KlimagipfelSüdafrika will Kohlestrom statt Klimaschutz

Der Gastgeber des Klimagipfels gibt den Öko-Pionier. Doch das Land gehört zu den größten Emittenten weltweit – und setzt weiter auf Kohlestrom. von 

Blick auf die Baustelle des Kohlekraftwerks Medupi im nördlichen Südafrika

Blick auf die Baustelle des Kohlekraftwerks Medupi im nördlichen Südafrika  |  © Alexander Joe/AFP/Getty Images

Die Kühltürme sehen im dichten Smog wie riesige graue Elefanten aus. Davor ragt ein Kran in die Dunstglocke, an dessen Ausleger zwei gelbe Transparente flattern. " Kusile: Climate Killer " steht in dicken schwarzen Lettern darauf. Kusile ist der Name einer Großbaustelle unweit der Wirtschaftsmetropole Johannesburg. Hier soll schon bald eines der modernsten und leistungsfähigsten Kohlekraftwerke der Welt rauchen.

Umweltschützer nennen es einen Dinosaurier und kämpfen mit allen Mitteln gegen das Projekt: Sie hängten die Protestbotschaft an den Kran und ketteten sich am Eisentor des Baugeländes fest. Derart spektakuläre Aktionen sind ungewöhnlich in Südafrika.

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Klimakiller? Hat das Land nicht andere Sorgen? Die Mehrheit der Bevölkerung hält die Bekämpfung von Massenarmut, Arbeitslosigkeit, Korruption und Kriminalität für viel dringlicher, der Umweltschutz war bislang eher ein nebensächliches Thema. Das hat sich im Vorfeld des Klimagipfels der Vereinten Nationen, der gerade in der südafrikanischen Hafenstadt Durban begonnen hat, geändert.

"Es ist noch nicht zu spät, wir können Kusile noch verhindern", sagt Melita Steele von Greenpeace South Africa, die die Klimakampagnen ihrer Organisation in ganz Afrika koordiniert. Südafrika ist das wichtigste Aktionsland, denn es verursacht rund die Hälfte der klimaschädlichen Emissionen des Kontinents. Kusile und Medupi, das zweite geplante Megakraftwerk, werden den Kohlendioxid-Ausstoß des Landes um zehn Prozent erhöhen, schätzt Steele. Die Dreckschleudern seien sündhaft teuer und extrem umweltbelastend, "wir können uns das einfach nicht leisten."

Wachstum durch billige Kohle-Energie

"Wir müssen uns das leisten!" halten die Vertreter des staatlichen Energieversorgers Eskom dagegen. Noch am Tag der Greenpeace-Aktion verkündete die Konzernsprecherin Hilary Joffe: "Südafrika ist ein Entwicklungsland und braucht ein hohes Wirtschaftswachstum, um Jobs zu schaffen. Deshalb ist es notwendig, preisgünstige Energie zu liefern."

Es ist die klassische Rechtfertigungslehre in einem aufstrebenden Schwellenland. Auch Chinesen und Inder, Brasilianer, Mexikaner und Indonesier argumentieren so. Sie wollen nicht auf Wachstum und Wohlstand verzichten, um den globalen Schadstoffpegel zu senken und die großen Umweltsünder der westlichen Hemisphäre zu entlasten. Und haben ihre Bürger nicht dasselbe Anrecht auf jenen Lebensstandard, den Europäer und Amerikaner für ganz selbstverständlich halten? Auch sie wollen Autos , Kühlschränke, Flachbildschirme und Strom aus der Steckdose. Und sie wollen von den ressourcenverschlingenden Wirtschaftsriesen nicht immerzu hören, dass sie ihre nachholende Entwicklung gefälligst mit den globalen Klimazielen in Einklang bringen sollen – schon allein deswegen, weil die Industrieländer sich selber nicht an die wünschbaren Vorgaben halten.

Südafrika hat wie alle Schwellenländer ein Doppelgesicht. Es ist ein rückständiges Entwicklungsland mit massiven Armutsproblemen und zugleich ein moderner Industriestandort, dessen kapitalkräftigste Unternehmen zu den global players gehören. Entsprechend zweigleisig argumentieren die Repräsentanten der Kaprepublik auf der internationalen Bühne: Mal sprechen sie als Stimme des Südens für die benachteiligten Regionen der Welt, mal präsentieren sie Südafrika als aufstrebendes Wirtschaftsland, das zu den wohlhabenden Staaten aufschließen will.  

Leserkommentare
    • zd
    • 28. November 2011 13:42 Uhr

    die suedafrikaner sollen anstelle von kohlenkraftwerk, windraeder und solarzellen bauen und die europaer uebernehmen die kostendiferenz. ganz einfach oder? alle einverstanden? nicht? dann klappe halten und die suedafrikaner in ruhe lassen.

    2 Leserempfehlungen
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    wir brauchen bald zuverlässige Stromlieferungen aus SA,
    bei Inversionswetterlagen und Windstille ...

  1. wir brauchen bald zuverlässige Stromlieferungen aus SA,
    bei Inversionswetterlagen und Windstille ...

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    Antwort auf "Ich habe eine Idee"
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    Mir würde schon eine Lieferung von der EDF zu 7 cent reichen.

    Eine Wasserstoffleitung quer durch Afrika mit Wasserstoff aus - äh - Kohle !!!

  2. Mir würde schon eine Lieferung von der EDF zu 7 cent reichen.

    Antwort auf "Nein, ..."
    • Nemo78
    • 28. November 2011 14:23 Uhr

    ich glaube beim derzeitigen Wechselkurs meinte der Autor wohl eher 1 Billion Rand (engl. trillion).

  3. Kein Land der Welt wird bis 2050 seinen Primärenergieverbrauch verdoppeln.. Selbst die traditionell sehr optimistische Energieagentur warnt ab 2015 vor einer Energiekrise, weil bedarf und Liefermöglichkeiten auseinanderdriften...

    Und ab 2020 vor dem Peak-Oil.

    Wenn das eintritt hat die Welt bis 2050 zwischen 30 und 50% weniger Erdöl um Transport zu bewerkstelligen... Übrigens fahren auch die Bagger, Lastwagen und Kräne der Kohleindustrie mit Öl und nicht mit Kohlebetriebenen Dampfturbinen.. Und die Umwandlung von Kohle in Treibstoffe ist teuer und h at einen miserablen EROEI...

    Daher.. Ohne Treibstoffe kein Wirtschaftswachstum.. Ohne Wirtschaftswachstum, sinkender Verbrauch...

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  4. Eine Wasserstoffleitung quer durch Afrika mit Wasserstoff aus - äh - Kohle !!!

    Antwort auf "Nein, ..."
  5. sondern die westlichen Konzerne wollen Strom aus Kohle. Dafür werden auch Machthaber bestochen, usw.. Nichts neues.

  6. Lieber Herr Grill,
    Sie schreiben:
    "ist der Strom in Südafrika spottbillig"
    Fakt ist, dass der Strompreis in Südafrika an den Verbrauch gekoppelt ist- also wer viel verbraucht zahlt auch viel, nämlich über 600 KwH monatlich nun 1,18 Rand!!

    "Die südafrikanische Regierung lässt das enorme Potenzial von Sonne, Wind und Gezeiten ungenutzt".
    Das ist falsch. Mittlerweile ,werden Solarheater auf allen LowCost-Häusern installiert und bei Eskom erhalten Sie einen Rabatt bei der Nachrüstung damit.

    Selbstverständlich ist das Sparpotential noch nicht ausgeschöpft. Öffentliche Gebäude und Banken müssen nicht per Aircon auf 19 Grad gekühlt werden und auch die Straßenbeleuchtung könnte man tagsüber abschalten!!

    Insgsamt bliebe im Moment nur Kernenergie als Alternative um weiterhin Arbeitsplätze in der Industrie zu schaffen.

    Ich hätte mir daher Ihre Darstellung schon etwas differenzierter gewünscht!!
    Viele Grüße aus Kapstadt.

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  • Schlagworte Südafrika | Klimaschutz | Greenpeace | Erderwärmung | Kohle | Kohlekraftwerk
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