"Ich habe mein Land verloren. Ich habe keine Rechte. Es ist, als ob ich kein Mensch mehr wäre." Fred Bahemuka, Vater von acht Kindern, lebte im Waldreservat Namwasa im ugandischen Distrikt Mubende – bis er von seinem Land verjagt wurde. Seine Existenz, sagt er, sei zerstört: "Land war mein Leben."

Sie könne sich noch gut an ihr Land erinnern, erzählt Christine Longoli aus dem Nachbardistrikt Kiboga. "Drei Morgen Kaffee, viele Bäume, Mangos und Avocados. Fünf Morgen Bananen", zählt sie auf. Ihre Felder lagen im Waldreservat Luwunga. "Ich bekam Auszeichnungen als beispielhafte Bäuerin", sagt sie. "Mein Land gab mir alles, von meinem Lebensunterhalt bis zur Bildung meiner Kinder. Die Leute nannten mich Omataka : Jemand, der Land besitzt." Doch das sei nun vorbei. "Jetzt gehöre ich zu den Ärmsten."

Mit ihrem Land haben Bahemuka und Longoli ihre Lebensgrundlage verloren. Wie das geschehen konnte, auf diese Frage gibt es unterschiedliche Antworten.

Eine stammt von der Hilfsorganisation Oxfam. Es ist ein faktenreicher Report , der Quellen in mehr als 90 Fußnoten ausführlich dokumentiert. Mindestens 22.500 Menschen, berichtet Oxfam, seien in den Jahren zwischen 2006 und 2010 aus Namwasa und Luwunga vertrieben worden. Manche von ihnen lebten seit Jahrzehnten dort. Einigen Familien sei das Land von der Regierung zugewiesen worden, als Anerkennung für die Verdienste einzelner Familienmitglieder in vergangenen Kriegen.

Ich kann nicht mehr für meine Kinder sorgen.
Lokuda Losil, vertriebener Bauer

Die Bauern, die Oxfam – unter geänderten Namen – im Report zitiert, bebauten Land und hielten Vieh. Was sie erwirtschafteten, reichte, um satt zu werden, und das Schulgeld für die Kinder zu zahlen. Bis Soldaten, Polizisten und Mitarbeiter des britischen Unternehmens New Forests Company (NFC) sie verjagten, ihr Vieh abschlachteten, ihre Felder zerstörten und ihre Häuser niederbrannten. "Sie schlugen Leute zusammen, vor allem jene, die nicht weglaufen konnten", berichtet der Bauer Lokuda Losil. 

Eine Entschädigung gab es für die Vertriebenen nicht, auch kein neues Land. "Wo wir jetzt sind, weinen meine Kinder jeden Tag", sagt Losil. "Ich kann nicht für sie sorgen, und sie gehen nicht zur Schule. Sogar das Essen ist zum Problem geworden." Hunger, Armut, die Furcht, im Krankheitsfall nicht überleben zu können – die Erzählungen der Landlosen im Oxfam-Report gleichen sich. 

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Wo sie wohnten, wachsen jetzt Nadelbäume und Eukalyptus . Das Land gehört dem ugandischen Staat, aber bewirtschaftet wird es von NFC, eigenen Angaben zufolge der "größte Baum-Pflanzer Ugandas" und ganz besonders der Nachhaltigkeit verpflichtet. Insgesamt hält NFC in Uganda eine Lizenz für mehr als 20.000 Hektar Land. Etwa die Hälfte davon sind Plantagen für Nutzholz; daneben plant NFC, stark beschädigte ursprüngliche Wälder durch das Pflanzen von heimischen Arten aufzuforsten. Zusätzlich plant das Unternehmen, den Wald in Namwasa als Clean Development Mechanism (CDM) des Kyoto-Protokolls zertifizieren zu lassen. Das Klimageld aus den Industrieländern soll zusätzliche Einnahmen bringen.

Der Konzern verspricht den Ugandern Profite, Jobs, weniger Armut und Entwicklung. Doch der Oxfam-Report berichtet vom Gegenteil.