WaldmenschenEin Förster rettet den Mini-Wald

Viele Privatwälder in Baden-Württemberg sind so winzig, dass ihre Bewirtschaftung nicht lohnt. Dietmar Heid will das ändern. Er gründet Waldgemeinschaften. von 

Der Förster Dietmar Heid in einem Stück des Waldes, den er betreut

Der Förster Dietmar Heid in einem Stück des Waldes, den er betreut  |  © Alexandra Endres

Der Stolz des Försters von Osterburken ist ziemlich verwildert. Dietmar Heid stapft durchs Gestrüpp, weg vom Fahrweg in Richtung Wald. Hier, auf der Gemarkung Bofsheim, ranken Himbeer- und Brombeerbüsche, dazwischen krümmen sich einige verkrüppelte Birken, der Boden ist von Gras überwuchert. "Das war ein privates Waldstück. Der Eigentümer hat es nicht gepflegt", sagt der Förster. Ein paar Meter weiter stehen Fichten, dazwischen noch mehr Birken. Manschetten gegen Wildverbiss, inzwischen zu eng geworden, kringeln sich um die schmalen Stämmchen. Heid deutet darauf: "Das Stück hier hatte einen anderen Besitzer. Der hat irgendwann diese Birken gepflanzt und dann so gut wie nichts mehr daran getan."

Alle paar Meter ändert sich der Wald. Rote Zeichen an den Baumstämmen markieren die Grenze zwischen den einzelnen Waldstreifen. "Kleine Grundstücke", erklärt Heid. "Jedes hatte einen anderen Eigentümer." Daher die Unterschiede. 

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Könnte man das Waldstück mit seinen Grenzen von oben betrachten, sähe es aus wie ein Puzzle aus lauter winzigen Teilen. Das liegt am hiesigen Erbrecht: Die Gegend ist Realteilungsgebiet. Stirbt ein Landbesitzer, erben alle Kinder zu gleichen Teilen. Sterben sie, erhalten ihre Kinder wiederum ihre Anteile. Und so weiter, über Generationen hinweg. Das Ergebnis ist ein großer Flickenteppich aus winzigen Waldstücken, deren Eigentümer in manchen Fällen gar nicht mehr feststellbar sind.

So groß wie eine Drei-Zimmer-Wohnung

Es gibt viele solche kleinen Privatwälder in Baden-Württemberg: Die Stuttgarter Regierung rechnet mit einer Fläche von mehr als 350.000 Hektar, die diese Miniwälder bedecken – das entspricht einem Viertel der Landesfläche. Eine Studie definiert klein restriktiver und kommt immerhin noch auf 195.000 Hektar , verteilt auf 233.000 Eigentümer, von denen jeder bloß 0,8 Hektar besitzt.

Das kleinste Stück Wald, mit dem Dietmar Heid in Bofsheim zu tun hatte, maß 68 Quadratmeter. "Solche Flächen lassen sich nicht mehr sinnvoll bewirtschaften", sagt der Förster. "Das gilt für 90, vielleicht sogar 95 Prozent des Privatwaldes." Die Wälder sind so klein, dass man sie gar nicht erschließen kann. Um gefällte Stämme abzutransportieren, wäre zum Beispiel eine Rückegasse nötig. Aber Rückegassen sind vier Meter breit – manche Kleinstwälder sind kaum breiter. Zudem wissen ihre Besitzer oft gar nicht mehr, wie man wertvolle und weniger wertvolle Bäume unterscheidet oder fällt, und sie haben auch nicht die nötige Ausrüstung, um das zu tun. So bleiben die Wälder sich selbst überlassen, als ungenutzte Vermögenswerte.

Dietmar Heid stammt selbst aus einer Bauern- und Waldbesitzerfamilie: Vater, Mutter, fünf Geschwister. "Als ich zehn, zwölf Jahre alt war, ging es im Winter nach der Schule in den Wald", erinnert er sich. "Die ganze Familie musste mit anpacken. Arbeit gab es immer." Mal kalbte eine Kuh, mal musste das Heu dringend eingebracht werden, mal war Brennholz zu besorgen. Irgendwann kam sein Vater auf die Idee, ihm pro Stunde Waldarbeit drei Mark zu zahlen. Von da an hatte Heid immer ausreichend Taschengeld, im Gegensatz zu seinen Altersgenossen, "von denen manche Schwierigkeiten hatten, genug Benzin fürs Mofa zu kaufen." Auch auf diese Art, sagt er heute, habe er gelernt, den Wald wertzuschätzen.

Eine Woche zum Thema Wald

Im Vorfeld zur Klimakonferenz in Durban und anlässlich des Internationalen Jahres der Wälder, präsentieren ZEIT ONLINE und DIE ZEIT eine Themenwoche zum Wald.

In der Serie "Waldmenschen" stellen wir Menschen vor, die mit, im oder für den Wald leben, kämpfen, forschen oder arbeiten. Darunter eine Baumbesetzerin, die in Stuttgart eine Pappel vor den Bahnhofsbauarbeiten retten will und ein Forscher, der bei Eberswalde dem Wasserhaushalt verschiedener Baumarten nachspürt.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Waldschutz in Afrika. Außerdem zeigen wir, wie stark der Markt für Holz globalisiert ist. Wir erklären, wie der Wald Deutschland vor Erosionen, Überschwemmungen und Lawinen schützt und zeigen Ihnen seine Vielfalt in Bildern.

Was verbinden Sie mit Wäldern?

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Der Förster hängt am Wald und kann sich immer noch für das Objekt seiner Fürsorge begeistern, nach rund zwanzig Jahren im Beruf. "Der Wald ist kein normales Wirtschaftsunternehmen", sagt er. "Die verbrauchen Rohstoffe und verschmutzen die Umwelt, ein einziger Mensch profitiert vom Ertrag." Im Wald sei das anders. "Viele Wälder sind gemeinschaftliches Eigentum."

Die Forste, die Dietmar Heid betreut, sind solche Gemeinschaftswälder: rund 1.400 Hektar insgesamt, verteilt auf zwei private Genossenschaften und die Stadt. Die privaten Genossenschaften sind Heids Modell für die Zukunft; mit ihrer Hilfe will er die Zerstückelung der Flächen rückgängig machen. Als Blaupause dient ihm die Waldgenossenschaft Bofsheim, die seit 1869 besteht. Heid und seine Vorgesetzten vom Forstamt Adelsheim haben sie um neue Waldstücke erweitert. Unter ihnen sind die winzigen Streifen, durch die der Förster gerade geht.

Leserkommentare
    • 15thMD
    • 23. November 2011 18:12 Uhr

    Ist es wirklich notwendig, dass jedes Waldstück Deutschlands bewirtet wird? Vor allem solche kleinen Waldstücke, ob die jetzt verwildern oder nicht ist doch vollkommen egal.

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    • rorossi
    • 23. November 2011 19:53 Uhr

    Nach nun über 30 Jahren Tätigkeit in der Forstwirtschaft erlebe ich mit Freude, das Holz aus heimischen Wäldern in den letzten Jahren ein zunehmend gefragter Rohstoff ist. Es gibt inzwischen mittelgroße Sägewerke, die von Schließung bedroht sind, weil ihr Rohstoff in der Region ausgeht, auch Brennholz in allen Formen wird stark nachgefragt. Gleichzeitig schlummern im kleinparzellierten Privatwald große Holzvorräte, Gründe dafür sind im Artikel genannt. Diese Vorräte nachhaltig zu erschließen ist volkswirtschaftlich durchaus sinnvoll. Mit dem Bereich Forst und Holz sind in D nicht weniger als 1,2 Millionen Arbeitsplätze verbunden.

    • rorossi
    • 23. November 2011 19:53 Uhr

    Nach nun über 30 Jahren Tätigkeit in der Forstwirtschaft erlebe ich mit Freude, das Holz aus heimischen Wäldern in den letzten Jahren ein zunehmend gefragter Rohstoff ist. Es gibt inzwischen mittelgroße Sägewerke, die von Schließung bedroht sind, weil ihr Rohstoff in der Region ausgeht, auch Brennholz in allen Formen wird stark nachgefragt. Gleichzeitig schlummern im kleinparzellierten Privatwald große Holzvorräte, Gründe dafür sind im Artikel genannt. Diese Vorräte nachhaltig zu erschließen ist volkswirtschaftlich durchaus sinnvoll. Mit dem Bereich Forst und Holz sind in D nicht weniger als 1,2 Millionen Arbeitsplätze verbunden.

    Antwort auf "Notwendigkeit"
  1. zum Einen sind die genannten durchschnittlichen 0.8 Hektar immerhin 8000 m², also nicht soo winzig und 4 Meter Rückeweg sinddaschon drin.
    Zum Anderen frag ich mich, wie unsere Vorfahren diese Kleinflächen genutzt haben (und das haben sie und zwar ohne mediales Gestöhne).
    Aber scheinbar geht heut nichts mehr ohne heftigen Technikeinsatz, was die wirtschaftlich optimierte Nutzbarkeit von Kleinflächen natürlich arg einschränkt. Um die zu erreichen, wird das Grundbuchamt beschäftigt und gibts dann halt etwas sozialen Druck, eine kleine Drohung und die Verwertbarkeit triumphiert wieder, während das Lied vom gemeinschaftlichen Eigentum (viele Kapitalgesellschaften sind übrigens auch gemeinschaftliches Eigentum) gesungen wird.

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    Die durchschnittli. 0,8ha kommen durch Erbteilung über Jahrhunderte zustande. In manchen BL gibt es das aus den genannten Gründen (viel zu kleine und unübersichtliche Parzellen) schon lange nicht mehr. Das bedeutet, dass vor 100 Jahren die einzelnen Parzellen noch viel größer waren und auch besser genutzt wurden.

    0,8ha Wald sind im Prinzip nichts, wenn man sich das in natura mal anschaut. Es reicht nicht einmal, um dauerhaft für den Eigenbedarf Brennholz zu schlagen, weder heute noch vor 100 Jahren. Ca. 2 ha wären meist ausreichend.

    Für 0,8 ha kommt auch keine Firma und forstet Ihnen ihr "Handtuch" durch, da sind die Kosten höher als der Erlös der wenigen zu entnehmenden Stämme.

    Freilich wurden Waldflächen früher anders genutzt, nur ist diese anderweitige Nutzung heute meist untersagt, z.B. Hutung.

    Im Übrigen sind die aufgeräumteren Wälder nicht die von heute, sondern die von vor 100 und mehr Jahren. Brennholz, Bauholz wurde in weit größeren Mengen gebraucht. Brennholz für den Eigenbedarf bestand meist aus kleineren Ästen, ja Zweigen, aufgelesen von sog. Hutzelweiblein, der Waldboden war quasi leergeräumt. Daneben gab es reichlich Köhlereien für Holzkohlegewinnung (in D heute fast ausgestorben - fragen Sie sich, wo die Holzkohle heute herkommt...).

    Vergleicht man (ich kann nur von meiner Region reden) Fotos von vor rund 100 Jahren und heute, so fällt auf, dass der Wald seit damals deutlich auf dem Vormarsch ist.

  2. Ein Förster pflegt einen Forst und arbeitet für die berechtigten Wünsche der Besitzer. Aber damit rettet er doch meist keinen Wald, wie die Überschrift suggeriert!
    Aus Sicht der Natur, die sich trotz aller Zivilisation noch wacker in unseren heimischen Wäldern behauptet, ist eine weniger intensive Nutzung häufig ein Plus. Ein natürlicher Wald besteht bis zu einem Drittel aus Totholz, das ungemein wichtig für die Artenvielfalt und das ökologische Gleichgewicht ist. So gesehen stossen die Interessen zwischen einem aufgeräumten Forst und einem natürlichen Wald hier eben aufeinander. Die letzteren hat die Zeit ja gerade sehr schön beschrieben:

    http://www.zeit.de/wissen...

  3. Die durchschnittli. 0,8ha kommen durch Erbteilung über Jahrhunderte zustande. In manchen BL gibt es das aus den genannten Gründen (viel zu kleine und unübersichtliche Parzellen) schon lange nicht mehr. Das bedeutet, dass vor 100 Jahren die einzelnen Parzellen noch viel größer waren und auch besser genutzt wurden.

    0,8ha Wald sind im Prinzip nichts, wenn man sich das in natura mal anschaut. Es reicht nicht einmal, um dauerhaft für den Eigenbedarf Brennholz zu schlagen, weder heute noch vor 100 Jahren. Ca. 2 ha wären meist ausreichend.

    Für 0,8 ha kommt auch keine Firma und forstet Ihnen ihr "Handtuch" durch, da sind die Kosten höher als der Erlös der wenigen zu entnehmenden Stämme.

    Freilich wurden Waldflächen früher anders genutzt, nur ist diese anderweitige Nutzung heute meist untersagt, z.B. Hutung.

    Im Übrigen sind die aufgeräumteren Wälder nicht die von heute, sondern die von vor 100 und mehr Jahren. Brennholz, Bauholz wurde in weit größeren Mengen gebraucht. Brennholz für den Eigenbedarf bestand meist aus kleineren Ästen, ja Zweigen, aufgelesen von sog. Hutzelweiblein, der Waldboden war quasi leergeräumt. Daneben gab es reichlich Köhlereien für Holzkohlegewinnung (in D heute fast ausgestorben - fragen Sie sich, wo die Holzkohle heute herkommt...).

    Vergleicht man (ich kann nur von meiner Region reden) Fotos von vor rund 100 Jahren und heute, so fällt auf, dass der Wald seit damals deutlich auf dem Vormarsch ist.

    Antwort auf "Na ja, "
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    Die Grundstücke / Wälder sind auch nicht zwingend in jeder Erbrunde tatsächlich geteilt worden, oft genug wurde einer ausgezahlt / hat sein Erbteil verkauft und der andere hat den Hof weitergeführt. Wenn man über Jahrhunderte tatsächlich teilt (und in Anbetracht der Kinderzahl durchschnittlich eher durch 4 als durch 2), wären man heute wohl weit unter 0,8 ha, denn nicht aller haben groß begonnen.
    Diese Wäldchen hatten als Bauernwälder stets ihren Selbstversorger-Sinn, selbst wenn man eigentlich den Holzertrag von 2 ha bräuchte und nur 1 ha hat, muss man halt nur die Hälfte zukaufen, das macht die Sache doch nicht nutzlos.
    Nur weil der Sinn heute nicht mehr so gegeben ist oder sich bestimmt Nutzungsvorstellungen ändern, spricht das kaum für die Erzwingung von Industriewald, noch dazu unter Druck.
    Kleinwälder dürften jedenfalls optisch und ökologisch durchaus ihre Vorteile haben.

  4. Die Grundstücke / Wälder sind auch nicht zwingend in jeder Erbrunde tatsächlich geteilt worden, oft genug wurde einer ausgezahlt / hat sein Erbteil verkauft und der andere hat den Hof weitergeführt. Wenn man über Jahrhunderte tatsächlich teilt (und in Anbetracht der Kinderzahl durchschnittlich eher durch 4 als durch 2), wären man heute wohl weit unter 0,8 ha, denn nicht aller haben groß begonnen.
    Diese Wäldchen hatten als Bauernwälder stets ihren Selbstversorger-Sinn, selbst wenn man eigentlich den Holzertrag von 2 ha bräuchte und nur 1 ha hat, muss man halt nur die Hälfte zukaufen, das macht die Sache doch nicht nutzlos.
    Nur weil der Sinn heute nicht mehr so gegeben ist oder sich bestimmt Nutzungsvorstellungen ändern, spricht das kaum für die Erzwingung von Industriewald, noch dazu unter Druck.
    Kleinwälder dürften jedenfalls optisch und ökologisch durchaus ihre Vorteile haben.

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    Der Artikel zeigt das eigentlich ganz gut auf. Gebietsweise war es früher sogar verbreitet, die Höfe zu teilen, dazu das landwirtschafltiche Land.

    siehe auch

    http://de.wikipedia.org/w...

    Für die Besitzer der berüchtigten 0,8 ha hat der Wald heute meistens gar keinen Sinn mehr, oft weiß derjenige gar nicht, wo "sein Wald" sich befindet und der Wald wird nicht genutzt. Ursprünglicher Urwald wird deswegen leider nicht daraus. Kommentar 8 hat da schon Recht. Ich bin mir ehrlich gesagt auch nicht sicher, ob man das "dürfte"...so pervers es klingen mag. In D (Europa?) ist die gänzliche Herausnahme eines Waldstückes aus jeglicher Bewirtschaftung nur in Nationalparks möglich. Dazu gehört dann leider auch das Bewandern des Waldes im Kerngebiet.

    Wir besitzen selbst mehrere ha Wald in einem FFH-Gebiet. Für die forstliche Nutzung bestehen bestimmte Auflagen, aber bewirtschaftet werden muss der Wald trotzdem, sonst wird der Förster böse, wenn sie die Borkenkäfer, Nonnen usw. von uns aus ausbreiten.

    Äh. 0,8 ha sind auch kein Klein-, sondern Kleinstwald.

    • marxo
    • 24. November 2011 17:56 Uhr

    und das ist natürlich sehr gemeinnützig alles. Von Apple profitiert auch nur "ein Mensch" oder was? Was ist das denn für ein ökonomisches Verständnis? Solchen Menschen würde ich meinen Wald auch nicht in die Hände geben.

    Es wird ohnehin nur Umgehungsstraße draus, wie man am Beispiel Adelsheim/Osterburken sieht. Dort hat man es geschafft, eine gigantische Straße quer durchs Tal zu bollern. Darauf fahren kaum Autos, es hat einfach nur ein bisschen Devisen gebracht. Baden-Württemberg halt. 4 Autos in der Garage aber über Straßenlärm beschweren und dann grad als eine Autobahn für jedes Schlafzimmer bauen lassen.

    • GeorgFS
    • 24. November 2011 19:06 Uhr

    ++Birken gepflanzt++ Wenn jemand Birken tatsächlich PFLANZT ist es vielleicht auch besser wenn er die Finger vom Wald läßt.
    Aber im Ernst, die Idee mit den Waldgemeinschaften ist eine sehr Sinnvolle da Forstbetriebsgemeinschaften und Waldbesitzervereinigungen bei zu starker Zersplitterung des Waldbesitzes an Ihre Grenzen stoßen.
    Was mich immer interessiert: wer bezahlt das (also den Förster, den Gutachter, die Abfragen des Grundbuchamtes etc)?

    Denn es ist doch unlogisch (und unsozial) wenn die Menschen die keinen Wald besitzen, für die Bewirtschaftung (und damit den finanziellen Vorteil) der Waldbesitzer zahlen müssen...

    ++ist eine weniger intensive Nutzung häufig ein Plus. Ein natürlicher Wald besteht bis zu einem Drittel aus Totholz, das ungemein wichtig für die Artenvielfalt und das ökologische Gleichgewicht ist.++
    Ein nichtbewirtschafteter Fichtenforst ist KEIN plus, sondern wird nur immer dunkler, der Boden Saurer und irgendwann kommen Sturm und/oder Borkenkäfer. Erst ab diesem Zeitpunkt wirds naturschutztechnisch interessant. Aber das kann ja kein Ziel sein, zu warten bis alles den Bach runtergeht (die Nährstoffe dann sogar buchstäblich).
    Die fachgerechte Bewirtschaftung selber sorgt schon dafür, dass ein Wald (und der ist im Kleinprivatwald nunmal leider meist eine Fichtenwüste) ökologisch aufgewertet wird.
    Zum Totholz: hier ist v.a. (Hart-)Laubholz ökologisch wichtig und das ist in o.g. Wäldern nunmal nicht da, da hilft kein Nichtstun nicht.

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    • marxo
    • 26. November 2011 16:08 Uhr

    Insgesamt ein schöner Kommentar. Birken kann man aus Liebhaberei pflanzen, es sind immerhin neben der Zitterpappel im Herbst mit die schönsten Bäume, die man zu Gesicht bekommt, oder weil jemand Birkenröhrlinge mag. Warum sollte jemand, der ohnehin nur einen halben Hektar hat, darauf keine Birken pflanzen und sich dran freuen? Wenigstens hat er keine Unkosten.

    "Die fachgerechte Bewirtschaftung selber sorgt schon dafür, dass ein Wald (und der ist im Kleinprivatwald nunmal leider meist eine Fichtenwüste) ökologisch aufgewertet wird."

    Nein, das stimmt so einfach auch wieder nicht. Fichtenforst ist eine Erscheinung der "fachgerechten Bewirtschaftung". Jetzt macht man halt Douglasie und amerikanische Eiche. Aber von der Monokultur will man nicht absehen und Sorgen um die Erosion oder ums Ökosystem erwartet man von Bauern nicht, wieso also von den gleichen Bauern die Forste bewirtschaften?
    Wer Hochmoore und Quellmoore drainiert und jegliches Gewässer hasst - und das ist charakteristisch für das deutsche Bauerntum - wird in seinem Wald wohl kaum den lieben Vöglein einen Platz einrichten, wenn es sich nicht ganz kräftig lohnt.

    war früher eine verbreitete Meinung im Forstwesen. Auch heute noch nimmt man sie tendenziell als Allererstes "raus".

    Den Förster für den Privatwaldbesitzer (Beratungsleistungen) bezahlt der Steuerzahler. Der Förster ist Angestellter des Bundeslandes (In Sachsen "Sachensforst"). Immerhin ist Wald auch Allgemeineigentum, den Jeder betreten darf, Pilze sammeln usw. Dafür "bezahlt" dann der Eigentümer, wenn der Spaziergänger aus Versehen eine brennende Zigarette im Wald verliert...

    Die Arbeit der Einschlagsunternehmen bezahlt der Waldbesitzer. Billig ist das auch nicht. Wenn ökologisch halbwegs korrekt noch dazu 4 Mann mit der Motorsäge (statt einer im Harvestesr) anrücken, zahlt man locker drauf.

    Finanziellen Vorteil haben meist nur Besitzer größerer Waldflächen. Grund: Wald durchforstet man nur alle zig Jahre. Solange Sie nicht hunderte ha Ihr Eigen nennen, können Sie es meist vergessen, damit "finanzielle Vorteile" zu erwirtschaften. Außer, Sie besitzen hektarweise 1A Eichen oder Bergahornflächen, von denen jeder einzelne Stamm auf die Wertholzsubmission gehört. Die Wälder gehören aber schon dem Herrn Gutenberg, hehe...

    Eine Einnahmequelle wäre noch, wenn Sie Saatgutbestände hätten (Eicheln und Zapfen pflücken und so). Das lohnt sich auch auf kleineren Flächen. Aber die Saatgutbestände sind auch recht rar.

    Für viele Andere ist es entweder lästige Arbeit oder Hobby. Rechnen tut es sich für den Klein- und Kleinstwaldbesitzer nur übers Brennholz für den eigenen Ofen.

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  • Schlagworte Eigentum | Geschwister | Wald | Baden-Württemberg
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