgfältig betrachtet.

    18 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Todoy
    • 11.11.2011 um 8:22 Uhr

    ""Der Euro soll mit allen Mitteln platt gemacht werden - dieser Eindruck drängt sich jedenfalls zwangsläufig auf, wenn man die Geschehnisse der letzten Tage, Wochen und Monate sorgfältig betrachtet.""

    Entweder der Euro taugt etwas oder er taugt nichts. Nach meiner Meinung taugt er nichts und geht auch ohne Dollar zugrunde. Schuld sind die europ. Politiker und die Mainstreampresse.

    Etwas off-topic... Gibt es denn vielleicht eine Plattform, auf der diese "verdächtigen" Ereignisse (und derer gab es viele in den letzten Monaten) verfolgt werden können?
    Eine technische Panne scheint ausgeschlossen, die Bewertung durch S&P scheint schon formuliert gewesen zu sein und ist nun irrtümlich öffentlich geworden...

    • joG
    • 11.11.2011 um 12:27 Uhr

    ....dies muss untersucht und festgestellt werden. Auch sollte man untersuchen, ob die Ratingagenturen Frankreich nicht hätten bereits downgreden müssen. Immerhin tun die Märkte das bereits seit einiger Zeit.

    • Todoy
    • 11.11.2011 um 8:22 Uhr

    ""Der Euro soll mit allen Mitteln platt gemacht werden - dieser Eindruck drängt sich jedenfalls zwangsläufig auf, wenn man die Geschehnisse der letzten Tage, Wochen und Monate sorgfältig betrachtet.""

    Entweder der Euro taugt etwas oder er taugt nichts. Nach meiner Meinung taugt er nichts und geht auch ohne Dollar zugrunde. Schuld sind die europ. Politiker und die Mainstreampresse.

    Etwas off-topic... Gibt es denn vielleicht eine Plattform, auf der diese "verdächtigen" Ereignisse (und derer gab es viele in den letzten Monaten) verfolgt werden können?
    Eine technische Panne scheint ausgeschlossen, die Bewertung durch S&P scheint schon formuliert gewesen zu sein und ist nun irrtümlich öffentlich geworden...

    • joG
    • 11.11.2011 um 12:27 Uhr

    ....dies muss untersucht und festgestellt werden. Auch sollte man untersuchen, ob die Ratingagenturen Frankreich nicht hätten bereits downgreden müssen. Immerhin tun die Märkte das bereits seit einiger Zeit.

  8. ..gegenüber S&P kann ich mir einfach nicht verkneifen.
    Einem Unternehmen, das auftritt als wäre es eine Gottheit auf dem Finanzmarkt.

    Schönes Wochenende allerseits.

    4 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 11.11.2011 um 12:34 Uhr

    ....weniger wie Gottheiten denn als Spezialisten, was sie auch sind. Lediglich das Bafin und Gesetz behandeln sie als Gottheiten und haben danach Reguliert.

    • joG
    • 11.11.2011 um 12:34 Uhr

    ....weniger wie Gottheiten denn als Spezialisten, was sie auch sind. Lediglich das Bafin und Gesetz behandeln sie als Gottheiten und haben danach Reguliert.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service