Euro-Krise Bundesbank-Präsident droht mit Nein für IWF-Kredit

Dem deutschen Kredit zur Stabilisierung gefährdeter Euro-Staaten will Bundesbank-Chef Weidmann nur unter Bedingungen zustimmen. Er fürchtet verbotene Staatsfinanzierung.

Ein Mann zeigt auf Bildschirme der Madrider Börse.

Ein Mann zeigt auf Bildschirme der Madrider Börse.

Bundesbank-Präsident Jens Weidmann will einen deutschen Kredit an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Beilegung der Euro-Schuldenkrise notfalls blockieren. Wenn die Bedingungen der Bundesbank nicht erfüllt seien, könne das Institut dieser Kreditlinie nicht zustimmen, sagte Weidmann.

Auf dem jüngsten EU-Gipfel in Brüssel war eine Aufstockung der IWF-Gelder um bis zu 200 Milliarden Euro verabredet worden, um den Schutzschirm über der Euro-Zone zu stärken. Die Bundesbank sei grundsätzlich bereit, bis zu 45 Milliarden Euro – das Dreifache der bisherigen bilateralen Bundesbank-Kreditlinie – an den IWF zu überweisen, bekräftigte der Bundesbank-Präsident. Allerdings müsse sichergestellt werden, dass das Geld nicht nur speziell für die Rettung angeschlagener Euro-Länder verwendet werde, sondern dem Währungsfonds generell zur Verfügung stehe. Das Verbot der Finanzierung von Staaten dürfe auf diese Weise nicht umschifft werden.

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Darüber hinaus müssten sich auch Länder außerhalb der Euro-Zone und der EU beteiligen. "Wir wollen eine faire Lastenteilung, keine spezielle Übung für die Euro-Zone." Bislang zeigen sich große Länder wie die USA eher reserviert. "Wenn beispielsweise die USA oder andere wichtige Geber sagen, sie machen nicht mit, dann ist aus unserer Sicht die Nähe zur Staatsfinanzierung problematisch", sagte Weidmann. Zu den großen IWF-Geldgebern gehören auch Japan, Großbritannien oder China.

Weidmann verteidigte inzwischen seinen überraschenden Vorstoß, den Bundestag offiziell mit dem Thema zu befassen. Die Parlamentarier müssten wissen, dass weitere durch die Bundesbank bereit gestellte Kreditlinien für den IWF auch Risiken hätten, für die im schlimmsten Fall der Steuerzahler gerade stehen müsse, sagte der frühere Wirtschaftsberater der Kanzlerin.

Vonseiten der Politik war in den vergangenen Tagen wegen der Unabhängigkeit der Notenbank ausgeschlossen worden, dass der Bundestag über die Gelder entscheidet. Weidmann machte nun deutlich, dass es ihm nicht um einen Bundestagsbeschluss oder eine Genehmigung gehe: "Die Entscheidung ist gefallen und muss also nicht mehr genehmigt werden." Jedoch müssten sich die Parlamentarier über mögliche Folgen einer IWF-Beteiligung, etwa für den Euro-Rettungsfonds EFSF, im Klaren sein.

Weidmann stellte unmissverständlich klar, dass seiner Meinung nach die viel beschworene Unabhängigkeit der Bundesbank bei der Aufstockung der Ressourcen des IWF ihre Grenzen hat: "Die Unabhängigkeit der Notenbank gilt hier meines Erachtens nicht." Vielmehr sei die Bundesbank durch das deutsche IWF-Gesetz aufgefordert, einvernehmlich mit der Bundesregierung und der deutschen Politik deutsche Interessen wahrzunehmen, sagte Weidmann, der Deutschland im IWF-Gouverneursrat vertritt. Doch gerade in der Frage der Kooperation vermisse er Unterstützung – was Folgen für das Zustandekommen der IWF-Kredite haben könne.







 

 
Leser-Kommentare
  1. haben wohl doch etwas von ihr gelernt. Das "Nein". Bleibt zu hoffen, dass ganz Europa endlich wieder die Füße auf die ordnungspolitische Erde bekommt.

  2. Ach waren das noch Zeiten, als wir nur eine Bundesbank und keine EZB hatten! Zeiten mit fähigen Bundesbankern wie Blessing, Klasen, Pöhl oder Tietmeyer, die keinen Schiss vor den Politikern hatten. Ich hoffe, dass Weidmann in deren Fußstapfen tritt.

    • joG
    • 14.12.2011 um 15:32 Uhr

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich zum Thema. Danke. Die Redaktion/sc

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • lagara
    • 14.12.2011 um 15:57 Uhr

    u.a. Dissens und Meinungsfreiheit.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie höflich. Danke. Die Redaktion/sc

    • joG
    • 14.12.2011 um 16:31 Uhr

    ...und in dieser Zeitung der letzten paar Tage gegen England und Cameron, ist Ihre Scham, entschuldigen Sie, peinlich.

    • lagara
    • 14.12.2011 um 15:57 Uhr

    u.a. Dissens und Meinungsfreiheit.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie höflich. Danke. Die Redaktion/sc

    • joG
    • 14.12.2011 um 16:31 Uhr

    ...und in dieser Zeitung der letzten paar Tage gegen England und Cameron, ist Ihre Scham, entschuldigen Sie, peinlich.

    • fur0
    • 14.12.2011 um 15:47 Uhr

    Entfernt. Bitte diskutieren Sie sachlich zum Thema. Danke. Die Redaktion/sc

    • lagara
    • 14.12.2011 um 15:57 Uhr

    u.a. Dissens und Meinungsfreiheit.

    Gekürzt. Bitte bleiben Sie höflich. Danke. Die Redaktion/sc

    Antwort auf "Ein deutscher ...."
    • joG
    • 14.12.2011 um 16:31 Uhr

    ...und in dieser Zeitung der letzten paar Tage gegen England und Cameron, ist Ihre Scham, entschuldigen Sie, peinlich.

    Antwort auf "Ein deutscher ...."
  3. wird man der EZB all die Aufgaben übergeben (müssen), die eine Notenbank für eine Fiskalunion beöntigt. Dazu gehört auch die Lizenz zum Geld drucken oder die Mitgliedsländer direkt zu finanzieren (ohne Umweg über Geschäftsbanken). Da können sich die Deutschen DM-Zeiten-Verfechter in den Weg stellen wie sie wollen. Es macht keinen Sinn anderen die Rettung der eigenen Währung - in Teilen - zu überlassen.

  4. Argentinien hat es hinter sich.
    In Argentinien kam 1999 das erste Sparpaket des IWF für eine neue Regierung, das extreme Kürzungen im Haushalt vorsah, um den Schuldendienst zu gewährleisten. Es scheiterte. Anfang 2001 kam ein neues IWF-Programm, das dem Land noch mehr Sparsamkeit auferlegte. Wenige Monate später war das Land zahlungsunfähig. Im Jahr 2001 musste es sich nach einer langen Krise zahlungsunfähig melden.
    Das Wachstum stagnierte, die Währung war an den Dollar gekoppelt, Sparpaket folgte auf Sparpaket. Aber die strengen Programme nahmen der Wirtschaft die letzte Kraft. In der letzten Dezember-Woche des Jahres 2001 verkündete die Regierung schließlich, ihre Schulden nicht mehr bedienen zu können.
    Mit mehr als 100 Milliarden Dollar stand das Land damals bei Gläubigern auf der ganzen Welt in der Kreide. Der Peso wurde vom Dollar entkoppelt. Seit ende 2003 erwirtschaftet Argentinien durch die schwächere Währung ein Wachstum rund 7,8 % jährlich. Erst 2005 einigte sich Argentinien mit den Gläubigern über die Art der Umschuldung.
    Genau das gleiche Problem trifft auf Europa zu. Wir brauchen eine zweite Einheitswährung in Europa die schwächer als der Euro ist. Anders geht die Finanzkrise nicht vorbei. Die Regierungsvertreter tanzen von einem Krisen-Gipfel zum nächsten, mit dem Ergebnis, dass alles schlimmer wird. Die Ursachen werden nicht behoben.

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