Knapper werdendes Ackerland und Wasser sowie bereits unbrauchbare Böden werden es in Zukunft noch schwieriger machen, die wachsende Zahl von Menschen auf der Erde zu versorgen. Das schreibt die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO in ihrem neuen Bericht zur "Lage der weltweiten Land- und Wasserressourcen für Nahrung und Agrarwirtschaft" . Der Klimawandel verstärke die Gefahren, denn er verändere Temperaturen, Regenmuster und Flussverläufe. Zugleich werde der Wettbewerb um kultivierbare Böden – zwischen Land und Stadt, Nahrungsmittel- und Agrospritproduktion – härter und überall spürbar.

Das bringt die Landwirtschaft unter Druck. "Die Herausforderung, ausreichend Nahrung für einen immer hungrigeren Planeten bereitzustellen, war nie größer", schreibt die FAO. Besonders schwierig bleibe die Versorgung der Menschen in Entwicklungsländern, wo Land, Bodennährstoffe und Wasser am knappsten seien. Gerade arme Bauern, die ohnehin kaum Zugang zu Land und Wasser haben, seien durch den Mangel stark betroffen.

Mancherorts könnten die Versorgungssysteme komplett unter der Kombination von exzessivem demografischen Druck und nicht nachhaltigen Landwirtschaftsverfahren zusammenbrechen. Die Gefahr sei zum Beispiel im südamerikanischen Anden-Hochland, den Steppen Zentralasiens oder der Mitte der USA hoch. Keine Region sei aber gegen sie gefeit.

FAO-Generaldirektor Jacques Diouf nannte die Konsequenzen für Hunger und Armut "inakzeptabel". Er rief die Weltgemeinschaft zum raschen Handeln auf.

Die Grüne Revolution ist vorbei

Einerseits ist die Entwicklung der landwirtschaftlichen Erträge in den vergangenen Jahrzehnten eine Erfolgsgeschichte: Der FAO zufolge sind die Ernten in den vergangenen Jahren weltweit um 150 Prozent gestiegen – und dies, obwohl die Fläche an Ackerland nur um zwölf Prozent anwuchs. Um eine Person satt zu bekommen, braucht man heute halb so viel Land wie in den 60er Jahren.

Doch immer noch hungern weltweit etwa 925 Millionen Menschen – und die Zeit der Grünen Revolution scheint vorbei. Die Erträge wachsen nicht mehr so stark wie früher. Schlimmer noch: Die landwirtschaftlichen Praktiken, die zunächst zum Erfolg führten, haben die Ressourcen stark belastet. "An zu vielen Orten" hätten die Verfahren "Land- und Wassersysteme degradieren lassen, von denen die Nahrungsmittelerzeugung abhängt", heißt es in dem FAO-Report.

Sie verursachten Erosion und Nährstoffverlust und ließen die Böden verschmutzen und versalzen. Ein Drittel der globalen Landfläche sei heute schon mäßig oder stark degradiert – also praktisch kaum noch brauchbar. 36 Prozent stufte die FAO als stabil oder kaum degradiert ein. Nur von zehn Prozent verbessere sich die Qualität. Rund 40 Prozent der landwirtschaftlich unbrauchbaren Gebiete liegen in Entwicklungsländern .

Kein Wasser, kein Getreide

Auch Wasser werde immer knapper , und ein wachsender Teil der Reserven versalze oder verschmutze. Große Süßwasserreserven seien unter Druck, weil ihre Zuflüsse spärlicher strömten oder durch Düngemittel belastet seien. "Viele Flüsse erreichen ihren natürlichen Endpunkt nicht, und Feuchtgebiete trocknen aus." In wichtigen Getreide-Anbaugebieten der Erde sinke die Menge an verfügbarem Grundwasser, von der die Nahrungsmittelproduktion abhänge. Das bedrohe die Ernährungssicherheit lokal und weltweit.

Die Zahl der Gebiete, die an die Grenzen ihrer Produktivität gelangen, wachsen der FAO zufolge schnell. Auf einer Karte zeigt sie, wo Land und Wasser besonders knapp sind: in China und Indien, am Rand der Sahara und des Mittelmeers sowie in einigen Regionen der arabischen Halbinsel, Südafrikas und den nördlichen Lateinamerika.

Um den Hunger auch in Zukunft zu bekämpfen, müssen die landwirtschaftlichen Erträge aber weiter steigen – trotz der Möglichkeiten, die sich durch eine bessere Verteilung und weniger Verschwendung von Nahrungsmitteln ergeben könnten. Weil es kaum noch Ackerland gibt, das neu erschlossen werden könnte, fordert die FAO, die Produktivität der vorhandenen Böden "nachhaltig" zu erhöhen . Schlüssel sei eine bessere Bewässerung, verbunden mit einer ökologischeren Bewirtschaftung der Flächen, etwa durch Agro-Waldwirtschaft oder erosionsvermeidende Techniken. Die Investitionen, die nötig sind, um den Wandel zu finanzieren, schätzt die Organisation auf rund 1,2 Billionen Dollar.