Gipfel in Durban China unter Bedingungen zu Klima-Abkommen bereit

Die chinesische Regierung ist grundsätzlich offen für ein Kyoto-Nachfolge-Abkommen. Allerdings nicht vor 2020 und nicht ohne Hilfe der Industrieländer.

China hat auf dem UN-Klimagipfel in Durban überraschend Kompromissbereitschaft signalisiert. Grundsätzlich sei die Regierung zu einem international verbindlichen Klimavertrag bereit, sagte der chinesische Verhandlungsführer Xie Zhenhua. Die chinesische Regierung hatte das 2012 auslaufende Kyoto-Abkommen mit dem Verweis auf die Notwendigkeit zu raschem Wirtschaftswachstum nicht unterzeichnet. China stellt zudem Bedingungen für einen Kyoto II-Vertrag, den es nicht vor 2020 geben könne.

Das Land mit dem höchsten CO2-Ausstoß der Welt fordert unter anderem, dass die Industrieländer ihre bislang vereinbarten Klimaschutzziele auch wirklich erreichen. Zudem sei eine finanzielle Hilfe für Länder der Dritten Welt im Rahmen des grünen Klimafonds notwendig, damit sie besser mit den Folgen des Klimawandels fertig werden könnten. Der Fonds ist Verhandlungsgegenstand auf der Konferenz.

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Chinas Position kommt Industriestaaten wie Russland, Japan, Kanada und vor allem den USA entgegen, die vor 2020 kaum ein Nachfolgeabkommen für den 2012 auslaufenden Kyoto-Vertrag akzeptieren würden. Die EU versucht dagegen in Durban, den Weg zu einem Kyoto II-Abkommen schon bald vorzuzeichnen.

Die USA dämpften nach dem Angebot der chinesischen Regierung die Hoffnung auf einen neuen Klimavertrag. Ein Vertreter der US-Delegation zog die Äußerungen in Zweifel, wonach sich China erstmals bereiterklären könnte, einem Abkommen beizutreten. "Ich glaube nicht, dass sich China rechtlich verpflichten wird", sagte der Vertreter. Zudem bewertete er die EU-Pläne skeptisch, einen Fahrplan für einen Weltklimavertrag festzulegen. Dieser sollte der EU zufolge spätestens 2015 unterzeichnet und 2020 in Kraft treten.

Umweltschützer sehen EU am Zug

Am Sonntag hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel die Erwartungen an die Klimakonferenz gedämpft und damit Kritik von Umweltgruppen geerntet. Sie wisse, dass die Schwellenländer derzeit nicht bereit seien, international bindende Verpflichtungen einzugehen, hatte sie gesagt. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin warf ihr daraufhin vor, sie gebe auf, ohne je gekämpft zu haben. Die Umweltorganisation BUND forderte mit Blick auf die chinesischen Äußerungen von der EU, nun ihrerseits Bewegung zu zeigen. Die Europäer müssten ihr Ziel einer Kürzung des Kohlendioxid(CO2)-Ausstoßes auf 30 Prozent von derzeit 20 Prozent bis 2020 aufstocken.

China hatte seinen Vorstoß in erster Linie in Richtung der Europäer gemacht. Sie sind bislang die einzigen, die das Abkommen von Kyoto verlängern würden. Allerdings verlangen sie von den Schwellenländern und großen Industriestaaten wie den USA eine Mitwirkung. Auf die 20-Prozent-Kürzung bis 2020 haben sie sich intern außerhalb des Kyoto-Rahmens verständigt. Sie würden dies auch im Zuge eines Weltklima-Abkommens verschärfen.

Die Gipfelpräsidentin, die südafrikanische Außenministerin Maite Nkoana-Mashabane, begrüßte die chinesische Bereitschaft. "Es ist ein Beginn, Antworten zu geben (...). Es geht nicht mehr um die Frage ob, sondern wann und wie", sagte sie. UN-Klimachefin Christiana Figueres sprach von positiven Signalen und "sehr konstruktiven Verhandlungen" in der ersten Woche der Konferenz.

Rekord-Ausstoß im Jahr 2010

Der CO2-Ausstoß hatte 2010 eine Rekordhöhe erreicht. Nachdem die weltweite Finanzkrise 2008 und 2009 zu einem Rückgang der Emissionen führte, stieg der Kohlendioxid-Ausstoß im vergangenen Jahr um 5,9 Prozent, wie ein internationales Forscherteam im Fachmagazin Nature Climate Change berichtet. Insgesamt wurden demnach 2010 mehr als zehn Milliarden Tonnen Kohlendioxid freigesetzt.

Den stärksten Anstieg an Emissionen verzeichneten China mit 10,4 und Indien mit 9,4 Prozent. Aber auch in den USA (4,1 Prozent), Russland (5,8 Prozent) und der EU (2,2 Prozent) wurde mehr Kohlendioxid freigesetzt. Derzeit sei eine Trendwende nicht in Sicht, so die Wissenschaftler. Für 2011 rechnen sie mit einem Anstieg der Emissionen um 3,1 Prozent.

 
Leser-Kommentare
  1. alles in chinesischer Hand. Klug gemacht, liebes China!

  2. Wenn es wirklich gefährlich Tendenzen gibt, dann in China!
    Kein Land hat so konstantes Bevölkerungswachstum, so raschen Konsum - und Produktionsanstieg und das alles unter dem Deckel einer Diktatur.
    Ebenfalls trifft in keinem Land der Sozialismus auf so extrem greifenden Kapitalismus.

    Das Traurige ist, dass der Rest der Welt, anstatt wie es nötig wäre, Wirtschaftsverträge abschließt und sich fleißig abhängig macht und nicht sämtliche Interaktion sofort stoppt.

    Somit ist 2020 auf jeden Fall noch mehr als ohnehin schon in chinesischer Hand. Mein Beileid allen nachfoldenden Generationen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...auch wenn mir die gegenwärtige chinesische Politik und (medienwirksame) Mentalität missfällt, so bin ich mir ziemlich sicher, dass auch dieses Land irgendwann einen radikalen Umbruch erfahren wird und mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat, wie wir bereits jetzt - wenn nicht sogar schlimmer. Dazu gehört u.a. die Überalterung die sich schon jetzt abzeichnet, aber auch innere Konflikte durch die große Kluft zwischen arm und reich.

    Vielleicht sollten wir uns einfach damit abfinden, dass wir vorerst nicht mehr auf dem Siegertreppchen stehen und die Zeit Chinas gekommen ist. In ein Jahrzenten sieht das ganze vielleicht schon wieder anders aus.

    ...auch wenn mir die gegenwärtige chinesische Politik und (medienwirksame) Mentalität missfällt, so bin ich mir ziemlich sicher, dass auch dieses Land irgendwann einen radikalen Umbruch erfahren wird und mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat, wie wir bereits jetzt - wenn nicht sogar schlimmer. Dazu gehört u.a. die Überalterung die sich schon jetzt abzeichnet, aber auch innere Konflikte durch die große Kluft zwischen arm und reich.

    Vielleicht sollten wir uns einfach damit abfinden, dass wir vorerst nicht mehr auf dem Siegertreppchen stehen und die Zeit Chinas gekommen ist. In ein Jahrzenten sieht das ganze vielleicht schon wieder anders aus.

  3. ...auch wenn mir die gegenwärtige chinesische Politik und (medienwirksame) Mentalität missfällt, so bin ich mir ziemlich sicher, dass auch dieses Land irgendwann einen radikalen Umbruch erfahren wird und mit den gleichen Problemen zu kämpfen hat, wie wir bereits jetzt - wenn nicht sogar schlimmer. Dazu gehört u.a. die Überalterung die sich schon jetzt abzeichnet, aber auch innere Konflikte durch die große Kluft zwischen arm und reich.

    Vielleicht sollten wir uns einfach damit abfinden, dass wir vorerst nicht mehr auf dem Siegertreppchen stehen und die Zeit Chinas gekommen ist. In ein Jahrzenten sieht das ganze vielleicht schon wieder anders aus.

    Antwort auf "Dito..."
  4. war ohnehin entweder Weltkrieg, Überflutung aller küstennahen Industriestandorte, bzw. Erdbeben an solchen Stellen, Megarezession oder ein vergleichbares Ereignis, wodurch ein schönes negatives Wachstum alle CO^2 oder anderen Umweltprobleme von selbst gelöst haben wird.

  5. die Untergangsapologeten schlechthin unterwegs. Duibuqi, aber schon mal daran gedacht, daß dieser Dämon bereits seit einigen Jahrtausenden überlebt und auch die jüngsten geschichtlichen Stürme überstanden hat? Sollte es da ein paar Leute mit Ideen geben?

    @ Karl Kern: Sie sind nicht ganz richtig informiert, denn die höheren Geburtenraten bestehen in anderen Ländern, das ist gar nicht mehr der Punkt. Der Punkt ist, daß eine aufstrebende Wirtschaftsnation, die ein sechstel der Weltbevölkerung umfasst, das sorgsam gehegte und gepflegte Machtgefüge der OECD-Staaten unterminiert und als solches *alternativlos* ist. Von der Bevölkerungszahl wird China 2030 herum durch Indien überholt werden. Wenn Sie und ich dann noch leben, dann werden wir sehen, wo Indien dann stehen wird. Wird es eine ähnliche Grundversorgung seiner Bevölkerung schaffen, wie es in China gelungen ist und - hoffentlich - auch erhalten bleibt?

  6. Hallo,
    soweit ich informiert bin, liegen die Gesamtemissionen für 2010 bei ungefähr 30 Milliarden Tonnen CO2 (Äquivalent) und nicht, wie im Artikel angegeben, bei etwa 10 Milliarden (Im Text heisst es: "Insgesamt wurden demnach 2010 mehr als zehn Milliarden Tonnen Kohlendioxid freigesetzt.").

    Der "World Energy Outlook" der IEA für 2010 spricht z.B. von 29 Gigatonnen für 2008. (http://www.iea.org/weo/do... S.12)

    Ich denke, dass hier wohl ein Fehler vorliegt.

  7. wird selig.

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