Schuldenkrise China will investieren, nicht Europa retten

In der Schuldenkrise ruhen die Hoffnungen Europas auf Chinas mächtigen Staatsfonds. Doch die haben ganz andere Sorgen. Von Felix Lee, Peking

Kaum einer hätte das vor Jahren für möglich gehalten: Die internationale Finanzwelt blickt gespannt auf jede nur kleinste Regung, die aus der chinesischen Hauptstadt Peking zu vernehmen ist. Ausgerechnet auf das Land, in dem die Banken noch immer weitgehend verstaatlicht sind, internationale Finanzinstitute nur sehr eingeschränkt zugelassen sind, die Währung nicht frei konvertierbar ist und überhaupt: die Finanzwirtschaft als unterentwickelt gilt.

Vergangene Woche kursierte das Gerücht, die chinesische Zentralbank wolle ein neues Staatsunternehmen gründen, das zwei Staatsfonds verwalten soll. Von 300 Milliarden US-Dollar ist die Rede. Der eine nennt sich Huamei (zu Deutsch: Sino-Amerika) und soll ausschließlich auf dem amerikanischen Markt investieren, der andere heißt Huaou (Sino-Europa) und wird sich auf Anlagen in Europa konzentrieren. Die Nachricht ließ die Aktienkurse in Europa steigen, auch der Euro gewann an Wert. Die Hoffnung der Europäer ist groß, dass das finanzkräftige China mit seinen insgesamt rund 2,5 Billionen Euro Devisenreserven den Krisenstaaten in Europa doch noch unter die Arme greifen könnte. Bislang hatte sich China zurückhaltend gezeigt.

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Daran wird sich wohl so bald auch nichts ändern. Zwar will China mit Huaou sehr viel stärker in Europa investieren. Von Hilfe oder gar der Rettung Europas kann aber keine Rede sein. Im Gegenteil: Stattdessen soll Huaou vor allem in profitable Infrastrukturprojekte investieren und sich an europäischen Firmen beteiligen. "Die Krise macht vieles in Europa derzeit sehr günstig", sagt Yi Xianrong von der Chinesischen Akademie für Sozialwissenschaften.

Rund zwei Drittel der Investitionssumme in Höhe von 300 Milliarden Dollar soll allerdings in die USA fließen. Gerade einmal ein Fünftel davon nach Europa. Und diese Summe sei nicht für den Kauf von europäischen Staatsanleihen vorgesehen, betont Fan Jianjun, Ökonom des Finanzinstituts des chinesischen Staatsrats. Die vorgesehene Summe sei ohnehin zu klein, um eine entscheidende Rolle beim europäischen Rettungsschirm EFSF spielen zu können.

Im Frühjahr 2010 hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und die anderen EU-Staatschefs den Euro-Rettungsfonds EFSF ins Leben gerufen, um Euro-Staaten mit Notkrediten versorgen zu können. Die Euro-Staaten sollen dem Fonds mittlerweile rund 400 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. Um aber Vertrauen auf den Finanzmärkten zurückzugewinnen, muss die Summe um mindestens die doppelte Summe gehebelt werden. Das können nicht nur private Investoren leisten. Deshalb setzt Europa auf Länder mit hohen Devisenreserven. Von den zehn größten Staatsfonds dieser Welt kommen im Moment drei aus China. Sprich: Damit diese Kalkulation auch nur ansatzweise aufgeht, müssen die Chinesen an Bord sein.

Chinas bislang bekanntester Staatsfonds trägt den Namen CIC (China Investment Corporation). Er unterliegt der unmittelbaren Kontrolle des chinesischen Staatsrates – also der Zentralregierung – und hat sein Startkapital dem hohen Devisenschatz der Zentralbank entnommen. Frisches Geld soll CIC aber auch von Privatanlegern erhalten. Dabei ist CIC keineswegs Chinas größter Staatsfonds. Mit einem Vermögen von rund 570 Milliarden Dollar ist die SAFE Investment Company die Nummer drei dieser Welt. CIC kommt mit einem Vermögen von geschätzten 409,6 Milliarden Dollar erst an fünfter Stelle. Doch während SAFE beauftragt ist, das Vermögen eher konservativ zu verwalten, wurde CIC zu dem Zweck gegründet, Gewinne aus risikoreichen Geschäften auch auf den internationalen Finanzmärkten zu erbringen. Mit rund 200 Milliarden Dollar ging CIC im Jahr 2007 an den Start. Inzwischen verfügt CIC über doppelt so viel Geld.

CIC wäre also auch aus chinesischer Sicht der geeignete Kandidat, um im EFSF-Rettungsfonds einzusteigen. Doch Lou Jiwei, mächtiger Chef von CIC, hat dem Ansinnen bereits eine Absage erteilt. Zwar würden Deutschland und die USA eine führende Rolle bei der Erholung der Wirtschaft in den entwickelten Staaten spielen, sagte er unlängst in einem Interview mit der chinesischen Wirtschaftszeitung Zhengquan Zhoukan (Wöchentliche Börsenzeitung). Strukturelle Probleme wie das Bankensystem und die Staatsschulden hätten die Europäer aber nicht gelöst. Deshalb sei ihm ein größeres Engagement derzeit zu riskant. 

Leser-Kommentare
  1. China hat angekündigt, sich in verstärktem Maße an europäischen Unternehmen beteiligen zu wollen.
    Vermutlich rechnet man damit, dass derartige Investments höhere
    Renditen erbringen, als ein Investment in Staatsanleihen.
    Eigentlich ein Indiz für ausgesprochenen Optimismus in bezug
    auf den Wirtschaftsraum Europa.

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    Wieso soll China sein Geld in eine Blase investieren, wenn man auch Sachwerte haben kann. Abgesehen davon, wieso soll China den Euro retten, wenn die EU immer wieder China brüskiert z.B. mit Dalai Lama.

    Wieso soll China sein Geld in eine Blase investieren, wenn man auch Sachwerte haben kann. Abgesehen davon, wieso soll China den Euro retten, wenn die EU immer wieder China brüskiert z.B. mit Dalai Lama.

  2. "Die Strategie der Chinesen lautet also: Investitionen ja, aber nur, wenn sie sich auch lohnen."

    Das sollte eigentlich das Motto für jeden auch nur halbwegs zurechnungsfähigen Investor sein. Mag sein, dass man dergleichen in Deutschland nochmals gesondert betonen muss, wo man ständig "alternativlos" Milliarden in schwarzen Löchern wie dem griechischen Staatshaushalt versenkt, nur um politische Zwangsvorstellungen zu bedienen.

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    • joG
    • 15.12.2011 um 18:06 Uhr

    ....Diese Spekulanten!

    Aber wie sollen Ausländer im Augenblick Vertrauen haben, wenn die Europäer so undurchsichtig und juristisch zweifelhaft benehmen und selbst nicht bereit sind genügend Geld in ihre eigene Rettung zu investieren? Ich kann mir auch vorstellen, dass den Chinesen vorschwebt die Folgen der Sparmaßnahmen abzuwarten und in der tiefen Rezession Industrien einzukaufen. Eine sehr gute Strategie, wenn man damit leben will von europäischen Politikern als Heuschrecke bezeichnet zu werden.

    • Otto2
    • 15.12.2011 um 18:41 Uhr

    Ich sehe das auch so wie Sie. Der Unterton der Überschrift des Artikels ist abwertend. Zur Zeit gibt es wohl nur eine Gegend der Welt wo Mrd. z. B. in Banken investiert werden, die sich ganz sicher nicht lohnen werden. Jedenfalls nicht für die Staaten, die sie tätigen und für die Mehrheit ihrer Bürger.

    • joG
    • 15.12.2011 um 18:06 Uhr

    ....Diese Spekulanten!

    Aber wie sollen Ausländer im Augenblick Vertrauen haben, wenn die Europäer so undurchsichtig und juristisch zweifelhaft benehmen und selbst nicht bereit sind genügend Geld in ihre eigene Rettung zu investieren? Ich kann mir auch vorstellen, dass den Chinesen vorschwebt die Folgen der Sparmaßnahmen abzuwarten und in der tiefen Rezession Industrien einzukaufen. Eine sehr gute Strategie, wenn man damit leben will von europäischen Politikern als Heuschrecke bezeichnet zu werden.

    • Otto2
    • 15.12.2011 um 18:41 Uhr

    Ich sehe das auch so wie Sie. Der Unterton der Überschrift des Artikels ist abwertend. Zur Zeit gibt es wohl nur eine Gegend der Welt wo Mrd. z. B. in Banken investiert werden, die sich ganz sicher nicht lohnen werden. Jedenfalls nicht für die Staaten, die sie tätigen und für die Mehrheit ihrer Bürger.

  3. sich die bisherigen Versuche Chinas anschaut, wirtschaftlich im Osteen der EU Fuß zu fassen... ich erspare mir jeden weiteren Kommentar.

    Im übrigen: Wenn China in Europa investieren will, frage ich mich, warum Europa nicht in sich selbst investiert. Unendliche Geldmengen fließen in Schulden- und Zinsblasen, was aber fließt als Investition in jene Realwirtschaft, ohne die die Blasen bald nichts sein werden als inflationär verbrannte Papierschnitzel?

    • joG
    • 15.12.2011 um 18:06 Uhr

    ....Diese Spekulanten!

    Aber wie sollen Ausländer im Augenblick Vertrauen haben, wenn die Europäer so undurchsichtig und juristisch zweifelhaft benehmen und selbst nicht bereit sind genügend Geld in ihre eigene Rettung zu investieren? Ich kann mir auch vorstellen, dass den Chinesen vorschwebt die Folgen der Sparmaßnahmen abzuwarten und in der tiefen Rezession Industrien einzukaufen. Eine sehr gute Strategie, wenn man damit leben will von europäischen Politikern als Heuschrecke bezeichnet zu werden.

    Antwort auf "Investitionen"
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    "Ich kann mir auch vorstellen, dass den Chinesen vorschwebt die Folgen der Sparmaßnahmen abzuwarten und in der tiefen Rezession Industrien einzukaufen."

    Exakt! Ich denke auch, dass es darauf hinauslaufen wird. Die Aussage, dass die Krise derzeit manches in Europa sehr günstig mache, ist eindeutig. Wir können davon ausgehen, dass in nächster Zeit noch einiges mehr sehr günstig werden und sich die Zahl der Schnäpchen vervielfachen wird. Immerhin stehen wir erst am Anfang der richtigen Krise.

    "Ich kann mir auch vorstellen, dass den Chinesen vorschwebt die Folgen der Sparmaßnahmen abzuwarten und in der tiefen Rezession Industrien einzukaufen."

    Exakt! Ich denke auch, dass es darauf hinauslaufen wird. Die Aussage, dass die Krise derzeit manches in Europa sehr günstig mache, ist eindeutig. Wir können davon ausgehen, dass in nächster Zeit noch einiges mehr sehr günstig werden und sich die Zahl der Schnäpchen vervielfachen wird. Immerhin stehen wir erst am Anfang der richtigen Krise.

  4. Wieso soll China sein Geld in eine Blase investieren, wenn man auch Sachwerte haben kann. Abgesehen davon, wieso soll China den Euro retten, wenn die EU immer wieder China brüskiert z.B. mit Dalai Lama.

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    China immer wieder einmal hinsichtlich der Menschenrechtsverletzungen und der Umweltverschmutzung.
    Ein "überschaubares" Engagement sowohl von China , als auch von Russland, jenseits wirklicher Einflußmöglichkeiten, halte ich
    für durchaus wünschenswert .

    Wieso soll China sein Geld in eine Blase investieren, wenn man auch Sachwerte haben kann. Abgesehen davon, wieso soll China den Euro retten [...]

    Was hat China vor? Europa invadieren? Etwas anderes kann ich Ihrer Aussage nicht entnehmen.

    Es sollte wohl auch den Chinesen klar sein, dass ohne ein wirtschaftlich stabiles Europa auch kein starker Wirtschaftsraum Europa existieren kann.

    China immer wieder einmal hinsichtlich der Menschenrechtsverletzungen und der Umweltverschmutzung.
    Ein "überschaubares" Engagement sowohl von China , als auch von Russland, jenseits wirklicher Einflußmöglichkeiten, halte ich
    für durchaus wünschenswert .

    Wieso soll China sein Geld in eine Blase investieren, wenn man auch Sachwerte haben kann. Abgesehen davon, wieso soll China den Euro retten [...]

    Was hat China vor? Europa invadieren? Etwas anderes kann ich Ihrer Aussage nicht entnehmen.

    Es sollte wohl auch den Chinesen klar sein, dass ohne ein wirtschaftlich stabiles Europa auch kein starker Wirtschaftsraum Europa existieren kann.

  5. China immer wieder einmal hinsichtlich der Menschenrechtsverletzungen und der Umweltverschmutzung.
    Ein "überschaubares" Engagement sowohl von China , als auch von Russland, jenseits wirklicher Einflußmöglichkeiten, halte ich
    für durchaus wünschenswert .

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "........"
  6. ein Beispiel nehmen!

    Ohne Gegenleistung, keine Leistung!

    Also, für Griechenland und andere Staaten sollte es ab sofort kein EU/EZB/IMF-Geld geben ohne Anteil an Unternehmen, Eigentum, Aktien etc.

    • Neon
    • 15.12.2011 um 18:32 Uhr

    Empfehlung ist, Chinesisch als zweite Pflichtsprache an unseren Schulen einzufuehren.

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