Baden-WürttembergOhne Führung schlittert EnBW in die Krise

Erst der Atomausstieg und jetzt der Rückzug von Vorstandschef Hans-Peter Villis: EnBW hat riesige Probleme und die grün-rote Landesregierung kein Konzept.

Lange hielt der EnBW-Vorstandschef Hans-Peter Villis die vielen Signale, die auf seine Demission hindeuteten, für trügerisch. Die Attacken auf ihn schienen an ihm abzuprallen. Mochte der grüne Umweltminister Franz Untersteller den schleppenden Umbau des Energiekonzerns auch immer wieder anprangern, mochte der SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel sogar drohen, wer sich der Energiewende verschließe, müsse gehen: Villis schien gegen alle Angriffe resistent zu sein. Bis gestern . Da war auch ihm klar, dass es aus ist.

Der selbstbewusste Konzernchef und bekennende Atomstrombefürworter und die grün-rote Landesregierung mit ihren großen Erwartungen an eine raschen Energiewende – diese ungleiche Verbindung hätte wohl nur gut gehen können, wenn es der EnBW dauerhaft gut gegangen wäre. Doch Deutschlands drittgrößter Energieversorger hat mit einem ausgewiesenen Verlust von 550 Millionen Euro in den ersten neun Monaten dieses Jahres nicht nur ein vorübergehendes Ergebnisproblem. Das Unternehmen steht auf der Kippe, wenn die Eigentümer nicht schnell Geld nachschießen. 800 Millionen Euro brauche EnBW kurzfristig, um den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzutreiben, ließ Villis im September verlauten.

Die Forderung dürfte ihn letztlich den Kopf gekostet haben. Die Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW), ein Zweckverband aus neun Landkreisen, der wie das Land Baden-Württemberg 46,5 Prozent am Konzern hält, hatte sich noch im Herbst rasch bereit erklärt, 400 Millionen Euro für den Umbau locker zu machen. In der OEW haben überwiegend CDU-Landräte das Sagen, sie stützten Villis seit dem Machtwechsel in Stuttgart. Lange schien es, als suchten die schwarzen Landräte eine verdeckte Revanche für die verlorene Landtagswahl im Frühjahr.

Doch als die Landesregierung, allen voran der SPD-Finanzminister Nils Schmid, sich zierte, ebenfalls eine Zusage über 400 Millionen Euro zu machen, schwenkte der Miteigentümer OEW um und entzog Villis ebenfalls das Vertrauen. Es heißt nun in Stuttgart, die grün-rote Regierung habe ihre Finanzierungszusage erfolgreich an den Abgang des EnBW-Managers geknüpft. Noch am Dienstag Abend, wenige Stunden nach dem erklärten Villis-Rückzug, zweifelte Schmid die 800-Millionen-Euro-Forderung an: "Der Kapitalbedarf muss erst mal festgestellt werden.“

Das vermeintliche Hauptproblem der EnBW räumt freiwillig den Platz, doch niemand weiß, wohin der Konzern steuern soll. Die aktuelle Landesregierung hat bisher wenig mehr getan, als Zweifel zu äußern und Personal auszuwechseln. So zogen im Mai, kurz nach der gewonnenen Landtagswahl, Nils Schmid und die grüne Staatsministerin Silke Krebs in den EnBW-Aufsichtsrat ein, wo sie die früheren Landesminister Helmut Rau (CDU) und Ulrich Goll (FDP) ersetzten. Sie waren dabei, als der Aufsichtsrat im Oktober eine Dreijahres-Strategie absegnete, die Villis ausgearbeitet hatte. Durch Einsparungen – auch bei den Einkommen der 21.000 Beschäftigten – sowie durch den Verkauf von Beteiligungen sollen bis 2013 insgesamt 1,8 Milliarden Euro zusammenkommen.

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Leserkommentare
  1. 1. EnBW.

    Ist doch nur ein faules Ei im Nest, gelegt vom Vorgänger-MP.
    Ein Vorgang, der juristisch genauestens untersucht gehört.

    An diesem Geschäft haben sich sehr viele dumm und dämlich verdient. Nachdem die Kuh gemolken war, bis sie tot war, hat sie nun der Steuerzahler an der Backe und darf dafür teuer bezahlen.

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  2. aber wenn man immer reich war, will auch mal das Elend erfahren und das kommt jetzt. Mit Hilfe von Trillerpfeifen wurde aus einem satten Gewinn ein gigantischer Verlust. Eine Volksabstimmung über den Atomausstieg wäre jetzt angezeigt - wollen die Bürger denn wirklich permanente Mehrkosten, politische Isolation und wirtschaftlichen Niedergang.

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    ...den Pleiteladen mit einem verfassungswidrigen Aktiendeal ans Bein gebunden, die französischen Miteigentümer haben vor Freude den Schaumwein der gesamten Champagne geköpft, unmittelbar nach dem Kauf schon ein Verlust von über einer Milliarde für Baden-Württemberg. Mappus soll kommen, an die Spitze der Bude, dort kann er versuchen, das Defizit zu senken - mit Verzicht auf Salär, sozusagen ehrenamtlich.

    ...den Pleiteladen mit einem verfassungswidrigen Aktiendeal ans Bein gebunden, die französischen Miteigentümer haben vor Freude den Schaumwein der gesamten Champagne geköpft, unmittelbar nach dem Kauf schon ein Verlust von über einer Milliarde für Baden-Württemberg. Mappus soll kommen, an die Spitze der Bude, dort kann er versuchen, das Defizit zu senken - mit Verzicht auf Salär, sozusagen ehrenamtlich.

    • jsh
    • 07.12.2011 um 16:12 Uhr

    Ich schlage Herrn Stefan Mappus vor!
    Es sprechen viele Aspekte dafür.

    1. Er ist vermutlich gerade auf Arbeitssuche
    2. Er kennt die EnBW recht gut
    3. Er kann die von mit ihm geschaffene Situation wieder mit verbessern
    4. Er ist sicher ein guter Manager

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  3. Ja, ja wir wissen es Grün-Rot an der Macht, der Untergang des Abendlandes bla, bla, bla.

    Ist doch etwas paradox wenn man dieser hier vorgestellten Argumentationslinie folgt:
    Herr Villis geht, weil die BW-Regierung ein anderes Konzept als er hat, aber eigentlich hat die Regierung gar kein Konzept.

    Schon klar.

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  4. aufgetürmt. 1. Die EnBW Aktien sind um 1 Mrd gesunken. EnBW ist an EWE beteiligt, auch dort gibt es nochmal 1 Mrd Euro Verlust.

    Zusammen mit S21 das nochmal über 10 Mrd Euro kostet erkennt jeder sehr gut daß Schwarzgelb nicht mit Geld umgehen kann. Logisch daß diese abgewählt wurden bei dieser Unfähigkeit!

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    ...im Stuttgarter Stadthaushalt riesige Deckungslücken, an Schulen und Kita´s soll gespart werden, zugunsten des unsinnigen Kellerbahnhofes, in den Haushalten weiterer schwäbischer Gemeinden sieht es für die Zukunft nicht besser aus. Schwabenland - bald abgebrannt? Ich hege langsam den Verdacht, die CDU hat alles getan, um abgewählt zu werden - damit jetzt Grün-Rot die Hinterlassenschaft aufräumen muß.

    ...im Stuttgarter Stadthaushalt riesige Deckungslücken, an Schulen und Kita´s soll gespart werden, zugunsten des unsinnigen Kellerbahnhofes, in den Haushalten weiterer schwäbischer Gemeinden sieht es für die Zukunft nicht besser aus. Schwabenland - bald abgebrannt? Ich hege langsam den Verdacht, die CDU hat alles getan, um abgewählt zu werden - damit jetzt Grün-Rot die Hinterlassenschaft aufräumen muß.

  5. Wie häufig eigentlich noch muss man bei ZEITonline so unzutreffende Aussagen lesen wie:
    1. "Die Forderung dürfte ihn letztlich den Kopf gekostet haben." Erstens hat er seinen Kopf noch, zweitens ist er noch im Amt und drittens wird sein Vertra nicht verlängert. Wo ist das Problem? Er bleibt sich offensichtlich selber treu und kann daher nichts mehr bieten, also geht er.......... mit seinem Kopf. Ole von Beust hat es den Kopf nicht gekostet, Roland Koch nicht und Mappus schon gar nicht und alle sind ihren Job los.
    2."mit ihren großen Erwartungen an eine raschen Energiewende", kein Wunder, wenn bereits Teufel die Windkraft blockierte und Ba-Wü da massiv hinterherhinkt und im Wesentlichen, durch Mappus noch forciert, auf AKWs setzt, aber natürlich ein Endlager woanders suchen lässt. Hier liegt doch der Hase im Pfeffer.
    3."allen voran der SPD-Finanzminister Nils Schmid, sich zierte, ebenfalls eine Zusage über 400 Millionen Euro zu machen". Es muss schon genug gespart werden, wegen Mappus EnBW-Deal (zur Erinnerung: verfassungswidrig) und weil das Land wegen dem Milliardengrab S21 (von Volkes wegen gutgeheißen) sparen muss.
    Usw. usf.: dilettantisches Geschreibsel.

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  6. voriges Jahr macht die EnBW ~2 Mrd. Gewinn. Was passiert damit? Klar, es wird an die Aktionäre ausgeschüttet. Jetzt jammert der Vorstand, das kein Geld für Investitionen da ist. Was passiert? Der Steuerzahler darf ran.

    Wenn es nicht so schädlich für das Land wäre sollte man den Mistladen einfach Pleite gehen lassen. Und die, welche das jetzt wieder den Grünen in die Schuhe schieben wollen sollen sich schämen.

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  7. ...den Pleiteladen mit einem verfassungswidrigen Aktiendeal ans Bein gebunden, die französischen Miteigentümer haben vor Freude den Schaumwein der gesamten Champagne geköpft, unmittelbar nach dem Kauf schon ein Verlust von über einer Milliarde für Baden-Württemberg. Mappus soll kommen, an die Spitze der Bude, dort kann er versuchen, das Defizit zu senken - mit Verzicht auf Salär, sozusagen ehrenamtlich.

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