Die EU kann von ausländischen Fluggesellschaften Emissionsabgaben verlangen. Das entschied der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg. Alle Fluggesellschaften, die von, in oder nach Europa fliegen, werden damit in den EU-Handel mit Luftverschmutzungsrechten einbezogen. Die Zwangsabgabe verstoße nicht gegen die "Souveränität von Drittstaaten", urteilte der EuGH. Zur weiteren Begründung hieß es, die Abgaben müssten nur Airlines bezahlen, die sich "physisch im Hoheitsgebiet" der EU befinden. Flugzeuge, die die EU nur überfliegen, müssten demnach keine Zertifikate kaufen.

Der Emissionshandel verpflichtet somit ab dem 1. Januar 2012 etwa 900 Airlines, Zertifikate für den Ausstoß des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid zu kaufen, den sie durch Starts und Landungen in Europa verursachen. Für die Berechnung des CO2-Ausstoßes soll die gesamte Flugstrecke betrachtet werden.

Gegen die Teilnahme geklagt hatten die amerikanische Luftfahrt-Organisation sowie die Fluggesellschaften American Airlines und United Continental vor dem London High Court of Justice. Dieser hatte den Fall nach Luxemburg überwiesen. Den Klägern zufolge handelt es sich bei den Emissionszertifikaten unter anderem um eine nach internationalem Recht unzulässige Gebühr auf Treibstoff. Der EuGH wies dies nun ebenfalls zurück. Es sei denkbar, dass eine Airline mit geringem Treibstoffverbrauch aus dem Verkauf ihrer überzähligen Zertifikate sogar einen Gewinn erzielen könne.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) begrüßte das Urteil. Verkehrsexperte Werner Reh vom BUND sagte: "Mit der bereits erhobenen Ticketsteuer sinkt die umweltschädliche Subventionierung des Flugverkehrs von rund elf Milliarden Euro im Jahr auf künftig noch rund zehn Milliarden."