Der ehemalige Bundeskanzler Gerhard Schröder, der französische Premierminister François Fillon, Bundeskanzlerin Angela Merkel, der niederländische Premierminister Mark Rutte und der russische Präsident Dmitrij Medwedjew öffnen symbolisch ein Ventil für den ersten Strang der Nord-Stream-Pipeline. © John Macdougall/AFP/Getty Images

Die Ostsee-Pipeline Nord Stream ist offiziell in Betrieb gegangen. Gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft drehten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Russlands Präsident Dmitrij Medwedjew in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern symbolisch den Gashahn für den ersten Leitungsstrang auf. Über eine Strecke von mehr als 1.200 Kilometern transportiert die Pipeline fortan Erdgas aus sibirischen Gasfeldern nach Europa.

Vor etwa 420 Gästen, darunter auch die Ministerpräsidenten Frankreichs und der Niederlande, François Fillon und Mark Rutte, bezeichnete Merkel das Projekt als ein Zeichen dafür, "dass wir auf eine sichere und belastbare Zusammenarbeit mit Russland in der Zukunft setzen". In der Energiepartnerschaft mit Moskau setze Nord Stream "neue Maßstäbe".

Trotz aller Bemühungen, die Herkunft von Energie möglichst weit zu streuen, sei Russland doch "einer der Hauptpartner für die europäische Energieversorgung", sagte Merkel. Medwedjew sagte, die Zusammenarbeit über Nord Stream sei "langfristig angelegt". Er sei sich außerdem "gewiss, dass Russland und die EU-Staaten noch viele exzellente Projekte haben werden, sowohl im Energiebereich als auch in vielen anderen Bereichen".

EU-Energiekommissar Günther Oettinger betonte die Ausmaße des Pipeline-Projektes. Wenn die Leitung erst einmal komplett gebaut sei, gelangten zehn Prozent des Gases für Europa "in neuer Transportqualität" an ihr Ziel. Wenn der zweite Gasstrang im kommenden Jahr fertig ist, sollen über Nord Stream bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich befördert werden.

Betrieben wird die Pipeline von einem Konsortium, an dem der russische Gaskonzern Gasprom 51 Prozent hält. Zudem sind E.on Ruhrgas und die BASF-Tochter Wintershall aus Deutschland, die niederländische Gasunie und der französische Energiekonzern GDF Suez beteiligt. Sie brachten 30 Prozent der 7,4 Milliarden-Euro-Investition auf. Den großen Rest stellten nach Angaben der Nord Stream AG 26 internationale Banken zur Verfügung. Den Vorsitz im Aufsichtsgremium bei Nord Stream, dem Aktionärsausschuss, hat Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).

Die Ostsee-Pipeline mache die älteren Leitungen durch die Ukraine und Weißrussland aber nicht überflüssig, auch wenn sie in keinem guten Zustand seien, sagte Oettinger. Für die EU sei es wichtig, die Routen zu diversifizieren und zudem verschiedene Quellen auch in Norwegen, Algerien, Katar und Zentralasien zur Verfügung zu haben. Für Russland gebe es Chancen im EU-Binnenmarkt.