Als die Sonne am Sonntagmorgen über Durban aufging, tagte der Klimagipfel immer noch. Die Delegierten hatten ihren Zeitplan mehr als einen Tag überzogen, um doch noch zu einem Beschluss zu kommen. Länger hat noch kein Klimagipfel gedauert.

Warum die Verhandlungen sozäh verliefen, ist Außenstehendenkaum noch zu vermitteln . In den letzten Stunden des Gipfels wurde vor allem um Begriffe und Jahreszahlen gestritten. Da war schon klar: Egal, worauf die Delegierten sich am Ende einigen würden , es wäre auf jeden Fall zu wenig, um die Erderwärmung wirksam zu begrenzen.

Die letzten Beschlussvorlagen enthielten drei wesentliche Punkte: Das Kyoto-Protokoll sollte – noch ohne konkrete, verbindliche Emissionsminderungspflichten – verlängert werden; der am Vorjahr in Cancún beschlossene Green Climate Fund sollte eine institutionelle Struktur erhalten; und die Konferenz sollte die kommenden Gipfel beauftragen, eine umfassende  Übereinkunft über künftige Minderungspflichten aller Länder – nicht nur der Kyoto-Staaten – zu erarbeiten.

Indien fordert Gerechtigkeit

Die Debatte begann damit, dass die europäische Klimakommissarin Connie Hedegaard forderte, die geplante zweite Kyoto-Periode nicht fest von 2013 bis 2017 zu datieren. Als weiteres mögliches Ende von Kyoto II sollte das Jahr 2020 in die Dokumente aufgenommen werden.

Weiterer Streitpunkt: Wie solldie Übereinkunft bezeichnet werden. Als "Protokoll", "legales Instrument" oder "legales Ergebnis"? Ein Protokoll gilt als völkerrechtlich stärkste Form. Vor allem die Europäer hatten sich dafür stark gemacht. Das schwächere "legale Ergebnis" schien ihnen unakzeptabel.

Indien hingegen bestand darauf, dass es im Vertragstext bliebe. "Für uns geht es nicht bloßum einen nachhaltigen Lebensstil", sagte die indische Verhandlungsführerin Jayanthi Natarajan in einer emotionalen Rede. "Es geht um unsere Existenz." Die Industriestaaten wollten die Last der Klimapolitik "auf die Menschen verschieben, die nicht zum Klimawandel beigetragen haben", sagte sie. "Aber wir lassen uns nicht einschüchtern." 

Klimadiplomatie und Wirtschaftspolitik hängen eng zusammen. Aus indischer Sicht handelten die Verhandlungen in Durban von Wachstum und Armutsbekämpfung im eigenen Land – und von Gerechtigkeit in der Außenpolitik . Die Industriestaaten, sagen die Inder, hätten bisher ihre eigenen Verpflichtungen nicht erfüllt. Warum sollten dann die Schwellenländer, die historisch viel weniger Verantwortung für die Erderwärmung tragen, sich beschränken?

Klimagipfel arbeiten träge

So stritten die Delegierten Sonntagfrüh nach mehr als zweiwöchigen Verhandlungen um ein Datum und darum, ob die Formulierung "legales Ergebnis" im Text bleiben dürfe. Am Ende einigte man sich auf "vereinbartes Ergebnis mit juristischer Kraft".

Durban hat erneut gezeigt, dass die Klimakonferenzen nicht geeignet sind, die Erderwärmung nachhaltig zu bremsen . Maßstab ist das Zwei-Grad-Ziel, das die Delegierten sich auf früheren Gipfeln gegeben haben. Doch im Moment ist die Gefahr sehr groß , dass die Welt in den kommenden Jahren die Vier-Grad-Marke erreicht. Die Internationale Energieagentur IEA sagte in Durban gar voraus, die durchschnittliche Temperatur der Erde könne bis 2035 um sechs Grad steigen , wenn die Menschheit weitermacht wie bisher.

Ein umfassendes Abkommen, das alle Staaten einbezieht und ihren Treibhausgasausstoß wirksam begrenzt – etwa durch eine globale Begrenzung der Emissionen mit Zertifikatehandel – wäre das beste Mittel, um den Trend zu stoppen. Es müsste schnell beschlossen und umgesetzt werden. Doch das Plenum des Klimagipfels ist nicht für schnelle Entscheidungen geschaffen.

Delegierte aus mehr als 190 Staaten kämpfen hart für die Interessen ihrer Länder. Die Industriestaaten wollen ihren Wohlstand bewahren, die Schwellenländer eine Zukunftsperspektive für ihre Bevölkerung. Für die Ärmsten,die oft besonders stark unter dem Klimawandel leiden, geht es um lebenswichtige Ressourcen.