Euro-Krise Deutschland muss seine harte Haltung aufgeben
Bisher hat die Politik der Europäer die Krise verschärft, schreibt Gustav Horn im Gastbeitrag. 2012 muss man Ideologien über Bord werfen - oder die Währung ist am Ende.
Noch ein wehmütiger Blick zurück in das Jahr 2011. Es brachte Deutschland hohes Wachstum, zunehmende Beschäftigung, rückläufige Arbeitslosigkeit und geringere Staatsdefizite. Es hätte gut genannt werden können, wenn es nicht auch das Jahr gewesen wäre, in dem der Euro in die Knie zu gehen begann. Im Jahr 2012 könnte unsere Währung scheitern, es sei denn, die Politiker finden einen Weg, das nachhaltig zu vermeiden. Es wird ein Jahr der Krise im ursprünglichen Wortsinn, ein Jahr der Entscheidungen und Wendepunkte.
Ein Ausblick auf ein solches Jahr muss ein politisches Szenario sein. Es findet vor der düsteren Kulisse einer Rezession im Euro-Raum statt. Sie ist die Konsequenz einer Kette von Fehlentscheidungen, mit der die Politik den Euro versuchte zu retten. Doch weil sie ihr Heil allein in einem mehr oder minder harten Sparkurs aller Mitgliedsländer des Euro-Raums suchte, ist das Ergebnis kontraproduktiv.
leitet das gewerkschaftsnahe Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung
Der Wirtschaft im ganzen Währungsgebiet wird massiv Nachfrage entzogen. Die Hoffnung, dass dies durch Exporte in Schwellenländer wie China, Brasilien oder Indien auch nur im Ansatz ausgeglichen werden könnte, ist angesichts der auch dort schwächelnden Konjunktur und der im Vergleich zur europäischen Binnennachfrage geringeren Bedeutung der Lieferungen dorthin illusionär. Das gleiche gilt für die USA, die wegen ihrer hohen öffentlichen wie privaten Verschuldung auf absehbare Zeit als Lokomotive der Weltwirtschaft ausfallen dürften.
Wer nur auf die Schulden schaut, übersieht das Wesentliche
Der Euro-Raum muss seine Probleme also alleine lösen, ohne Hilfe von außen. Dazu muss man die wahre Natur der Krise erst einmal verstehen. Die in Deutschland gängige Interpretation, dass es sich im Kern um eine Staatsschuldenkrise handelt, ist falsch und kann nur mit einer ideologisch bedingten Verengung des Blickfeldes erklärt werden.
Offenbar soll vergessen werden, wie die hohe Staatsverschuldung in den vergangenen Jahren eigentlich entstanden ist: Nicht durch üppige Sozialprogramme oder Subventionsorgien, sondern vor allem anderen durch die teure, aber notwendige Stabilisierung des Bankensektors. Wer die Krise 2012 wirklich in den Griff bekommen will, muss das beachten.
In erster Linie geht es nicht um Staatsschulden. Die Euro-Krise ist vor allem eine Vertrauenskrise in die Institutionen des Euro-Raums. Ihren Ursprung hat sie in den Handelsungleichgewichten und der daraus resultierenden Verschuldung oder den Überschüssen einzelner Euro-Mitgliedsländer – und darin, dass unklar ist, wie Europa damit umgehen will.
Unklar ist auch, wie sicher Staatsanleihen der Mitgliedsländer eigentlich sind. Sind sie so sicher wie amerikanische, japanische oder englische Anleihen, bei denen sowohl Regierung als auch Zentralbank, also die wesentlichen wirtschaftspolitischen Institutionen, für sie bürgen? Oder sind sie so sicher wie argentinische Dollar-Anleihen, deren Wert sich infolge der Zahlungsunfähigkeit des argentinischen Staates in Dollars teilweise in Luft auflöste? Hier konnten weder Regierung noch Zentralbank für die Schulden einstehen, da sie in einer ausländischen Währung notiert waren.
- Datum 27.12.2011 - 09:36 Uhr
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2012 muss man Ideologien über Bord werfen - oder die Währung ist am Ende.
Der Euro ist schon am Ende, er wird nur noch künstlich am "Leben" gehalten. Alleine die Bankenrettungen hat mehr als 15% zu der Staatsverschuldung beigetragen. Von dem Euro hat nur die Finanzmafia und die Wirtschaft profitiert, dann sollen diese auch den Euro retten.
....zu denken geben, dass die Dinge so einfach nicht sind.
Man kann den Euro retten. Das geht aber nur, wenn man die bisherige Strategie aufgibt sein Hauptaugenmerk auf den sofortigen Abbau der Staatsdefizite zu legen. Man muss klar und glaubhaft machen, dass die Staatsanleihen bezahlt werden. alternativ kann man sie sofort sich selbst überlassen und sich darauf konzentrieren die Banken zu robust zu stützen und die folgende Rezession zu verhindern. Diese zweite Möglichkeit wäre die mit Abstand teurere und ebenfalls weitaus riskantere.
Die Rettung der Banken bzw des Finanzsektors nutzt ohne Zweifel den Eigentümern und Finanzleuten, wo der Staat Aktien nicht übernahm. Dort machten diese Gruppen Verluste. Am eindeutigsten sind aber andere Gruppen die Nutznießer der Rettungsaktionen. Das sind vor allen anderen die Bevölkerungen. Ohne die Ausgaben zur Stützung des Finanzsektors wären wir nun in einer Depressionen mit am laufenden Band scheiternden Unternehmen und einem wachsenden Heer Arbeitsloser.
war alles gut? Nein, diese einfache Weltsicht greift viel zu kurz. Diese einfache Weltsicht ist aber - leider - in D viel zu weit verbreitet, als dass sich unsere allein auf ihren Machterhalt fokussierte Kanzlerin zu dem von Horn klar beschriebenen Kurswechsel bekennen würde. Das ist das ganze Problem:
In D ist der EURO als solcher recht unbeliebt. Noch viel unbeliebter sind Hilfen für andere EU-Staaten, erst recht für solche, von denen an den Stammtischen der Republik geglaubt wird, die Menschen dort seien eher bequem und an ihrer Lebensfreude, denn an harter Arbeit interessiert. Zu dieser Aversion kommt noch die extreme deutsche Inflationsphobie. Da 2013 Bundestagswahlen anstehen wird Merkel nichts tun, was in Richtung Inflation und Hilfen (etwa durch Eurobonds etc.) geht. Sie wird daher ihrem Machterhalt die Stabilität des EURO und der Wirtschaftsenwicklung für mehrere 100-Mio Menschen in ganz Europa opfern. Das hat in meinen Augen mit verantwortungsvoller Politik nichts zu tun.
Die letzten Jahre zeigen klar und deutlich, dass Merkel letztlich keinen Mut hat. Sie versucht eigentlich immer, im Mainstream der Meinung zu fahren. Genau dieser Kurs verhindert wirkungsvolle Schritte. Im Ergebnis macht Merkel den Cameron, nur dass sie scheinbar die Mehrheit auf ihrer Seite hat. Es geht ihr hierbei nicht um Europa, es geht ihr - wie immer - allein um ihren Platz im Kanzleramt.
CHILLY
....zu denken geben, dass die Dinge so einfach nicht sind.
Man kann den Euro retten. Das geht aber nur, wenn man die bisherige Strategie aufgibt sein Hauptaugenmerk auf den sofortigen Abbau der Staatsdefizite zu legen. Man muss klar und glaubhaft machen, dass die Staatsanleihen bezahlt werden. alternativ kann man sie sofort sich selbst überlassen und sich darauf konzentrieren die Banken zu robust zu stützen und die folgende Rezession zu verhindern. Diese zweite Möglichkeit wäre die mit Abstand teurere und ebenfalls weitaus riskantere.
Die Rettung der Banken bzw des Finanzsektors nutzt ohne Zweifel den Eigentümern und Finanzleuten, wo der Staat Aktien nicht übernahm. Dort machten diese Gruppen Verluste. Am eindeutigsten sind aber andere Gruppen die Nutznießer der Rettungsaktionen. Das sind vor allen anderen die Bevölkerungen. Ohne die Ausgaben zur Stützung des Finanzsektors wären wir nun in einer Depressionen mit am laufenden Band scheiternden Unternehmen und einem wachsenden Heer Arbeitsloser.
war alles gut? Nein, diese einfache Weltsicht greift viel zu kurz. Diese einfache Weltsicht ist aber - leider - in D viel zu weit verbreitet, als dass sich unsere allein auf ihren Machterhalt fokussierte Kanzlerin zu dem von Horn klar beschriebenen Kurswechsel bekennen würde. Das ist das ganze Problem:
In D ist der EURO als solcher recht unbeliebt. Noch viel unbeliebter sind Hilfen für andere EU-Staaten, erst recht für solche, von denen an den Stammtischen der Republik geglaubt wird, die Menschen dort seien eher bequem und an ihrer Lebensfreude, denn an harter Arbeit interessiert. Zu dieser Aversion kommt noch die extreme deutsche Inflationsphobie. Da 2013 Bundestagswahlen anstehen wird Merkel nichts tun, was in Richtung Inflation und Hilfen (etwa durch Eurobonds etc.) geht. Sie wird daher ihrem Machterhalt die Stabilität des EURO und der Wirtschaftsenwicklung für mehrere 100-Mio Menschen in ganz Europa opfern. Das hat in meinen Augen mit verantwortungsvoller Politik nichts zu tun.
Die letzten Jahre zeigen klar und deutlich, dass Merkel letztlich keinen Mut hat. Sie versucht eigentlich immer, im Mainstream der Meinung zu fahren. Genau dieser Kurs verhindert wirkungsvolle Schritte. Im Ergebnis macht Merkel den Cameron, nur dass sie scheinbar die Mehrheit auf ihrer Seite hat. Es geht ihr hierbei nicht um Europa, es geht ihr - wie immer - allein um ihren Platz im Kanzleramt.
CHILLY
Der Euro und die EU ist eine Ideologie.
Es sind absolute Tatsachen und Beweise, dass die (meisten) deutschen Bürger durch die EU und deren neoliberale Politik ärmer geworden sind. Gäbe es die EU nicht, dann hätte Deuthscland wohl kein Krieg in Afghanistan und Libyen geführt. Die EU zerstört weiter die Kulturen Europas: Einheitliche Sprache, Normen, Studienabschlüsse vernichten die Vielfalt und somit das Biotop für Fortschritt.
Aktuell gibt es in Europa seelenlose Nomaden auf der Suche nach Arbeit: Getrieben von Land zu Land ohne nie das Land zu wollen oder zu mögen, einfach nur um ein paar Groschen zu verdienen. Dieses Europa hat keine Berechtigung.
Die nachteiligen Europroblematiken wurden exakt umschrieben. Die Vielfältigkeiten der Kulturen in den einzelnen Ländern wachsen und gedeihen nicht aus einem Zentralismus heraus.
Es sind absolute Tatsachen und Beweise, dass die (meisten) deutschen Bürger durch die EU und deren neoliberale Politik REICHER geworden sind.
..auf Kosten anderer :)
Die nachteiligen Europroblematiken wurden exakt umschrieben. Die Vielfältigkeiten der Kulturen in den einzelnen Ländern wachsen und gedeihen nicht aus einem Zentralismus heraus.
Es sind absolute Tatsachen und Beweise, dass die (meisten) deutschen Bürger durch die EU und deren neoliberale Politik REICHER geworden sind.
..auf Kosten anderer :)
http://www.armut-per-gese...
und die "rückläufigen" Zahlen beruhen auf eine sehr stark und ständig ansteigende Anzahl von Aufstockern.
Es gibt also Arbeiter, Leiharbeiter und Von der Ley-Arbeiter.
Liebe Zeit, könnten Sie 2012 dann endlich wieder zum echten Journalismus zurück finden und mit diesen "wir haben von Europa ja ssoooo viel profitiert und müssen nun dafür zahlen"-Märchen aufhören?
Danke!
warum schreibt der autor nicht gleich, deutschland soll den geldbeutel aufmachen und zahlen. wer in europa koennte denn ueberhaupt noch gesamtschuldnerisch haften ausser deutschland?
wer stoppt endlich diese maer von wegen deutschland muss hier einspringen und fuer alles und alle haften, da wir die groessten profiteure des euros sind? wer rettet denn am ende uns, wenn auch wir mehr zinsen bezahlen muessen? wer rettet am ende die Retter?
uns eins muss mal festgehalten werden, unser geld wuerde der rest europas schon gern haben, aber wenn wir dann wenigstens ein mitsprachrechte ueber die verteilung unseres volksvermoegens haben wollen, haengen schon die ersten plakete mit hakenkreuzen rum.
so kann man nicht mit denen umgehen, die einen retten sollen!
es laeuft doch immer innerhalb der EU auf "zahlen und klappehalten " fuer deutschland raus!
Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mk
warum schreibt der autor nicht gleich, deutschland soll den geldbeutel aufmachen und zahlen. wer in europa koennte denn ueberhaupt noch gesamtschuldnerisch haften ausser deutschland?
wer stoppt endlich diese maer von wegen deutschland muss hier einspringen und fuer alles und alle haften, da wir die groessten profiteure des euros sind? wer rettet denn am ende uns, wenn auch wir mehr zinsen bezahlen muessen? wer rettet am ende die Retter?
uns eins muss mal festgehalten werden, unser geld wuerde der rest europas schon gern haben, aber wenn wir dann wenigstens ein mitsprachrechte ueber die verteilung unseres volksvermoegens haben wollen, haengen schon die ersten plakete mit hakenkreuzen rum.
so kann man nicht mit denen umgehen, die einen retten sollen!
es laeuft doch immer innerhalb der EU auf "zahlen und klappehalten " fuer deutschland raus!
Bitte diskutieren Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mk
ist der EURO nach kurzem schuldenfinazierten Durchatmen eben etwas später am Ende, denn es geht durchaus um Staatsschulden und Überschuldung (im Sinne von Schulden, die manche Länder mangels Wertschöpfung nicht mehr bedienen können).
Euro am Ende, harte Haltung Deutschlands hin oder her.
....verschlimmert die Krise und macht es unwahrscheinlicher, dass die Schulden zurück bezahlt werden können. Momentan sind wir in einer Krise. Das Haus brennt. Da ist die falsche Zeit am Fundament herum zu doktern. Zuerst löscht man. Dann macht man sich an die schlechte Statik der Bauherrn. Was Deutschland momentan macht ist ähnlich inkompetent, wie man damals die Verträge machte und so arrogant, wie man damals war, als man die Verträge brach.
....verschlimmert die Krise und macht es unwahrscheinlicher, dass die Schulden zurück bezahlt werden können. Momentan sind wir in einer Krise. Das Haus brennt. Da ist die falsche Zeit am Fundament herum zu doktern. Zuerst löscht man. Dann macht man sich an die schlechte Statik der Bauherrn. Was Deutschland momentan macht ist ähnlich inkompetent, wie man damals die Verträge machte und so arrogant, wie man damals war, als man die Verträge brach.
Die nachteiligen Europroblematiken wurden exakt umschrieben. Die Vielfältigkeiten der Kulturen in den einzelnen Ländern wachsen und gedeihen nicht aus einem Zentralismus heraus.
Jetzt haben Sie erkannt, dass der Finanzsektor der Haupauslöser der Kriese ist und fordern trotzdem, dass man Schulden einfach so vergemeinschaftet?
Ihre Argumentation mag zwar stimmig sein aber wenn Alle plötzlich wieder ganz beruhigt sind welche Konsequenzen sollten dann gezogen werden? Läuft doch dann wieder alles super.
Klar, jetzt kommt das Argument, dass man so eine Kriese in Zukunft vermeiden will und die Länder die zahlen, da schon ein Auge drauf werfen. Mal im ernst glaubt das Irgendjemand? Bisher lief es immer so, dass ein Beschluss der einem Land nicht passt diesen Beschluss einfach nicht umsetzt... von der fehlenden Finanzmarktregulierung mal ganz abgesehen.
Also braucht sie auch keine aufzugeben. Toll, oder?
Und Ideologien gibt es auch keine mehr. Alles (wirklich ALLES!) hat sich dem Diktat der Finanzmärkte unterzuordnen.
Alternativlos, versteht sich...
Tatsächlich würde eine Steuerpolitik helfen, die nicht noch die Umverteilung von Unten nach Oben beschleunigt.
Das würde auch die Staatsschulden reduzieren.
Denn das Geld ist nicht weg, es wird nur an die Bankster verschenkt.
Tatsächlich würde eine Regulierung der Märkte helfen, anstatt tatenlos zuzusehen, wie Europa ausgespielt wird.
Nachtigall, ick hör dir trappsen:
Deutschland hat bereits 2 Billionen und 27,5 Milliarden Euro eigene Schulden
und soll nun auch noch für die Schulden der anderen Staaten haften?
Das kann nur eine SPD-Forderung sein, dachte ich mir und was finde ich: einen SPD-Mann namens Gustav Horn.
Nein danke, wir (die arbeitende Bevölkerung) sind doch schon pleite und schaffen es nur durch schieren (Arbeits-)Willen, nicht unterzugehen und dann kommt Herr Horn und will uns die Gesamtschuldnerschaft mit den Pleite-Piigs schmackhaft machen?
Das ist abenteuerlich und von der ZEIT-Redaktion unverantwortlich, einem derartigen Kommentar Raum zu geben.
Sollen wir weichgeklopft werden? Welcher Kommentar folgt als nächstes?
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