War das nun die Nacht, in der der Euro gerettet wurde? Oder werden diese zehn Stunden einmal in die Geschichte eingehen, weil in ihnen die EU zerbrach? Dramatischer jedenfalls hätten die Regierungschefs der 27 EU-Länder das vorläufige Finale der Operation Euro-Rettung kaum in Szene setzen können.

Bereits vor Beginn des eigentlichen Treffens am Donnerstagabend hatten sich Angela Merkel, Nicolas Sarkozy und David Cameron zu dritt zusammengesetzt. Der Brite, so viel stand fest, würde in den kommenden Stunden eine Hauptrolle spielen. Was dann folgte, war eine harte, teilweise sehr harte Auseinandersetzung, bevor der französische Präsident am Morgen, um kurz nach fünf, schließlich das Ergebnis der nächtlichen Verhandlungen verkündete.

Genauer gesagt sind es zwei Ergebnisse, und die Frage in den kommenden Tagen und Wochen wird sein, welches von beiden mehr Gewicht hat: Die Nachricht, dass sich die Euro-Staaten auf strengere Regeln für ihre Finanzpolitik geeinigt haben? Oder der Umstand, dass nicht alle 27 EU-Staaten mitmachen werden?

Die deutsche Position war von Beginn an klar: Merkel hätte gerne eine Änderung der Europäischen Verträge mit allen 27 EU-Staaten, also auch mit den zehn Nicht-Euro-Ländern, erreicht. Zugleich hat sie keinen Zweifel daran gelassen, dass sie notfalls auch nur mit den 17 Euro-Staaten und weiteren Freiwilligen vorangehen würde. Die Einigung in der Sache war ihr wichtiger als die Einheit der 27.

Wer trägt die Verantwortung für die Trennung?

Den französischen Präsidenten hatte sie hierbei fest an ihrer Seite. Nun werden sich voraussichtlich 23 Länder verpflichten, eine Schuldenbremse in ihre nationalen Gesetze zu schreiben, und fast automatische Sanktionen für Defizitsünder vereinbaren. Zwei Maßnahmen, die aus der Sicht der deutschen Kanzlerin eine unabdingbare Voraussetzung dafür sind, die Schulden-Krise in der Euro-Zone dauerhaft zu lösen. Bereits bis März soll der Euro-Vertrag stehen.

Der politische Preis für diese Verabredung ist allerdings hoch. Großbritannien und Ungarn haben angekündigt, dass sie nicht bei einem solchen Vertrag mitmachen werden; in Schweden und Tschechien müssen erst die nationalen Parlamente ihren Regierungen ein Mandat erteilen. Kein Wunder, dass noch in der Gipfel-Nacht das Schwarze-Peter-Spiel begann.

Wer trägt die Verantwortung für das getrennte Vorgehen? Der britische Premierminister David Cameron , der bis zum Beschluss auf Sonderregeln zum Schutz der heimischen Finanzindustrie bestand – oder doch Angela Merkel, die das Thema Vertragsänderung überhaupt erst auf die Tagesordnung gesetzt hat? Die schlechteren Karten hat Cameron, der nun abseits steht, ohne etwas für sein Land erreicht zu haben.